Astronomie und Philosophie

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Hallo zusammen!

Habt ihr nochmal Lust auf eine Runde in unserem Philosophischen Kabinett?
Leute, ich bin so müde, die Nacht war zu kurz. Wir haben hier echt kein Hobby für "alte" Leute (48 Sonnenumrundungen in meinem Fall), die Wert auf einen geregelten Tagesablauf legen ;). Gut, dass irgend eine Kraft im Universum den Kaffee erschaffen hat - oder er einfach von selbst gewachsen ist, weil es die Naturgesetze ermöglichten!

Nun aber zum Thema.
Wo waren wir stehen geblieben?
Beim Sinn. Des Universums. Des Lebens.
Was ist Sinn überhaupt?
Ist er einfach so vorhanden oder muss er durch etwas entstehen? Durch eine Handlung. Oder Interaktion zweier bewusster Wesen. Auf irgendeiner Ebene ihres Seins.

Nimm einen PC.
Da habe ich mich 20 Jahre beruflich und 20 Jahre rein Hobbymäßig mit beschäftigt.
WARUM so ein Teil funktioniert, viel Physik, Mathematik... ... ...
Der "Sinn", eine Maschine die viele Rechenaufgaben, nichts anderes macht ein Computer, schnell und mehr oder weniger auch parallel zu bewältigen.
"Sinn" und "Warum" sind für mich zwei Dinge.
Da kann ich im Grunde komplett zustimmen. Zum Sinn im Zusammenhang mit diesen Apparaten sind mir letzte Nacht noch ein paar Gedanken gekommen:
Mit dem Computer kann ich schreiben und in Zusammenhang mit weiteren für Laien kaum verstehbaren "Wundern" der Technik wird es uns ermöglicht, uns hier im Forum über all diese Dinge auszutauschen. Da ist der Computer etwas, das einen Zweck erfüllt, für den er konstruiert wurde. Von klugen Menschen wie Dir, die die richtigen Gehirnwindungen besitzen, um all das, was dafür nötig ist, verstehen.

Ein Sinn kommt meiner Ansicht nach erst dann in die Sache, wenn sich zum Beispiel wir beide unter Zuhilfenahme der technischen Möglichkeiten über Dinge austauschen, nachdenken, neue Einsichten gewinnen, uns aufeinander einlassen (und nebenbei vielleicht auch noch bei einigen von denen, die hier bis jetzt nur still mitlesen - hallo auch an euch! - ein paar Gedanken in Bewegung versetzen).

Ohne dieses technische Gerät wären wir beide wahrscheinlich nie in einen Austausch über diese Themen geraten. Und das, obwohl sich das Universum oder das, was vorher da war, soviel Mühe damit gegeben hat, uns beide zu erschaffen - sei es nun, durch die Naturgesetze, durch eine göttliche Kraft oder durch beides zusammen. Wir entstanden mit unseren unterschiedlichen Einstellungen und unserer gemeinsamen Begeisterung für die Astronomie, die uns schließlich hier zusammenbrachte. Wär doch schade, wenn das nie passiert wäre! ;) Wenn wir weiter wie zwei weit voneinander entfernte Galaxien zwischen anderen Galaxien herumgetrieben wären, ohne je voneinander auch nur zu erfahren. Zwei Galaxien, die von derselben Kraft, denselben Naturgesetzen erschaffen wurden, und doch kaum unterschiedlicher sein könnten. Und die nun durch die Hilfe der modernen Technik mal kurz die Gelegenheit bekommen, ihre äußersten Randgebiete ein wenig aneinander schrammen (oder besser: miteinander interagieren) zu lassen. Und erst jetzt kann aus dieser Technik so etwas wie Sinn entstehen. Weil wir sie nutzen, um zu interagieren. Um aus dem, was da ist, mit Hilfe unseres Bewusstseins und unserer Fähigkeit zu denken etwas Neues entstehen zu lassen. Denke ich. Zumindest im Moment.

Ich brauch noch einen Kaffee!
Wir haben uns geeinigt, dass das hier ein charmanter "Laber"-Faden ist? Gut, dann mach ich noch ein wenig weiter.

Sinn impliziert für mich das da irgendwann, irgendwo... ... ... ein er, eine sie, ein es... ... ... und sich bei der "Schaffung" des Universums was "gedacht" hat.
Das geht mir persönlich zu sehr ins religiöse und damit habe ich es nicht so.

Um nochmal dran zu erinnern: Mit dem Religiösen hab ich es ebenfalls nicht so. Glaub ich. Aber wenn man dann da draußen ist in der Nacht, ...

Ist das für Dich dann wirklich alles nur Physik, Mathematik, Quantenmechanik und was es im Gruselkabinett der Naturwissenschaften sonst noch so alles gibt, um die diese unglaublichen Vorgänge dort um uns herum irgendwie logisch erklären zu können? Fehlt Dir da nicht manchmal etwas?

Ich meine, stell Dir eine wirklich gelungene Beobachtungsnacht vor. Es waren top Bedingungen, Du bist mit den Ergebnissen zufrieden. Du hast weder Kreuzweh noch ist Dir kalt noch hast Du Hunger oder Durst. Du hast diese Nacht zusammen mit netten Gleichgesinnten verbracht oder es genossen, allein zu sein. Du schaust hinauf zu den Sternen und denkst Dir: Mann, wie toll die Naturgesetze das alles eingerichtet haben! Vielleicht bist Du so begeistert, dass Du vor dieser Schönheit und dem, was die Physik da zusammengeschustert hat, staunend in die Knie gehen könntest. Du bist mit Dir selbst, diesem Abend und den Dingen da draußen vollauf zufrieden.

Bist Du Dir in solchen Momenten dann immer sicher, dass es da nicht doch irgendwo in Dir drin, in einem kleinen dunklen Hinterzimmer auf einer inneren Ebene, die sich Deinem Verstand entzieht, etwas gibt, das trotz der Perfektion nicht satt geworden ist? Etwas, das sich jenseits der Logik nach etwas ganz Anderem sehnt, als der Erkenntnis, dass die Naturgesetze es schon richten werden?

Du musst mir das nicht beantworten. Ich ahne Dein: "Äh, nö!" bereits. Aber vielleicht magst Du diese Fragen in einer ruhigen Stunde mal auf den Weg schicken. Damit sie ganz vorsichtig und behutsam erkunden, wo sie dieses Hinterzimmer vielleicht finden könnten. Falls es das überhaupt gibt. Wenn die Logik es irgendwie zulässt.

Nur mal so als Denkanstoß. Muss zu keinem Ergebnis kommen, aber vielleicht darf es ein wenig wirken. Vielleicht.
So, wie es mir auch ein Denkanstoß war, über die Vorteile nachzudenken, die eine etwas rationalere Einstellung zu den Dingen, haben könnte. Könnte. In gewissem begrenztem Umfang.

Nun ist es mir, bevor ich für dieses Mal jetzt hier ende, ein Bedürfnis, mich bei Dir und allen anderen hier für diesen außergewöhnlichen Austausch zu bedanken!

Herzliche Grüße
Sabine
 
Du schaust hinauf zu den Sternen und denkst Dir: Mann, wie toll die Naturgesetze das alles eingerichtet haben! Vielleicht bist Du so begeistert, dass Du vor dieser Schönheit und dem, was die Physik da zusammengeschustert hat, staunend in die Knie gehen könntest.
Das ist m.E. eher ein neuzeitliches Phänomen. Wir, die wir nicht nur mit Lesch & Co und an jeder Ecke von Wissenschaft und Naturgesetzen bombardiert werden, können uns kaum mehr aus dieser Betrachtungs-Schublade retten. Und was man nicht weiß, liest man nach, und so hat die "Nullpunkt-Energie" bereits die Esoterik beflügelt und die Quantenmechanik hilft den schillerndsten Geisterbeschwörern aus der Patsche. Es liegt alles an den Naturgesetzen, Gott sei (witziger Weise) Dank.

Nein, lassen wir doch mal die Physik beiseite, knien wir mal kurz nicht vor den "Gesetzen" der Natur, sondern vor dem, was IST. Ohne zu fragen, woher, wohin, warum, seit wann und wie lange... lassen wir das Gesetz weg. Wir freuen uns tierisch daran, dass es Gesetze gibt, an die sich die Natur gefälligst zu halten hat. Und der Rest der Menschheit freut sich ebenfalls, dass es dann einen Gesetzesmacher geben muss, der sie erlassen hat. Und erfinden Gott neu, diesmal als Architekten der Naturgesetze.

Lässt man all das beiseite, bleibt übrig, was auch ohne jede Physik und ohne jede Erkenntnis erfurchtgebietend da ist: das All, das Universum, der Regenwurm und Gummibaum. Das alles hat sich erhoben aus wasauchimmer ganz ohne Gesetzestext, ohne Absperrung um die Baustelle, ohne vorher die Formeln aufgestellt zu haben. Jahrtausende huldigten die Menschen dem Universum, und nicht dessen Gesetzen. Das wurde erst vor Kurzem Mode, diesen einen, merkwürdigen Satz immer wieder zu sagen: "Wären die Naturgestze nur geringfügig anders, würde das alles nicht existieren".

No na. Welch Weisheit. Es klingt aber immer nach "welch genialer Entwurf, und alle haben sich akribisch daran gehalten." Nun, ich sehe es ebenso gelassen wie anders: das Universum hatte womöglich gar keinen Plan, das Universum hat einfach des Beste aus sich gemacht. Und da stehen wir nun. Vor Supernovae, schwarzen Köchern, Filamenten, Galaxienhaufen, Riesensonnen und brauchen Zwergen, Zentilliarden vom Planeten und Monden, unsichtbarer Materie oder Energie, bei Gott keine übersichtliche und gleichmäßige Welt vom Reisbrett, wie mir scheinen will. Eher das Beste, das aus dem Chaos am Anfang zu holen war. Und nicht minder beeindruckend. :coffee:

Bist Du Dir in solchen Momenten dann immer sicher, dass es da nicht doch irgendwo in Dir drin, in einem kleinen dunklen Hinterzimmer auf einer inneren Ebene, die sich Deinem Verstand entzieht, etwas gibt, das trotz der Perfektion nicht satt geworden ist?
Das wird man zu Lebzeiten selten, denke ich... völlig satt.
Aber genau diese Erkenntnis könnte der beruhigende, demütige letzte Bissen sein, mit dem es gelingt.

lg
Niki
 
Ich meine, stell Dir eine wirklich gelungene Beobachtungsnacht vor. Es waren top Bedingungen,
Wenn ich beobachte denke ich recht wenig.
Da erfreue ich mich an dem Anblick der Objekte.
Da ist mir Physik, Mathematik, Quanten... ... ... ziemlich wurscht :D.

Da ist das Teleskop in seiner Gesamtheit ein Werkzeug, wie der Computer den ich nutze, ob beruflich oder als Hobby.
Wie der Hammer für den Zimmermann, der LKW für den Kraftfahrer... ... ...
Da ist es mir in dem Moment herzlich egal wie das alles im Einzelnen funktioniert.

Da sehe ich z.B. Saturn mit seinen Ringen. Freu mich einfach. Wenn dann der/die Ring(e) noch richtig gut stehen, dann freu ich mich noch mehr. Da denke ich nicht darüber nach wie das zustande kommt.
In dem Moment(en) ist es einfach schön zu sehen. Nicht mehr und nicht weniger.
Am nächsten Tag, oder auch später, kann es natürlich vorkommen, das ich überlege wann Saturn seine Ringe noch besser zeigt.

Ich "hechle" auch nicht den Messier-Objekten, oder auch anderen Katalogen, hinter her.
Was ich in diesem Jahr nicht zu sehen bekomme, dann vielleicht im nächsten oder übernächsten.
Es läuft da nichts weg ;), und das wird aller Voraussicht nach auch noch zu meinen (unseren) Lebzeiten so bleiben.
Obwohl genau wissen können wir es ja nicht, rein von der Wissenschaft her schon ;), aber wir schauen ja mit unserem Teleskop in die mal mehr, mal weniger weit entfernte Vergangenheit. In 1000, 750 oder 2,3 Millionen Jahren kann viel passieren.

Ich suche mir meist vorher Objekt aus, die ich gut "erreichen" kann und die mich interessieren, weil ich was drüber gelesen habe oder sie mir einfach gefallen.
So eine Art Vorab-Beobachtungsplan. Nun ja... ;) erstens kommt es anders als man zweitens denkt... also kein "sklavisches" dran halten.

Das ist für mich der "praktische" Teil der Astronomie. Das Beobachten, das sehen.
Ohne wissenschaftlichen Anspruch :D.
Der andere Teil ist halt die Theorie, auch ohne wissenschaftlichen Anspruch.
Einfach zu verstehen, meist eher weniger ;), was aus der professionellen Astronomie, Astrophysik... ... ... heraus kommt, da z.B. das von Niki erwähnte Buch "Einsteins Spuk"... ... ...
Auch geschichtliches, z.B. über Fraunhofer (Geheimcode der Sterne).
Da gibt es so vieles zu lesen, zu lernen... ... ...

Auch wenn ich mich wiederhole, das Universum ist da.
Es macht sich keine Gedanken, entwickelt keine Ideen.
Mit uns, ohne uns, es schert sich nicht um unsere Gedanken, unsere Kunst, Bücher oder um unser Dasein.
das Universum hatte womöglich gar keinen Plan,
Und es ist trotzdem da ;).

Das Rationale von meiner Seite, die Mathematik, Quantenphysik... .... ...
Auch wenn ich es vielleicht mit der Zeit alles besser verstehen lerne, dem ein oder anderen Astrophysiker, Quantenphysiker, besser folgen kann, werde ich das reine Beobachten auf lange Sicht nicht aufgeben.
Da ist einfach so viel zum Anschauen da... ... ...

Auch ein Grund, warum ich mal wieder Spektroskopie in seiner einfachen Form angehen werde und eben so die Sonnenbeobachtung weitergehend als im Weißlicht.
Spektroskopie aber dann nicht zum sehen, eher mehr um zu verstehen was Fraunhofer und Vorgänger wie Nachfolger da gemacht haben.
Die weiterführende Sonnenbeobachtung, da gehts mir dann mehr ums reine sehen :D.

Beeindruckend ist es und faszinierend, um es mal wieder mit Mr. Spock zu sagen ;).
 
Hallo ihr!

Wenn ich beobachte denke ich recht wenig.
Da erfreue ich mich an dem Anblick der Objekte.
Da ist mir Physik, Mathematik, Quanten... ... ... ziemlich wurscht :D.
Na, das beruhigt mich jetzt doch! ;)

Nach all dem, was wir nun hier diskutiert, betrachtet, in unseren Köpfen hin und her gedreht haben, zeigt sich für mich so ein Bild, dass bei all unseren unterschiedlichen Sichtweisen und Herangehensweisen an die Philosophie in der Astronomie uns doch etwas eint: Dass wir uns an dem Anblick des Sternenhimmels erfreuen, dass es etwas in uns auslöst, dass er unser Interesse weckt und uns zum Lernen anregt. Und dass wir uns Gedanken darüber machen, wie das alles dort oben und auch wir selbst entstanden sind. Welche Art von Kräften da am Werk gewesen sein könnten und warum. Und ob es dieses Warum überhaupt braucht. Und so weiter.

Mich würden an dieser Stelle nun auch die Gedanken von euch, liebe stille Mitleser da draußen, interessieren. Ich weiß, dass ihr da seid! :) Was löst der Blick in den Nachthimmel bei euch aus? Welche Philosophie zieht ihr daraus?
Vielleicht haben wir euch ein wenig verschreckt. Gerade ich hab ja auch Themen hier mit hereingebracht, die nicht gerade leichte Kost sind.
Also, wenn da noch jemand ist, der uns hier seine oder ihre (wo sind hier eigentlich die Frauen??) Sicht der Dinge erzählen möchte: Ich fänd's interessant!

Lasst uns doch hier noch ein wenig weitermachen, ganz im Sinne unseres Themen-Eröffners:
Moin,
Astronomie ist krass, "Wir" Hobbyastronomen beobachten Galaxien, Nebel, Sterne und Sternenhaufen, welche wir wahrscheinlich nie erreichen können. Egal mit welchem Equipment, ich fühle mich bei der Betrachtung von Aufnahmen astronomischer Natur immer sehr klein und einer riesen, riesen Macht ausgesetzt. Ich persönlich bin nicht gläubig, doch bei manchen Galaxien und Nebel
kann ich mir kaum Vorstellen, dass sie ja eigentlich reiner Zufall sind.
Wobei es ja eigentlich viel Schöner ist, dass es Zufall ist.
Fragt ihr euch nicht auch manchmal wie verdammt schon fast absurd schön der Kosmos ist?
Wenn das nen Mensch erfunden hätte, müsste dieser echt einen im Tee haben, ich meine Schwarze Löcher, Pulsare, Neutronensterne.....
Auch die Entfernungen und die pure Anzahl an Galaxien und Sternen sind kaum Greifbar.
Eine berühmte Aufnahme, der Andromeda Galaxie von Hubble verdeutlicht wie viele Sterne es gibt.
Ich verfolge keine Astrologischen Gedanken, weshalb ich auch im Astronomie Sektor des Forums bleibe, denn ich möchte wissen, was ihr für eine Philosophie aus der Astronomie und dem Kosmos zieht. Seid ihr Gläubig geworden, habt ihr euer Leben verändert?
CS
Tom

Herzliche Grüße
Sabine
 
Ich habe schon dreimal das Hauptwerk von Arthur Schopenhauer "Die Welt als Wille und Vorstellung" gelesen und habe immer noch nicht kapiert was dieses Genie geschrieben hat. Das mag verschiedene Ursachen haben. ;)
Deswegen ziehe ich mir Philosophie rein, weil ich meine, Philosophie ist die Wissenschaft der Wahrheit.
Gruß *entfernt*
 
Den muss man aushalten wollen können. Intellektuell punktuell brillant, aber ein Misantrop, der sich selbst an Verbissenheit oft nicht mehr zu überbieten vermochte... :unsure: Depressiven würde ich andere Kollegen von ihm empfehlen...

Philosophie ist die Wissenschaft der Wahrheit.
Das wäre schön... allein sie sucht eher die Verstrickungen der Beschreibung des Seins mit dem Sein selbst, versucht die Unzulänglichkeiten zu klären und die Grenzen zu ertasten, was wir wohl glauben zu wissen zu vermeinen. Manches ist nur mehr metaphorisch erfühlbar, sie agiert mit Allegorien oft kapp am Unsagbaren. Ich halte sie für wichtig, auf einer ganz anderen Eben, als die Naturwissenschaften das für sich beanspruchen.

Oder sagen wir: sie erzählt vom Versuch der Suche nach einer Wahrheit. :coffee:

lg
Niki
 
Depressiven würde ich andere Kollegen von ihm empfehlen...
Ich meine nicht Depressiv zu sein. Und trotzdem ist mir Schopenhauer genauer und lesenswerter als sogenannte neue Philosophen, z. B. Richard David Precht, der mir nie in Sinn kommen würde wieder etwas von ihm zu lesen
... andere Kollegen von ihm empfehlen...
Und welche?
Gruß *entfernt*
 
Eigentlich alle, BIS auf Schopenhauer :LOL:... aber gut, er ist natürlich schon ein Denker gewesen, keine Frage. Aber ich halte ihn nicht gut aus. Da gehts mir wie beim Steppenwolf von Hesse, die Eindringlichkeit des achselzuckenden, unbedeutenden Seins ist fast unerträglich - eine lebendige Tristesse könnte man sagen...

Aber die Altvorderen sind allesamt spannende Denker gewesen, von den Griechen angefangen - aber auch Descartes bis Simone de Beauvoir (!) und natürlich Leibnitz (mit der so entzückenden Monaden-Lehre) bis Kant (die Kritik der reinen Vernunft möchte man gerade auch in Diskussionen oft mal anbringen) und Hegel...

Abgesehen von den typischen Philosophen gefallen mir aber auch Gedanken und Präzision von Noam Chomsky, Unterhaltsames wie Watzlawick, lehrreiches wie Popper (Alles Leben ist Problemlösen) oder die verträumtere Betrachtung von Fritjof Capra im Tao der Physik oder populäres wie Tor Nørretranders Spüre die Welt... und im zeitlichen Kontext richtig Gelesenens von Frankl...

Eigentlich ist die Liste endlos. :D
Im Gegensatz zur Lebenszeit...

Was gefällt Dir so an Schopenhauer? (PS: Hier in Wien gibts ein Billard-Cafe, das Willkommen im Café Schopenhauer - Café Schopenhauer, falls Du mal die Stadt bereist... zumindest der Name hat etwas mit ihm zu tun. :cool:)

lg
Niki
 
Hallo Niki,
jetzt hast du mir Lesestoff präsentiert, da bin ich mir nicht sicher, ob meine Gedankenstränge das noch weiterleiten können.

Na ja, sein Hauptwerk werde ich wieder lesen müssen, schon wegen seiner astronomischen Gedanken. Und er hat ja nicht nur selbst seine eigenen Gedanken zu Papier gebracht.
Er zitiert auch die Altvorderen mit den Worten :
"Denn es gibt keinen anderen Ort für dieses Weltall als die Seele", oder "Man darf die Zeit nicht außerhalb der Seele annehmen, und die Ewigkeit im Jenseits nicht außerhalb des Seienden". (Plotinos) wer immer das war.
Eigentlich bin zu Schopenhauer wegen seinem kleinen Büchlein "Aber die Sprache lasst unbesudelt" gekommen.
Und weil du meinen Lieblingsschriftsteller Hermann Hesse erwähnt hast, empfehle ich dir das Büchlein "Eigensinn macht Spaß" und "Mit der Reife wird man immer jünger".
Zweimal im Jahr fahre ich mit dem Rad in seine Geburtsstadt Calw (eine Strecke 38km) immer den Schwarzwald hoch und schüttle ihm die Hand an der lebensgroßen Bronzefigur. :D:D
Und ins Kloster Maulbronn, wo sein Buch "Unterm Rad" handelt.
Wenn ich schon bei "Empfehlungen" bin,
Herbert N. Casson, "Kennen Sie sich" mit dem Untertitel (So sind Sie).
Noch zu Hegel, was ist bei ihm lesenswert? Du weißt schon wie Schopenhauer zu ihm stand!
Und Wien, bissel weit mit dem Rad:D
Gruß *entfernt*
 
Noch zu Hegel, was ist bei ihm lesenswert?
Ich habe ihn nur quergelesen ("Jede Bestimmung ist eine Verneinung"... Wissenschaft der Logik), früher kaufte ich oft anfallsartig hie und da eine Einkaufstasche voller Philosophen (zB eben auch Schopi, den gabs in einer Kassette vergünstigt mit hübschem Einband) - das meiste hab ich nach dem Lesen wieder gespendet, vorwiegend der Caritas, wer weiß, vielleicht braucht dort manch einsame Seele Trost, obgleich die finanziellen Probleme wohl überwiegen werden.

Hegel klingt für mich nicht uninteressant in seinem ganzheitlichen Ansatz in Richtung Naturphilosophie, da sind gute Gedanken dabei, ebenso in R. Riedels Evolutionärer Erkenntnistheorie, auch wenn der nicht ganz unumstritten ist. Jedenfalls gibt es in der Hegelgasse in Wien ein nettes Büchercafe. :)

Für mich ist interessant, was Menschen denken, an "Wahrheit" erfahren und beschreiben zu können. Seit der Relativitätstheorie und der Implikationen, dass "Zeit" womöglich etwas ganz anderes ist, als wir denken, tun sich wieder neue Denkmodelle auf, aber in Wahrheit stimmt letztlich für alle der Satz: "Die Landkarte ist nicht das Land". Was immer wir in Formeln darlegen, was immer wir auf tausenden Seiten philosophieren... der Augenblick, beim Meditieren kurz eins mit allem zu werden ist einfach weder beschreibbar noch ersetzbar.

Er ist selten und kostbar.
Und ich kenne ihn.

Eigentlich haben ihn große Forscher auch erlebt, etwa Gellman, was er in seinem Buch Das Quark und der Jaguar kurz selbst beschreibt. Das ist, was ich Inspiration nenne. :y:

lg
Niki
 
Hallo ihr!

Nun hab ich auch mal in meinem Bücherregal nachgeschaut, und sie stehen immer noch da: Seneca und Marc Aurel. Die beiden haben mich mal eine Weile recht intensiv begleitet. Inzwischen sind sie ein wenig eingestaubt.

Hab Marc Aurels "Selbstbetrachtungen" aufgeschlagen, und da stand:

Daran musst du immer denken, was die Natur des Ganzen und was die deinige ist und in welchen Beziehungen diese zu jener steht, und von welchem Ganzen sie einen Teil bedeutet und dass es dir niemand wehren kann, im Reden und Handeln dich immer in Übereinstimmung mit der Natur, von der du ein Teil bist, zu befinden.

Er muss hier mitgelesen haben...

Liebe Grüße
Sabine
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Bei mir auch :y:
Um Schopenhauer zu zitieren und beim Thema "Astronomie und Philosophie" zu bleiben :
"Die Zeit hat keinen Anfang noch ein Ende, sondern aller Anfang und Ende ist in ihr."
"Der Raum hat keine Gränzen, sondern alle Gränzen sind in ihm"
"Die Materie hat keinen Ursprung noch Untergang, sondern alles Entstehen und Vergehen ist an ihr."
So heute kommt mein Enkelsohn aus München und wir wollen bissel Mond schauen. :D:y:
Schönes Wochenende.
Gruß *entfernt*
 
Dann erlaube ich mir auch mal...
Mein Schwerpunkt im Zusammenhang mit der Astronomie bzw. dem "Kosmos" im Wortsinn liegt bei den Griechen. Heraklit ist da als Denkanstoß immer noch faszinierend. Die meisten kennen die Aussage "Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen". Das verweist auf die Tatsache ständiger Veränderung, die für alles gilt. Bei Heraklit geht es um das Grundprinzip steter Veränderung bzw. der Dynamik. Weder Materielles noch Immaterielles (wie etwa die Ideen) sind wirklich der Ursprung, sondern dieses abstrakte Prinzip, wonach nichts unverändert bleibt. Das ist das einzig Unveränderliche. Dieses ist heute eine Grundlage aller Wissenschaft. So kann seine Sicht ein spannender Ansatz nach 2500 Jahren sein für mein Nachdenken über das Universum. Spannend, finde ich.
Sein Zeitgenosse Parmenides zielt dagegen mit seinem Prinzip eines unveränderlichen Seins weg von der Natur zum abstrakten Denken eines "Dahinter" - Philosophie eben :).​
Beim Blick in den Himmel liegt die Frage nach einem Unveränderlichen hinter einer sich verändernden Oberfläche doch gar nicht weit.
Gruß
Thorsten
 
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