Zwei Motive abseits des Mainstream in Pfeil und Füchslein

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joetaiga

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Hallo zusammen,

wenn man schon etwas länger Astrofotografie betreibt und das so wie ich immer mit dem selben Setup hat man den Vorteil, dass man die Gassenhauer mehr oder weniger alle schon durch hat. Das lässt Raum für interessante Objekte jenseits des Mainstreams, die vielleicht nicht so spektakulär, aber dafür aus astronomischer Sicht umso interessanter sind.

im Juli war jetzt leider keine wirklich stabile Wetterlage. Die erste Hälfte war aber trocken eigentlich recht schön, nur nie komplett klar. Es gab aber immer mal wieder ein paar Wolkenlücken. Ich habe mit Hilfe von NINA mal einen Versuch gestartet aus so Wetterlagen noch etwas zu machen. Dazu habe ich das Recenter Feature im neuen Sequenzer verwendet. Das klappt auch ganz gut. Selbst wenn PH2 des Setup ins Nirvana guidet, findet die Aufnahme ohne großen Zeitverlust immer wieder zurück zum Framing. Um die wenigen, teilweise kleinen Lücken optimal auszunutzen habe ich eher kurz belichtet: 20s für die Luminanz, 60s für RGB und 180 für H alpha.

Insgesamt konnte ich in sechs Nächten knapp 10h an brauchbaren Daten sammeln, die ich auf zwei Motive verteilt habe: M71 und Sh2-84 im Pfeil und SH2-88 und Sh2-87 im Füchslein. Aufgenommen habe ich mit einem TS 125mm f/7,8 SD Apo mit dem passenden 0,8x 2,5" Reducer, der meinen lahmen Apo immerhin auf immer noch langsame f/6,24 beschleunigt. Montierung ist eine EQ6-R auf einer Betonsäule. Kamera ist eine Touptek 26000KMA, Filtersatz ist von Astronomik.

M71 und Sh2-84 im Pfeil

M71 ist ein außergewöhnlicher Kugelsternhaufen in 13000 Lj Entfernung im Sternbild Pfeil. Direkt daneben liegt noch die kleine HII Region Sh2-84 in 16500 Lj Entfernung. Beide Objekte sind zwar für Milchstraßenobjekte relativ weit entfernt, liegen aber trotzdem nicht in unmittelbarer Nachbarschaft.

M71 ist mit 9-10Mrd Jahren für einen Kugelsternhaufen relativ jung und mit ca. 20% des Anteils schwerer Elemente der Sonne außergewöhnlich metallreich. Außerdem enthält der Haufen kaum RR Lyrae Sterne und somit auch einen kaum vorhandenen Horizontalen Ast im Hertzsprung-Russell-Diagramm. Daher wurde er lange für einen sehr dichten Offenen Haufen gehalten. Mittlerweile geht man allerdings davon aus, dass die außergewöhnliche Sternzusammensetzung auf einen sehr regen Sternaustausch mit der Milchstraßen zurückzuführen ist. Ohne das nun nachgerechnet zu haben, hätte ich vermutet, dass die Bahnebene von M71 nur geringe Neigung zur Milchstraße haben sollte um das zu ermöglichen. Es wurde nun auch ein Horizontaler Ast nachgewiesen und daher gilt M71 heute als sehr lockerer Kugelsternhaufen. In der Aufnahme sind in M71 auch einige, wenn auch für einen Kugelsternhaufen überraschend wenige blaue Sterne zu erkennen. Das lässt sich aber mit den oben beschriebenen Charakteristiken gut erklären.

Sh2-84 ist ein scheinbar kleines HII Gebiet in 16500 Lj Entfernung. Tatsächlich ist das Gebiet mit 70 Lj (ca. dreimal so groß wie M42) relativ weitläufig. Ganz links ist gerade noch angedeutet ein Kreissegment in H alpha zu erkennen. Ganz sicher konnte ich es nicht zuordnen. Es wird allerdings sehr wahrscheinlich vom Wolf Rayet Stern WR 128 verursacht. Das Segment liegt zwar scheinbar am Rand von Sh2-84, ist mit ca. 9000 Lj Entfernung räumlich dann aber deutlich getrennt. Insgesamt liegen alle Objekte für Gasnebel in der Milchstraße extrem weit entfernt. D.h. die Stelle gewährt offenbar einen guten Durchblick zu weiter entfernten Teilen der Milchstraße.

Den golden Glanz der Milchstraße habe ich versucht darzustellen. Bei der geringen Belichtungszeit waren die Möglichkeiten mit meinem Setup allerdings begrenzt. Ich hoffe, dass kommt trotzdem einigermaßen rüber. Dasselbe gilt für den Gasnebel. Allerdings sind mir solche "normalen" Bilder mit weniger Tiefe eher lieber als welche mit extremer Tiefe, die meiner Meinung den Objekten ihren Charakter stehlen. Das selbe gilt für extreme Schärfung. Daher habe ich mich auch entschieden meine 10h auf zwei Objekte zu verteilen und nicht eins der Objekte mit einem extremen H alpha Hintergrund zu versehen, der in dem Fall den schwachen Kugelsternhaufen schnell in den Schatten gestellt hätte. M71 hebt sich nicht sehr ab, sodass die Bearbeitung unerwartet anspruchsvoll war. Bearbeitet habe ich mit Siril und Gimp. Die sternlosen Layer wurden mit Denoise AI entrauscht, die Sterne in Gimp geschärft. Hier ist das Ergebnis:
M71v2klein.jpg

Link zur größeren Version: https://forum.astronomie.de/media/m71-und-sh2-84.55613/full


Sh2-87 und Sh2-88 im Füchslein

Sh2-87 (oben links der Mitte) und 88 (unten) sind zwei HII Gebiete im Sternbild Füchslein. Beide befinden sich etwa 6500 Lj entfernt und liegen damit dicht beieinander. In beiden Gebieten findet Sternentstehung statt. Beide Gebiete enthalten kleinere Reflexionsnebel, hellere Bereiche und viele Staubwolken, Sh2-88 ist in der Hinsicht allerdings auffälliger als Sh2-87 und auch generell heller. Beide Gebiete sind allerdings in etwa gleich groß. Sh2-88 wird angeregt durch den O-Stern BD+25°3952, der nahe der beiden hellen Knoten und etwas oberhalb davon befindet. Die beiden hellen Knoten werden als Sh2-88B1 und B2 bezeichnet und jeweils von einem O und einem B Stern ionisiert.

Um B1 und B2 gibt es zwei schöne kleine Reflexionsnebel, die im Bild allerdings von der extrem hellen H alpha Emission überdeckt werden. Bei dem Motiv würde es mich reizen einmal 10h nur im LRGB Verfahren zu belichten um sowohl die Reflexionsnebel als auch die Dunkelwolken darstellen zu können. Vermutlich würde Sh2-88 dann eine ähnliche Charakteristik zeigen wie der Bereich um NGC 6914 im Schwan.

Bei der Bearbeitung fand ich es hier am stimmigsten eher wenig zu machen. D.h. sämtliche Layer hätten eigentlich noch Reserven gehabt. Das hätte die jeweiligen Aspekte in meinen Augen zu stark betont. Entsprechend entspannend war die Bearbeitung nach 10 min fertig. Bearbeitet habe ich in Siril und Gimp.
Sh2_88v2.jpg

Link zur größeren Version: https://forum.astronomie.de/media/sh2-87-und-sh2-88.55612/full

Ich hoffe, die beiden Aufnahmen und die Hintergrundinfos dazu gefallen euch.

Grüße,
Joachim
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Joachim, ich finde die Bearbeitung gut.

Bei Aufnahmen mit 5 bis 10h und mehr Belichtungszeit, und extrem bunten Farben ist mein Eindruck manchmal schon dass das dann etwas unnatürlich wirkt.
Was nicht bedeutet das ich diese Aufnahmen alle schlecht finde, aber gerade die in US-Foren offensichtlich sehr beliebte Darstellung mit grellen Farben und extremer Sättigung empfinde ich als übertrieben.


Gruß,

Simon
 
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