Wellmann
Aktives Mitglied
Link zur Grafik: http://www.gym-vaterstetten.de/faecher/astro/galerie/Bilder/Orontius.jpg
Bild 16 der "grünen :super: Serie“. Das Bild wurde bei nicht ganz idealen Bedingungen aufgenommen, und ist ein Beispiel für die unten im Tutorial gemachte Feststellung, dass ausnahmsweise auch bei weniger perfektem Seeing brauchbare Aufnahmen entstehen können. Zur besseren Beurteilung wurde darauf verzichtet, die durch das nicht perfekte Seeing verursachten Mängel zu bearbeiten, das Bild wurde lediglich mit Registax addiert, dann wie im kommenden Tutorial 4 beschrieben gefiltert, und war in wenigen Minuten fertiggestellt. Das Bild zeigt links am Bildrand Orontius, der Krater liegt östlich von Tycho, berührt von der Kraterkette (von unten nach oben) Saussure, Huggins, Nasireddin und Miller. Oben rechst Stöfler und Faraday, darunter Licetus und Heraclitus. Das Video zu diesem Bild habe ich in eine selbst entpackende .exe gesteckt, und auf CD gebrannt. Wer das Video zu Übungszwecken haben möchte (oder es sogar ins Netz stellen kann) sollte per PN bei mir nachfragen. Ein weiteres Beispiel für ein bei schlechten Bedingungen aufgenommenes Video, das aber dennoch ein gerade noch akzeptables Bild ergab, ist die Lange Wand. Positioniert man die Maus links von Birt, so ist die Einblendung eines Orbiters zu sehen (Quelle:NASA).
Und nun die Fortsetzung des „Tutorials“. Gedacht ist diese Information für Anfänger in Sachen hoch auflösende Mondfotografie, für Profis ist das Lesen Zeitverschwendung.
Teil 3: Vorbereitung und Durchführung einer Aufnahme.
Kollimation: Für die hoch auflösende Fotografie ist eine absolut präzise und korrekte Kollimation der Optik unerlässlich. Da nun bei fast allen Teleskopen der Massenfertigung die Mechanik nicht optimal ausgeführt ist, gibt es Probleme. Bei einem SC, bei dem das Blendrohr (auf dem der Spiegel zur Fokussierung verschoben wird) nicht ganz parallel zur optischen Achse steht, verschiebt sich der Spiegel beim Umfokussieren von der visuellen in die fotografische Position seitlich gegenüber der Achse, was unvermeidlich zur Dekollinmation führt. Um eine ständige neue Kollimation zu vermeiden, sollte man durch entsprechende Verlängerungshülsen daher die Kamera so befestigen, dass nur ein minimales Nachfokussieren aus der visuellen Position heraus nötig ist.
Temperaturausgleich: Ein ganz erhebliches Problem kann ein mangelnder Temperaturausgleich in der Optik sein. Zur Überprüfung schaut man auf das hoch vergrößerte, defokussierte Sternbild, in dessen Ringen auch feinste Strömungen im Tubus z.B. als vertikale Linien sichtbar werden. Die Erzeugung hoch auflösender Bilder wird schon durch geringste Strömungen erheblich gestört, weil feinste Details in den Bildern verzerrt werden. Auch in der strömungsfreien Optik können sich keilförmige „Kaltluftseen“ über dem Spiegel bilden, die wie ein Prisma wirken, und lineare Verzerrungen hervorrufen. Wie man diese Fehler beheben kann (Lüfter im SC, Isolierung des Tubus) kann man sicher im Internet recherchieren, ich selbst habe da noch keine Erfahrungen, und werfe zu stark belastete Videos vorerst einfach weg.
Das Seeing: Bei der hoch auflösenden Fotografie sind beste Bedingungen unabdingbare Voraussetzung. Ich stelle meinen Tubus rechtzeitig zum Auskühlen ins Freie, aufgebaut wird jedoch erst, wenn die Beobachtung mit einer kleinen Optik eine Chance auf gutes Seeing zeigt. Steht das Objekt nicht hoch genug am Himmel, so verzichte ich ganz. Zu den Problemen mit dem Seeing kommt dann noch die atmosphärische Refraktion, die das Bild des Mondes ganz leicht zu einem Spektrum auseinander zieht, was sich bei einer monochromen Aufnahme nicht korrigieren lässt. Etliche Fotografen verwenden daher (und auch aus anderen Gründen) bei der Mondfotografie Farbfilter (Grün, Rot, IRpass) um das Bild zu verbessern. Das verlängert allerdings die Belichtungszeit, was eher unerwünscht ist. Ich habe diese durchaus Erfolg versprechende Methode (noch) nicht ausprobiert. Noch ein wichtiger Tipp: Die Praxis hat gezeigt, dass es in der Dämmerung oft eine kurze Phase sehr ruhiger Luft gibt, bei der sehr gute Bilder gewonnen werden können, rechtzeitiges Anfangen kann sich also lohnen! Ist das Seeing bezüglich der hohen Auflösung grenzwertig, so probiert man es dennoch: Gelegentlich lassen sich erstaunlicher Weise die Videos gut bearbeiten, obwohl die Luft nicht ganz ruhig war, das Gegenteil kann allerdings leider auch eintreten!
Das Fokussieren: Vor der Aufnahme sollte man sehr präzise fokussieren, und die Einstellung des Fokus immer wieder neu machen, man läuft sonst Gefahr, dass alle Videos leicht defokussiert und wertlos sind! Stellt man später ungleichmäßige Schärfe in den Bildern fest, so sollte man die Kollimation überprüfen, eventuell steht die Bildebene nicht senkrecht zur Achse der Kamera. Auch die modernen Crayford-Auszüge können die Ursache sein. Ich hatte schon zwei solcher Auszüge, bei denen der bewegliche Teil leicht schief eingebaut war, und auch nicht justiert werden konnte. Zur Überprüfung klemmt man den ganzen Auszug in eine große Schublehre, oder legt auf den auf einer ebenen Fläche stehenden Auszug eine Wasserwaage. Schon geringste Fehler sind bei hoch auflösender Fotografie tödlich, und man sollte das Teil dem Händler zum Tausch überlassen!
Einstellen der Software: Das ist ein weites Feld, und kann hier nicht erschöpfend dargestellt werden. IC Capture ist aber einfach und intuitiv zu nutzen, einige zusätzliche Anmerkungen haben wir in unserem TIS-Kameratest in SuW 6/2008 gemacht. Da ich die Videos mit Registax 4 ohne Zerlegung in Einzelbilder bearbeiten will, darf ein Gigabyte nicht überschritten werden. Bei der DMK41 entspricht das 850 Bildern, bei kleineren Kameras (z.B. der baugleichen DMK31) können es auch ruhig mehr sein. Bei der Kameraeinstellung ist darauf zu achten, dass das Gain nicht zu hoch eingestellt ist, die Bilder sind sonst zu stark verrauscht. Umgekehrt darf das Gain auch nicht zu niedrig stehen, weil die Kamera dann an der Sättigungsgrenze des CCD arbeitet, was zwar rauschfreie aber wegen zu starker Belichtung verschmierte und kontrastarme Bilder ergibt. Gamma, Gain und Belichtungszeit sollten immer so gewählt werden, dass möglichst der volle Bereich des Histogramms (bei IC-Capture einblendbar) genutzt wird.
Nächstes Thema: Bildverarbeitung.
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
14. Hyginusrille – Tutorial Teil 1....
15. Ptolemaeus – Tutorial Teil 2....
Gruß, Peter
Bild 16 der "grünen :super: Serie“. Das Bild wurde bei nicht ganz idealen Bedingungen aufgenommen, und ist ein Beispiel für die unten im Tutorial gemachte Feststellung, dass ausnahmsweise auch bei weniger perfektem Seeing brauchbare Aufnahmen entstehen können. Zur besseren Beurteilung wurde darauf verzichtet, die durch das nicht perfekte Seeing verursachten Mängel zu bearbeiten, das Bild wurde lediglich mit Registax addiert, dann wie im kommenden Tutorial 4 beschrieben gefiltert, und war in wenigen Minuten fertiggestellt. Das Bild zeigt links am Bildrand Orontius, der Krater liegt östlich von Tycho, berührt von der Kraterkette (von unten nach oben) Saussure, Huggins, Nasireddin und Miller. Oben rechst Stöfler und Faraday, darunter Licetus und Heraclitus. Das Video zu diesem Bild habe ich in eine selbst entpackende .exe gesteckt, und auf CD gebrannt. Wer das Video zu Übungszwecken haben möchte (oder es sogar ins Netz stellen kann) sollte per PN bei mir nachfragen. Ein weiteres Beispiel für ein bei schlechten Bedingungen aufgenommenes Video, das aber dennoch ein gerade noch akzeptables Bild ergab, ist die Lange Wand. Positioniert man die Maus links von Birt, so ist die Einblendung eines Orbiters zu sehen (Quelle:NASA).
Und nun die Fortsetzung des „Tutorials“. Gedacht ist diese Information für Anfänger in Sachen hoch auflösende Mondfotografie, für Profis ist das Lesen Zeitverschwendung.
Teil 3: Vorbereitung und Durchführung einer Aufnahme.
Kollimation: Für die hoch auflösende Fotografie ist eine absolut präzise und korrekte Kollimation der Optik unerlässlich. Da nun bei fast allen Teleskopen der Massenfertigung die Mechanik nicht optimal ausgeführt ist, gibt es Probleme. Bei einem SC, bei dem das Blendrohr (auf dem der Spiegel zur Fokussierung verschoben wird) nicht ganz parallel zur optischen Achse steht, verschiebt sich der Spiegel beim Umfokussieren von der visuellen in die fotografische Position seitlich gegenüber der Achse, was unvermeidlich zur Dekollinmation führt. Um eine ständige neue Kollimation zu vermeiden, sollte man durch entsprechende Verlängerungshülsen daher die Kamera so befestigen, dass nur ein minimales Nachfokussieren aus der visuellen Position heraus nötig ist.
Temperaturausgleich: Ein ganz erhebliches Problem kann ein mangelnder Temperaturausgleich in der Optik sein. Zur Überprüfung schaut man auf das hoch vergrößerte, defokussierte Sternbild, in dessen Ringen auch feinste Strömungen im Tubus z.B. als vertikale Linien sichtbar werden. Die Erzeugung hoch auflösender Bilder wird schon durch geringste Strömungen erheblich gestört, weil feinste Details in den Bildern verzerrt werden. Auch in der strömungsfreien Optik können sich keilförmige „Kaltluftseen“ über dem Spiegel bilden, die wie ein Prisma wirken, und lineare Verzerrungen hervorrufen. Wie man diese Fehler beheben kann (Lüfter im SC, Isolierung des Tubus) kann man sicher im Internet recherchieren, ich selbst habe da noch keine Erfahrungen, und werfe zu stark belastete Videos vorerst einfach weg.
Das Seeing: Bei der hoch auflösenden Fotografie sind beste Bedingungen unabdingbare Voraussetzung. Ich stelle meinen Tubus rechtzeitig zum Auskühlen ins Freie, aufgebaut wird jedoch erst, wenn die Beobachtung mit einer kleinen Optik eine Chance auf gutes Seeing zeigt. Steht das Objekt nicht hoch genug am Himmel, so verzichte ich ganz. Zu den Problemen mit dem Seeing kommt dann noch die atmosphärische Refraktion, die das Bild des Mondes ganz leicht zu einem Spektrum auseinander zieht, was sich bei einer monochromen Aufnahme nicht korrigieren lässt. Etliche Fotografen verwenden daher (und auch aus anderen Gründen) bei der Mondfotografie Farbfilter (Grün, Rot, IRpass) um das Bild zu verbessern. Das verlängert allerdings die Belichtungszeit, was eher unerwünscht ist. Ich habe diese durchaus Erfolg versprechende Methode (noch) nicht ausprobiert. Noch ein wichtiger Tipp: Die Praxis hat gezeigt, dass es in der Dämmerung oft eine kurze Phase sehr ruhiger Luft gibt, bei der sehr gute Bilder gewonnen werden können, rechtzeitiges Anfangen kann sich also lohnen! Ist das Seeing bezüglich der hohen Auflösung grenzwertig, so probiert man es dennoch: Gelegentlich lassen sich erstaunlicher Weise die Videos gut bearbeiten, obwohl die Luft nicht ganz ruhig war, das Gegenteil kann allerdings leider auch eintreten!
Das Fokussieren: Vor der Aufnahme sollte man sehr präzise fokussieren, und die Einstellung des Fokus immer wieder neu machen, man läuft sonst Gefahr, dass alle Videos leicht defokussiert und wertlos sind! Stellt man später ungleichmäßige Schärfe in den Bildern fest, so sollte man die Kollimation überprüfen, eventuell steht die Bildebene nicht senkrecht zur Achse der Kamera. Auch die modernen Crayford-Auszüge können die Ursache sein. Ich hatte schon zwei solcher Auszüge, bei denen der bewegliche Teil leicht schief eingebaut war, und auch nicht justiert werden konnte. Zur Überprüfung klemmt man den ganzen Auszug in eine große Schublehre, oder legt auf den auf einer ebenen Fläche stehenden Auszug eine Wasserwaage. Schon geringste Fehler sind bei hoch auflösender Fotografie tödlich, und man sollte das Teil dem Händler zum Tausch überlassen!
Einstellen der Software: Das ist ein weites Feld, und kann hier nicht erschöpfend dargestellt werden. IC Capture ist aber einfach und intuitiv zu nutzen, einige zusätzliche Anmerkungen haben wir in unserem TIS-Kameratest in SuW 6/2008 gemacht. Da ich die Videos mit Registax 4 ohne Zerlegung in Einzelbilder bearbeiten will, darf ein Gigabyte nicht überschritten werden. Bei der DMK41 entspricht das 850 Bildern, bei kleineren Kameras (z.B. der baugleichen DMK31) können es auch ruhig mehr sein. Bei der Kameraeinstellung ist darauf zu achten, dass das Gain nicht zu hoch eingestellt ist, die Bilder sind sonst zu stark verrauscht. Umgekehrt darf das Gain auch nicht zu niedrig stehen, weil die Kamera dann an der Sättigungsgrenze des CCD arbeitet, was zwar rauschfreie aber wegen zu starker Belichtung verschmierte und kontrastarme Bilder ergibt. Gamma, Gain und Belichtungszeit sollten immer so gewählt werden, dass möglichst der volle Bereich des Histogramms (bei IC-Capture einblendbar) genutzt wird.
Nächstes Thema: Bildverarbeitung.
1. Hadley-Rille - Apollo 15 im Anflug.....
2. Alpental - sogar mit Rille.....
3. Clavius - der Klassiker.....
4. Apenninen - ein ganz böses Bild.....
5. Aristoteles/Eudoxus - zwei sonnige Gesellen.....
6. Archimedes - drei zwielichtige Gestalten im Morgengrauen.....
7. Messier - Kaffeebohne mit Kometenschweif.....
8. Petavius - leider nur 5/10.....
9. Janssen - Lunar Orbiter kann einpacken.....
10. Deslandres – Vergleich mit Lunar Orbiter…..
11. Mare Frigoris - weichgespült.....
12. Terminator – interessant ist, was man nicht sieht.....
13. Terminator 2 – mal ohne Schwarzenegger...
14. Hyginusrille – Tutorial Teil 1....
15. Ptolemaeus – Tutorial Teil 2....
Gruß, Peter