zwischen Grünkohl und 80jährigen Mitspechtlern

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Anette_Aslan

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Liebes Astrovolk!

Nein, das waren wahrlich keine Sternstunden gestern Abend nach wochenlangem Hochnebel!
Tagsüber trübte kaum ein Wölkchen den Himmel und so habe ich mich schon vorbeugend durch einen langen Spaziergang am Mutterstern gelabt, bevor die nächste Nebeldecke alles wieder leidlich einlullt und die Serotoninproduktion herunter fährt. Baute die Teleskope (16ner Dobson und 6er FH) freudigst auf ihrem altgewohnten Platz vor der Ekliptik auf, polte vor allem die Montierung des Refraktors an Polaris ein, was mit dem schweren Tripot der ADM einiges an Akrobatik abverlangt.
Jupiter steht gut beobachtbar hoch im Osten, der Mond noch nicht aufgegangen, wenn auch der Taupunkt recht hoch ist und sich immer wieder Eis ums Equiptment legt bin ich guter Dinge und richte beide Teleskope auf den Planeten. Er zeigte sich erstaunlich gut strukturiert, die Mondchen alle viere in fast gerader Linie umspielen ihn, ein Grund freudigst ins Haus zu rennen um die 80jährige Mutter und 25jährige Tochter aus der Wärme ans Teleskop zu locken.
Beide sitzen da am Tische und schauen sich augenrollend an: "Omi, du gehst, ich komm dann später.....Sie: "Och nee, das ist mir zu kalt geh du doch.........und ich: "Leute, man sieht den Planeten so schön heute und ich zeig euch noch ganz tolle Sternhaufen, bitte kommt doch mal raus, ihr werdet es nicht bereuen!"
Muttern rafft sich auf und kleidet sich ein, ich hüpfe begeistert und aufmunternd an die Okulare, sie rennt mir fast tölpelich dagegen, alles wankt uns schwankt doch dann hab ich den Jupiter wieder eingefangen.
"Da Mutti, da is er, bitte vorsichtig ans Okular, nicht berühren, sonst wackelt alles wieder!"
"Ich seh nix! Ich seh überhaupt nix"!
Ich kontrolliere durch das 32 Weitwinkel, groß wie ein Bullauge, ihr wißt ja, Jupiter ist mittig im Okular und zwar an beiden Teleskopen.
"Ich seh nix, mir ist kalt, das ist ja nicht auszuhalten!"
"Vorsichtig Mutti, geh noch mal vorsichtig ran ans Okular, schau dann eher mit Abstand hinein."
Mittlerweile sehr mißmutig:"Ich seh wieder nix, alles schwarz...!!"
Ich entlasse sie nicht und ermuntere ein weiteres Mal: "Ah, ja, der hat ja vier Monde um sich herum, das ist ja interessant!!!!!!!!!! Und was ist das da oben für ein Nebelfleck"?
"Die Plejaden, die zeig ich dir auch gleich".

Ich schwenke den Dobson mit dem 42mm auf die Plejaden, die Gottseidank noch keine Leiter erfordern und so kann Muttern bequem durchs Oku schauen.
"Ich seh nix"!!!!!!!!! Also es wird mir aber nun wirklich zu kalt, ich geh wieder rein"!
Und wieder das gleiche Prozedere mit dem Aufmuntern und dann: "Oh, das sind ja ganz viele!!!!!!!!!!!!!!!!! Gibts von sowas noch mehr?
Ok, ich renne an den FH und will ha und chi im Perseus per Goto ansteuern, doch die Goto ist mir ausgegangen, weil Muttern gegen das Kabel gelatscht ist, so musste ich das alles nochmals neu hochfahren und alignen vor allem. Mit dem Dobson komme ich nicht mehr in den Zenit, den kann ich dort kaum nachdrehen und halten und vor allem die Mutter nicht auf die Leiter jagen, unvorstellbar!
Aber vor dem FH könnte sie bequem auf einem Kissen knien, aber erstmal fuchtelte ich verwzeifelt mit der Goto-Einrichtung herum, die ungeduldige Mutter daneben die nun absolut nicht mehr zu halten war und sich mit einem: "Das ist ja hochinteressant!" verabschiedete.....

Ich gönnte mir noch alle Pracht der offenen Sternhaufen die zu sehen waren so gegen 20h, M35, 36, 37, 38, dann tief in Orion´s
M42, der die Trapezsterne trotz noch tiefer Deklination nadelscharf sogar bei knapp hundertfacher Vergrößerung wiedergab. Sei es am Dobson oder FH, es war trotz rascher Vereisung trotzdem ein gutes Seeing gestern.
Mein Enthusiasmus treibt mich wieder ins Haus um die müde Meute rauszulocken, doch auf dem Sofa sehe ich Vater und Sohn mit langen Gesichtern sitzen, den bekam Omas Lieblingsessen, der Grünkohl nicht, der einmal im Jahr eigens für sie um diese Jahreszeit aufgetischt wird und Muttern und Töchterlein duckten sich ein wenig, in der Hoffnung übersehen zu werden........

Da friert man (frau auch) doch lieber am Teleskop fest, oder??????????????????????????

Dampfige Grünkohlgrüsse von Anette
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Anette,

einfach herrlich, Dein Beitrag, wie immer!
Ich warte seit Ende November auf einen klaren Himmel, es ist zum Verzweifeln.
Aber einen Trost habe ich: An den Festtagen gibt es Grünkohl!

Frohe Weihnachten u. ein glückliches 2014 (mit sehr vielen klaren Nächten) wünscht

Egbert
 
Lieber Egbert,

ja, den muss man mögen oder nicht, es gibt in meiner Familie eine innere Grünkohlgrenze. Danke für Dein liebes Feedback.

Gestern Abend war übrigens wieder so eine Frustnacht. Mit kräftigem Südwestföhn, der von den Alpen ins Wiener Becken rast habe ich es bei immerhin 4-5 Beaufort gewagt, den 6er FH aufzusatteln, denn der Himmel war glasklar, nur 60% Feuchte in der Nacht, doch das mächtige Funkeln der Sterne verriet mir schon zuviel Turbulenz da oben und so konnte ich Jupiter kaum erkennen, wenngleich er mit bloßem Auge eine Pracht war. Meine Mutter jagte ich wieder ans Teleskop, endlich ha und chi im Perseus hineinbekommen, aber händisch, meine Goto hat nen Knall im Moment. Ja diese beiden Prachthaufen haben ihr dann doch mehr als ein: "Das ist aber interessant" herausgelockt. Will sagen: it was a Christmaswonder for her!

Frohes Fest und sturmfeste Wünsche von Anette
 
Hallo Anette,
da hast Du ja doch noch Glück gehabt, die ü"berredete" Mitspechtlerin zu begeistern.
Ich habe die Versuche mittlerweile gänzlich aufgegeben, selbst bei Präsentation von beinahe "selbsterklärenden" Objekten wie Mond, Saturn und Jupiter sind meine Familienmitglieder nicht begeisterungsfähig -und dies gar noch unabhängig von der Witterung.
Apropos Wetter: bei uns un Rheinhessen miserabel, nur Wolken und Regen, Dunst und auch die nächsten Tage keine Besserung in Sicht. Na ja, so kann ich noch ein paar übriggebliebene Astrovideos weiter bearbeiten, um so virtuell den Jupiter nochmals sehen zu können...

Wünsche noch eine geruhsame und gute Weihnachtszeit, clear skies!
Carsten
 
Frohe Weihnacht Carsten,

ich war mal Ende der 90er auf Kur an der Ostsee, da hatten wir in Deutschland eine Sonnenfinsternis. Ich war schon tags zuvor so aufgeregt und rüste mich mit Folie und Brille am Strand, das Wetter ideal....um mich rum die Leute bratend in der Sonne...keiner hatte Interesse, keiner..als die Sonne mal kurz weg war fiel das weiter kaum auf...ich war fassungslos! Also manches kann man einfach nicht erklären und muss es nehmen wie es ist.
Nen Guten Rutsch allen Lesern wünscht Anette
 
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