Kalter Gruselabend mit überschaubarem Erfolg - wieder mal eine kleine Beobachtungs-Erzählung

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Ehemaliges Mitglied

Heute hab ich überlegt, ob ich euch diesen Beobachtungsbericht überhaupt schreiben soll. Denn wer hier gern von tollen Nachthimmel-Sichtungen lesen möchte, wird enttäuscht werden. Aber so ein Abend, wie ich ihn gerade erlebt habe, gehört einfach auch mal zur Realität der Astronomie dazu. Deshalb erzähle ich euch nun doch bei einer extra-großen Tasse Beruhigungs- und Aufwärm-Kakao von meinen Erlebnissen. Und ja, es wird wieder etwas länger. ;)

Mein größter "Beobachtungserfolg" heute fand eigentlich schon während der Abenddämmerung statt. Als ich mit dem Auto nach Hause fuhr, genoss ich den Anblick des Mondes und meines Freundes Jupiter in seiner Nachbarschaft. Mein Blick schweifte über das bunte Dämmerungslicht am Horizont - und ich traute meinen Augen nicht: Da war ein zweiter Jupiter am Himmel! Ich schaute von einem zum anderen, es waren wirklich zwei! :love: Nach einem Moment der Verwirrung dämmerte es mir: Venus gab es ja auch noch - schade...

Motiviert von dem trotzdem schönen Eindruck, beschloss ich kurzerhand, heute den klaren Himmel noch einmal zu nutzen, um an meinen Beobachtungsplatz vor der Stadt raus zu fahren. Dort war ich länger nicht mehr gewesen, und weil ich dort im Winter nicht beobachte, bot es sich heute für einen Verabschiedungs-Abend dort oben an. Also plante ich fix ein paar mögliche Ziele. Auch von vorangegangenen Abenden standen noch ein paar unerledigte Punkte in meinem Beobachtungsbüchlein. Und voller Vorfreude packte ich Teleskop, Fernglas und Zubehör zusammen.

Da das Thermometer nur noch knapp 6 Grad anzeigte, war das auch der Startschuss für mein Winter-Beobachtungs-Outfit: drei Paar Socken übereinander, eine dünne und eine dicke Strumpfhose (ja, wieder mal die super-sexy selbstgestrickte - aber sie ist schön warm! :D) und darüber eine dicke Winter-Hose, ein dünner und ein dicker Pulli übereinander, darüber eine Strickjacke und dann die dicke Winterjacke, der extra-dicke lange Schal, den ich mir um den mit einer warmen Mütze geschützten Kopf wickeln kann. Ja, viel Bewegungsfreiheit hat man da nicht mehr, aber frieren tut man auch nicht so schnell... Natürlich kamen auch eine Decke, eine Thermoskanne mit Tee und ein Schokoriegel mit.

So vorbereitet erreichte ich um etwa 21.30 Uhr meinen Platz auf der Anhöhe vor der Stadt an. Ich nahm mir erst einmal Zeit, um anzukommen und den Gruselfaktor zu prüfen. Naja, besser nicht weiter drüber nachdenken. Der Mond schien hell, und ich konnte die Schemen der Büsche um mich herum gut sehen. Leider. Mir kam auch der Gedanke, ob ich in dem hellen Mondlicht nicht von der Straße aus, die nur ein paar hundert Meter entfernt vorbei führte, nicht sogar zu auffällig zu erkennen war. Also erst mal ein Tässchen Beruhigungstee trinken und mich auf die Sterne konzentrieren.

Der Fuhrmann stand vollständig im - irgendwo (ihr kennt die Himmelsrichtung bestimmt). Der Stier lugte zaghaft etwas unterhalb durch die Dunstschicht. Die Plejaden prangten ein gutes Stück oberhalb von Aldebaran als klar erkennbarer Fleck am mondlichterhellten Himmel. War da nicht das Geräusch eines Autos, das auf den geschotterten Parkplatz in der Nähe rollte?

Was soll das? Was wollt ihr da - jetzt, mitten in der Nacht?! Fahrt wieder! Bleibt weg von hier!

Eine Weile lauschte ich in die Nacht. Der Parkplatz war von einer Hecke umgrenzt, so dass ich nicht sehen konnte, was dort vor sich ging. Als alles ruhig blieb, wendete ich mich wieder dem Himmel zu. Meine geplanten Ziele in der Kassiopeia (ein paar Doppelsterne und der offene Sternhaufen "Carolines Rose") konnte ich gleich begraben. Denn die lagen so zenitig, dass ich mich zum Anpeilen unter mein Teleskop hätte legen müssen. Nein, danke! Die Doppelsterne im Aquarius konnte ich auch sofort abhaken. Denn wieder mal war der Mond so hell, dass der Wassermann fast unsichtbar blieb.

Dubhe im großen Wagen stand schon lange in meinem Büchlein und wartete auf seine Chance. Und da er mit dem Teleskop gut erreichbar war, nahm ich eben ihn aufs Korn. Falls es jemand von euch noch nicht weiß, wir sprechen hier von meinem altbekannten 60 mm Refraktor. Tja, Dubhe sah hübsch golden aus. Trennen konnte ich den Doppelstern jedoch weder mit dem 20 mm, noch mit dem 10 mm Okular. Aber er schaute hübsch aus.

Also gut, dann gehen wir etwas Anderes an. M 33 wollte ich mir ansehen. Doch ich hätte es mir ja vorher schon denken können: Es wurde eine Buckelei unter dem Teleskop mit Halsverrenkungen, um den Bereich am Himmel überhaupt anpeilen zu können. Und als das Zielgebiet ungefähr erreicht war, suchte ich mit dem Auge am Okular nach der Galaxie. Aber sie zierte sich. Und meine Geduld ließ spürbar nach. Warum musste ich sogar die auffälligsten Galaxien jedesmal verzweifelt suchen? Vielleicht war es ja auch eine dumme Idee gewesen, sowas bei fast Vollmond angehen zu wollen? :oops:

Plötzlich knirschten wieder Autoreifen auf dem Parkplatz. Dann fielen Autotüren zu. Stimmen. Mist! Da vorn zwischen den Büschen tauchte das Licht einer Taschenlampe auf. Und es kam näher. Immer näher. Jupiter, hilf! Haut ab!

Näher und näher kam das Licht. Nerven behalten, Sabine! Auf alle Fälle mal die Nerven behalten! Ich nahm meine Thermoskanne zur Hand und goss Tee in die Tasse. Er war heiß. Vielleicht konnte man sich damit ja ein wenig verteidigen. Und die Kanne selbst war aus Metall. Gut! Ich krallte mich daran fest, während das Licht und die flüsternden Stimmen immer näher kamen. Haut doch endlich ab!

Sie kamen immer noch näher. Was tun? Sollte ich die Initiative ergreifen und auf sie zugehen? Sie anblaffen, was ihnen einfiel, meine Dunkeladaption kaputt zu machen? Meine Beine wollten nicht. Da blieb auf einmal auch das Taschenlampenlicht stehen. Etwa hundert Meter von mir entfernt. Wieder tuschelnde Stimmen. Ich starrte zu ihnen hinunter mit meiner Rotlichtlampe in der einen und der Thermoskanne in der anderen Hand. Sie starrten zu mir herauf. Dann wandte sich der Lichtschein auf einmal ab und entfernte sich entlang eines der Wanderwege, die es hier gab.

Ich schaute ihnen nach und konnte dem Frieden noch nicht trauen. Zu Recht. Denn es dauerte nicht lange, da kamen sie wieder zurück. Wieder blieben sie ein Stück von mir entfernt stehen. Wieder klammerte ich mich an meiner Thermoskanne fest. Und dann wendete sich das helle Licht von mir ab. Jetzt konnte ich zwei Gestalten erkennen, die zurück zum Parkplatz gingen. Das war gut! Kurz darauf wieder das Geräusch von Autotüren. Und dann das Knirschen von Reifen auf Schotter, das sich entfernte. Gottseidank!

Ich brauchte erst einmal eine Tasse Tee. Und einen Beruhigungs-Schokoriegel. Meine Hände waren eisig kalt geworden. Ich setzte mich wieder - und die Schoko fiel ins Gras. Wieviel Pech kann man an einem Abend eigentlich haben? Im Rotlichtschein fand ich den Riegel wieder. Ja, den konnte man noch essen!

Mein Blick suchte nach etwas Schönem und fand es in dem dichten Nebelband, das sich inzwischen entlang des Flusslaufs im Tal gebildet hatte. Sah ganz hübsch aus. Solange der Nebel nicht näher kam...

Dort drüben stand mein Teleskop und schaute immer noch sehnsüchtig in Richtung Dreieck zum Himmel. :teleskop: Nein. Auf M 33 hatte ich keine Lust mehr. Eigentlich hatte ich auch noch vorgehabt, den offenen Sternhaufen NGC 752 anzuschauen und vielleicht sogar zu zeichnen. Der war wirklich sehr schön. Wenn nur meine Finger nicht so eisig gewesen wären. Naja, die würden schon wieder warm werden. Und ich hätte jetzt gern auch mal einen Erfolg erlebt an diesem Abend. Also ließ ich mich wieder auf die Buckelei unter meinem Teleskop ein, um irgendwie in die richtige Himmelsgegend zu kommen. Dann blickte ich ins Okular. Es beschlug sofort. So ein Mist heute!

Also Okular in die Tasche stecken und ein wenig aufwärmen. Wieder eine Tasse Tee. Und ein kleines Gespräch mit meinem Freund Jupiter. Waren da nicht schon wieder Geräusche? Sabine, du bist zu überreizt! Reiß dich zusammen! Ja, da waren Geräusche.

Ich will heim!

Die Entwarnung kam, als mir klar wurde, dass diese Geräusche von meiner Thermoskanne stammten... _maedchenvorkopf: Da das Okular noch ein wenig Aufwärmzeit brauchte, holte ich mein Fernglas heraus und schaute damit ein wenig am Himmel herum. Die Plejaden sahen wieder einmal sehr schön aus - und hatten auch etwas Beruhigendes. Immerhin!

Dann ein neuer Anlauf für NGC 752. Wieder eine erfolglose Sucherei. Ihr könnt mich langsam gern haben! Außerdem wurden meine Füße kalt.

Ich beschloss, dass es im Fuhrmann auch schöne Sternhaufen gab. Und schnell hatte ich M 36 gefunden. Ganz zart, aber ja! Dann zeichne ich eben den. Ich holte mein Büchlein und den Stift, setzte mich, um zu beginnen. Und wieder mal war das Okular beschlagen. Jetzt hatte ich wirklich genug! Zum Abschied warf ich noch einen Blick durch das angelaufene Okular zu meinem Freund Jupiter hinauf und verabschiedete mich von ihm. Ich wünschte ihm eine gute Nacht und packte zusammen.

Um etwa halb Zwölf war ich dann zu Hause, durchgefroren und frustriert. Das hätte ich alles ebenso in meiner Ecke hinterm Haus haben können. Nur mit weniger Grusel-Abenteuer. Und auf das hätte ich liebend gern verzichtet. Naja. Da fällt einem der Abschied vom Sommer-Beobachtungsplatz wenigstens nicht so schwer.

Nun wünsche ich euch allen eine gute Nacht. Und erfolgreichere Beobachtungs-Erlebnisse, als es bei mir heute der Fall gewesen war.

Herzliche Grüße und bis bald!

Sabine
 
Hallo Sabine,
Ein wunderschöner Bericht, dem man richtig mitfühlen kann. Auch mein Respekt, das du alleine, im dunkeln, bei Eisseskälte in freier Flur den Mut hast, dort zu teleskopieren. :y:
Gruß, Klaus
 
Hallo Sabine,
toller Bericht! Und auch von mir Respekt fürs Ausharren draußen bei niedrigen Temperaturen. Mich zieht's da eher nicht in die Natur, sondern ich verbleibe auf dem Balkon - mit der Option mich jederzeit innen kurz aufwärmen zu können. :coffee:
Gestern war übrigens der erste Abend an dem es bei mir die Optik (Refraktorlinse...) beschlagen hat.:(
Grüße, Andreas
 
Moin Sabine,
ein schöner und lebendiger Bericht, bei dem Du das richtige Fazit
Das hätte ich alles ebenso in meiner Ecke hinterm Haus haben können. Nur mit weniger Grusel-Abenteuer. Und auf das hätte ich liebend gern verzichtet.
schon selbst gezogen hast. Bei hellem Mondlicht raus zu fahren und z.B. M33 sehen zu wollen ist hoffnungslos. Gerade M33 und auch M101 brauchen einen richtig dunklen Himmel. Wenn dann auch noch ungebetener Besuch kommt, klar, dann ist die Nacht im Eimer. Aber auch Misserfolge bringen einen weiter.
In dem Sinne wünsche ich Dir viel Erfolg beim nächsten Versuch.
Viele Grüße aus Schleswig-Holstein
*entfernt*
 
Hallo Sabine,

andere Leute haben nunmal dasselbe Recht auf nächtliches Umherstreifen wie man selbst. Sind aber meistens genau so gruselige Leute wie sie einem tagsüber begegnen. Ich bin allerdings auch immer froh, wenn mich keiner nervt.

Rausfahren bei Mondlicht lohnt eigentlich nur für besseren Rundumblick. Rotlicht kann man sich da eigentlich auch schenken, da echte Dunkeladaption nicht erreichbar ist.

VG Klaus
 
Nun: Abhilfe: Du machst den Jagdschein und spezialisierst Dich auf nächtliche Beobachtungen von bestimmten Wildtieren. Das Jagdgewehr im Kaliber .308 Winchester liegt dann neben Dir im Kofferraum und Du brauchst Deinen Tee nicht für "Ins-Gesicht-Schüttungen" umklammern. :coffee:

Nun gut, das ist etwas fiktiv, aber einen Pfefferspray würde ich vielleicht doch mal ins Okularköfferchen geben. Dann halt nicht mit dem Oku verwechseln, also nicht in den Okularhalter stecken und hineingucken, das würde die Adaption nachhaltig stören. :eek::cool:

Ich könnte mir schon vorstellen, dass so ein Spray beruhigend wirkt, auch gegen eventuelle Wildtiere.


lg
Niki
 
Hehe, was hattest du da alles an, mit den Klamotten-Schichten hättest du ja auch problemlos an der 'Polarstern'-Expedition ins nördliche Winter-Packeis teilnehmen können :) . Aber der Klimawandel kommt uns ja in dieser Hinsicht entgegen ;)
Und zum Gruselfaktor: man merkt eben, dass wir hier im dichtbesiedelten Mitteleuropa leben. Man denkt oft, man wäre allein, wenn man zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten ist, aber Pustekuchen. Es ist schon erstaunlich, egal wann man wo unterwegs ist, in abgelegenen Wohnvierteln in der Stadt, am Stadtrand oder noch weiter weg draussen, nachts um 3 oder wann auch immer, irgendeine/r wuselt immer auch noch rum. Ich hab' das auch unabhängig von astronom. Beobachtungen immer wieder festgestellt.
Apropos bewaffntee Beobachtungsausflüge: Die Knarre allein nützt natürlich nix, wenn du grad abgelenkt fasziniert in die Röhre schaust. D.h. da bräuchte es am besten noch einen Bodyguard, damit du auch entspannt in den Himmel schauen kannst und nicht angepsannt in die dunkle gruselige Umgebung :ROFLMAO:
 
Salve!

Ach, Leute, ihr seid herrlich! :ROFLMAO:
Wie wäre es, wenn ihr nächstes Mal alle zusammen mitkämet? Jede Form von Bewaffnung wäre dann überflüssig. Außerdem bekämen dann diejenigen von euch, die schon etwas verweichlicht sind, wieder mal einen Eindruck davon, was "Hardcore-Astronomie" (zumindest á la Sabine) eigentlich bedeutet. Und irgend einer von euch würde schon rechtzeitig "Halt!" schreien, wenn ich mal wieder bei fast Vollmond versuche, eine Galaxie aufzuspüren. Naja, ich trau euch auch zu, dass ihr lieber heimlich kichernd abwartet und beobachtet, ob ich von selbst darauf komme, wie dämlich diese Idee eigentlich ist, ... :eek:

Ein wunderschöner Bericht, dem man richtig mitfühlen kann. Auch mein Respekt, das du alleine, im dunkeln, bei Eisseskälte in freier Flur den Mut hast, dort zu teleskopieren.
Danke! Mut, naja.

Willst Winters nachts die Sterne sehen, musst raus in die Kälte gehen...

toller Bericht! Und auch von mir Respekt fürs Ausharren draußen bei niedrigen Temperaturen. Mich zieht's da eher nicht in die Natur, sondern ich verbleibe auf dem Balkon - mit der Option mich jederzeit innen kurz aufwärmen zu können. :coffee:
Gestern war übrigens der erste Abend an dem es bei mir die Optik (Refraktorlinse...) beschlagen hat.
Das mit dem Balkon werd ich zwischendurch auch machen. Trotzdem halten mich selbst Minusgrade im Winter nicht davon ab, hin und wieder mein Teleskop zu schultern und eine kleine Nachtwanderung mit all dem Geraffel zu unternehmen (im Winter lass ich das Auto lieber stehen - es soll ja nicht frieren ;)).
Das mit der beschlagenen Linse wird die nächste Zeit vermutlich öfter der Fall sein. Kann sein, dass das auch bei mir gestern so war. Aber in dieses Ende des Teleskops hab ich nicht hineingeschaut.

Bei hellem Mondlicht raus zu fahren und z.B. M33 sehen zu wollen ist hoffnungslos. Gerade M33 und auch M101 brauchen einen richtig dunklen Himmel.
Werd ich mir in mein Büchlein schreiben. Und dann reden wir nicht mehr darüber, ja?? :oops:

Wenn dann auch noch ungebetener Besuch kommt, klar, dann ist die Nacht im Eimer.
andere Leute haben nunmal dasselbe Recht auf nächtliches Umherstreifen wie man selbst. Sind aber meistens genau so gruselige Leute wie sie einem tagsüber begegnen. Ich bin allerdings auch immer froh, wenn mich keiner nervt.
Andere Leute dürfen nachts gern herumstreifen, wo sie wollen. Nur nicht in meiner Nähe! Auch wenn sie eigentlich "ungruselig" drauf sind, machen sie mich, sagen wir, etwas nervös.

Nun: Abhilfe: Du machst den Jagdschein und spezialisierst Dich auf nächtliche Beobachtungen von bestimmten Wildtieren. Das Jagdgewehr im Kaliber .308 Winchester liegt dann neben Dir im Kofferraum und Du brauchst Deinen Tee nicht für "Ins-Gesicht-Schüttungen" umklammern.
Ja, Niki, genauso machen wir es: Sabine, die keine Fliege erschlagen kann, macht den Jagdschein! :ROFLMAO:
Solange das Gewehr dann im Auto liegen bleibt, kann ja wirklich nichts schiefgehen. Denn bei diesem Sommer-Beobachtungsplatz parkt das Auto immer einige hundert Meter entfernt. Gestern waren die "Besucher" genau auf der Strecke dazwischen unterwegs. Und im Winter bleibt das Auto in der Garage, während Sabine mit Teleskop und Co. Astro-wandern geht.

Nun gut, das ist etwas fiktiv, aber einen Pfefferspray würde ich vielleicht doch mal ins Okularköfferchen geben. Dann halt nicht mit dem Oku verwechseln, also nicht in den Okularhalter stecken und hineingucken, das würde die Adaption nachhaltig stören. :eek:
Dieser Tipp ist dann doch eher umsetzbar. Obwohl ich da auch für nichts garantieren würde - in Sachen Adapiton.

Hehe, was hattest du da alles an, mit den Klamotten-Schichten hättest du ja auch problemlos an der 'Polarstern'-Expedition ins nördliche Winter-Packeis teilnehmen können :) .
Wenn die Temperaturen ins Minus gehen, kommt noch ein wenig Kleidung dazu. Da können sie mich getrost am Nordpol aussetzen... :whistle: _schnee: Aber wenn man all das Zeug schon mal gestrickt hat, muss man es auch anziehen!

Und zum Gruselfaktor: man merkt eben, dass wir hier im dichtbesiedelten Mitteleuropa leben. Man denkt oft, man wäre allein, wenn man zu ungewöhnlichen Zeiten an ungewöhnlichen Orten ist, aber Pustekuchen. Es ist schon erstaunlich, egal wann man wo unterwegs ist, in abgelegenen Wohnvierteln in der Stadt, am Stadtrand oder noch weiter weg draussen, nachts um 3 oder wann auch immer, irgendeine/r wuselt immer auch noch rum. Ich hab' das auch unabhängig von astronom. Beobachtungen immer wieder festgestellt.
Ja, so ist es wohl. Wobei es im Sommer schlimmer ist als jetzt oder im Winter. Und da oben an dem Platz bin ich bis jetzt fast noch nie gestört worden. Zumindest nicht bei 6 Grad Außentemperatur.

Apropos bewaffntee Beobachtungsausflüge: Die Knarre allein nützt natürlich nix, wenn du grad abgelenkt fasziniert in die Röhre schaust. D.h. da bräuchte es am besten noch einen Bodyguard, damit du auch entspannt in den Himmel schauen kannst und nicht angepsannt in die dunkle gruselige Umgebung
Wann hast Zeit?? ;) :ROFLMAO:

Ich zeig euch hier noch ein Foto, das ich gestern Abend spontan von dem "zweiten Jupiter" geschossen hab (klingt jetzt irgendwie aggressiv nach all den Knarren hier). Er bzw. sie ist unterhalb der linken Wolkenformation zu finden:

Venus 16-10-21.jpg


Herzliche Grüße und danke für euere netten Rückmeldungen - und das schallende Lachen, das ihr mir damit geschenkt habt! :ROFLMAO:

Sabine
 
Hehe, ich kann ja mal vorbeikommen .. evtl. trage ich dann auch zur Erhöhung des Gruselfaktors bei. :devilish:

Vor vielen vielen Jahren, als ich noch jung & fit war, habe ich m.o.w. regelmässig Waldläufe gemacht. Würde man heute wohl "Jogging" nennen. Ich hatte eine schöne Runde um einen langgestreckten See herum, meistens ein paar m vom Ufer entfernt durch den Wald, aber tw. gabs auch kleine Lichtungen. Unterwegs war ich zu allem möglichen Zeiten, öfters auch sehr spät abends. Wenn man Zeit für die Adaption hat, sieht man ja auch im dunkeln noch erstaunlich viel, durch den nahen See kam auch genug Himmelslicht. Bei einem der Nachtläufe dachte ich, wäre doch mal cool so einen echten Tarzan-Urschrei duch die Nacht zu schicken!! Aber nicht mitten im Wald, sondern an einer Lichtung, wo es über den See hallen kann. Gesagt, getan. Ich wusste auch gleich wo, ich kannte ja jede Ecke des Weges. Und beim Laufen kann man sich schön konditionieren, "wenn ich an der Biegung vorbeikomme gehts los....wenn ich an der Biegung vorbeikomme gehts los.... wenn ich an der Biegung vorbeikomme gehts los..." :)
Ich kam an die Stelle ----- und sah schräg im Augenwinkel ca. 5-10 m entfernt schemenhaft einen Angler am Ufer stehen.
Abr zu spät, mein Programm lief genauso reibungslos und unabänderlich ab wie kürzlich die Landung der NASA Persevearance-Sonde auf dem Mars.
Aaaiiaiaiaiaooooooo...
Hehe, ich habe noch hunderte Meter weiter die Flüche des Anglers gehört, die er mir in den dunklen Wald hinterherschickte :ROFLMAO:
 
Ach Sabine, ich kann dich sooo gut verstehen. Ich hatte dir ja erzählt, dass ich häufig bei uns an der Sternwarte fotografiere. Aber auch nur dann, wenn außer mir noch jemand dort ist. Einerseits ist so, dass es natürlich gut ist, wenn man sich ins Warme verziehen kann, wenn die Kamera ihre Arbeit tut. Andererseits wäre es mir aber auch nichts, allein dort auf der Wiese zu stehen. Gruselfaktor und so... im Garten meiner Eltern ist mir das einerlei. Da weiß ich ja, dass niemand auf's Grundstück kommt. Dort tollt allenfalls der Kater rum und beäugt mich neugierig, während ich meinen Astrokram machen - der sieht schon gruselig genug aus in der Nacht, wenn die Augen leuchten... :eek: Außerdem habe ich Sorge, dass er irgendwann mal die Kabel der Montierung als Spielzeug betrachtet.

Also ein Bodyguard fände ich auch ganz gut. Von mir aus auch mit Tarzan-Schrei. @Cpt.Boiler: Vielleicht hast du gerade eine Marktlücke entdeckt :unsure:

CS,
Ulrike
 
Also ich würde ein Magnum eher als Einladung zum Eis verstehen. 0.357 KG reicht ja auch für zwei.

Abgesehen davon: die sieht man ja entweder nicht oder nur, wenn die Dunkeladaption längst dahin ist. Ich denke eher an sowas wie Wagnerklänge oder was anderes akustisch abschreckendes.

VG Klaus
 
Ich beginne gerade zu verstehen, warum Amateurastronomie im Wesentlichen ein Hobby von Männern ist. Die Situation nachts allein auf dem Feld, und dann auch noch Begegnungen mit fremden Leuten, ist für unsereins wohl weniger angstbesetzt. In der Regel führe ich dann ein kleines Schwätzchen mit denen, falls sie nicht umdrehen, sobald sie mich sehen, weil sie Angst vor mir haben. Manchmal höre ich nachts von der zwei Kilometer Luftlinie entfernten Dorfkneipe her Besoffene grölen. Wenn die zu mir kämen, wäre mir das allerdings unangenehm. Aber so weit können die dann schon gar nicht mehr laufen.

Viele Grüße und viel Mut,
Johannes
 
Dort tollt allenfalls der Kater rum und beäugt mich neugierig, während ich meinen Astrokram machen - der sieht schon gruselig genug aus in der Nacht, wenn die Augen leuchten...
O ja! Katzen, Igel, und so weiter können sogar in der Ecke hinterm Haus den Gruselfaktor anschwellen lassen. Wenn das an dem anderen Platz trotzdem eine ganz andere Hausnummer ist.

Eine .357 Magnum auf dem Okulartisch.
Wird interkulturell sicher verstanden.
Also, Niki, dass Du so grobe Mittel auch nur in Betracht ziehst, hätte ich jetzt nicht vermutet. :ROFLMAO:
Mir persönlich wäre da immer noch der bei Bedarf laut schreiende Astro-Bodyguard sympathischer. Und wenn der dann auch noch Ahnung vom Sternenhimmel hat, was will man mehr?

Ich beginne gerade zu verstehen, warum Amateurastronomie im Wesentlichen ein Hobby von Männern ist. Die Situation nachts allein auf dem Feld, und dann auch noch Begegnungen mit fremden Leuten, ist für unsereins wohl weniger angstbesetzt. In der Regel führe ich dann ein kleines Schwätzchen mit denen, falls sie nicht umdrehen, sobald sie mich sehen, weil sie Angst vor mir haben. Manchmal höre ich nachts von der zwei Kilometer Luftlinie entfernten Dorfkneipe her Besoffene grölen. Wenn die zu mir kämen, wäre mir das allerdings unangenehm. Aber so weit können die dann schon gar nicht mehr laufen.
Ja, vielleicht ist das mit ein Grund, warum die Astronomie eher unter Männern verbreitet ist.
Vermutlich hätte ein kleines Schwätzchen letzte Nacht die Situation entspannen können. Mir lag schon sowas wie "Wisst ihr eigentlich, dass ihr mir hier gerade die Dunkeladaption ruiniert habt?!" auf der Zunge. Aber die Zunge wollte nicht so recht. Und die Beine auch nicht.
Besoffene in der Nähe? Da hätte ich zusammengepackt, und zwar sehr schnell.

Viele Grüße
Sabine
 
Mir lag schon sowas wie "Wisst ihr eigentlich, dass ihr mir hier gerade die Dunkeladaption ruiniert habt?!" auf der Zunge.
Nicht gut... :eek:
"Grüß Gott, ihr habt gerade etwas ruiniert."
Ein Angriff zur Signalisierung einer präventiven Verteidigungsbereitschaft, die vielleicht gar nicht notwendig wäre... :unsure:

Blan B:
"Leute, gut dass ihr kommt, ihr habt nicht zufällig ein wenig Tee mit, ich erfriere hier fast... und mein Mann und sein Freund sind erst in einer viertel Stunde zurück..."

;)

lg
Niki
 
"Leute, gut dass ihr kommt, ihr habt nicht zufällig ein wenig Tee mit, ich erfriere hier fast... und mein Mann und sein Freund sind erst in einer viertel Stunde zurück..."
Na gut, wenn Du meinst.
Das kann ich mir ja auch mal in mein Büchlein notieren, damit ich es im Bedarfsfall nachschlagen kann... ;)

Schöner ungeschminkter Beobachtungsbericht.
Dankeschön!
 
Kann ja alles bei Gelegenheit mal ausprobieren und werde dann über den Erfolg berichten. ;)
 
Schon interessant was man da so erlebt. Vor kurzem hatte ich gedacht den perfekten Platz gefunden zu haben, eine Hügelkuppe mit freiem Blick über die Münchner Schotterebene nach Süden, per Feldweg erreichbar, mit einer Möglichkeit zu parken, Büsche und Hecke als Sichtschutz….

Ich fahre am Abend hoch baue alles auf, perfekt. Nach ca. 30 min fährt ein Auto den Feldweg hoch wird langsamer ein jugendliches Pärchen drin, tja hab den Platz belegt, also fahren sie 20m weiter nächster Feldweg hinter die nächste Büschen rein…. Ich ahne schon, dass der Platz vielleicht doch nicht der Beste ist. Zumindest höre ich gedämpfte Unterhaltung und die süßlichen Rauchschwaden die zu mir rüberziehen, scheinen auch meine Stimmung aufzuhellen. 30 min später kommt das nächste Fahrzeug hoch, wieder ein junges Pärchen und mir wird klar, dass ich wohl den Schnacksl- und Abhängplatz der örtlichen Landjugend erwischt habe. So geht das im 15 - 30min Takt, die meisten fahren weiter zum nächsten Platz, ich hab ja den besten belegt. Nach dem 6ten hab ich dann eingepackt, der Nordamerika Nebel musste weiter warten….

An diesem Abend habe ich sicher keine neuen Astrofans erzeugt, aber vielleicht haben die Jungen dort etwas Zeit gefunden den wundervollen Sternenhimmel zu betrachten…….

Soviel zu nächtlichen Begegnungen der etwas anderen Art.

Grüße
Markus
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo in die Runde,

na dann möchte ich auch mal aus dem Nähkästchen plaudern.

Vor einigen Jahren war ich mit meiner Frau zu einem kleinen Urlaub in einem abgelegenen Nest im Schwarzwald. Eigentlich war Astronomie nicht die Hauptintension, aber ich hatte mein Köfferchen mit dem 80/400 Farbhofer und ein stabiles Fotostativ dabei. Da ich schon gemerkt hatte, dass es dort recht dunkel war hatte ich meine Frau überredet, spät abends noch mit mir zu einem Parkplatz außerhalb des Ortes zu fahren um ein wenig Sterne zu schauen. Es war wirklich sehr dunkel und so wurde es ein beeindruckendes Stündchen oder auch zwei, auch für meine Frau die eigentlich nicht so interessiert an unserem schönen Hobby ist. Während wir so schauten fuhr auf einmal ein Auto in unsere Richtung auf den Parkplatz zu, wobei dieser keine andere Zu- / Abfahrt hatte. Ich habe dann meine Rotlicht-Lampe auf die hohe Helligkeit eingestellt und in Richtung Auto rum gefuchtelt, worauf die es sich anders überlegten und wendeten. Die hatten sich bestimmt auf ein "unbeobachtetes Stündchen" gefreut und wir haben denen das vermasselt, die "Interessen" sind halt unterschiedlich... ;).
Mein Tipp also: Mit der Taschenlampe rum fuchteln!

In Sachen Gruselfaktor kann ich auch noch was beitragen:

Unsere ehemalige kleine "lokale Gruppe" beobachtete ab und zu auf einer größeren Lichtung im Wald in der Voreifel. Einer von uns hatte da Kontakt zu dem Bauer, der dort eine Weide hatte. Die Lokalität war nicht optimal aber schon recht ordentlich.
Im Herbst waren wir nur zu zweit mal wieder dort und es waren kurzweilige Stunden. Irgendwann wurde es aber Zeit einzupacken und als wir die Lampen einschalteten sahen wir, dass wir bis zur Hüfte in dichtem Nebel standen, was der Russentonne die ich dabei hatte zum Glück nicht viel ausgemacht hatte, die stand über dem Nebel. Das war zwar nicht unbedingt beängstigend, sah aber doch etwas seltsam aus wie wir halb aus der Suppe heraus ragten. Beeindruckend fand ich die scharfe Trennlinie zwischen Nebel und klarer Luft solange man nur ruhig rum stand.
Bei einem anderen Mal auf der gleichen Weide stupste mich nach längerem Beobachten plötzlich etwas von hinten an, da wurde mir aber schon anders. Nach dem Herumdrehen schaute ich direkt in das Gesicht einer Kuh die wohl neugierig geworden war, wer denn da auf ihrer Weide rum hantierte. Es ist erstaunlich wie leise sich die Tiere bewegen können oder eben wie abgelenkt man beim intensiven Beobachten sein kann. Uns war vorher nicht klar, dass da nachts noch Kühe bzw. eine Kuh auf der Wiese war(en), wir haben keine Weitere gesehen. Nein es war kein Stier, sie hatte vier "Zipfel". Die Kuh und wir waren aber friedlich und so konnten wir den "geordneten Rückzug" antreten.

Übrigens:
Kühe sind sehr neugierige Tiere und alles Andere als dumm. Vor einigen Jahren fuhr ich recht regelmäßig an einer Kuhweide vorbei. Eines Tages stand ein Bagger in einer Ecke der Weide und ausnahmslos alle Kühe standen drum herum und schauten den an, das war ein lustiger Anblick. Leider hatte ich damals noch kein Smartphone und auch keine Kamera dabei, so konnte ich kein Foto machen was mich sehr geärgert hat. Das war jetzt nichts Astronomisches, aber da ich oben schon mal beim Thema "Kuh" war.

Viele Grüße & Nebel- und Kuhfreies CS,
Reinhard
 
Zuletzt bearbeitet:
, aber vielleicht haben die Jungen dort etwas Zeit gefunden den wundervollen Sternenhimmel zu betrachten……
Vermutlich nicht... :LOL:

Mein Tipp also: Mit der Taschenlampe rum fuchteln!
Klingt auch ganz gut!

Bei einem anderen Mal auf der gleichen Weide stupste mich nach längerem Beobachten plötzlich etwas von hinten an, da wurde mir aber schon anders. Nach dem Herumdrehen schaute ich direkt in das Gesicht einer Kuh die wohl neugierig geworden war, wer denn da auf ihrer Weide rum hantierte.
Ich wär vor Schreck tot umgefallen!

Vielen Dank für euere Geschichten! :LOL: :y:
 
Tja, wenn man das Hobby lange genug ausübt, bekommt man unweigerlich Besuch am Fernrohr. Einst stand ich bei Tübingen auf einem Feld, als unvermittelt ein Mann mit Gewehr aus der Schwärze des Waldrandes auftauchte. Er sagte zu mir: "Schönen Abend. Nachdem Sie mir den Ansitz versaut haben, will ich wenigstens mal durchgucken!". Ich habe ihm dann eine spontane Himmelsführung gegeben.

Immer wenn ich Hobby-Kollegen an meinem Platz wahrnehme, laufe ich rüber, um durch deren Instrumente zu sehen. Einer von denen hatte bei Welzheim das Canon 10x42 L is dabei. Ich durfte es ausprobieren und habe es mir später selbst gekauft.
 
Hallo Sabine, meine Lieblings-Autorin ! Welch ein wundervoller und lebendiger Bericht. Stelle mir gerade
vor, wie Du Dir bei jedem Geräusch einen "Beruhigungs-Schoko-Riegel" reinpfeifst. Wieviele von den Dingern
hast Du eigentlich dabei, wenn Du auf Astro-Exkursion gehst ? Ist der Proviant dann abhängig vom Grusel-Faktor ?

Und ist dieser dann in Klassen unterteilt von "Hui-Buh-Sanft" bis "Blairwitch-Hardcore" ???

Entspannte, entgruselte Grüße
Sascha
 
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