zwei wundervolle Nächte in den Hochalpen

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MartinSchoenball

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Hallo
vergangenes Wochenende war ich in den Alpen und konnte meine ersten beiden Nächte unter wirklich perfekten Bedingungen erleben! In der Nacht Freitag zu Samstag waren wir von 19 Uhr bis 5 Uhr früh auf der Edelweißspitze an der Großglockner-Hochalpenstraße in 2571m Höhe. In der darauffolgenden Nacht beobachteten wir dann an unserer Unterkunft, dem Wallackhaus.
Schon früh in der Dämmerung machte sich die Milchstraße bemerkbar, die später bis fast ganz zum Horizont verlief!
Zunächst machte ich mich daran meine fehlenden Messiers zu beobachten - sämtlich Kugelsternhaufen im Schützen. M 62 habe ich allerdings schon verpasst, der war schon hinter den Berggipfeln.
Als ich dann nun endlich die letzten Messiers (mit Ausnahme von M 62) mit einem Häckchen versehen hatte konnte ich mich dann vorallem Nebeln widmen und zeichnen, die von der perfekten Transparenz ja wohl am meisten profitieren.
Den Anfang machte aber zuerst noch der Sternhaufen NGC 6520 mit der benachbarten Dunkelwolke B 86, besser bekannt als Inkspot oder Tintenklecks. Sehr deutlich trat der Dunkelnebel aus dem umgebenden Sternfeld hervor - bei 10° Horizonthöhe!
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc6520b086.jpg

Weiter ging es mit Sh 2-188 oder Simeiz 22 einem großen PN in der Cassiopeia. Auf Fotos erinnert er sehr stark an den Medusa-Nebel in den Zwillingen, ist jedoch erheblich schwieriger zu beobachten. Zweimal bin ich unter meinem normalen Landhimmel schon dran gescheitert. Hier klappte es nun endlich, trotzdem war die Beobachtung nicht ganz einfach!
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_sh2-188.jpg

Nun widmete ich mich dem Galaxienhaufen Abell 194. Ich will jetzt nicht mit 34 Beschreibungen schwacher Galaxien langweilen, deshalb nur der Verweis auf meine Galaxienhaufen-Seite
Bemerkenswert ist dennoch die Beobachtung von drei Galaxien:
Auf meiner Aufsuchkarte kam ich an drei relativ hellen Sternen vorbei, an deren Stelle aber nichts von einem Stern zu sehen war. Ich vermutete also schwache Galaxien an deren Stelle, wie sie ja oft im GSC zu finden sind. Und tatsächlich konnte ich an allen drei Positionen sehr schwache Galaxien mit Blauhelligkeiten um 16m0 beobachten! (meine Aufsuchkarte enthielt alle Galaxien bis zu einer Blauhelligkeit von 15m7)

Zwischendurch entspannte ich mich bei den Blicken auf dem Zentralstern von M 57 im 15-zöller, an Abell 70 im 20-zöller und einigen hellen Palomars, die rings um mich beobachtet wurden.

Den Abschluß sollte der Helixnebel bilden. Ich hatte ihn schon einmal vor drei Jahren gezeichnet, da allerdings bei recht miesen Bedingungen. Entsprechend ist die Zeichnung nicht wirklich schön anzusehen. Hier ploppte er schon im 7x50 Sucher kräftig aus dem Himmel heraus. Im 10" war er dann richtig schön strukturiert und einfach nur knall-hell!
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc7293.jpg

Wir ließen die Nacht noch mit wunderschönen Blicken auf den Pferdekopfnebel (auch in meinem Teleskop + Hbeta recht hell), auf Barnard's Loop im 10" und auch mit bloßen Auge + Hbeta, auf den Orionnebel im 20" mit Bino und einen atemberaubenden Saturn mit Encke-Teilung im 15" ausklingen. Das Zodiakallicht war nun auch schön zu sehen.

Für die zweite Nacht nahm ich mir nun zuerst M 62 vor und konnte ihn noch ein halbes Grad über dem Berg erhaschen - keine 5 Grad über dem eigentlichen Horizont. Dennoch wirkte er in meinem 10" Dobson schon strukturiert!

Anschließend beobachtete ich Sh 2-157, dessen außergewöhnliche Form meine Aufmerksamkeit erregte. Er ist sicherlich auch ein sehr interessantes Objekt für Photographen!
Der Nebel war sogar schon ohne Filter sichtbar, mit [OIII] Filter dann aber deutlich einfacher und interessant geformt:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_sh2-157.jpg

Weiter ging es mit NGC 1023, dessen schwachen Begleichter ich aber leider nicht sehen konnte. Dennoch zeigte sie mir eine Asymmetrie:
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_ngc1023.jpg

Den Abschluß heute bildete nun aber schließlich Sh 2-216, der PN mit der zweitgrößen scheinbaren Ausdehnung am Himmel (1,6°)! Wir beobachteten zunächst im 16", wo er recht einfach mit [OIII] Filter zu sehen war. Davon ermutigt probierte ich ihn im 10", wo er immernoch sichtbar aber nun deutlich schwieriger zu beobachten war!
Link zur Grafik: http://www.schoenball.de/astronomie/zeichnungen/th_sh2-216.jpg

Diese Beobachtung war nun aber der Abschluß zweier mit Highlights gespickten Nächte!

Martin
 
uiuiui, so ein toller Beobachtungsplatz ! Von der Edelweisspitze träum ich ja auch schon lange, wennste Dein Kommen hier angekündigt hättest, wäre ich ja eventuell sogar kurzfristig (3 Stunden Fahrtzeit) dazugekommen.
Bitte berichte mal von Deiner Erfahrung: muß man sich beim Hotel anmelden, mitteilen dass man da auf dem Parkplatz "komische Sachen" die Nacht über macht ? Machen die da oben nachts die Lichter vom Hotel aus ? Bis wann spätestens muss man durch die Mautstelle ? Oder habt Ihr etwas abseits vom Biker-Hotel beobachtet ? Darf man nachts mit dem Auto rumfahren, um eventuell den Platz zu wechseln ? Seit Ihr um 5.00 nach dem Beobachten wieder rausgefahren (wo ist das Wallackhaus) ? Muß man wegen 1 Nacht für 2 Tage Maut bezahlen ? Fragen über Fragen, ich bitte um Aufklärung,
 
Unser Hotel war ja das Wallackhaus, 2km südlich vom Hochtor also der eigentlichen Passhöhe. Die Edelweißspitze ist ja auf der Nordseite (Wetterscheide!!!).
Auf der Edelweißspitze ist auch noch die Edelweißspitzhütte. Die steht aber drei Meter tiefer als der Parkplatz und stört nicht.
Anmelden muß man sich nicht, es schien außerhalb der Saison auch nicht wirklich kritisch. Würde mich aber vorher informieren. Die haben jetzt erstmal Urlaub.
Nachts kann man dort oben tun und lassen, was man will, da ist Niemand!
Die Mautstelle ist derzeit bis 19 Uhr 45 geöffnet, im Sommer etwas länger...www.großglockner.at. Mir ist aber auch schon zu ohren gekommen, dass man einfach durch die Gegenspur hochfahren kann, das sollen aber wohl auch Kameras protokolieren (oder doch nicht?). Die ist also auf jeden Fall immer offen.
Ich hab die ganze Zeit nur einmal Maut bezahlt, es schaut ja auch keiner bei der Ausfahrt drauf.

Ansonsten kann ich den Platz absolut empfehlen, gerade, wenn du so eine kurze Anfahrt hast!
Auf der Webseite ist auch noch ein Höhenprofil, das Wallackhaus liegt etwa an Kehre 20, ca. 20min von der Edelweißspitze.

Martin
 
Danke für die Informationen, ich hab zwar die Webseite mit dem Höhenprofil nicht gefunden, aber über Google inzwischen andere Seiten mit weiteren Inforamtionen und auch die Page zum Wallackhaus. Der Hinweis mit der Wetterscheide ist interessant, d.h. man kann, wenn über der Edelweisspitze/höhe die Wolken hängen, eventuell beim Wallackhaus doch mit klarem Himmel rechnen, und umgekehrt ? Mit schönen Grüßen
 
Hallo Udo,
überschätz den Gewinn bei den kleinen Galaxien nicht! Auch von zu Hause bekomme ich meistens die mit 15m7 photographischer Helligkeit!
Im Nachhinein war es eigentlich blödsinn diesen Gx-Haufen dort zu beobachten, diese Objekte profitieren nicht so enorm von diesen genialen Bedingungen. Ich beobachte eh bei 200x...

@Stephan: das mit der Wetterscheide war genau so gemeint. Wir sind am Freitag bei dichtem Nebel in Richtung Hochtor aufgebrochen, fuhren nach dem Tunnel noch 200m durch dichten Nebel und standen plötzlich im strahlenden Sonnenschein!

Martin
 
Hi Martin,
wäre schön wenn du ein paar Angaben zu
Grenzgröße, Seeing und dem Himmelsanblick
mit bloßem Auge machen könntest, damit ich
einen Vergleich mit meinem Standort anstellen kann.

 
hi coltrane,
solche Angaben sind zwar sehr subjektiv aber probieren kann ich es...
Bei mir zu Hause (20km fahrt) habe ich etwa fst. 6m5, die Milchstraße reicht bis zum nördlichen Schützen, die große Sagittarius-Wolke ist in Ausnahmefällen sichtbar. Die Wintermilchstraße läßt sich einfach bis zur Cassiopeia verfolgen, im weiteren Verlauf kaum. Zodiakallicht ist nicht sichtbar. Insgesamt für deutsche Verhältnisse also sicherlich ein guter Standort, mit dem Vogelsberg vergleichbar.

Dort hatte ich eine Grenzgröße von 7m0, die Transparenz war aber deutlich besser, als es die GH vermuten läßt! Die Milchstraße wirkte deutlich zerklüfteter. Die Dunkelwolke zw. Deneb und Cepheus war wir schwarz ausgestanzt. Sterne und Milchstraße waren bis runter auf 10° Horizonthöhe überall gleich deutlich, bis 5° Höhe immernoch richtig schön zu sehen. Die große Sagittarius-Wolke war wirklich der hellste Milchstraßen-Teil. Das Seeing, das wir in der ersten Nacht hatten hatte ich so auch noch nicht erlebt! Bei 10° Höhe war 274x kein Problem, Saturn im 15" bei 420x knackescharf (Lomo-Optik...)!
Ganz besonders schön fand ich auch, wie die helleren Sterne der Sternbilder (zB Großer Wagen) richtig brilliant leuchteten!

Uwe Glahn hat schon auf dem Gornergrat und Emberger Alm beobachtet und fand den Himmel auf der Edelweißspitze noch einen Tick besser!
Noch Fragen?

Martin
 
Tja, bei einer Grenzgröße von 7 zu beobachten
ist schon was tolles, das blöde ist nur daß man
danach oftmals keine große Lust mehr hat vom
gewohnten heimischen Standort aus zu observieren.
Mir geht es jedenfalls häufig so.

Sehr erstaunlich finde ich allerdings deine lässige
Sichtung der Encke-Teilung, vor allem deswegen
weil Saturn im Moment noch ziemlich weit entfernt
ist. Ich hab's bei den letzten Oppositionen oft
versucht, aber trotz 417-fach im 10-Zöller nicht
geschafft. Anscheinend machen 2 Km weniger
Atmosphäre (mein Stammplatz liegt 600 m hoch)
Seeing-technisch schon einen gewaltigen
Unterschied.
 
Die Encke-Teilung war im 15" Lomo Spiegel...
Ich denke, dass das Seeing dort auch ein Glücksfall war. Eine Nacht zuvor konnte ich den Himmel leider nur ein paar Minuten genießen (die Wolken bedeckten dann doch wieder alles), aber das Sternfunkeln versprach grauseliges Seeing...

Martin
 
Hallo Martin,
ich freue mich, dass du Glück mit dem Wetter hattest. Zwei mal hatte ich Pech da oben. Ich denke ich hatte nicht übertrieben mit der Milchstraßenpracht, oder ?
Viele Grüße
Jörg
 
Hallo Jörg,
ich hatte zwar schon die Befürchtung gehabt, dass deine Schwärmereien in mir zu hohe Erwartungen wecken, ich wurde aber in keiner Weise enttäuscht! Die Milchstraße war schon wirklich fantastisch!

Gruß
Martin
 
Hi Martin,

auch an Dich 5 Sterne - analog zu Matthias' Bericht!
Super, was da oben so alles geht...
Und Deine tollen Zeichnungen, ein Traumbericht




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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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DANUBIA - [COLOR="1070FF"]OBSERVATORIUM[/color]

Markus A. R. Langlotz
Vilsweg 2b
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Die Mailadresse: ntl.observatory@freenet.de

 
Hallo Martin

Ein sehr schöner Bericht. Ich habe auch schon Matthias Bericht gelesen und kann die Eindrücke nur bestätigen. Solche tollen Nächte hatte ich auch noch nicht. Diese kleine Exkursion sollten wir nächstes Jahr wiederholen.

Gruß Mischel

 
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