MeisterDee
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Hallo Leute,
angeregt von zwei Themen über ausgesprochen niedrigpreisige Teleskope möchte ich Euch von einem Teleskop berichten, das man mir kürzlich brachte:
Ein SkyLux 70/700.
„Der Bub hat das vor Jahren geschenkt bekommen, einmal durchgeschaut, seither steht es im Keller rum und immer im Weg. Dietmar, du kennst dich doch damit aus, guck doch mal, was man damit machen kann“ So kam es zu mir.
Und so könnte das damals ausgesehen haben:

Auch wenn ich mich mit so etwas doch nicht besonders gut auskenne, habe ich es mir mal angesehen. Ich sage es gleich: viel erwartet habe ich nicht.
Es handelt sich also um einen 70mm Refraktor mit 700mm Brennweite, auf einem EQ1-Nachbau, darunter ein Alu-Dreibein mit ausziehbaren Beinen. (Beinchen)
Im Zubehörpack:
1. Anleitung in deutscher Sprache
2. CD mit einer Planetariumssoftware für PC
3. 1,25“ Zenitspiegel
4. Okular 20mm
5. Okular 4 mm
6. 1,5x Barlowlinse, bildaufrichtend
7. 30mm Sucher
Das Teleskop
An dem sehr leichten Tubus mit fester Taukappe fällt sofort der äusserst wackelige
Okularauszug auf. Alles aus Plastik. Die Verchromung des Auszugsrohres soll wohl etwas Wertigkeit suggerieren, aber es bleibt billigstes Plastik.
Bei einem Öffnungsverhältnis von f/10 macht das Gewackel allerdings nicht viel aus, doch schön ist das auf keinen Fall. Liebhaber feiner Mechaniken würden weinen.
Die Montierung
Der EQ-1 Nachbau macht auf den ersten Blick einen einigermaßen soliden Eindruck. Die über biegsame Wellen betätigten Antriebe der Achsen laufen angenehm satt und so gut wie spielfrei. Die Lagerung hat auch so gut wie kein Spiel. Soweit ganz OK.
Die doppelte Rohrschelle aus Leichtmetall nimmt das Rohr gut auf, es läßt sich gut verschieben und auch gut fixieren. Für das leichtgewichtige Teleskop in Ordnung.
Azimuth- und Polhöheneinstellung ist sehr einfach gehalten, aber brauchbar.
Das Stativ
Das Alustativ stellt erwartungsgemäß einen echten Schwachpunkt dar.
Es gibt bei geringster Belastung nach, schwingt, federt, lässt sich verdrehen.
Das Anziehen der Schrauben in den Plastikgelenken tut weh, die Flügelmuttern sind scharfkantig und eigentlich viel zu klein. Sie erfüllen ihren Zweck nicht. Wie so Manches an dem ganzen Set...
Auch mit einer Zange angezogen läßt sich keine ausreichende Stabilität erreichen.
Das Beobachten
Der erste Beobachtungsversuch findet am Tage statt. Keine gute Idee.
Abgesehen davon, dass das Teleskop bei jeder Berührung zappelt und sich erst nach einer gefühlten Ewigkeit beruhigt, ist das Beobachten absolut kein Genuss:
Das Teil ist offenbar tagblind. Obwohl der Tag hell, sonnig und klar ist, sehe ich Alles nur im Nebel. Eine Taube auf dem Dach gegenüber, die Kaminabdeckung eines anderen Nachbarn. Nichts wird richtig dargestellt. Das Bild flau, kontrastlos, wie im Nebel. Hier zeigt sich die miese Qualität der Okulare. Das Billigste vom Billigen.
Mit dem 20mm Okular ist noch etwas zu erkennen, flau eben. Doch das 4mm fällt komplett durch. Die Linse ist so klein, dass man nicht glauben möchte, dass da überhaupt Licht durchkommt. Ein winziger Lichtpunkt, nur mit Mühe zu erkennen,
und auch nur in einer ganz bestimmten Position. Nur ein Hauch zu nah, oder zu weit weg, oder nur ein klein wenig aus der Mitte, und das Bild wird psychedelisch.
Das produziert nur eins: Kopfschmerzen.
Nochmal das 20mm, aber mit 1,5x Barlow: nicht besser. Ich schaue in eine Röhre. Am Ende ein schwer zu definierender Lichtpunkt. Das ist Müll.
OK, nochmal am Nachthimmel.
Ich starte mit dem Mond, der als kräftige zunehmende Sichel am Himmel steht.
Als das Teleskop nach Scharfstellen aufgehört hat zu zappeln stimmt der Blick durch das 20mm Okular etwas versöhnlich. Der Erdtabant ist eigentlich ganz gut abgebildet, was möglicherweise daran liegen kann, dass ich absolut nichts erwartet habe. Die Barlowlinse war bei Tag Müll, sie ist auch jetzt Müll. Völlig unbrauchbar.
Ich probiere das Ganze mit dem 4mm Okular und der Boden hat mich wieder.
Das Teleskop kommt einfach nicht zur Ruhe. Wahrscheinlich sende ich Gravitationswellen aus, die das Teleskop zum Schwingen bringen........
Wenn es dann doch mal einigermaßen still steht, ist das Bild katastrophal.
Helligkeit ist weg, Schärfe nicht hinzubekommen.
An der Luft liegt es nicht. Eine so klare Nacht hatten wir lange nicht!
Mit dem 80mm APO daneben erscheint die Mondoberfläche selbst bei Vergrößerung 87-Fach - knackscharf.
Ich probiere noch einmal mit dem 25mm Superplössl, das unserem C9,25 beilag.
Das Ergebnis: viel besser. Aber nicht berauschend. Selbst wenn der Anblick des jetzt etwas kleineren Mondes ganz nett ist, macht jede Berührung, jedes Scharfstellen mit dem unweigerlich folgenden Gezappel jeden beginnenden Ansatz von Spaß sofort wieder zunichte.
Noch ein Versuch am Stern.
Schwenk nach Nord-Ost, weg vom Mond. Eingestellt: Irgendetwas. Ich will die Darstellung von Sternen sehen. Ich nehme wieder das 20mm, und bekomme keinen Stern punktförmig eingestellt. Das 4mm Probier ich gar nicht erst.
Mit dem 25mm Superplössl werden Sterne schon deutlich besser abgebildet,
Feiner (auch wegen der 5mm mehr Brennweite) aber auch nie richtig punktförmig.
Die Versuche endlich ordentlich zu fokussieren machen mich ungeduldig, und meine Laune wird schlechter. Ich stelle mir gerade vor, Kinder gehen mit dem Teil erstmals voller Erwartung raus, und erleben das. Jetzt weiß ich genau, warum das Ding im Keller landete, und schließlich bei mir „entsorgt“ wurde.....
Ein paar Minuten noch mit dem APO, und ich bin wieder gut gelaunt.
Ich breche aber ab, weil es kalt geworden ist. Zu kalt für Badelatschen........
Mein Fazit
Auch wenn ich mir ganz sicher bin, dass die Herren Galilei oder Keppler verrückt geworden wären vor Freude, wenn sie mit diesem Teleskop hätten arbeiten können:
Diese Set kann ich heute niemandem empfehlen.
Keinem Einsteiger. Keinen Kindern. Auch Keinem mit knappem Budget.
Selbst für kleines Geld ist heutzutage mehr möglich.
Nur sehr Wenigen, würde das Spielen mit dem Ding Spaß bereiten.
Und die müssten schon viel Interesse mitbringen, und wissen, worauf sie sich einlassen.
Das Sinnvollste, was mir mit dem Ding zu tun einfällt, ist, es fein säuberlich zu zerlegen, und möglichst sortenrein dem Recycling zuzuführen.
CS
Dietmar
angeregt von zwei Themen über ausgesprochen niedrigpreisige Teleskope möchte ich Euch von einem Teleskop berichten, das man mir kürzlich brachte:
Ein SkyLux 70/700.
„Der Bub hat das vor Jahren geschenkt bekommen, einmal durchgeschaut, seither steht es im Keller rum und immer im Weg. Dietmar, du kennst dich doch damit aus, guck doch mal, was man damit machen kann“ So kam es zu mir.
Und so könnte das damals ausgesehen haben:

Auch wenn ich mich mit so etwas doch nicht besonders gut auskenne, habe ich es mir mal angesehen. Ich sage es gleich: viel erwartet habe ich nicht.
Es handelt sich also um einen 70mm Refraktor mit 700mm Brennweite, auf einem EQ1-Nachbau, darunter ein Alu-Dreibein mit ausziehbaren Beinen. (Beinchen)
Im Zubehörpack:
1. Anleitung in deutscher Sprache
2. CD mit einer Planetariumssoftware für PC
3. 1,25“ Zenitspiegel
4. Okular 20mm
5. Okular 4 mm
6. 1,5x Barlowlinse, bildaufrichtend
7. 30mm Sucher
Das Teleskop
An dem sehr leichten Tubus mit fester Taukappe fällt sofort der äusserst wackelige
Okularauszug auf. Alles aus Plastik. Die Verchromung des Auszugsrohres soll wohl etwas Wertigkeit suggerieren, aber es bleibt billigstes Plastik.
Bei einem Öffnungsverhältnis von f/10 macht das Gewackel allerdings nicht viel aus, doch schön ist das auf keinen Fall. Liebhaber feiner Mechaniken würden weinen.
Die Montierung
Der EQ-1 Nachbau macht auf den ersten Blick einen einigermaßen soliden Eindruck. Die über biegsame Wellen betätigten Antriebe der Achsen laufen angenehm satt und so gut wie spielfrei. Die Lagerung hat auch so gut wie kein Spiel. Soweit ganz OK.
Die doppelte Rohrschelle aus Leichtmetall nimmt das Rohr gut auf, es läßt sich gut verschieben und auch gut fixieren. Für das leichtgewichtige Teleskop in Ordnung.
Azimuth- und Polhöheneinstellung ist sehr einfach gehalten, aber brauchbar.
Das Stativ
Das Alustativ stellt erwartungsgemäß einen echten Schwachpunkt dar.
Es gibt bei geringster Belastung nach, schwingt, federt, lässt sich verdrehen.
Das Anziehen der Schrauben in den Plastikgelenken tut weh, die Flügelmuttern sind scharfkantig und eigentlich viel zu klein. Sie erfüllen ihren Zweck nicht. Wie so Manches an dem ganzen Set...
Auch mit einer Zange angezogen läßt sich keine ausreichende Stabilität erreichen.
Das Beobachten
Der erste Beobachtungsversuch findet am Tage statt. Keine gute Idee.
Abgesehen davon, dass das Teleskop bei jeder Berührung zappelt und sich erst nach einer gefühlten Ewigkeit beruhigt, ist das Beobachten absolut kein Genuss:
Das Teil ist offenbar tagblind. Obwohl der Tag hell, sonnig und klar ist, sehe ich Alles nur im Nebel. Eine Taube auf dem Dach gegenüber, die Kaminabdeckung eines anderen Nachbarn. Nichts wird richtig dargestellt. Das Bild flau, kontrastlos, wie im Nebel. Hier zeigt sich die miese Qualität der Okulare. Das Billigste vom Billigen.
Mit dem 20mm Okular ist noch etwas zu erkennen, flau eben. Doch das 4mm fällt komplett durch. Die Linse ist so klein, dass man nicht glauben möchte, dass da überhaupt Licht durchkommt. Ein winziger Lichtpunkt, nur mit Mühe zu erkennen,
und auch nur in einer ganz bestimmten Position. Nur ein Hauch zu nah, oder zu weit weg, oder nur ein klein wenig aus der Mitte, und das Bild wird psychedelisch.
Das produziert nur eins: Kopfschmerzen.
Nochmal das 20mm, aber mit 1,5x Barlow: nicht besser. Ich schaue in eine Röhre. Am Ende ein schwer zu definierender Lichtpunkt. Das ist Müll.
OK, nochmal am Nachthimmel.
Ich starte mit dem Mond, der als kräftige zunehmende Sichel am Himmel steht.
Als das Teleskop nach Scharfstellen aufgehört hat zu zappeln stimmt der Blick durch das 20mm Okular etwas versöhnlich. Der Erdtabant ist eigentlich ganz gut abgebildet, was möglicherweise daran liegen kann, dass ich absolut nichts erwartet habe. Die Barlowlinse war bei Tag Müll, sie ist auch jetzt Müll. Völlig unbrauchbar.
Ich probiere das Ganze mit dem 4mm Okular und der Boden hat mich wieder.
Das Teleskop kommt einfach nicht zur Ruhe. Wahrscheinlich sende ich Gravitationswellen aus, die das Teleskop zum Schwingen bringen........
Wenn es dann doch mal einigermaßen still steht, ist das Bild katastrophal.
Helligkeit ist weg, Schärfe nicht hinzubekommen.
An der Luft liegt es nicht. Eine so klare Nacht hatten wir lange nicht!
Mit dem 80mm APO daneben erscheint die Mondoberfläche selbst bei Vergrößerung 87-Fach - knackscharf.
Ich probiere noch einmal mit dem 25mm Superplössl, das unserem C9,25 beilag.
Das Ergebnis: viel besser. Aber nicht berauschend. Selbst wenn der Anblick des jetzt etwas kleineren Mondes ganz nett ist, macht jede Berührung, jedes Scharfstellen mit dem unweigerlich folgenden Gezappel jeden beginnenden Ansatz von Spaß sofort wieder zunichte.
Noch ein Versuch am Stern.
Schwenk nach Nord-Ost, weg vom Mond. Eingestellt: Irgendetwas. Ich will die Darstellung von Sternen sehen. Ich nehme wieder das 20mm, und bekomme keinen Stern punktförmig eingestellt. Das 4mm Probier ich gar nicht erst.
Mit dem 25mm Superplössl werden Sterne schon deutlich besser abgebildet,
Feiner (auch wegen der 5mm mehr Brennweite) aber auch nie richtig punktförmig.
Die Versuche endlich ordentlich zu fokussieren machen mich ungeduldig, und meine Laune wird schlechter. Ich stelle mir gerade vor, Kinder gehen mit dem Teil erstmals voller Erwartung raus, und erleben das. Jetzt weiß ich genau, warum das Ding im Keller landete, und schließlich bei mir „entsorgt“ wurde.....
Ein paar Minuten noch mit dem APO, und ich bin wieder gut gelaunt.
Ich breche aber ab, weil es kalt geworden ist. Zu kalt für Badelatschen........
Mein Fazit
Auch wenn ich mir ganz sicher bin, dass die Herren Galilei oder Keppler verrückt geworden wären vor Freude, wenn sie mit diesem Teleskop hätten arbeiten können:
Diese Set kann ich heute niemandem empfehlen.
Keinem Einsteiger. Keinen Kindern. Auch Keinem mit knappem Budget.
Selbst für kleines Geld ist heutzutage mehr möglich.
Nur sehr Wenigen, würde das Spielen mit dem Ding Spaß bereiten.
Und die müssten schon viel Interesse mitbringen, und wissen, worauf sie sich einlassen.
Das Sinnvollste, was mir mit dem Ding zu tun einfällt, ist, es fein säuberlich zu zerlegen, und möglichst sortenrein dem Recycling zuzuführen.
CS
Dietmar