Hallo Harald,
@Zackzarack,
da Du von Beginn mit 100° Okularen geliebäugelt hast,
- ES 100° | 2" | 25 mm | 48x | AP 4,2 mm | 1.080 g
- TV Ethos 100° | 1,25" | 13 mm | 92x | AP 2,2 mm | 585 g
- TV Ethos 100° | 1,25" | 6 mm | 200x | AP 1,0 mm | 439 g
dachte ich okay Budget ist nicht die Frage, und sehr gut ist im Prinzip nie verkehrt.
Ich habe mich vergangenen August (2020) für die ES Okulare mit 82° entschieden und bin sehr zufrieden damit. Das sind Okulare in der 150 € Klasse, Ausnahme das 24 mm, das kostet ca. € 250. Aber aktuell ist meistens gar nicht das vorhandene Budget ausschlaggebend sondern ob man überhaupt das gewünschte Okular in den nächsten Monaten (drei bis sechs Monate) geliefert bekommt. Ich habe letztes Jahr zum Teil statt in Deutschland in UK (als die Insel noch zur EU gehörte) und in Polen bestellt. Basierend auf meiner guten Erfahrung mit ES kann ich Dir empfehlen:
- ES 82° | 2" | 24 mm | 50x | AP 4,0 mm | 700 g
- ES 82° | 1,25" | 11 mm | 109x | AP 1,8 mm | 300 g
- ES 82° LER | 1,25" | 6,5 mm | 185x | AP 1,1 mm | 325 g
Ich finde Deine Idee sich auf drei Okulare zu beschränken gut. Dabei geht man bewusst den Kompromiss ein beim Übersichtsokular eine mögliche AP von 6 mm nicht zu erreichen und bei der maximal möglichen Vergrößerung an den raren Abenden (ein oder zwei mal im Jahr) mit besten Seeing Bedingungen nicht das letzte raus holen zu können, aber ansonsten immer rundum gute Beobachtungen bei sinnvollen Vergrößerungen ohne häufige Okularwechsel machen zu wollen/müssen.
Ich will noch erklären warum und die Umstände erläutern weshalb ich denke man kann gut auf ein "längeres" Okular mit weniger Vergrößerung und größerer AP verzichten. Ich verwende als Sucher ein Sucherfernrohr 9x 50mm mit rechtwinkeligen Einblick und beleuchtbaren Fadenkreuz. Zum Thema Sucher gibt es viele und sehr konträre Meinungen. Stichworte dazu sind z.B. Telrad-, Leuchtpunkt-, Sucherfernrohr gerade, Sucherfernrohr 90° Einblick. Wie man sucht und findet hängt nach meiner Einschätzung sehr stark davon ab was man als "Dokumentation" zum Aufsuchen verwendet. Ich denke und rate hier, wenn man mit Papier zu Werke geht, arbeitet, sucht und findet man anders, als wenn man z.B. eine Smartphone APP (Skysafari) oder eine Computer Software (Stellarium) als Dokumentation verwendet. Ich habe mit Skysafari begonnen, dort mir die Objekte anzeigen lassen, diese dann in "Echt"

am Himmel angeschaut. Dazu habe ich die nackten Augen und auch ein kleines Fernglas verwendet. Dadurch ist es für mich inzwischen (Lernkurve) einfach Strukturen, Zusammenhänge zu erkennen und jeden Abend dazu zu lernen. Deshalb ist es für mich kein Problem die "life" erkannten Strukturen im Sucherfernrohr am Newton wieder zu finden, mit etwas Geduld findet man dann auch das Wunschobjekt im Okular. Bei mir funktioniert diese Vorgehensweise sehr gut und macht mir richtig viel Freude. Einzig vom Smartphone und Skysafari bin ich weg, denn ich konnte mein Android Teil nicht so bändigen, dass zwischendurch nicht doch irgendwas die "Nachtsicht" gleißend hell durchbrochen hat und die antrainierte Nachtsicht wieder weg war. Mit Windows im Nachtmodus und Stellarium hat man immer durchgehend über alle Anwendungen eine rötliche Nachtsicht.
Für mich ist das Sucherfernrohr nicht ein ungeliebtes Vehikel oder eine astronomische, optische Notlösung sondern es ist für mich zu einem hochwertigen Beobachtungs-Instrument geworden und hat für mich die gleiche Wertigkeit wie ein teures Okular. So gesehen ergänzt für mich das Sucherfernrohr die Okular-Palette in Richtung kleiner Vergrößerung und mehr Überblick und ist damit wie ein zusätzliches, vollwertiges, in Deinem Fall viertes "Weitwinkel" Okular. Habe ich im Okular den Zusammenhang und das Ziel aus dem Auge verloren, genügt mir oft ein kurzer Durchblick im Sucherfernrohr und ich weiß wieder wo ich bin und wohin ich will. Und man muss dazu nicht mal erst das Okular wechseln!
Das ist meine rein persönliche Erfahrung und Meinung. Die Vielzahl an Variationen in Ausrüstung, Herangehensweise und Ziele in der Astronomie verursachen, dass jeder der hier berät natürlich seine ihm eigene, erprobte und bewährte Erfahrung basierend auf seiner Ausrüstung vermittelt. Der um Rat fragende Beginner hat das Problem überhaupt nicht zu wissen was er eigentlich will und wird dann hin und her geworfen von zum Teil konträren Empfehlungen, Ratschlägen gepaart mit Budgetüberlegungen und Grundsatzentscheidungen. Final wirst Du Deine eigene Erfahrungen machen müssen um zu wissen was perfekt für Dich passt.
MünchenBeiNacht - Ewald