Was man beim Kauf von Großferngläsern (+Teleskopen) beachten sollte Teil 1

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HelmutLang

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Liebe Sternfreunde!

Was macht man bei der Instrumentenauswahl vor allem als Anfänger (wenn man noch gar nicht weiß, was man am Sternenhimmel so alles anschauen/finden kann – und man dann „ALLES“ sehen will) so alles falsch.
Rückblickend betrachtet, zäumte ich das Pferd von hinten auf, bis ich schließlich und endlich das hatte, was meinen Erwartungen entsprach.
Mit diesem kleinen Ratgeber, will ich das so manch anderem ersparen und für Anfänger ist ein Allrounder oder vielleicht auch nur ein Fernglas nicht das schlechteste.
Nebenbei: Mit Astrofotografie hatte ich nie was am Hut und kenne ich mich nicht aus. Hier erst mal eine Liste aller Instrumente, der Größe nach angeordnet
(die Zahlen dahinter geben die aufsteigende Chronologie an) die ich im Laufe meines Astrolebens hatte, (wobei diejenigen mit „+“ gekennzeichnet sind, die ich noch habe),
dass man sieht, wovon ich rede/schreibe.

- (8) 8x30mm Deltrintem (Zeiss) wahres Gf 9°, AP=3,75mm

+ (11) 5x32mm (Miyauchi) wahres Gf 13,25° AP=6,4mm

+ (6) 7x50mm (Fujinon) wahres Gf 7,5° AP=7,15mm

- (10) 7x50mm Binon (Miyauchi) wahres Gf 9,5° AP=7,15mm

- (9) 10x50mm Dekarem (Zeiss) wahres Gf 7,3° AP=5mm

- (7) 16x70mm (Fujinon) Gf 4° AP=4,4mm

- (12) 20+40x100mm ED 4“ mit 90°-Einbl (APM) 20x: Gf 2,7° AP=5mm

- (2) 100mm f/10 4“ Maksutov (Russentonne) nur 31,8mm Okus

+ (4) 150mm f/5 FH- 6“ Refraktor (Farbwerfer) 24x: Gf 3,4° AP=6,25mm
effektive Öffnung 6“

- (1) 200mm f/10 SC 8“ (Meade) 64x (mit 31erNagl): Gf 1,25° AP=3,1mm
effektive Öffnung 5,5“

+ (13) 250mm f/4,8 10“ Reisedobson (R. Schulten) 39x: Gf 2,1° AP=6,4mm
effektive Öffnung 8"

+ (5) 457mm f/4,5 18“ Dobson (Eigenbau) 65x: Gf 1,25° AP=7mm
effektive Öffnung 14,5“

- (3) 500mm f/4,5 20“ Dobson (Eigenbau) 72x: Gf 1,13° AP=7mm
effektive Öffnung 16,5“

Die Gesichtsfelder für die Teleskope sind alle für das 31er Nagler berechnet worden. Für das 4“ Mak mit 31,8mm Okularauszug spare ich mir eine Gf-AP-Berechnung.

Angefangen habe mit einem 8“ SC f/10 (damals, Mitte der 80er, ein großes Gerät, wenn auch nur 5,5“ effektive Öffnung, des 63mm Fangspiegel wegens) was für anfängliche Himmelserkundung absolut untauglich ist, da man sich, des kleinen Gesichtsfeld (=Gf) wegens, kaum orientieren kann und damals hatte ich auch noch keinen Sky Atlas geschweige denn eine Uranometria, sondern musste mich mit dem kleinen Schurig-Götz zufrieden geben.
An Sonne, Mond und Planeten hatte ich mich bald satt gesehen, aber deren Fans kommen mit so einem kompakten, langbrennweitigen (=langsamen) Gerät auf ihre Kosten.

Der darauf folgende 4“ Mak diente mehr tagsüber als 1000mm Teleobjektiv, da der Blick damit in den Himmel genau so tunnelig und noch dunkler war, als der vom 8“ SC.
Während meines Studiums in München war dann bezüglich Astronomie Funkstille, ich hatte andere Interessen (abgesehen vom miserablen Großstadthimmel).
Durch Amateurastronomen wurde ich dann während meiner Referendarszeit (die ich dort nach meinem Forstwissenschaftsstudium verbrachte) in Nürnberg mit Dobsons bekannt gemacht und da eröffnete sich mein ursprünglicher Traum: Viel Öffnung ohne eine große Montierung (was, die kostet genau so viel wie das Teleskop???) kaufen zu müssen.

So kam es zum Bau eines 20“ f/4,5, denn ich aber wegen Geldmangels (außerdem war er vom Aufbau für mich alleine her sehr grenzwertig und die große Leiter störte mich, Leichtbauweise kam erst später, ich baute wie Martin Birkmaier, Multiplex, robust), ich heiratete damals, wieder verkaufen musste.

Wenn mir als 16-jähriger jemand erzählt hätte, dass ich einmal einen 6“ FH Refraktor besitzen würde, hätte ich ihn ausgelacht.
ER war das Showpiece des Kosmos-Fernrohr-kataloges, ein 150mm/2250mm Gerät auf einer gewaltigen Montierung.
Doch der Beginn des 2.Jahrtausend machte es mir möglich, ein 6“ Richfieldteleskop (=RFT), früher lief das unter „Kometensucher“, preiswert zu erwerben.
Wer mehr Infos zu solch einem Gerät haben möchte: In interstellarum 5 (Nov1995) auf Seite 30ff ist ein Testbericht von Ronald Stoyan enthalten,
der dieses Gerät genau so trifft, wie auch ich es beschreiben würde. Hier ein Auszug:

„ Die Stärke dieses Teleskops liegt eindeutig bei seinen optischen Daten: 150mm Öffnung und 750mm Brennweite erlauben mit einem 40mm Okular 8mm Austrittspupille (=AP) bei 18,8facher Vergrößerung. Die Vorstellung eines refraktorscharfen 3-Grad-Gesichtsfeldes bei vollen 6“ Öffnung erweckt schon einige Hoffnungen.“


Und meine Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Noch viel besser ist die Kombination mit dem 31er Nagler, wo ich bei 6,2mm AP ein Gf von 3,4° erreiche. Das ist am Sternenhimmel für viele Objekte das ideale Gf:
Plejaden, Hyaden h+chi, viele Nebel wie Cirrus-, Herz- und Seelen-Nebel (IC1805+1848), IC1396, Schmetterlingsnebel (IC1318), Rossettennebel (NGC2237+2244), CaliforniaNebel (NGC1499), Nordamerika- und Pelikannebel (NGC7000+IC5070) sind mit Einsatz eines OIII- oder Hbeta-Filters kein Problem. Bei meinem 21,3-21,6 SQM-Himmel werden auch SharplessNebel wie S132 und S119 direkt sichtbar. Große Gx, wie M31 oder M33 oder M103 (mit wenig Flächenhelligkeit) sind toll zu betrachten
Schon *entfernt* schwärmte in den Magellans von so einem RFT.
(Auch ein Billigröhrenfan und Niedrigvergrößerer so wie ich!)

Teil 2 folgt
 
Teil 2

Weiter schreibt Stoyan:

„Bis zu 160facher Vergrößerung wurden am Gerät ausprobiert,….Bei Vergrößerungen von über 100fach offenbarte sich jedoch schnell, was ich schon befürchtet hatte: die chromatische Aberration des FH-Objektivs erzeugte prächtige Farbenspiele…..“

Und dem kann ich nur zustimmen. Bei einem Apo gilt, dass man bis zum 3fachen des Durchmessers vergrößern kann, bei einem FH ist bei etwa halbem Durchmesser eine nadelpunktförmige Abbildung garantiert und die habe ich mit dem

31er (=24x, 3,4° Gf),
20er (=38x, 2,2° Gf),
13er (Ethos, 58x 1,7° Gf) und
9er Nagler (=83x, 1° Gf)

Da wo die Vergrößerung beim 6“ FH in etwa aufhört geht es bei meinem 18“ Dobson, den ich 2004 baute erst los.
Am liebsten beobachte ich damit Kugelsternhaufen aus dem Messier- und NGC-Katalog.

Stellen die bunten weitreichenden Fotografien (mit stundenlangen Belichtungszeiten) von Nebeln ein unerreichbares Ziel für die visuelle Beobachtung dar, so ist die hautnahe Sternendusche von Kugelsternhaufen in großen Dobsons mit den fotografischen Resultaten unvergleichlich:
Was die Helligkeit von Sternen im Bild angeht, so kann diese nur durch mehr oder weniger große Farbkleckse dargestellt werden, während im Okular alle Sterne unterschiedlichster Helligkeit nadelpunktförmig bleiben!!!
Ein Hochgenuß für mich!

Bei ICS erwarb ich dann die zwei Fujinon Ferngläser, wobei mir das 7x50 heute noch dient (das 7x50 Miyauchi mit dem 2° größeren Gf gab ich wieder her, weil die Sternabbildung zum Rand nachließ, während die des 5x32 trotz riesigen 13,25° Gf punktförmig bleibt, so dass ich es heute noch habe),
während mir das 16x70 Hand und Genick lähmte, so dass ich es bald wieder hergab, um mir gleich ein 100mm Fernglas auf Stativ zu besorgen

Also erwarb ich (damals) mein Traumfernglas bei APM einen 100mm Ed Semi-Apo mit 90° Einblick, denn ich hatte gelernt:

Ein Großfernglas braucht einen 90° Einblick und gehört auf ein Stativ!

(der Umgang mit Schulterstativ ist mir unbekannt, dazu kann ich nichts sagen)

Aber der ständige Vergleich mit dem 6“ FH zeigte bald, dass der Neuerwerb diesem nicht das Wasser reichen konnte, abgesehen von der Farbabbildung.
So grün wie in diesem Semi-Apo habe ich M42 niemals gesehen. In puncto Farbabbildung muss man bei einem schnellen FH-Refraktor Abstriche machen.
Das ist der einzige, mir bekannte Negativpunkt. Stoyan erwähnt dies in seinem Testbericht nicht.

Vielleicht hat er einen Zenitspiegel benutzt, wo dies nicht so zu Buche schlägt wie bei meinem 2“ Amici-prisma (von William Optics), das ich wegen der nicht seitenverkehrten Abbildung mit Abstrichen bei der Farbabbildung
(Prismen spalten Licht auf, aber in jedem Fernglas stecken Prismen, die je nach Größe zunehmend teurer werden!) bevorzuge.


100mm Ferngläser haben in der Regel 2,7° Gf und lassen keine 2“ Weit-Winkel-Okulare (=WWO) zu
(mit welchem 4“ Bino Uwe Glahn beobachtet weiß ich nicht, jedenfalls gibt er immer 3° Gf an, also gibt es so etwas auch, wenn auch mir unbekannt).

Das Fuijnon 25x150 hat auch noch ein solch großes Gf von 2,7° aber erlaubt zudem nur noch eine 40x Vergrößerung, während ich am 6“ FH alle Okulare einsetzen kann und einen 90° Einblick habe, während das Fujinon nur einen 45° Einblick gewährt
(neben dem geraden, durch welches Stefan Suchard (im Prospekt) in 60° Höhe schaut, mehr liegend als sitzend auf dem Stuhl!)
Aber die Alternative ist nicht besser: Man stelle sich den Zenitanblick mit einem 45° „Zenit“-spiegel vor!!!! Und das bei einem Preis von 19999.-Euro.

Da der Markt mit großen geradsichtigen billigen Ferngläsern überschwemmt ist, gibt es viele Notlösungen.
Vom Zahnarzt-Praxis-stuhl über selbstgebaute Beobachtungsstühle, drehbar gelagert
(in einem IS-Heft wurde einmal ein solcher vorgestellt), bishin zu erwerbaren Parallelogrammontierungen.
Nichts davon hat mich, Selbstbastler, überzeugt.

Der 90°-Einblick hat bei Ferngläsern seinen Preis und dazu kommt noch der verstellbare (notwendige) Augenabstand.
Und jetzt sind wir beim springenden Punkt: Große WW-Okulare wie das 31er Nagler erlauben keinen beidäugigen Einblick mehr,
auch nicht beim 90° 150mm Großfernglas von APM
(Ludes hat die Marktsituation damals gut erkannt und als einziger diese Großbino-Lücke gut gefüllt).
Es kostet (gibt nur SD-Apo) „nur“ 9990.-Euro

Ich bezweifle, dass jetzt noch Nachfrage nach einem 150mm Fujinon besteht.

Das APM 6“-Fernglas erlaubt 2“ Okulare, also Weitwinkel, was allerdings teuer wird, alles doppelt auch Filter, womit wir beim nächsten Punkt sind:
Die wenigsten marktüblichen Großferngläser erlaubten den Einsatz von Filtern, die bei Nebelbeobachtung unerlässlich sind.
Doch immer mehr Ferngläser lassen jetzt marktübliche Okulare zu und somit auch den Einsatz von Filtern.

Das größte Gf erreicht man mit dem 150er APM (nicht etwa mit dem 27er Panoptic-Okular, das gegenüber dem 31er Nagler (mit 82° SGF) nur ein SGF von 68° hat) mit den mitgelieferten 30mm (mit 74° SGF) Okularen, mit welchen man eine 28x Vergrößerung erreicht.
Daraus ergibt sich eine Brennweite von 30x28=840mm
Das wahre GF beträgt mit diesen Okularen 2,64° (=74:28), gleicht also diesbezüglich dem 150er Fujinon, das 2,7° (wohl auch bei einer derartigen AP=5,35mm) hat.

Man sieht dass mein gepriesener 6“ Farbwerfer mit über 3,4° Gf (bei einer AP von 6,25mm!!) bezüglich eines großen Gf
(sprich kleinen Vergrößerungen) die teuerste Konkurrenz hinter sich läßt!!!

Für mich ist der Traum nach einem Großfernglas ausgeträumt und ich begnüge mich einäugig mit Vergrößerungen bis zu 87x!

Ferngläser sind ihrer geringen Brennweite wegen nicht für hohe Vergrößerungen gedacht!

Wer das will, der muss zum Doppelfernrohr greifen, was aber der Markt nach dem Tod von Markus Schumann (Binoptic) kaum noch hergibt.
Die Besitzer eines Binoptic-Instruments dürfen sich glücklich schätzen (und vor allem bei lichtstarken Objekten, wie Sonne, Mond und Planeten bleiben)!


Dass mein 6“ FH auch noch huckepack auf dem 18“ als lichtstarker Sucher dient und dienen kann, ist dann nochmals ein anderes Thema.
Da macht das Finden dann erst richtig Spaß. Mit 6“ suchen und einstellen und 18“-Blick vergleichen.
Aber vielleicht bin ich auch nur durch mein erstes Fernrohr, den 8“ f/10 SC suchgeschädigt worden ….. Wer weiß?

Ich wünschen allen einen klaren Himmelserkundung


Sterngucker Helmut











 
Hallo Helmut,

danke das wir an Deinen Erfahrungen teil haben dürfen und ich wünsche Dir viele klare Nächte.

Ich sehe Du kommst aus einer Gegend die auch gute bis sehr gute Sichtbedingungen und dunklen Himmel hergibt, das sind sehr gute Vorbedingungen
für genussvolles spechteln.

VG. Michael
 
Hallo Michael,

ja, als Allgäuer bin ich in 20min auf Adelegg auf 980m und habe dort im Sommer, wo ich vorwiegend beobachte,
einen Himmel zw. 21,3 und 21,6 SQML d.h. 6,3-6,8 mag
Wenn man viel mit AP 7mm beobachtet, braucht man schon einen guten Himmel und der ist fast wichtiger als ein großes Instrument.

LG Helmut
 
Hallo Helmut,

danke für deinen ausführlichen Bericht. Um ehrlich zu sein: Ich überlege seit einiger Zeit ernsthaft, mir einen 25x150 Fujinon zuzulegen. Insbesondere möchte ich damit Jagd auf schwache aber große Objekte machen, was mit 6mm AP gut gelingen sollte (daher will ich keinen 40x150). Wie ich sehe, sind wir "Nachbarn" - hier unten (bzw. oben) geht es ja noch mit dem Himmel und nach kurzer Fahrt geht es noch ein bisschen besser.
Ich selbst beobachte seit knapp 30 Jahren visuell inzwischen mit Instrumenten bis 25" Öffnung. Habe aber auch ein 16x70, mit dem ich schon vieles beobachtet habe (u.a. den kompletten Messierkatalog gezeichnet) und ein 10x70, mit dem ich das wiederholen möchte.
Ein Fernglas - selbst ein Großfernglas - ist relativ schnell aufgebaut, man kann damit auch Wolkenlücken nutzen, was bei Teleskopen in der von mir verwendeten Größe nur geht, wenn man eine Sternwarte hat. Das mit der Geradsicht habe ich noch nicht wirklich vollständig durchdacht. Don Machholz hat sich ein nettes System bauen lassen, mit dem er beobachtet (man google nach Don Machholz und Starchair). Da ich handwerklich einigermaßen das umgesetzt bekomme, was ich benötige, schrecke ich aber nicht wirklich vor den Geradsichtgeräten zurück.

Ich nehme deinen Beitrag zum Anlass, nochmal alles durchzudenken. Evtl. schwenke ich doch auf APM 150mm/45° um (?)

Beste Grüße gen Norden :-)
Christian
 
Nun, das Fujinon gibt es inzwischen auch mit 90° Einblick :)

[Bild wurde von der Moderation aufgrund fehlender Quellenangabe zur Überprüfung der Nutzungsrechte entfernt]

Tatsuro baut gerade das zweite Instrument um.
Das erste hat er nur auf ausdrücklichen Wunsch und gegen seinen Rat umgebaut, weil er davon ausgegangen war, dass die Objektive ohne die passenden Prismen nicht funktionieren würden, erstaunlicherweise geht das aber doch.

Dennoch halte ich das 150er Fujinon für total outdated, es ist zu schwer, zu teuer und bestenfalls ein ED.

Ich wollte aber auch noch etwas zu meinem Werdegang erzählen, der mich am Ende ja auch zum 150mm Großfernglas geführt hat.

Von Spielzeug abgesehen war mein erstes ernsthaftes Instrument ein Kosmos Schiefspiegler, der an Mond und Planeten wirklich tolle Bilder zauberte.
Die lange Brennweite war mir aber zu speziell, deshalb sollte es ein möglichst großer, noch alleine und ohne Leiter zu handhabender Dobson werden.
Es wurde dann ein 12,5" Portaball, mit dem ich viele Jahre Freude hatte, der aber auch immer mal wieder lange Zeiten unbenutzt herumstand.

Zu dieser Zeit war ich ein Spiegeljünger, ich hielt Refraktoren für überholte Anachronismen, und ein entsprechend konzipiertes Spiegeteleskop für überlegen.
Tja, bis mir ein Sternfreund mal seinen 100mm APO ausgeliehen hat, danach war es um mich geschehen.
Es war vor allem die Bildästhetik, die mich umgehauen hat, sowas kannte ich bisher nicht.

Daraufhin gab ich keine Ruhe, bis ich zwei 125mm Borg ED Refraktoren aufgetrieben hatte und mir daraus ein Doppelteleskop gebaut habe.
Damals war ich im Wahn und hatte die Gelegenheit, so besorgte ich mir auch noch zwei Celestron C8 und zwei C11, die ich ebenfalls zu Binos umgebaut habe und alle wechselweise mit meinem Satz EMS betrieben habe.

Gleichzeitig besorgte ich mir auch noch einen Siebert 2" Binoansatz um ihn im Dobson einzusetzen, dafür kürzte ich die Stangen und baute einen größeren Fangspiegel ein, um ohne Glaswegkorrektor arbeiten zu können.

Hier mal ein Bild der Doppel SCT:

unnamed.jpg


Und hier das Portaball mit 2" Binoansatz und 32mm Kasai Okularen

unnamed.jpg


All diese Instrumente hatte ich also gleichzeitig und ich wollte herausfinden, was für mich auf lange Sicht am meisten Sinn macht.
Das Doppel C11 war in jeder Hinsicht brachial, Größe, Gewicht, Brennweite, Kollimation :)
Am Himmel, und insbesondere an Kugelsternhaufen war es eine Wucht, aber es war auch völlig klar, das Ding ist viel zu unpraktisch um zu bleiben.
Die Lange Brennweite war auch gar nicht mein Ding, wie damals schon mit dem Schiefspiegler, denn ich liebe weite Sternfelder.

Das Portaball mit 2" Binoansatz war auch nicht wirklich schlecht, aber ebenso furchtbar in der Handhabung.
Zwei 17mm Ethos mit dem schweren Binoviewer und Paracorr machten nicht wirklich Freude.
Deshalb war ich froh, dass das Doppel C8 in Sachen Helligkeit ziemlich auf Augehöhe war und auch der Borg 125mm Doppelrefraktor war in der Leistung am Himmel nicht weit von den beiden entfernt.
Binokulare Addition sowie die Refektionsverluste der Spiegel wirkten da schön zusammen...

Klar, das 125er Doppelborg war von allen das dunkelste Teleskop, aber die Unterschiede waren wirklich nicht dramatisch.
Dafür zeigte es mit Abstand die ästhetischsten Bilder und natürlich die weitesten Felder, wobei die Maximalvergrößerung an Mond und Planeten für mich absolut ausreichend war, mehr brauche ich nicht.

Das Doppel C8 war ein nettes, handliches Teil, aber halt doch ein SCT mit all seinen Nachteilen wie viel Brennweite, relativ flauen Bildern und miesem Auskühlverhalten.
Ich konnte es nicht rechtfertigen, dafür einen Satz EMS anzuschaffen.

Nach vielen Test und Vergleichen stand also fest, mein ultimatives Instrument ist der größte und qualitativ beste Doppelrefraktor den ich noch handhaben und mir leisten kann, und schon damals war klar, das können nur 150mm sein, nicht weniger aber auch nicht mehr.
Auch wenn ich es nie direkt verglichen habe gehe ich davon aus dass das APM 150 in Sachen Lichtleistung dem Doppel C8 und dem 12,5" Portaball in nichts nachsteht.

Daraufhin habe ich alle Instrumente verkauft, Markus Ludes zugesagt das erste seiner 150mm SD Binos zu kaufen und für die Wartezeit ein geradesichtiges APM 100mm ED angeschafft.

Seit dem Frühjahr ist das Instrument nun bei mir und es hat sämtliche Erwartungen mehr als erfüllt.
Für mich ist es die eierlegende Wollmilchsau, von der ich immer geträumt habe.
Weitfeld, tolle Galaxien und PN, der Hammer am Mond und genug Leistung und Qualität um auch an den Planeten zu glänzen.

Hier noch ein Link, denn Balenk kann das viel schöner beschreiben als ich, auch wenn er vom 150 ED spricht:

https://www.cloudynights.com/topic/669570-apm-150-ed-binocular-my-take/?p=11287883

Grüße Jochen
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo Jochen

Danke für deinen tollen, ausführlichen Bericht!
Ah, das Fujinon mit 90° ist mir neu - kommt etwas zu spät, diese Erfindung, und den Preis (der von 45° zu 90° immer rasant steigt!) möchte ich gar nicht wissen!

Ja, das 150er APM ist sicher ein tolles Gerät, auch wenn ich es nicht an KH (und Planeten), wie der Japaner einsetzen würde/möchte.
Aber es kostet das 10-fache eines 150er FHs+Zenitprisma+31erNagler!
Es ist jedoch im Gegensatz zu diesem ein Universalgerät, das hohe Vergr. erlaubt (aber keine 3,4° bzw 4° Gf)
Wenn man zweiäugig durch 31er Nagler hätte schauen können, hätte ich mir damals mit Matsumotos EMS einen 150mm f/5 Bino gebaut!
Markus Schumann hat seine Doppelrefraktoren ohne diese, irgendwie mit Zenitspiegel oder -prismen konstruieren können.
Dass du dir einen 125er Doppelborg selbst gebaut hast ....... Alle Achtung! Ich hatte damals mit meiner EMS-Idee ziemlich Schiss vor dem.

Ja, ein ästhetisches Bild ist mir als Genusspechtler auch sehr wichtig und das liefert mein 150er FH mit obig genannten Okularen (bis 87x).
Dass du mit einem Dobson (noch dazu 12,5") nicht dem Öffnungswahn verfallen bist, verwundert mich etwas. Vlt. war es der Binoansatz,
der da absolut nicht hingehört, oder mangelnde Spiegelqualität (ich kenn keinen Portaball), jedenfalls sehe ich, dass du ein absoluter
"Zweiäuger" bist! Mein 7x50 ist das meistbenutzte Gerät. Auch ich liebe Binos (im Gegensatz zu Binoansätzen!), aber wo im Vergleich ein Teleskop
mehr zeigt, greife ich auf dieses zurück (das 100er Bino war zudem nicht ästhetischer als der 150er).

Grüßle aus dem Allgäu, Sterngucker Helmut
 
Hallo Helmut,

ich habe nie ein 150/750 besessen, aber lange darüber nachgedacht mir daraus ein EMS Bino zu bauen.
Die Möglichkeit auch mal am Planetenhöher zu vergrößern und der Lichtverlust des Achros (nicht alle Lichtfarben treffen sich in einem Brennpunkt) liessen mich dann doch den Weg Richtung ED oder SD einschlagen.
Ich fand es auch etwas Eigenartig für die EMS deutlich mehr auszugeben wie für die beiden Teleskope :)

Das 31er Nagler hatte ich früher auch monokular, später habe ich es durch das 20er Ethos ersetzt.
Klar, die gehen leider beide nicht binokular.

Aber das 32mm Kasai ist verdammt nah am 31er Nagler dran und zeigt mir im 150er APM immerhin binokulare 3.2° bei 85° Eigengesichtsfeld
Leider gibt es das Okular schon lange nicht mehr, ich konnte vor einigen Jahren nach langer Suche 2 Stück in Japan kaufen.
Und der Nachbau in Form des 32mm Masuyama hat leider nicht die gleiche optische Qualität :-(
Ich hüte diese Okulare wie Gollum den goldenen Ring :-)

Wobei ich gar nicht weiss, was mir besser gefällt, die 3.2° mit den Kasai oder die 2° mit den 17mm Ethos.
Der etwas dunklere Himmel und keine Grenzen mehr zu sehen hat schon was ...

Hier mal meine Okularreihe mit den Daten im APM:

sml_gallery_205496_12429_125010.png


Das Portaball hatte einen sehr hochwertigen Spiegel und ich habe es auch lange monokular benutzt.
Dennoch ist es für mich kein Vergleich zu einem echten Bino, Öffnung hin oder her.
Inzwischen ist diese Rarität in den Besitz von Markus Ludes übergegangen, der die Dinger früher ja auch importiert hat.

Ich konnte auch schon mit wirklich hochwertigen (Zambuto) 18" Dobsons beobachten, aber auch das hat auf mich keinerlei Reiz.
Alleine die Notwendigkeit einer Leiter zum Beobachten ist für mich ein Unding...
Und soo viel mehr sieht man damit auch nicht, vielleicht an der einen perfekten Nacht pro Jahr.

Grüße Jochen
 
Hallo Jochen,

ich hatte noch nie etwas von Kasai-Okus gehört und wusste auch nicht, dass APM Okus mit 110° SGf baut.
Ich habe nur ein Ethos, das 13mm, welches ich auch sehr liebe.
Ach, Ludes hat Portaball vertrieben ...... !!
Das mit der Leiter mochte ich auch nicht und wollte von 20" auf 16" wechseln. Aber Galaxy-Optics stellte zu jenem Zeitpunkt nur noch Spiegel ab 18" aufwärts her
und so wurde es dann ein 18", was ich mit 2-stufigem Treppchen nicht bereue!
Die Nagler kommen halt mit schnellen Brennweiten klar, wie das bei den anderen WWOkus ist, weiß ich nicht.
Wenn die Objekte klein werden, wie PNs, Gx oder KH dann merkt man die Brennweite (Vergr) schon!
Ich möchte meine Dobsons nicht missen!

Grüßle, Helmut
 
Hallo Helmut,

die APM XWA Okulare sind Clones der Ethos Okulare.
Die beiden kurzbrennweitigen mit 3.5 und 4.7mm Brennweite haben wie die Ethos 110°, die Anderen alle 100°
Da ich die langen Ethos schon hatte habe ich nur nach untenhin mit den XWA ergänzt, würde ich heute neu starten würde ich die komplette XWA Reihe kaufen, denn einen Qualitätsunterschied kann ich nicht sehen, einen Preisunterschied hingegen schon :)

Klar, Brennweite bringt Vergrößerung, aber ich bin mit dem Limit bei 240x wirklich zufrieden.
Das kann man fast immer nutzen und mehr brauche ich persönlich nicht.
Darüber wird das manuelle Nachführen auch stressiger und Technik wie Motoren, Kabel und Akkus empfinde ich beim Beobachten eher als störend :)

Grüße Jochen
 
Hallo Jochen,

war der Sprung vom 125er ED Doppelborg zum 150er ED Bino für dich nicht sehr klein, mit nur 1"?
Siehst du da einen Unterschied?
Konntest du einmal die APM XWA -Okulare mit denen von Explore Scientific an deinem Portaball vergleichen.
Die sind ja auch wesentlich billiger als die Nagler.

Grüßle, Helmut
 
Hallo Christian,

ich habe deinen Bericht leider erst jetzt gesehen - tut mir leid!

Wenn ich ein 10x70 ( AP=7mm und vlt noch besser händisch zu händeln) statt ein 16x70 gekauft hätte, hätte ich es vlt noch.

"Ein Fernglas - selbst ein Großfernglas - ist relativ schnell aufgebaut, man kann damit auch Wolkenlücken nutzen, was bei Teleskopen in der von mir verwendeten Größe nur geht, wenn man eine Sternwarte hat."

Ich habe mir Dons Chairstuhl mit dem er in der Pampa sitzt, angeschaut (sieht bequem aus!) und frage mich nun, wie du diesen Satz schreiben konntest.
Genau auf solche Notlösungen habe ich ja in meinem Beitrag verwiesen!!! Völlig untransportabel, wie auch Ärzte-Praxisstühle!!!
Ich halte von Geradblick- und 45°- Einsichten (schau doch mal damit im Zenit Probe!) nichts!
Wenn dann gleich 2000.- Euro mehr sparen und zum 90° greifen.
Du gibst dann allerdings das 10fache von dem aus, was ein 150er FH + Zenitspiegel + 31er Nagler (das du vlt. schon hast) kostet -
und das bei den selben puderzuckerhaften Sternchen!
Auf die noch bessere (teurere) Variante mit 4° Gf habe ich schon verwiesen -
du hast bis ca. 100x mit den von dir genannten Geräten keinen Qualitätsunterschied,
aber ein viel größeres Gf allerdings nur mit einem Auge mit dem du aber mehr siehst!
Du kannst gerne einmal bei mir in Legau (=Rapunzeldorf) vorbeischauen und meinen 150er FH mit den von mir genannten Naglern testen,
bevor du soviel Geld in ein Großbino investierst!

Grüßle, Helmut
 
Hallo Jochen,

war der Sprung vom 125er ED Doppelborg zum 150er ED Bino für dich nicht sehr klein, mit nur 1"?
Siehst du da einen Unterschied?
Konntest du einmal die APM XWA -Okulare mit denen von Explore Scientific an deinem Portaball vergleichen.

Hallo Helmut,

das kommt ganz auf die Objekte an.
Bei Mond und Planeten ist der Unterschied nicht dramatisch, aber natürlich ist das SD nochmal farbreiner als das ED.
Auch bei Sternhaufen ist der Unterschied nicht wild, klar sieht man etwas mehr feine Sprenkel und die Sternfarben sind durch den SD sauberer und schöner.

Einen sehr deutlichen Unterschied gibt es aber bei den kleinen, schwachen Objekten wie Galaxien oder PN
Mit dem 125er waren die Galaxien im Virgohaufen für mich uninteressant, da viele hart an der Wahrnehmungsgrenze waren.
Mit dem 150er springen sie einem geradezu ins Auge.
Auch M1 oder M57 aber auch viele andere PN gewinnen duch die Öffnung deutlich.

Ich hätte das so nie erwartet, aber das eine Zoll mehr hat mir den Zugang zu Objekten ermöglicht, dir vorher völlig uninteressant für mich waren.

Ich hatte immer nur TeleVue Okulare, früher Nagler, dann Ethos.
Die XWA habe ich getestet weil sie Nachbauten der Ethos sind und ich viele gute Kritiken gelesen habe.
Andere Hersteller hatte ich nie, aber es gibt einige Vergleiche Explore <-> XWA im Netz

Grüße Jochen
 
… aber ein viel größeres Gf allerdings nur mit einem Auge mit dem du aber mehr siehst!
Du kannst gerne einmal bei mir in Legau (=Rapunzeldorf) vorbeischauen und meinen 150er FH mit den von mir genannten Naglern testen,
bevor du soviel Geld in ein Großbino investierst!

Hallo Helmut,

Das Beobachten mit 150mm Refraktoröffnung monokular und binokular ist nicht wirklich vergleichbar.

Der Zugewinn durch Binokulare Addition ist gewaltig.
Die Objekte erscheinen mit 2 Augen 20% größer, was an Mond und Planeten sehr nett ist.
Die Lichtsammelleistung steigt um Faktor 1,4 bei punktförmigen Objekten (Sternen) bei schwachen, flächigen Objekten sogar noch mehr.
Ein 150er Bino entpricht also mindestens einem 210er mono Refraktor.

Hier lässt sich das sehr gut nachlesen:

https://www.alrukaba.at/cms/upload/Spektroskopie/thomas/Binocular/on_binocular_vision.pdf

Hier noch ein Link:

http://arieotte-binoscopes.nl/Why a Binoscope.htm

Und wer es ganz genau wissen will klickt hier :)

http://arieotte-binoscopes.nl/Binocular Summation Factor.pdf

Dazu kommen dann noch so nette Faktoren wie geringere Anfälligkeit für Seeing durch 2 getrennte Tuben.

Ich mache mir beim Beobachten am Bino immer mal wieder den Spass ein Auge zuzukneifen und zu vergleichen.
Der Unterschied ist an allen Objekten einfach nur der Hammer!

Grüße Jochen
 
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Hallo Helmut,

ja, genau wegen den 7mm AP habe ich das 10x70 gekauft. Ich habe zwar keine besonders hoch auflösenden Augen, dafür aber eine EP um 7mm, d.h. meine nicht mehr ganz so jugendlichen Augen weiten sich des nächtens trotzdem noch sehr angenehm weit.

Das mit dem schnellen Aufbau und der Verweis auf Don's Astrochair (der übrigens (zumindest für amerikanische Verhältnisse) transportabel ist, er ist fix auf einem Anhänger montiert) ist unglücklich zusammen gekommen. Ein Absatz und ein dazwischenliegender Satz mit Hinweis auf ein gutes Stativ, ggf. Parallelogrammontierung wären besser gewesen. Don hat sich den Stuhl bauen lassen für irgenwas um 5000$ oder 6000$. Das wäre für mich eher schon wieder ein Ausschlußkriterium.
Meine Geradsichtgläser nutze ich meist in Höhen bis etwa 45°, selten auch etwas höher (hauptsächlich für Kometen, wenn welche hell genug sind). Das ist dem geschuldet, dass ich meine Beobachtungen zeichnerisch festhalte. Das geht im Liegen nicht gut bzw. ist unangenehm. Fraunhofer mit 127mm und 102mm Öffnung sowie Zenitspiegel habe ich, allerdings nutze ich monokular fast nur meine beiden größeren Dobsons (18" und 25"), da ich viel Deep Sky mache. den 18"er nutze ich aber auch gewinnbringend am Mond. Ästhetische Ansprüche sind weniger dr Grund, wieso ich mit einem 150mm-Fernglas liebäugele. Mir geht es vielmehr um das Ausnutzen kleiner Wolkenlücken, da ich für den 18"er etwa 15 Minuten zum Aufbauen benötige und für den 25"er eine halbe Stunde inklusive Rückenschmerzen. Bei unsicherer Wetterlage baue ich die großen Töpfe eher nicht auf und schaue mit dem 16x70 und 10x70.
Nun hast du mich aber einerseits nachdenklich gemacht und andererseits angespornt, vielleicht selbt ein Bino in der entsprechenden Größe aus zwei Fraunhofern zu basteln...

Vielen Dank für dein Angebot des Besuches in Legau. Ich komme zu gegebener Zeit sicher sehr gerne darauf zurück.

Beste Grüße in die Nachbarschaft
Christian

Hallo Christian,

ich habe deinen Bericht leider erst jetzt gesehen - tut mir leid!

Wenn ich ein 10x70 ( AP=7mm und vlt noch besser händisch zu händeln) statt ein 16x70 gekauft hätte, hätte ich es vlt noch.

"Ein Fernglas - selbst ein Großfernglas - ist relativ schnell aufgebaut, man kann damit auch Wolkenlücken nutzen, was bei Teleskopen in der von mir verwendeten Größe nur geht, wenn man eine Sternwarte hat."

Ich habe mir Dons Chairstuhl mit dem er in der Pampa sitzt, angeschaut (sieht bequem aus!) und frage mich nun, wie du diesen Satz schreiben konntest.
Genau auf solche Notlösungen habe ich ja in meinem Beitrag verwiesen!!! Völlig untransportabel, wie auch Ärzte-Praxisstühle!!!
Ich halte von Geradblick- und 45°- Einsichten (schau doch mal damit im Zenit Probe!) nichts!
Wenn dann gleich 2000.- Euro mehr sparen und zum 90° greifen.
Du gibst dann allerdings das 10fache von dem aus, was ein 150er FH + Zenitspiegel + 31er Nagler (das du vlt. schon hast) kostet -
und das bei den selben puderzuckerhaften Sternchen!
Auf die noch bessere (teurere) Variante mit 4° Gf habe ich schon verwiesen -
du hast bis ca. 100x mit den von dir genannten Geräten keinen Qualitätsunterschied,
aber ein viel größeres Gf allerdings nur mit einem Auge mit dem du aber mehr siehst!
Du kannst gerne einmal bei mir in Legau (=Rapunzeldorf) vorbeischauen und meinen 150er FH mit den von mir genannten Naglern testen,
bevor du soviel Geld in ein Großbino investierst!

Grüßle, Helmut
 
Hallo Christian,

ja, meine alten Augen geben auch noch AP=7mm her, ist also bei Instrumenten ideal.
Aber du bekommst mit dem 150er Fujinon und dem APM bei AP= 6mm 2,7° Gf, beim 150er FH mit 31er Nagler bei AP=6,2
(für AP=7mm gibts kein 35mm WWOku mehr!)
aber 3,4° und das sind Welten.

Wenn bei einem Teleskop das Gf bei gleicher Öffnung größer ist, als das bei einem Fernglas, gebe ich dem Teleskop den Vorzug - so ein Binokularer - bin ich nicht!

Kontrast und Grenzgröße mögen monokular geringer sein, aber Gf schätze ich mehr!

10x70 und 16x70 gehen ja für kurze Zeit noch händisch, aber wie du das händling mit einem 150er Geradsicht-Bino (die 45° bringen meiner Ansicht nach nicht viel) bei kurzfristigem Aufbau bewerkstelligen willst, ist mir unklar. Das riesen Drumrum wird kaum noch transportabel sein, es sei denn, du hast dafür einen festen Platz.
Da bereitet eines mit 90° Einsicht schon Probleme, aber der gesamte Himmel steht einem zur Verfügung. Wenn du dich mit max 45° (oder 60°) über dem Horizont beim Spechteln begnügen kannst, wie mit deinen jetzigen Ferngläsern, dann ist Geradsicht auch o.k. Für mich wäre es das nicht! Im Gegenteil, ich scheue eher den Horizont.

Zum Schnellspechteln ist meiner 10" Reisedobson genau das richtige, ich setze zum Transport nur den oberen Tubus ab und zerlege die 8 Stangen. Das ganze ist in 5 min wieder aufgebaut und justiert. Als ich noch meinen VW-transporter hatte, habe ich ihn aufgebaut transportieren können (und den Schaukelstuhl zum Fernglasgucken auch).
Ich habe mit ihm und dem 31er ein Gf von 2,2° (im Gegensatz zu den von dir gewünschten 2,7° Gf), den Kontrast eines 8" Apos und noch mehr Lichtsammelvermögen als dieser. Und alle Okulare sind einsetzbar und müssen nicht doppelt gekauft werden (ebenso die Filter).
Und das auch noch bei einem anderen Preis.

Der Bau eines 150er FH binos ist überlegenswert, aber das Gf wird dann wesentlich kleiner (kein 31er), weshalb ich es damals bleiben ließ.
Zudem müssen die WWOkus ganz ausgeleuchtet werden, ob das die EMS ermöglichen, weiß ich nicht.
Das Spiegelsystem von Markus Schumann (Binoptics) ist/war viel besser, ob man das nachbauen kann, weiß ich nicht.
Aber er schreckte (wohl vor der Ausleuchtung) vor f/5 zurück und hat diese nie gebaut!!!
Wenn du die Qualität des 150er FH sehen willst (und vor allem das tolle Gf!), dann bist du herzlich eingeladen!

Grüßle, Sterngucker Helmut
 
Hallo Helmut,

wie schon geschrieben nutze ich am APM Bino die 32mm Kasai, die mir 3,2° bei AP 5,7 zeigen.
Der Unterschied zu 3.4° und AP 6,2 ist wohl zu vernachlässigen.
Die Kasai gibt es leider nicht mehr, dafür die Nachbauten von Masuyama, die optisch aber leider nicht ganz gleichwertig sind.

Aber über den Vorteil des Beobachtens mit 2 Augen haben ich weiter oben ja schon mit vielen Links geschrieben.

Tatsuro berechnet und baut die EMS ja genau nach den Wünschen sprich Daten der benutzen Objektive und Okulare des Kunden.
Kurzbrennweitige Objektive und langbrennweitige Weitwinkelokulare sind tricky aber machbar, für ganz extreme Fälle schleift Tatsuro besonders große Spiegel von Hand passend, um die Okulare sauber ausleuchten zu können.

Tatsuro hat Unmengen an Binos aus den 150/750 Achromaten gebaut, es ist mit Abstand sein meistproduziertes Imstrument.
Früher wurden die Dinger mit einem Paar Kasai geliefert, heute mit den Masus.

Das System mit 3 Spiegeln ist mitnichten besser, im Gegenteil hat es nur Nachteile.
Neben der seitenverkehrten Bilder ist es durch die 3 Spiegel praktisch unmöglich mit kurzbrennweitigen Refraktoren langbrennweitige Weitfeldokulare halbwegs gut auszuleuchten. Der Weg des relativ stumpfen Lichtkonus (durch die kurze Objektivbrennweite) ist mit den 3 Spiegeln zu lang und wird am Rand beschnitten, sprich man bekommt keine gute Ausleuchung.

3 Spiegel kann man dann nutzen, wenn man langbrennweitige Refraktoren einsetzt und keine langbrennweitigen Weitfeldokulare nutzen will.
Aber genau das wollen wir doch um die tollen, weiten Felder zu erreichen :)
Ein langbrennweitiges Planetenbino ist mit 3 Spiegeln aber machbar, aber ich wüsste nicht, weshalb man so etwas wollte?

Grüße Jochen
 
Hallo Jochen,

das ist ja sehr aufschlussreich für Christian. Ich hatte ja auch meine Zweifel mit dem Spiegelsystem für f/5 weil Binoptic diese nicht baute!
Irgendwo las ich einmal, dass das Zenitspiegelsystem den EMS überlegen sei, aber du hast ja plausibel das Gegenteil begründet.

Also kämen für Christian bei Selbstbau (wenn nicht ein 150er direkt von Tasuro) EMS von Matsumoto oder EZM von AOKSwiss in Betracht, welche, wie du schreiben:

"Durch die hohe mechanische und optische Qualität erlauben auch diese Elemente eine hohe Kontrastübertragung zum Auge und garantieren höchsten Beobachtungsspass wie dies mit je drei umfunktionierten Zenitspiegeln nie möglich ist."

Aber bei 150mm stossen die EZM schon an Grenzen:

"Die EZM - Elemente sind aus Alu gefertigt und haben normale 2"Steckhülsen sowie einen sehr kurz bauenden Reduzierring auf 1.25", so dass man keine speziellen Adapter benötigt wird. Der optische Versatz beträgt je 38 mm. Daraus ergibt sich ein maxiaml möglicher Tubusdurchmesser von 134 mm. Bei grösseren Tubusdurchmesser kann eine Version mit Distanzhülsen geliefert werden. Dies ist aber durch den optischen Durchmesser der Spiegel von 35 mm in der möglichen Länge begrenzt."

Mir wäre da ehrlich gesagt ein 150er FH mit 3"-Zenitspiegel und 30er Explore Scientific mit 4° Gf viel lieber!
Das zeigt bei AP=6mm das Gf, was ein 16x70mm bei AP=4mm zeigt - nämlich 4° und das bei über doppeltem Objektivdurchmesser!
Von einem solchen RFT konnte man früher nur träumen!

Es gibt halt die Gf-fetischisten und die Vergrößerungs-fetischisten - ein Fernglas ist aber für ersteres gebaut, wer zweiteres will, muss zum Doppelrefraktor greifen.

Aber das schrieb ich ja schon Eingangs......


Grüßle, Helmut
 
Hallo Helmut,

ich mag die weiten Gesichtsfelder auch sehr deshalb kommen für mich nur kurzbrennweitige Refraktoren als Basis für ein Bino in Frage.
1000mm Brennweite wäre mir da schon deutlich zu viel.
Der 150 f/5 ist da mit Sicherheit das Extremste, was es gibt, hier mal ein Bild von Tatsuro`s zuletzt gebauten Exemplar (natürlich mit den 32er Okularen)

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Dieses 32mm Okular mit 85° Eigengesichtsfeld zeigt am 150 f/5 mit 3,68° übrigens noch ein weiteres Feld als das 31mm Nagler mit "nur" 82° Eigengesichtsfeld und 3,4° :)

Da das APM Bino 840mm Brennweite hat komme ich mit diesem Okular auf maximale binokulare 3,2°, habe dafür aber eine Äquivalenzöffnung von 210mm, was ein deutlich sichtbarer Unterschied zu 150mm ist.
So sehr ich die weiten Felder auch liebe, ich beobachte am Liebsten mit dem 17mm Ethos, das mir zwar nur 2° zeigt, dafür ist das, was man sieht bei 50 facher Vergrößerung wesentlich imposanter als 3.2° bei 25x
Mir persönlich sind 2° für fast alle Objekte weit genug aber das Eigengesichtsfeld von 100° macht den entscheidenden Unterschied.
Ich liebe es einfach komplett ins Bild eintauchen zu können und theoretisch keine begrenzenden Ränder mehr zu sehen.
Praktisch sehe ich sie aber doch, da ich in der Lage bin bei den 100° Okularen auch binokular bis zum Rand sehen zu können, liegt wohl an meiner speziellen Augen / Nasenkombination :-)

2" Feld bei 50x, 210mm Öffnung und 100° Eigengesichtsfeld sind für mich die Offenbarung schlechthin, deshalb wäre es für mich auch ein KO Kriterium gewesen, wenn das 150er APM Bino mit dem 17mm Ethos nicht in den Fokus gekommen wäre.
Es ist mein mit Abstand am meisten genutztes Okular.

Danke für das Zitat aus der EZM Beschreibung, das hatte ich bisher noch gar nicht gesehen.
Bei EZM scheint man in Sachen Spiegelgrößen nicht so flexibel zu sein wie Tatsuro und auch die dadurch festgelegte Begrenzung auf relativ dünne Tuben und somit Öffnungen ist natürlich schade.
Hier mal die Produktlinie mit den ganzen Spiegelgrößen der EMS, damit ist wirklich alles machbar und für ganz extreme Fälle schleift Tatsuro noch größere Spiegel von Hand in Form.

http://ems-bino.com/ems-product-line-english/

Grüße Jochen
 
Hallo Jochen,

es ist erstaunlich, dass WWOkulare mit 82° SGF oder sogar noch mehr, im Gegensatz zum 31er Nagler (warum ist das so dick?) beidäugige Beobachtung zulassen.
Ja, von 3,2° zu 3,4° Gf ist kein grosser Unterschied mehr, du kannst dich mit dem Kasai glücklich schätzen! Die Nagler sind halt für schnelle Öffnungen berechnet und geben daher bis zum Rand ein scharfes Bild. Wie das bei anderen WWOkus aussieht, weiß ich nicht.
Ich schätze mein 13er Ethos auch sehr!

Der EMS-link ist vlt. für Christian interessant.

Grüßle, Helmut
 
Hallo Helmut , Christian und Jochen,
ich hatte viele Jahre ( von 1995 bis 2010) einen guten Jaegers 6" F5 Refraktor für WW Beobachtungen
der war mir einfach zu schwer um auf Reisen mitgenommen zu werden.
Ersetzt wurde dieser durch einen Skywatcher 120/600 der 2011 und 2013 auf La Palma dabei war.
Der 120/600 bekam einen gebrauchten Zwillingsbruder, beide habe ich zu einem Bino zusammengeführt.
Optional kann ich jederzeit 1 Tubus ziehen und Mono betreiben.
Um Starparty Tauglichkeit für den Zwilling zu erlangen habe ich mit Linearlagerung und Trapezgewindestange
einen Tubus längs verschiebbar gemacht um den Augenabstand zu variierten.
Glücklicherweise habe ich einen Satz famoser Zeiss WW Okularen mit 85° dafür bekommen können.
Ich vermute es waren die Okulare der Zieloptik im Panzer Leopard.
Der Zwilling 120/600 kann somit bei 20x Vergrösserung mit 4,25° Feld aufwarten.
Optional habe ich noch einen Satz ES 18mm 2" Okulare die bei 33x auf ein Gf von 2,4° am Himmel zeigen.
Anders als bei käuflicher Gerätschaft findet beim Zwilling nur eine Umlenkung im Starhlengang statt.
Damit wird ein wenig der Stufe zu 150mm Öffnung kompensiert.
Der Bau des Zwillings hat mich etwa1000 Euro gekostet.(Ohne Okulare)
Der 120er Zwilling passt neben meinen 16" Dobson im den Kofferraum meines Autos und ist eine schöne Ergänzung. Inzwischen ist es dem Dobson farblich angeglichen.
Beide nehme ich zum ITT 2021 mit.
Eine weitere Ergänzung dazu ist mein noch Freihand nutzbares Lunt 11x70 Fernglas.

Herzliche Grüsse an Euch aus dem Schwabenländle von Gerd
 

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Hallo Gerd,

ja, zum Reisen ist ein 6" f/5 zu unhandlich, wenn ich bedenke, dass mein 10" nur ein Köfferchen mit Handgepäckformat ist!

Wow! 30mm Okus mit 85° SGf, womit du bei AP=6mm (20x) ein Gf von 4,25° erreichst! Ein tolles Bino und das zu dem Preis! Das toppt alles andere!
Gut konstruiert! Selbstbau lohnt sich da wirklich!

Grüßle, Helmut
 
:LOL::LOL::LOL: ich meine mit Reisetauglichkeit auch zur Mitnahme bei Flugreisen!
ein blauer Skywatcher 120/600 war 2006 im Handgepäck zur Sofi in der Türkei,
und der Schwarze später auf La Palma.
Mein Reisedobson 400/1800, im Jahr 2012 erstmals auf La Palma. Aufgabe als Sperrgepäck ( 25kg)
Sein kleiner Bruder , ein 203/1160 war 2019 in San Pedro de Atacama /Chile. Mitnahme als Handgepäck.
Siehe beigefügtes Foto.
Sorry, wenn ich nun vom ursprünglichen Thema abgebogen bin.

Jochen, Dein Bino im Wohnmobil- Ein Traum!:love:
LG Gerd
 

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