INTES Micro produziert nicht mehr

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Andreas-TAL

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Nachdem ich es hier noch nicht gelesen habe, stelle ich mal die Info ein, dass INTES Micro Geschichte ist. INTES Micro produziert nicht mehr ...
Damit leider eine weiterer bedeutender Hersteller von Teleskopen nicht mehr auf der Bildfläche.
Sehr schade ...

Das liegt zum einen natürlich auch an der Situation in Russland. Irgendwie geht die Epoche der „Goldenen Generation“ russischer Optikingenieure dem Ende zu. Vor INTES Micro, gingen ja schon INTES, TAL, STF, Santel den Weg sich aus dem Bereich der Amateuroptiken oder ganz aus dem Optikbereich zu verabschieden. Irgendwie hatte man den Eindruck, dass bei den Firmen immer wieder ein Teil derselben Leute mit dabei waren ..
Zum anderen scheint mir der Anteil an Maksutovs im Gesamtmarkt deutlich rückläufig zu sein, schlecht für das Paradestück russischer Teleskophersteller.
Und zum Dritten schlägt eben auch der Massenmarkt mit günstigen (günstigeren) Maksutovs - meist aus Fernost - gnadenlos zu.

Nun, so ist es halt mag man sagen ... aber irgendwie ist wieder ein Stück Individualität aus dem Markt verschwunden.

Andreas-TAL
 
Schade, ich wollte immer noch mal einen Intes Micro Mak. Jetzt werden das Sammlerstücke...

Ich könnte mich jetzt hier noch massiv über die verbreitete Art aufregen, sich billigste Astrogeräte zuzulegen, dann massiv eigene Arbeit in die „Optimierung“ zu stecken und damit Qualitätsherstellern das Wasser abzugraben, aber ich lasse es lieber...

Viele Grüße,
Sebastian
 
Ja, die Welt ist auf dem Weg zu immer größeren, globalen Monopolen. China stellt alles her, Amazon verkauft alles. Weltweit. Wir als Konsumenten wurden ausschließlich darauf trainiert, Angebote zu vergleichen und das Billigste haben zu müssen (weil wir ja sonst "schön blöd" wären, oder?), nicht, dem Markt zu sagen, was wir wollen.

Auch wenn die Hersteller einen Pressglas-Kugelspiegel in ein Kanalrohr pferchen: wir kaufen das, wenn der Preis stimmt, weil dann gehen sich ja noch mehr von den ebenfalls miserablen Billigokularen aus. Die Menge zählt bei uns Konsumenten, und der Triumph, am Stammtisch zu erzählen, dass man noch weniger für etwas gezahlt hat, als der Nachbar. Sieger ist immer, wer am wenigsten für etwas gezahlt hat.

So sitzen wir mittlerweile inmitten einer Menge Ramsch, den es zu "tunen" gilt, dann kaufen wir den Feathertouch dazu, wechseln die Fassung, isolieren den Tubus, und freuen uns dann, etwas "Einmaliges" zu besitzen, das wenigstens funktioniert.

Und wir sehen auch zu, wie die Chinesen mittlerweile das industrielle Niveau so rauffahren, dass wir denen dann bei Top-Ware (Esprit, etc.) dann schon auch Geld auf den Tisch legen. Aber sie haben ja inzwischen die Konkurrenz weitgehend aus dem Feld gefegt. Celestron gekauft. Den Rest zusperren lassen. Und weil die Chinesen bald alle Marken unter dem Synta-Dach vereinen, ist egal, was draufsteht, es kommt aus China, seltener auch aus Taiwan. So will es die Globalisierung. :confused:

Und ja: Wir kennen ja Anforderungen wie: "ich möchte eine tolle Ausrüstung, Budget 400 Euro".

lg
Niki
 
Genau so schaut es aus. Der Kunde will kein Produkt mehr kaufen, sondern einen Preis.
Ich habe das 20 Jahre lang im örtlichen Handel mitgemacht. Der Kunde kommt in den Laden und legt gleich los: "Ich sage es ihnen gleich, unter 15% Rabatt kaufe ich nicht!" Solche möchtest du am liebsten gleich wieder achtkantig aus dem Geschäft werfen. Ich habe auch im Bekanntenkreis den Einen oder Anderen, der stundenlang im Netz nach dem günstigsten Preis sucht und dann dort bestellt, wo es 1€ günstiger ist....ok, das ist jetzt ein etwas anderer Fall, sagt aber einiges über eine inzwischen weit verbreitete Mentalität aus.
Mir wäre meine Zeit dafür zu kostbar und schade.
Billig, billig, billig muss es sein, alles andere zählt nicht, so meine überwiegende Erfahrung aus 20 Jahren Umgang mit Kunden. Da wird dann lieber so eine Samsung Fernost-Möhre gekauft und sich dann damit rumgeärgert als gleich ein anständiges Gerät. Aber eine Erfahrung ist auch, diejenigen unter meinen Kunden, die auch selbstständig sind, feilschen am wenigsten, weil ihnen so ein Verhalten bei ihren Kunden genau so auf den S... geht. Die wissen noch, dass anständige Produkte und anständige Arbeit und Service auch anständiges Geld kosten.
Mit welchem Recht zieht eigentlich der Kunde aus meiner Tasche 15-20% von meinem Erlös raus? Greife ich Euch in die Tasche und ziehe Euch mal so einfach lässig und grundlos einen Hunni aus der Tasche? Was würdet ihr denn dazu sagen? Aber mit einem Händler kann man's ja machen....kommt halt dann Sonntags kein Fleisch auf den Tisch.
Ich habe ab und zu solchen Kunden schon mal gesagt "Ok, warten sie mal kurz, ich frage mal meine Angestellten, ob sie diesen Monat auch für 15% weniger arbeiten würden". Mancher Kunde versteht das dann, mancher Kunde eben nicht.
Allerdings andererseits, das Verhalten mancher örtlichen Händler heutzutage...da habe ich echt Zweifel, ob die mein Geld überhaupt wollen. Aber miese Beratung und mieser Service sind halt auch eine Folge der "Geiz ist geil"-Mentalität der Kunden. Fachlich fundierte Beratung und Service kosten Zeit u. Qualifikation und somit Geld. Ein Teufelskreis...
Ach ja, und wenn ich schon mal beim Rundumschlag bin:
Eine ganz spezielle Klientel sind auch die Kunden, die meinen, weil sie sich in diversen "Fachforen" oder "Fachzeitschriften" was zusammengelesen haben, wären sie jetzt die großen Spezialisten, was taugt und was nicht taugt. Deine Erfahrung aus jahrelangem Service von Geräten aus dem Bereich zählt dagegen nichts. Es ist einfach mühselig, dieses Halb- und noch mehr Falschwissen, das Kunden aus Foren mit in den Laden bringen, wieder zurecht zu rücken.

VG
Günter
 
Zuletzt bearbeitet:
Die obigen Analysen treffen schon den Kern, zumindest einen Kern der Sache.

Bei INTES Micro gibt es aber sicher viele Ursachen, die letztlich im Zusammenwirken zu diesem Ende geführt haben.

Deren "leitender, optischer Ingenieur" / "Chefingenieur" - je nachdem wie die Programme das übersetzen, ist schon seit längerem krank und ist jetzt gesundheitsbedingt in den Ruhestand gegangen. Das ließ sich nicht kompensieren ...

Auffällig ist aber zugleich, dass sich die gesamte russische Teleskopbranche Stück für Stück aus dem Markt verabschiedet hat - entweder wurde die Geschäftstätigkeit eingestellt oder man hat das Geschäftsmodell auf andere optische Anwendungen im HighTech-Bereich ausgerichtet.
LZOS wollte wohl auch diesen Weg gehen, zumindest waren die Signale sehr eindeutig, dass man sich aus dem (Amateur)Astronomiemarkt zurückziehen will, scheint jetzt aber wieder (versuchsweise) einen anderen Kurs einzuschlagen.
Santel beispielsweise baut immer noch sehr hochwertige Teleskope, aber erst ab 400 - 500mm aufwärts und auf der ISS fliegt auch was von denen rum. TAL ist einem großen Aktienkonglomerat aufgegangen und die sind auf lange Sicht ausgelastet mit Aufträgen im militärisch-industriellen Sektor oder der Diagnostik im Gesundheitswesen..
Bei diesem Firmen waren sehr oft dieselben Menschen beteiligt. Es ist ja kein Geheimnis, dass sich INTES Micro teilweise aus INTES Mitarbeitern rekrutierte, STF wohl ebenso und die maßgeblichen Leute bei INTES auch bei Santel eine Rolle spielen. Und diese Generation geht jetzt langsam in den Ruhestand.
Aber es ist sicher kein Zufall dass gerade wie bei Domino-Day die einzelnen russischen Firmen Stück für Stück umkippen wie Dominosteine.

Hinzu kommt natürlich die andauernde Witschaftskrise in Russland und die Sanktionen des Westens. Die Inflation entwertet die Reallöhne vor Ort und die Rohstoffkosten (da oft importiert und mit USD bezahlt) verteuern die Produkte noch mehr. Also Konsequenz ist die Inlandsnachfrage stark eingebrochen. Das mittlere russische Einkommen beträgt rund 31.000 RUB pro Monat. Ein TAL-250K würde 80.000 Rubel kosten. Wer um Himmels willen kann sich ein Gerät leisten, das knapp drei Monatslöhne verschlingt?
Nur von der Kaufkraft her wären das in Deutschland dann ~11.000€. Und - sind wir mal ehrlich - Astronomie ist, so wie wir das betreiben, einfach Luxus. Es gibt in Russland nur noch ein einen recht kleinen Kreis von Leuten, die (Hobby)Astronomie auf dem Niveau wie hier betreiben (können) und der begrenzt sich weitgehend auf Moskau und wenige andere Großstädte. Viele schleifen und bauen ihre Newtons selber oder kaufen billig bei Syntha ...

Ergänzend - und da passen jetzt die Anmerkungen meiner Vorschreiber - war es für INTES Micro so nicht möglich zu vergleichbaren Preisen wie in Fernost zu produzieren, da ja auch die Stückzahlen fehlen. Nicht einmal Markus Ludes (APM) hatte ja selbst INTES Micro Geräte auf Lager (oder wenn, dann nur sehr selten und einzeln), weil die Absatzzahlen eine Lagerhaltung unwirtschaftlich machten. Ein Jahr Wartezeit bei Bestellung ist aber nicht jedermanns und jederfrau Sache. Und - was noch hinzukommt - ist ehrlicherweise die Situation, dass es viele Firmen in Russland mit Fertigungsterminen nicht so wirklich ganz ernst nehmen. Wie meinte mein russischer Kontakt sinngemäß: "INTES Micro ... ein kleine Firma, die im Institut für Radiotechnik eine Etage gemietet hat und unter fürchterlichen Bedingungen ordentliche Teleskope produziert, die immer dann besser sind, wenn sie wissen, das sie nachher überprüft werden. Meistens ist aber eh´ niemand erreichbar um was zu klären oder sich zu beschweren ...".

Im Preisvergleich waren die INTES Micro Geräte natürlich hoffnungslos unterlegen (6" Skywatcher MAK ~700€ zu 6" INTES Micro MAK ~1.700€), aber zumindest die Geräte für den Export konnten optisch (wenn man den Finger drauf hatte) wirklich sehr gut sein. Für die Qualität, die da dahinter stand (oder dahinter stehen konnte) bekam man sehr viel gutes Teleskop für, dann wieder (in Relation gesehen) recht wenig Geld. So gesehen war das eigentlich ein günstiger (aber nicht billiger) Deal. Aber das muss man auch wollen. Ich kann irgendwie auch jeden verstehen, der sagt mit 20% finanziellen Einsatz bekomme ich 80% Leistung. Wieso soll ich meinen Einsatz um weitere 80% steigern - nur noch um nochmal weitere 20% rauszuholen? Den Standpunkt kann man ja auch haben ...

Aber unter all´ den o.g. Rahmenbedingungen ist das Ende von INTES Micro letztlich nur eine logische Folge und damit auch stringent.

Andreas-TAL
 
Hallo,

ich bin immer etwas hin- und her gerissen bei solchen Vereinfachungen zum Markt. Vieleicht mal ein paar Bemerkungen zu einigen Aussagen hier:
1. Händler die sich beschweren darüber, das Kunde Rabatte fordern: Ich bin Baujahr 1963 und aufgewachsen in einer Zeit als Rabatte unbekannt waren und man den Preis zahlte der auf dem Gerät stand. Mein Vater ging ins Autohaus und kaufte seinen Opel zu dem Preis dem ihm der Autohändler nannte - fertig.
Es war nicht die Idee von den Kunden Rabatte einzuführen, es war die Idee von den Händlern! Sie warben auf einmal bei vielen Pordukten mit Rabatten und man bekam das Gefühl, wer die UVP bezahlt ist doof! Wolfi war als er auf den Astromarkt kam ein Meister der Rabattschlacht und hat damit die Astroszene umgekrempelt und auch so manchen wohl vom Markt verdrängt. Wenn so jemand sich beschwert dass Kunden Rabatte fordern muss ich immer lachen... er ist der Erfinder der Rabattschlacht im Astrobereich.
2. Mein erstes Teleskop war 1979 ein japansicher 60/1000mm Refraktor mit 0,96" Huygens Okulare und mechansicher Wackelmontierung für 1000DM (!) von Wachter Bodelshausen, das sind heute inflationsbereinigt 2000€!
Mein 150mm f6 Newton von Wachter kostet 1983 3500DM (=5000€ heute).
Ich bin sehr froh, dass die Chinesen diesen Markt aufgemischt haben und heute junge astronomiebegeisterte Leute für 500€ tolle Fernrohre bekommen können! Wenn es nach Zeiss, Lichtenknecker und Wachter ginge, würde wir heute noch für einen drei Zoll Achromaten mit Zubehör 5000€ bezahlen.

Viele Grüße
Jürgen
 
Hallo Jürgen,

ich sehe nirgends oder habe bisher nirgends gesehen, dass sich der von dir genannte "Erfinder der Rabattschlacht" über Rabattforderungen beschwert hat;)
Und natürlich führt eine gesteigerte Zahl an Mitbewerbern zu insgesamt fallenden Preisen.
Es geht nur darum, dass es vielen Kunden gar nicht billig genug sein kann, weil sie, siehe oben, offenbar einen Preis und kein vernünftig funktionierendes Produkt kaufen wollen. Wenn ein Produkt zu 100% meine Anforderungen erfüllt, dann zahle ich auch 100%.-das ist jedenfalls mein Standpunkt. Ok, wir leben in einer globalisierten Welt, in der global gedacht werden muss. Trotzdem neige ich eher dazu, mein Geld da auszugeben, wo ich es auch verdiene und das Unternehmen seine Steuern bezahlt, auch wenn mich das dann erst mal teurer kommt.
Wenn dein Arbeitgeber dich wegrationalisiert (allgemein, ich meine jetzt nicht dich persönlich), weil er keinen angemessenen, kostendeckenden Preis mehr erzielen kann und dich dadurch nicht mehr bezahlen kann, reden wir weiter;)

VG
Günter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Günter,
da könnte ich jetzt mehr zu schreiben, aber das verkneife ich mir hier lieber... ;)
Das ist auch gar nicht böse gegenüber Wolfi gemeint, den ich sehr schätze und mit dem ich immer prima klar gekommen bin.
Ich schätze übrigens auch eine gute Verarbeitungsquaität und habe Geräte von fast allen Marken besessen, oder bestizte sie noch, darunter auch ein TAL 2M. Tolle Optik in russischer Traktormechanik. ;)
Viele Grüße
Jürgen
 
Ja, der Rabatt-Unsinn hat sich überall schon eingefleischt. Es soll dem Käufer suggeriert werden, dass er ein Produkt zu einem Preis bekommt, der unter seinem Wert liegt. Das ist einerseits absolut lächerlich, weil kein Kaufmann schenkt etwas mit Verlust her. Andererseits ist er leider nicht lächerlich, denn man kann tatsächlich so lange unter Einkaufspreis verkaufen, bis man entweder selbst zusperren muss, oder die Konkurrenz niedergerungen hat.

Wir Konsumenten schauen nicht auf die verschiedenen Absichten hinter all den "-30%" Schildchen, wir kaufen, weil etwas angeblich billiger ist, als es sein müsste (schon dieser Satz klingt so blöd, wie die Vermutung, man bekommt etwas billiger, als es "ist"). Abverkauf kennen wir alle. Restposten. Oder "Vorjahresmodell". Oder simpel den "-25%-Tag", damit mal wieder alle ins Geschäft strömen und erinnert werden, dass es einen gibt.

Aber sonst gebe ich auch Jürgen recht, Zeiss & Co haben sich vieles lange sehr gut bezahlen lassen (und tun das noch heute!), da ist ein Skywatcher für jedermann wirklich auch eine Chance, mehr Menschen für unser Hobby zu begeistern. Auch wenn diese Arbeitsplätze jetzt nach China abgewandert sind... so will es die Wirtschaft. Profit machen. Synta ist absolut nicht daran interessiert, dass es uns gut geht oder gut tut, in den Himmel zu schauen, Synta ist eine Geldverdien-Maschine, wie jeder andere Konzern. Und nur, weil es zum Marketing gehört und sie sonst nichts verkaufen würden, sind sie interessiert, gerade noch die Qualität zu liefern, die der Kunde gerade noch akzeptiert für sein Geld. Nicht ohne uns weiszumachen, dass der China-ED-Apo eigentlich von der Leitung her das Doppelte kosten müsste. Und wir das auch gern glauben. ;)

Günter hat ebenso recht: der Konsument bestimmt mit, welche Arbeitsplätze bei uns verloren gehen. Und wo 10 Stunden am Tag für wenig Geld gearbeitet werden muss. Nur schauen wir lieber auf unser Billig-Etikett, als auf die Bedingungen in der Produktion.

lg
Niki
 
Ich kenne und verstehe das Argument mit der belebenden Konkurrenz. Ich verstehe sogar den Bastlerstolz desjenigen, der ein Billigprodukt mit ein paar geschickten Maßnahmen zu einem brauchbaren Gerät umbaut. Aber der Kauf von Schrott, den man eigentlich dem Händler postwendend zurückschicken müsste, fördert eben vor allem eines: Die Weiterproduktion von solchem Schrott.

Und darunter leidet dann der Einsteiger. Es ist doch heute schon so, dass der Handel suggeriert, man bekäme für wenig Geld ein völlig einwandfreies, gut einsetzbares Gerät. Und dann stellt der unsichere Kunde bei Rückfragen hier fest, dass er entweder für seine Zwecke völlig falsch gekauft hat, oder noch massiv nachkaufen und modifizieren muss oder eben nur „bekommt was man bezahlt“.

Aber wie will man hier einen Einsteiger beraten, der mit einem 500 Euro „all inclusive“ Angebot hier ankommt? „Lerne soviel über Astrotechnik wie die alten Hasen hier, dann kannst Du in nur wenigen Tagen mit minimalem Materialeinsatz und ein paar Zusatzokukaren für nochmal den gleichen Preis ein ordentliches Teleskop daraus machen.“ Oder „Bezahle lieber das dreifache und rechne diese Summe nochmal für notwendiges Zubehör dazu und es könnte tatsächlich ‚out of the box‘ funktionieren.“ Oder „Kaufe zwei bis dreimal und investiere über die Zeit Wochen unbezahlter Arbeit, dann könntest Du am Ende auch zufrieden sein.“

???

Wenn sich das jeder klar machen würde, sähe ein Tak aufeinmal wieder recht günstig aus...

Viele Grüße,
Sebastian
 
Hallo!

IUnd darunter leidet dann der Einsteiger.

„Der Einsteiger“ muß heute so wenig leiden wie noch nie in der Geschichte der Astronomie. Um den brauchen wir uns keine Sorgen machen :) Wenn ich an das Fernrohr denke, das meine Eltern uns Kindern in den 70er Jahren beim Optker gekauft haben... denn woanders gab es damals sowas gar nicht. Ein kleiner Refraktor mit 50mm Öffnung (oder so) auf einem Mickeymaus-Tischstativ der damals über 300 DM gekostet hat und dessen optische Qualität heutzutage nichtmal mehr für einen Sucher reichen würde. Das Ding war damals übrigens in Japan hergestellt, was in den 70ern noch ein Billigland war wie heute China („Japanschrott? Nein Danke!“).

Mit dem was man als Neuling heute für die Hälfte (umgerechnet und inflationsbereinigt) bekommt, wäre man damals der Star der Astroszene gewesen! Wenn ich da z.B. an all die Lidl-Scopes und kleinen SCs und Maksutovs denke.

Um TAL ist es natürlich schade. Wie um jeden Hersteller der vom Markt verschwindet und die Vielfalt verkleinert. Ich habe auch nichts zu deren Erhalt beigetragen wie ich gestehen muß, denn mich haben deren Produkte nicht angesprochen.

Grüße
Maximilian

PS: Auch mir nervt diese Rabattsache gehörig. Inzwischen lasse ich mich da nicht mehr darauf ein, sondern kaufe entweder von einem mir angenehmen Händler zu dem Preis den er mir sagt (und da gibt es eigentlich nur den alteingessenen Fotohändler bei uns im Ort, der leider kein Astrozeug hat, dafür aber gute Kameras!), beim eBay oder direkt beim Hersteller in China (oder USA). Rabattiert Euch nur gegenseitig zu Tode, ich komme trotzdem an meine Sachen :)
 
Hallo Jürgen,

Ich bin Baujahr 1963 und aufgewachsen in einer Zeit als Rabatte unbekannt waren und man den Preis zahlte der auf dem Gerät stand. Mein Vater ging ins Autohaus und kaufte seinen Opel zu dem Preis dem ihm der Autohändler nannte - fertig.
ja, so war das. Ich bin Jahrgang 53 und habe einen der allerersten VW-Golf gekauft. Nach 6 Jahren war der total durchgerostet und der TÜV schrieb wörtlich " KFZ verbraucht ". Da ich ein Auto brauchte, ging ich zu meinen Händler und sagte, wenn ich einen deutlichen Rabatt bekomme, kaufe ich noch mal einen. Der meinte nur " Nö " und berief sich aufs Rabattgesetz.

In der Türe traf ich einen Freund, der mir hinterher erzählte, er hätte einen VW gekauft. Als Boschmitarbeiter - Bosch lieferte die Scheinwerfer - bekommt er 10%. Da ist ein Weltbild in mir zusammengebrochen und ich war stinksauer. Der Händler wusste doch genau um die Qualität der Autos aber von Entgegenkommen keine Spur.
Ab da : VW, nein danke!

Gruß Uwe
 
Hallo,

das Intes Micro aufhört, ist schade. Ich habe zwar selbst kein Teleskop von ihnen, jedoch bin ich von deren Qualität sehr überzeugt. Auch mich hatte hier der Preis von einem Kauf abgehalten, das gebe ich offen und ehrlich zu.

Auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass deren Preise und der damit verbundene zu geringe Umsatz die Gründe für das Ende sind: Tatsache ist ja, dass man heute aus chinesischer Fertigung Teleskope zu ca. 30-40% des Preises bekommt, welche aber mindestens 70% der Leistung in Bezug auf Qualität und Verarbeitung der teueren Premiummarken entsprechen. Für viele Hobbybeobachter ist dies einfach ausreichend und mit etwas Bastelei kann man nochmal ca. 15% Qualität rausholen, womit dann sehr Viele zufrieden sind.

Zum Punkt Rabattschlacht: Wenn ein Produkt XY regulär einen Preis Z=100% kosten soll, es aber bei diversen Händlern mit Rabatten bis 30% angeboten wird, dann fragt man sich doch, wie so etwas gehen kann. Da davon auszugehen ist, dass die Händler, die den Nachlass anbieten, immer noch genug an dem Produkt verdienen, liegt der Schluss nahe, dass diejenigen, die 100% verlangen einfach mehr Gewinn aus dem Produkt abschöpfen wollen. Ob sie diesen nun benötigen oder nicht, ist eine andere Frage. Tatsache jedoch ist, dass in der heutigen Zeit ein Preisvergleich innerhalb von Minuten erledigt ist. Ich denke nicht, dass jeder immer darauf aus ist, den allergünstigsten Preis zu erhalten, sondern dass es in der Regel reicht, wenn ein Händler des Vertrauens einen im Vergleich zum günstigsten Angebot akzeptablen Nachlass anbietet.

Gruß

Carsten
 
Zuletzt bearbeitet:
Zum Punkt Rabattschlacht: Wenn ein Produkt XY regulär einen Preis Z=100% kosten soll, es aber bei diversen Händlern mit Rabatten bis 30% angeboten wird, dann fragt man sich doch, wie so etwas gehen kann. Da davon auszugehen ist, dass die Händler, die den Nachlass anbieten, immer noch genug an dem Produkt verdienen, liegt der Schluss nahe, dass diejenigen, die 100% verlangen einfach mehr Gewinn aus dem Produkt abschöpfen wollen. Ob sie diesen nun benötigen oder nicht, ist eine andere Frage.

Carsten

Es kommt hierbei auch auf die Größe bzw. den Umsatz des Händlers an.
Ein Händler, der viel verkauft und großzügig Rabatte gewährt macht seinen nötigen Gewinn über die verkaufte Stückzahl. Außerdem steigt er dann bei seinen Lieferanten in eine höhere Umsatzstaffel und erhält dadurch wiederum die Ware günstiger.
Der kleine Händler hingegen muss aus den geringeren Stückzahlen und seinem teureren Einkauf mehr Gewinn raus holen um zu überleben.
Die "Großen" versuchen außerdem über die Rabatte die Mitbewerber vom Markt zu verdrängen um dann vollständig das Preisdiktat zu haben und, wenn das gelungen ist, Preise nach Belieben (natürlich zu ihren Gunsten) gestalten zu können.

VG
Günter
 
Moin,

die Debatte hatten und haben wir hier regelmäßig.

Die ganze Thematik mit dem "wenn nicht alle billig schreien würde wäre die Marktwelt besser" hat etwas von "hätte, hätte, Fahrradkette" - denn der Markt sind WIR. Und dabei gibt es eben solche Marktteilnehmer die eine Wahl haben, welches Budget sie ihrem Hobby Astronomie zuweisen und solche, die das mangels entsprechender finanzieller Mittel nur sehr eingeschränkt können, da sie damit andere Lebensbereiche beschneiden, was z.B. in der Familie dann zu Spannungen führt.

In der, ich nenne es einfach mal so, "Astronomie der Besserverdienenden" kann ich mir die in diesem Thread darliegende Betrachtung leisten, da die Wahl des Produkts dem Wunsch, dem Statusempfinden oder was auch immer entsprechend vornehmen kann, bei denen, die sich schon ein preiswertes Produkt zusammensparen müssen um ihrem Interesse nachzugehen ist das völlig obsolet. Und nun schaue man mal in die Statistik wie sich unsere Bevölkerung zusammensetzt, dann beantwortet sich an vielen Stellen die Frage, wer die Marktmehrheit repräsentiert, von selbst.

Betrachtet man dann noch die Ergebnisse, die viele engagierte Forenten auch unter schwierigen Budgetbedingungen erreichen, in dem sie mangelndes Budget durch Hirneinsatz und bastlerisches Geschick ersetzen, kann ich daran nichts schlechtes finden, außer, dass auch das die hochpreisigeren Lieferanten nicht rettet, sofern sie der mit ihrem Namen verbundene Nimbus nicht in die high end - Szene hebt, die mit hohen Preisen und kleinen Stückzahlen leben kann. Es gehört zum kaufmännischen Grundwissen, dass man entweder mit knappen Margen bei hohen Stückzahlen oder mit hohen Margen bei kleinen Stückzahlen erfolgreich sein kann, man muss nur das Konzept des eigenen Handels so bauen, dass eine gesunde Mischung entsteht. Das fällt größeren Anbietern in einer freien Marktordnung leichter als kleineren Anbietern unter schwierigen Rahmenbedingungen, wie aktuell z.B. in Russland.

An den Gegebenheiten wird eine akademische Debatte wie die hier geführte nichts ändern und am Marktgeschehen auch nicht, so dass mit Sicherheit noch mehr Marken nach und nach entweder in die eine oder andere Richtung werden wandern müssen (oder verschwinden), zumal, und das kann man international überall beobachten, der Marktwettbewerb nur vorgeschoben ist, da alle Händler sich aus den selben Quellen bedienen, wie man bei näherem Betrachten der einzelnen Angebote unter verschiedenen Markennamen feststellt. Insofern muss man sich manchmal fragen, was letztlich hinter den einzelnen Marken real steckt, ein Großhändler oder ein Produzent.

Dass die reale Material-Quelle heute überwiegend China und andere Schwellenländer des fernen Ostens sind liegt an den dortigen Kostengegebenheiten und daran, dass solche Produkte wie wir sie nachfragen überwiegend relativ einfach zu fertigen sind, die Maschinen kann man (in den westl. Industrieländern) kaufen und ggf. nachentwickeln, das Material ist in den einschlägigen Konzernen in Menge zu beziehen bzw. bei einfacheren Anforderungen selbst zu produzieren, zudem holen diese Länder was die heute überwiegend zugekaufte und/oder kopierte Technologie angeht stark auf, so dass auch die technologischen Hindernisse kleiner werden. Wenn man sich die "China-Qualität" früher wie heute ansieht ist die Bandbreite wesentlich größer geworden, von billigst-Produkten bis zum Weltstandard ist alles zu finden.

Dass viele der Produkte bei uns entwickelt werden und dann in Fernost in die Produktion gehen gehört dabei ins Bild, einige namhafte deutsche Optikentwickler arbeiten für chinesische Partner und bringen dabei Produkte hervor, die sich vor den klassischen westlichen Premium-Marken nicht im geringsten verstecken müssen!

CS
Jörg
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Betrachtet man dann noch die Ergebnisse, die viele engagierte Forenten auch unter schwierigen Budgetbedingungen erreichen, in dem sie mangelndes Budget durch Hirneinsatz und bastlerisches Geschick ersetzen, kann ich daran nichts schlechtes finden, außer, dass auch das die hochpreisigeren Lieferanten nicht rettet, sofern sie der mit ihrem Namen verbundene Nimbus nicht in die high end - Szene hebt, die mit hohen Preisen und kleinen Stückzahlen leben kann.

Das und den ganzen Rest Deines Beitrags unterschreibe ich voll.

lg
Niki
 
Ach ja, ergänzend zu meinem vorherigen Beitrag bezügl. Größe des Händlers und Auswirkung Einkaufspreise.
Ob das Folgende im Astrobereich zutrifft kann ich natürlich nicht sagen aber zumindest in meiner Branche (UE) kommt da noch was dazu:
Als kleiner Händler musst du mit einem Lieferanten eine Umsatzvereinbarung abschließen. Da heißt es dann ganz knallhart "wenn du nicht 50000€ Umsatz mit uns im Jahr machst, dann beliefern wir dich nicht!" Und wenn du dann mit Ach und Krach den Umsatz bringst, bist du aber immer noch in der für dich ungünstigsten Preisstaffel drin.
Ganz anders bei den großen Märkten wie z. B. Saturn und Mediamarkt. Da zahlen die Hersteller Miete pro qm Ausstellungsfläche, betteln also förmlich darum, dass sie ihre Ware dort verkaufen dürfen. Marktmacht und Kundenfrequenz halt. Dazu kommt, dass einige der "Fachberater" dort nicht vom Mediamarkt/Saturn bezahlt werden, sondern eigentlich Mitarbeiter der Hersteller sind. Spart Personalkosten für den Markt. Das sind alles Vergünstigungen/Vorteile, die der kleine Händler nicht hat.
Und trotzdem konnte ich oft als kleiner Fachhändler meine Ware günstiger anbieten als Mediamarkt/Saturn....
Die "Gewinnmaximierer" (vulgo "Abzocker") sind also nicht die kleinen Händler, sondern die Großen der Branche.

VG
Günter
 
Hallo,

jetzt weiß ich, daß ich alles richtig gemacht habe, mir 2008 einen ALTER M 809 Maksutov Cassegrain 200/2000 Intes Micro mit allem Intes-Zubehör wie Reducer, Winkelspiegel, Sucher und vor allem Sital Optik zu kaufen.
Mir hat zwar das Herz und nochmehr das Konto geblutet, aber ich hatte keine Lust mehr aufs Gurkenlotto. Manchmal hatte ich Zweifel, heute weiß ich, es hat sich gelohnt.

Der Wiederverkaufspreis ist gerade deutlich gestiegen. (y):cool:

Gruß
Porsti
 
Naja, im Gegensatz zu Jörgs sicher richtigen Ausführungen erlebe ich aber doch sehr oft, dass Leute eine ordentliche Leistung bezahlen könnten, das aber einfach nicht tun wollen.

Hakt man an dieser Stelle nach, kommt dann irgendwann immer „von nichts kommt nichts“ oder „ich habe nichts zu verschenken“. Habe ich auch nicht, aber ich kann mit meinem Geld abstimmen. Und ich stimme eben nicht gerne für die Herstellung von mangelhafter Ware in menschen- und umweltverachtender Art und Weise.

Was uns gerade gesamtwirtschaftlich verloren geht, ist die Mittelklasse (zusammen mit der entsprechenden Bevölkerungsschicht). Es gibt nur noch billig oder Premium. Natürlich kann ich mir bei diversen Fachunternehmen auch heute noch gute Sitall-Spiegel schleifen und beschichten lassen. Kostet aber deutlich mehr, als ein fertiger Intes Mak mal gekostet hat. Und wenn ich alle Teile auf diese Art zusammen habe, bin ich vielleicht den Gegenwert eines Kleinwages los.

Wer jetzt schuld an dieser Spirale ist, will ich nicht beurteilen. Jeder spart gerne, auch wenn er den vollen Preis bezahlen könnte. Aber wenn der Bäcker seine Äpfel und der Bauer seine Brötchen beim Discounter kaufen, sägen sie beide an dem Ast auf dem sie sitzen.

Viele Grüße,
Sebastian
 
Dies ist natürlich kein politisches Forum, trotzdem betrifft unsere wirtschaftlich ausgerichtete Gesellschaft auch unsere Produkte. Tatsächlich scheint es so zu sein, dass der Druck, alle erzeugten Artikel stets auch möglichst schnell verkaufen zu müssen, nur mehr durch Billigfertigung, lautes Marketing, Werbung, Tiefpreisangebote, Aktionen, Sonderserien und alle möglichen Tricks gelingt, und wir von der industriellen Wirtschaft und den marktbeherrschenden Handelsketten über die letzten 2 Jahrzehnte konditioniert worden sind, billig zu kaufen.

Das korreliert ganz gut mit dem Einkommensverlust des Mittelstandes, der Armen und der Pensionisten (durch nicht ausgeglichene Inflation) und mit der Gehaltsschere, denn tatsächlich müssen die meisten Menschen heute mit relativ weniger Geld auskommen, als noch vor 20 Jahren, ganz besonders natürlich der neugeschaffene Niedriglohnsektor.

Tatsächlich sollen wir alle aber gleichzeitig unsere Kaufkraft erhöhen, damit es der Wirtschaft gut geht - und damit angeblich wiederum uns allen, und um uns möglichst viel leisten zu können. Auch das suggeriert uns der Markt. Wir sollen uns also mit immer weniger Geld immer mehr leisten können, und solange die Mächtigen uns mit Tiefpreisen glauben lassen, sie erhöhen unseren Lebensstandard (tatsächlich erhöhen sie damit schlicht den Ramschanteil in unseren Wohnungen), wird die Idee greifen.

Auch wenn wir ein Teleskop kaufen, gehen die meisten diesen Weg, denn Geld spielt immer eine Rolle, wenn man nicht zu den oberen 10.000 gehört oder irgendwo auch Verzicht üben kann. Das merkwürdige an diesem System ist, dass wir alle täglich brav arbeiten gehen, um all diesen Ramsch zu erzeugen, den wir kaufen, modifizieren und dann entsorgen müssen, um danach von vorne zu beginnen.

In der Optik ist die Halbwertszeit eines Produktes wohl meist höher, aber gerade im Ramsch-Sektor einfach Geld- und Ressourcenverschwendung. Der erste Dobson um 250 Euro samt Plastik-Okularen landet bald am Dachboden und später am Müll, wir kaufen dann erst die ausgedünnte Mittelklasse und später wahrscheinklich sowieso doch mal den Takahashi oder den Intes (letzteren jetzt halt gebraucht und teurer denn je).

Aus dieser Spirale kämen wir nur heraus, wenn wir oder die Politik das weltweit ändern wollte. Aber das will keiner. Unser Wachstumssystem kann nur diesen Wahnsinn erzeugen, und die Globalisierung ist die Antwort auf eine Frage, die keiner von uns gestellt hat, die aber Ökonomen und dazumals auch Thatcher designt haben: let´s make money. Wir stellen Ramsch-Produkte her, damit die da oben "Geld herstellen" können. Produkte als notwendiges Übel des Shareholder Value... :oops:

So, genug mit dem halb off-topic von mir. Es ist schade, dass die Handwerker und die kleinen Schmieden weg sind. Und viele "echte Unternehmer". Wo bleibt ein Abbe, der innovativ war und sich bei Zeiss auch noch um die sozialen Bedürfnisse der Belegschaft gekümmert hat...

lg
Niki
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Naja, im Gegensatz zu Jörgs sicher richtigen Ausführungen erlebe ich aber doch sehr oft, dass Leute eine ordentliche Leistung bezahlen könnten, das aber einfach nicht tun wollen.

Viele Grüße,
Sebastian

Ich persönlich erlebe das oft umgekehrt:
Ich bin bereit für ordentliche Leistung auch ordentlich zu bezahlen, bekomme diese Leistung aber oft nicht.
Ich ärgere mich oft über gekaufte Produkte, bei denen ich als Endanwender (trotz Premium-Preis!) selber nachbessern muss, damit das Produkt ordentlich funktioniert. Im Modelleisenbahn-Bereich z. B. hat "out of box" noch keine einzige neu gekaufte Lok so funktioniert, wie sie sollte. Und tauschste um, kriegste den gleichen Müll. Ich muss an jede neu gekaufte Lok erst mal selbst Hand anlagen, egal wie viel ich bezahlt habe. Das zieht sich durch von der teuersten bis zur billigsten Lok.
Genau so Canon L-Objektive, also die teure Edelserie von Canon. Fast jedes bisher neu gekaufte L-Objektiv musste erst mal zum Service damit es richtig funktioniert, sei es abbildungsmäßig oder vom AF her. Und das ärgert mich zunehmend. Ich gebe einen Haufen Geld aus für die teuersten Geräteserien und die funktionieren dann doch nicht. Und dann kommt das übliche Blabla, dass es halt zu teuer kommt, jedes Teil einer Endkontrolle zu unterziehen. Ja und? Ich bin durchaus bereit (sehr!) deutlich mehr zu bezahlen, wenn ich dann sicher sein kann, dass ich ein 100%ig funktionierendes Produkt in der Hand habe.
Aber offensichtlich gibt es zu wenige, die genau so ticken.
Die Folge ist, dass meine Bereitschaft für Premium-Produkte viel Geld auszugeben deutlich nachlässt, wenn ich dann erst mal genau so wie beim Billigprodukt da stehe. Wollen die Hersteller das wirklich so? Den gefrusteten Premium-Käufer?
Ja, wie schon einige Vorschreiber meinten, es muss für die breite Masse auch für sie bezahlbare Produkte geben aber auch wenn ich bereit bin, den Premium-Aufschlag zu bezahlen, bekomme ich halt oft genug nicht Premium.
Und um den Bogen zu Astro-Produkten wieder zu hin zu bekommen:
Aktuell ärgere ich mich über einen Adapter vom Gewinde des Feathertouch 3035-Auszugs auf Zeiss M68-System.
Der ursprüngliche Adapter von FT auf 2" hatte zur Sicherung gegen unabsichtliches Herausdrehen drei kleine Madenschrauben. Beim von TS gekauften Adapter auf M68 fehlen diese und dadurch dreht sich der Adapter öfters locker. Ja, hätte man bei diesem Adapter die drei Madenschrauben vorgesehen, wäre er halt teurer geworden. Ja und? Man würde sich aber dafür als Endanwender einen Haufen Frust ersparen. Jetzt muss ich selber zusehen, wie ich da eine Sicherung hinbekomme.

VG
Günter
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

was Günter schreibt ist einer der Kinken, die in das Thema "Nimbus" Premium fallen.

"Früher", wenn man das Klischee einmal bemühen darf, war der Markt einfach, entweder Chinakram kaufen und wissen, das man Ramsch hat und ggf. damit leben, oder "Marke" kaufen und man hatte was fürs Geld. Das ist heute nicht mehr so.
Vermeintliche Premiumware enttäuscht in der Qualität, weil man sich viel zu sehr auf den Meriten der Vergangenheit ausruht und damit solche Dinge provoziert wie Günter es mit den L-Objektiven beschrieb, oder noch ärger, man bekommt einfach teuer gelabelte Sachen aus der Massenproduktion, die mehr oder weniger bemerkbar "veredelt" wurden.
Da das Niveau des früheren Ramsches außer bei den wirklich "billig", nicht "preiswert", produzierten Sachen heute durchaus auf einem verwendbaren Niveau liegt passt damit das Gefüge nicht mehr.

Wieso "Marke" kaufen, wenn mit geringen Abstrichen auch das "preiswert"-Produkt die Anforderungen erfüllt? Das hat in meinen Augen auch nichts mit Schnäppchenjagd zu tun, aber wozu die Premium-Marken anstreben, außer vielleicht bei den Cracks, die die paar Prozent mehr Strehl oder mehr Verarbeitungsqualität oder mehr Farbreinheit eines LZOS, TEC oder TAK wirklich rauskitzeln können, wenn ein Skywatcher, TS oder was auch immer es auch tun, weil einfach die eigenen Fähigkeiten oder der Standort nicht mehr hergeben?

Klar kann man einen APQ oder LZOS bewundern wenn man mal die Gelegenheit hat durchzuschauen, aber ich brech deswegen nicht zusammen und krieg das sabbernde Lechzen, soviel gesunden Menschenverstand kann ich bewahren und an meine Gegebenheiten denken, die das eh niemals als Equipment ermöglichen werden. Ich fahre auch keinen Mercedes oder Porsche, mein alter Audi 100 tut's auch, bringt mich verläßlich warm und trocken ans Ziel und zieht meinen Anhänger zum Grünschnittplatz ohne dass ich eine Egokrise bekomme.

In gewisser Weise ist das ganze ein Normalisierungsprozess, das Elitäre an den auf dem Markt angebotenen Produkten geht verloren, vieles wird breiter verfügbar und ich denke das ist auch gut so. Zu erwarten, dass das heute Gegebene sakrosankt in alle Ewigkeit weiterbesteht ist nichts anderes als Wunschdenken und retrospektiv. Die Technik ermöglicht uns mit einem Bruchteil des früheren Aufwands Ergebnisse, von denen unsere Vätergeneration nie hätte zu träumen gewagt (z.B. Astrootografie mit Kodak TP oder 103a, Hypersensibilisieren, ewige Belichtungszeiten am Nachführokular ...) und ich prophezeihe, dass das unserer Nachfolgegeneration ebenso ergehen wird.

Warten wir ab und lassen es auf uns zu kommen!

CS
Jörg
 
Hallo zusammen,


ich weiß nicht ob man das ganze so schwarz-weiß zeichnen sollte. Zum einen würde ich nicht Anbietern ODER Konsumenten die "Schuld" für die Entwicklung in die Schuhe schieben wollen. Niemand ist gezwungen sich billigen Ramsch zu kaufen ohne sich vorher zu informieren - das ist zwar ein Trend aber keine Vorgabe. Zum anderen sind viele günstige Produkte aus Fernost in den letzten Jahren deutlich besser geworden und auch die russischen Teleskope waren nicht immer sooo perfekt wie gerne fabuliert wird. Ganz vorurteilsfrei durchgeschaut muß man auch schonmal feststellen daß ein gesuchtes Sammelobjekt und Mythos was die Abbildungsleistung angeht von einem noch niedrigpreisigen chinesischen ED-Refraktor gleicher Öffnung abgehängt wird.

Andererseits ist es natürlich bedauerlich wenn ein Hersteller der hervorragende Optiken herstellen kann vom Markt verschwindet, wer mal die Gelegenheit hatte einen praktisch perfekten Maksutov-Newton durchzuschauen weiß was die Teile leisten können. Was mich wundert ist die Tatsache daß die Teile gebraucht auch bei moderater Preisvorstellung des Verkäufers manchmal ewig keinen Abnehmer finden.


Viele Grüße Felix
 
Hallo!

Was mich wundert ist die Tatsache daß die Teile gebraucht auch bei moderater Preisvorstellung des Verkäufers manchmal ewig keinen Abnehmer finden.

Das wundert mich jetzt nicht wirklich. Sehr viele (ich inklusive) hatten wohl noch nie die Gelegenheit durch so ein Teleskop zu schauen, was bedeutet, dass man die Katze im Sack kaufen muss. Dazu kommt, dass Größe und Gewicht eine Montierung erfordern, die 50 Prozent mehr Öffnung tragen würde, wenn Amidünnblech drum rum ist. Das hält nämlich auch nicht schlecht, man muß Fernrohre nicht wie Panzer bauen.
Ich persönlich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach so einem Instrument zu suchen. Das kommt in meiner Welt nicht vor (so ähnlich wie auf dem Gebiet der Autos die Marke Ford - verdient oder nicht) und ich denke, dass das vielen so geht.

Ansonsten ist das nur eine von vielen Firmen gewesen, die sich aus der Sowietzeit in den Kapitalismus retten konnten. Das geht so lange gut, wie man lebende Mitarbeiter hat die sich mit der Sache auskennen und genug Vorräte im Lager sind. Geht eine dieser Ressourcen zur Neige ist eben Schicht im Schacht. Im Vergleich zu anderen solchen Firmen haben diese es sogar besonders lang ausgehalten!

Grüße
Maximilian
 
Das wortwörtliche Aussterben von Fähigkeiten ist tatsächlich ein gravierendes Problem. Aber das Fatale am Aufhören ist, dass man nur durchs Tun lernt. Theoretisches Wissen lässt sich nur sehr begrenzt konservieren.

Wir verlieren hier in der westlichen Welt gerade in erschreckendem Umfang Fähigkeiten und Kenntnisse. Man muss das natürlich nicht als Problem sehen. Und selbst wenn; ich habe noch keinen guten Plan gehört, wie man das verhindern könnte.

Eine Idee, warum Maks und Casses gerade nicht so sehr gefragt sind, habe ich allerdings schon. Man lese einfach ein beliebiges Kaufberatungsthema und stelle sich die Wirkung der Argumentationen auf einen Einsteiger vor...

Viele Grüße,
Sebastian
 
Eine Idee, warum Maks und Casses gerade nicht so sehr gefragt sind, habe ich allerdings schon. Man lese einfach ein beliebiges Kaufberatungsthema und stelle sich die Wirkung der Argumentationen auf einen Einsteiger vor...

:) Tja, da werden ausnahmlos Maksutovs empfohlen. Durch ungenaue Grammatik und Tippfehler steht meistens: "Kauf Dir am Besten einen 8" Dobson" ... :oops:

lg
Niki
 
Wir verlieren hier in der westlichen Welt gerade in erschreckendem Umfang Fähigkeiten und Kenntnisse. Man muss das natürlich nicht als Problem sehen. Und selbst wenn; ich habe noch keinen guten Plan gehört, wie man das verhindern könnte.
Hand-Werk. Wenn ich noch mal jung wär, würde ich zunächst ein Handwerk lernen. Bin mal hier drauf gestoßen und hoffe, Ihr verteilt den Link weiter an Eltern und junge Menschen :)


Videos und Audios zu "Handwerkskunst!" - Suche | ARD Mediathek
Mit Interesse angeguckt hatte ich "Wie schmiede ich ein Jagdmesser" und den Gitarrenbauer und noch irgendeins.. wie ich gerade sehe, sind seitdem viele neue Beiträge in der Reihe "Handwerkskunst!" erschienen! Der "Südwesten" der Republik hat wohl ein Rezept zum Gegensteuern ersonnen, Sebastian :)


Mir schwant, dass uns als Gesellschaft zZt auch die Diktatur der Excel-Brains, wie ich sie nenne, in den Allerwertesten beisst. Hard-und Software, die seit den 90ern unseren Alltag bestimmen und unser Gehirn nach Muster der Excel-Brains deformieren, (machen Individuen krank/leidend und) klauen uns als Gesellschaft Vielfalt in Denkweisen.

Aufmerksamkeit für diese "Amputation" zu schaffen, so wie Du und ich hier, ist ein Weg das aufzuhalten. Resigniertes oder zynisches Lamentieren ist aber unattraktiv, ist Energieklau und schafft keine Zuhörerschaft. Finde ich. :)
 
Es gibt in diesem Thread viele interessante Kommentare, wobei gefühlt überall etwas wahres drinsteckt...

Mir persönlich geht es bei Rabatten auch darum, nicht übers Ohr gehauen zu werden. Wenn ein Hersteller (!) etwas mit 30-50% Nachlass verkaufen kann, dann fühle ich mich mit Zahlung der UVP verar...

Qualität hat ihren Preis, aber auch mein erstes Teleskop 1984 (ein 114/1000 catadioptrischer Newton) war mit 1000DM eigentlich sauteuer und zum Glück gibt es heute Geräte für 500€ die deutlich mehr können und besser sind. Die 500€ sind dazu nach fast 35 Jahren auch nicht mehr die Summe wie damals. Das finde ich für Einsteiger und Schüler toll.

Auf der anderen Seite ist es natürlich um jeden Hersteller schade. Wie war das damals bei Zeiss/Jena? Die APQ wurdennicht wirklich eingestellt, sondern die Technik für Industrieoptiken benutzt, bei denen man noch Geld verdienen konnte... schade für die Astronomen, aber gut für die Mitarbeiter von Zeiss. Jetzt werden die wenigen Stück zu ganz anderen Preisen verkauft und Geld verdient.

Was mich wie gesagt aber ärgert, wenn man sich abgezockt fühlt. Beispiel aus meiner Region Heilbronn: die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland) least ihre Firmenwagen nicht, sie kauft. 10000 Autos pro Jahr! Jetzt ist Audi rausgeflogen und man kauft bei BMW. Natürlich gibt es keine bestätigten Zahlen, man spricht aber von 48% auf den Listenpreis. Ich vermute das BMW damit vielleicht wenig an einem Auto verdient, minus werden sie aber nicht machen. Und jetzt soll ich einen BMW mit vielleicht 10-15% kaufen? Natürlich hat ein Händler nie diesen Spielraum, aber den verärgerten Kunden kann man schon verstehen.

Warum kosten also manche Geräte oder Zubehör in USA wesentlich weniger als bei uns (Steuer und Zoll eingerechnet)? Transport sollte es nicht sein, die Container kommen (hoffentlich) direkt von China hierher. Das der Komsument hier einen Ausgleich fordert, ist in meinen Augen verständlich.

Ist ein schwieriges Thema, hängt aber in meinen Augen vieles von den Herstellern ab. Solange diese andere Märkte subventionieren hört die Diskussion in hochpreisigen Ländern natürlich nie auf.

Reinhard
 
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