Frostiger Besuch bei Orion mit Schreckmoment

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Ehemaliges Mitglied

Hallo zusammen!
Ich möchte euch mal wieder von einem Beobachtungs-Ausflug erzählen.

Zuerst die Daten zu meinem Gerät und den Bedingungen:

Teleskop: mein allseits bekannter 60 mm Refraktor
Okulare: 20 mm, 10 mm, 6 mm
UHC-Filter

Ort: erhöht gelegene Hangwiese am Stadtrand
Beginn ca. 19.45 Uhr, Ende ca. 21.15 Uhr
Mond: noch recht jung und bereits untergegangen
Temperatur: ca. -2 Grad
Luft recht feucht und dunstig, etwas windig, im Tal schon dichter Nebel über dem Fluss

Und nun die Story: :)

Nachdem es bei uns eine gefühlte Ewigkeit keinen Sternenhimmel mehr gegeben hatte und es heute auch tagsüber sehr bewölkt gewesen war, war ich ganz erstaunt, als ich im Astro-Wetterbericht für heute Abend ganz brauchbare Bedingungen angekündigt sah. Kaum war die Dunkelheit hereingebrochen, warf ich einen skeptischen Blick nach draußen - und tatsächlich: sternenklarer Himmel!
Also holte ich das Teleskop samt Zubehör aus dem Winterschlaf und packte mein Wägelchen, denn im Winter gehe ich gern zu Fuß zum Beobachtungsort. Hier ein Foto, damit ihr einen Eindruck bekommt, wie das aussieht:

photo_2021-12-07_23-55-25.jpg


Das Teleskop selbst trage ich dann immer in meinem Mega-Rucksack am Rücken, um es vor Erschütterungen zu schützen. Tja, beim Transport ging heute in dieser Hinsicht noch alles gut, ... :oops:
Zuerst graute es mir schon ein wenig, in die eisige Nacht hinauszugehen. Doch kaum war ich unterwegs und sah bereits den Schwan und Wega über mir, war nur noch die Vorfreude da. Ich zog mein Wägelchen hinter mir her durch die Straßen und dann die schier endlos lange Steigung bis zum Ortsschild hinauf. Etwas gruselig wurde es, als die letzten Straßenlaternen hinter mir verschwunden waren und ich zwischen zwei ausgedehnten Hecken hindurch auf den Feldweg einbog, der mich von der Straße weg führte. Der Feldweg mündete in eine Wiese, in der mir lediglich noch eine Traktoren-Fahrspur den weiteren Weg den Hang hinauf markierte. Etwa auf der Hälfte des Hanges beschloss ich, dass ich am Ziel angekommen war. Ich packte Teleskop und Hocker aus und machte es mir in eine Decke eingewickelt bei einer Tasse Tee gemütlich. Einen Moment überlegte ich noch, ob es wirklich gut war, das Teleskop so schräg am Hang hinzustellen, wie es da gerade stand. Aber der Gedanke war - leider - so schnell wieder weg, wie er gekommen war. Und ich genoss erst einmal den Rundumblick auf den Sternenhimmel.

Hoch über der Stadt stand Jupiter und lachte zu mir herunter. Saturn war bereits im Nebel verschwunden. Ein gutes Stück links von Jupiter (irgend eine Himmelsrichtung ist das bestimmt...) lag Orion über dem Horizont. Nur sein linker Fuß steckte noch hinter der Hecke, die ein Stück entfernt die Wiese umgrenzte. Darüber strahlte der Stier mit dem tiefroten Aldebaran und die Plejaden. Etwas weiter links lagen die Zwillinge ein Stück über dem Horizont. Und noch ein gutes Stück weiter war der große Wagen über der Wiesenkuppe zu sehen. Genau über mir spannte sich die Milchstraße als deutlich erkennbare Aufhellung quer über den Himmel. Ich bemerkte den Schwan und die Tatsache, dass Albireo endlich mal nicht so schrecklich "zenitig" stand, dass man ihn sogar ohne große Verrenkungen im Teleskop würde ansehen können.

Auf einmal durchbrach das Geknatter eines Hubschraubers die andächtige Stille. Als das Geräusch immer näher kam, wandte ich den Blick dorthin und sah, dass sein Suchscheinwerfer immer näher auf mich zu kam. Da wurde es mir schon etwas mulmig. Wie macht man denen da oben klar, dass man hier absolut nichts Verwerfliches tat - einsam im Dunkeln auf einer Wiese, fernab von jeglicher Zivilisation? Ich stand auf und machte mich demonstrativ an meinem Teleskop zu schaffen und versuchte, dabei möglichst "astronomierend" auszusehen. Und sie nahmen mir das ab - oder waren sowieso nicht an mir und meinem Treiben hier unten interessiert gewesen.

Als wieder Ruhe herrschte, wandte ich mich Jupiter zu. Ich schaute ihn im 6 mm Okular an, und der Anblick war enttäuschend. Er tanzte wild hin und her. Das nördliche EB konnte ich gut erkennen, aber das südliche nur schemenhaft erahnen. Wenn ich mich angestrengt hätte, wäre von den anderen Bereichen vielleicht noch eine Ahnung erkennbar gewesen. Aber ich ließ es bleiben, denn es war kalt und ich hatte heute etwas anderes vor.

Weil ich mich Orion zuwenden wollte, baute ich Teleskop und Stuhl ein wenig um. Und ich weiß nicht genau, wie es passierte, aber während ich zu weit davon entfernt stand, um es noch irgendwie verhindern zu können, sah ich, wie mein Teleskop plötzlich einen Salto rückwärts machte. Es fiel mitsamt Stativ über den Hocker hinweg ins Gras! :eek: Einen Moment lang blieb mein Herz fast stehen vor Schreck. Hatte ich bis jetzt nicht immer so penibel aufgepasst, um es vor Erschütterungen zu schützen? Und jetzt das!

Mit - diesmal nicht vor Kälte - zitternden Händen stellte ich es wieder auf die Beine. Es war noch alles dran, was dran sein sollte. Und klappern tat auch nichts. Voller Angst setzte ich das 20 mm Okular ein und nahm Beteigeuze ins Visier. Und gottlob ließ sich der Stern problemlos scharfstellen. Er war nicht doppelt oder verzogen, sondern ein braver runder rötlicher Stern, so wie es sein sollte. Nun hoffe ich sehr, dass mein Kleiner nicht doch einen Schaden davongetragen hat, den ich nur noch nicht bemerkt hab! Aber bis jetzt sieht es ganz gut aus.

Nachdem dieser Sturz anscheinend nochmal gut ausgegangen war, widmete ich mich dem, weshalb ich eigentlich heute hierher gekommen war. Ich wollte den Orionnebel zeichnen. Dafür betrachtete ich ihn mit dem 20 mm Okular erst ohne und dann mit UHC-Filter. Und ich bin der Meinung, dass ich mit dem Filter wirklich etwas mehr von den nebligen Strukturen erkennen kann, als ohne. Eine gute Hilfe, um überhaupt abschätzen zu können, was ich da theoretisch erkennen könnte, war mir auch ein Foto des Nebels, das mir ein lieber Astro-Kamerad zugesteckt hatte (danke Karl-Heinz! @M13 ). Ich verglich das Foto mit dem, was ich im Okular sah, und begann zu zeichnen.

Inzwischen wurde es immer eisiger. Der Wind blies mir unangenehm ins Gesicht. Und die Hand, die ich für das Zeichnen vom Handschuh befreit hatte, wurde innerhalb kürzester Zeit steif. Immer wieder musste ich sie am Teebecher aufwärmen. Und als das nichts mehr half, stand ich auf und wanderte ein wenig herum. Es war insgesamt bitterkalt und auch meine Decke wärmte nur noch mäßig. Als ich mein Teleskop anschaute, sah ich, dass der Tubus mit Eiskristallen überzogen war. Meine Taukappe hatte ich vergessen, aber bei diesen Verhältnissen hätte sie mir sowieso nicht mehr viel geholfen. Aber mein neu gehäkeltes Okular-Nest aus Wolle leistete gute Dienste, denn darin blieb es kuschelig warm und die Okulare beschlugen auch am Ende dieser Beobachtungsnacht nicht.

Gern hätte ich den Orionnebel noch länger betrachtet und genauer gezeichnet. Aber es war zu kalt. Meine Hand konnte kaum noch den Stift festhalten. Deshalb brach ich das Zeichnen ab. Ein Zwischenziel, das ich mit der Zeichnerei erreichen wollte, hatte ich geschafft. Denn ich bin mir einigermaßen sicher, dass ich M 43 entdeckt hab - als verwaschenen hellen Stern etwas abseits vom Zentrum. Hier mal zur Orientierung meine Zeichnung:

Orionnebel.jpg


Eigentlich wäre es kalt genug zum Zusammenpacken gewesen. Aber ich hatte noch soviel auf meiner Liste stehen, was ich anschauen wollte. Also lief ich ein wenig herum, bis es mir wieder etwas wärmer war. Dann nahm ich mir Rigel im 6 mm Okular vor. Ich wollte sehen, ob ich ihn trennen konnte. Und das war nicht der Fall. Ich spielte ein wenig mit dem Unscharfstellen für die Beugungsringe herum. Aber außer, dass es recht krass aussah, führte das zu nichts. Ich komme mit dieser Technik noch nicht wirklich zurecht, um Doppelsterne besser trennen zu können.

Zum Schluss versuchte ich mich noch an Mintaka. Der sollte ja leichter zu trennen sein. Und im 10 mm Okular hab ich es vermutlich geschafft, wenn ich mir auch dabei nicht sicher bin. Auch Mintaka hab ich auf die Schnelle noch gezeichnet, obwohl ich da schon heftig fror.

Mintaka.jpg


Nachdem ich etwa anderthalb Stunden in der eisigen Kälte zugebracht hatte, packte ich nun zusammen. Etwas wehmütig dachte ich an den Sommer zurück. Da hatte ich deutlich länger durchgehalten. Ich möchte Orions Nebel gern nochmal mit Ruhe und über eine längere Zeit ansehen und zeichnen, wie ich das schon mal mit der Andromeda-Galaxie gemacht hab. Vielleicht sollte ich da zielstrebiger vorgehen als heute und nicht vorher schon so lange herumtrödeln. Heute war ich eigentlich schon zu durchgefroren, als ich mit der Zeichnerei begonnen hab. Bis zum Frühling, wenn die Temperaturen wieder angenehmer werden, möchte ich dafür eigentlich nicht warten.

Nun hoffe ich, dass wegen dem Teleskop-Salto nicht doch noch ein Schaden zutage tritt, den ich bis jetzt nur nicht bemerkt hab. Mein Fernglas war nach einem Sturz aus geringerer Höhe schon mal dejustiert. Aber hoffen wir das Beste.

Ich wünsch euch eine gute Nacht oder einen guten Tag, wann immer ihr das hier auch lest!

Herzliche Grüße und allseits klaren Himmel
Sabine
 
Hmmm... die Stricktasche, der Einkauswagen, der Riesenrucksack, das Teleskoprohr,... :beobachten:

BILD-Zeitung: Obdachlose Waldbewohnerin versucht Polizeihubschrauber mit Rakenwerfer abzuschiessen... :teleskop:
Am nächsten Tag letzte Seite unten links: Richtigstellung: Amateurastronomin wird von Polizeihubschrauber belästigt.:(

Also finde ich schon sehr mutig! Ich finds schon komisch, wenn ich nachts die Tiere in meinem Garten höre, aber nicht sehe.
Bin bei den Temperaturen schon immer froh, wenn ich alles eingerichtet habe und mich im warmen Wohnzimmer an den PC setzen kann.
Mein Nachteil ist, dass ich leider nur sehr eingeschränkten NW-NO-Himmel habe. Aaaber das Grab & Go SetUp ist fast einsatzbereit. :jungehier:
Dann darfs auch mal nachts raus auf die Wiese...

Grüße
Hartmut
 
Hallo Sabine,

wieder einmal sehr schön und anschaulich beschrieben. Solche "Schreckmomente" kennen wohl viele von uns, nur gut wenn es ohne Schäden ausgeht. Und alle Achtung für den Einsatz!
Den gezeichneten Orion-Nebel erkennt man auch, wenn man erst mal kapiert hat, dass er auf der Seite liegt ;-).

Viele Grüße, CS und weiterhin viel Freude mit unserem Sternhimmel, wenn man ihn denn mal wieder zu sehen bekommt,
Reinhard
 
Hallo zusammen,
danke für euere Rückmeldungen und Likes!

Hmmm... die Stricktasche, der Einkauswagen, der Riesenrucksack, das Teleskoprohr,... :beobachten:

BILD-Zeitung: Obdachlose Waldbewohnerin versucht Polizeihubschrauber mit Rakenwerfer abzuschiessen... :teleskop:
Am nächsten Tag letzte Seite unten links: Richtigstellung: Amateurastronomin wird von Polizeihubschrauber belästigt.:(
Tja, so schnell kann man es in die BILD-Zeitung schaffen... ;):ROFLMAO:

Und wenn diese obdachlose Waldbewohnerin auch noch fast bis zur Unkenntlichkeit vermummt und schon bei läppischen 2 Grad unter Null herumläuft wie für eine Nordpol-Expedition angezogen, dann wird sie nur noch verdächtiger:

photo_2021-12-08_13-50-54.jpg


Also finde ich schon sehr mutig! Ich finds schon komisch, wenn ich nachts die Tiere in meinem Garten höre, aber nicht sehe.
Vom Gruselfaktor her ging es eigentlich. Zwischendurch hat mal irgend ein Tier geraschelt, aber das hat mich nicht weiter gestört. Die gefährlichen machen alle grad Winterschlaf. Die Jäger auch. Bestimmt!

Bin bei den Temperaturen schon immer froh, wenn ich alles eingerichtet habe und mich im warmen Wohnzimmer an den PC setzen kann.
Mein Nachteil ist, dass ich leider nur sehr eingeschränkten NW-NO-Himmel habe. Aaaber das Grab & Go SetUp ist fast einsatzbereit. :jungehier:
Dann darfs auch mal nachts raus auf die Wiese...
Schön, wenn die Sterne usw. auch eingefleischte Wohnzimmer-Astronomen mal im Winter rauslocken können!
Die momentane Orion-Erschein-Ecke am Himmel ist irgendwas mit Osten, oder?? Da tauchen die neuen doch immer auf... (O Gott, hab ich nicht schon mal was über Himmelsmechanik gelernt??) :affemund:

Solche "Schreckmomente" kennen wohl viele von uns, nur gut wenn es ohne Schäden ausgeht.
Ja, und auf sowas verzichtet man gern.
Tröstlich war in dem Moment jedenfalls, dass ich wusste, ich hab hier einen Ort, an dem ich auch mal laut "Hilfe, mein Teleskop ist kaputt! Kann man da noch was machen?" schreien kann. Das beruhigt schon ganz gut.

Den gezeichneten Orion-Nebel erkennt man auch, wenn man erst mal kapiert hat, dass er auf der Seite liegt ;-).
Das Zeichnen hab ich recht abrupt abgebrochen. Bei nächster Gelegenheit möcht ich daran schon noch weitermachen. Vielleicht hab ich dann auch die Zeit, um aufzupassen, wo das Verschwinde-Eck und damit Westen ist. Außerdem hab ich vergessen zu erwähnen, dass das Bild bei mir wegen dem Zenitspiegel seitenverkehrt ist. Aber das wisst ihr erfahrenen Beobachter sicher schon längst.

Ich mag diese nächtlichen Wanderungen unterm Sternenhimmel im Winter ganz gern. Es ist schon etwas Anderes, als bei einer Anfahrt mit dem Auto, wenn man bereits auf dem Weg zum Beobachtungsplatz draußen ist und von den Sternen begleitet wird. Da kann man schon mal schauen, wer grad da ist, und ein Schwätzchen mit ihnen halten. Außerdem fühlt man sich unterwegs auch irgendwie behütet und geleitet. Das klingt jetzt vielleicht seltsam. Aber sobald ich da gestern von der Straßenbeleuchtung verlassen wurde und sich mit der Dunkelheit auch der Grusel einstellte, waren gleichzeitig auch die Sterne da und hießen mich willkommen.

Und die Kälte, ja, die darf man im Winter nicht unterschätzen. Da sollte man wirklich aufhören, wenn der Körper sagt, es reicht. Winter ist halt nicht Sommer, wo man das Frösteln schon mal eine Weile beiseite schieben kann, wenn es grad noch so interessant ist. Das kann bei Minusgraden auch schiefgehen.

Liebe Grüße und gute Sicht auf den Sternenhimmel!
Sabine
 
Hallo Sabine,

schöner Bericht, danke. Mich begeistert immer, mit welcher Hingabe Du Dich mit dem einfachen Gerät beschäftigst. Ich bin da leider nicht so genügsam und hatte nicht eher Ruhe bis das C8 dastand.

Dad mit den Himmelsrichtungen ist ganz einfach: da wo die Sternbilder aufgehen ist Osten, da wo sie untergehen ist Westen. Der Orion steht am Abend im Moment also im? Richtig: Osten.

Die Planeten sind meist zwischen Südost bis Südwest, also Kannst Du Süden abschätzen. Und Polaris steht bei uns immer im Norden.

Im Zweifel hilft - wie fast immer heutzutage - eine App. ;)

CS.Oli
(was ist aus dem Buch geworden?)
 
Hallo Oli,
danke für Deinen netten Kommentar!

Mich begeistert immer, mit welcher Hingabe Du Dich mit dem einfachen Gerät beschäftigst. Ich bin da leider nicht so genügsam und hatte nicht eher Ruhe bis das C8 dastand.
Man nutzt halt, was man hat. Und im Vergleich zu dem, was ich vor meiner Teleskop- und Fernglaszeit am Nachthimmel sehen konnte, eröffnen mir meine einfachen Gerätschaften ganz neue Welten. Ich hab auch erst einen Bruchteil von den Dingen gesehen, die mit meinem "Kleinen" machbar sind. Von den meinsten dieser Objekte weiß ich noch gar nicht, dass es sie gibt. Außerdem hilft mir das tollste Teleskop nichts, wenn es an den Grundlagen fehlt (zum Beispiel Himmelsrichtungen - auch wenn ich in dieser Hinsicht bis jetzt meistens ganz gut durchgekommen bin ;)). In all diesen Bereichen lerne ich - nicht zuletzt durch euere Unterstützung - so nach und nach dazu.

Am Beispiel des Orionnebels kann ich das Beobachten und das astronomische Zeichnen üben. Sicher, mit meinen technischen Möglichkeiten sind dem, was ich da erkennen kann, enge Grenzen gesetzt. Aber das empfinde ich als Herausforderung, das herauszuholen, was geht. Die Grenzen meiner persönlichen Fähigkeiten und auch meiner technischen Ausstattung auszuloten und dabei zu entdecken und zu lernen. Und da ist es meiner Ansicht nach nicht ausschlaggebend, wie detailreich ich den Nebel erkennen kann. Ich kenne es ja gar nicht anders.

Vor ein paar Jahren wusste ich noch nicht, dass der Orionnebel dort oben ist, geschweige denn, dass ich ihn auch schon mit kleiner Ausrüstung mit eigenen Augen sehen kann. Und heuer hab ich - auch dank des Fotos, das ich zum Vergleichen hatte und das anders als die schönen farbigen detailreichen Fotos, die man sonst so sieht, ein Abbild zeigt, das meinem Eindruck im Teleskop nahe kommt - wieder einen Schritt vorwärts gemacht. Denn erstens wurde mir klar, dass M 42 so riesig ist, dass ich wirklich die kleinste Vergrößerung nehmen sollte, die ich hab, um möglichst viel davon erfassen zu können - und M 43 zu suchen. Und dann hab ich zum ersten Mal (wenn auch nur kaum zu erahnen) diesen schmalen "Flügel" des Nebels (oder wie auch immer das heißt) nach unten erkannt. Wenn ich wegen der Kälte nicht abbrechen hätte müssen, wäre da bestimmt noch das eine oder andere Detail dazugekommen. Details in den Dimensionen, die für meine Möglichkeiten machbar sind.

Wenn ich alles durch hab, was mit meinem "Kleinen" geht (falls ich ihn nicht vorher hab zu Tode kommen lassen :eek:) und wenn ich das gelernt hab, was ich mit ihm lernen kann, dann denke ich vielleicht mal übers Aufrüsten nach. Oder auch nicht. Das heißt nicht, dass ich es nicht auch faszinierend finde, was mit größerer Ausstattung (in Verbindung mit dem nötigen Wissen und Können) oder auch dem ganzen Bereich der Astro-Fotografie machbar ist. Das alles ist der schiere Wahnsinn! Und wenn mir jemand die Gelegenheit bieten würde, mal durch ein größeres Teleskop zu schauen, dann wäre das toll und ich würde vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommen. Aber für meine eigenen kleinen Schritte in die Praxis der Sternbeobachtung hinein, bietet mir mein "Kleiner" noch unendlich viele Möglichkeiten.

Dad mit den Himmelsrichtungen ist ganz einfach: da wo die Sternbilder aufgehen ist Osten, da wo sie untergehen ist Westen. Der Orion steht am Abend im Moment also im? Richtig: Osten.
Die Planeten sind meist zwischen Südost bis Südwest, also Kannst Du Süden abschätzen. Und Polaris steht bei uns immer im Norden.
Danke! Das ist wieder was, um es in mein Büchlein zu schreiben, damit ich es auch im Sommer noch weiß. :oops:

Das November-Schreiben? Ja, das ist fertig geworden. Es war zeitweise ein ziemlicher Krampf und anstrengend. Aber eigentlich ist das jedes Jahr so. Richtig unterm Sternenhimmel geschrieben hab ich nicht. Aber doch öfter mal draußen an besonderen Orten (z. B. im Wald) und ein paar Mal nachts bei Kerzenschein und Tee in einem Pavillon im Park. Das war auch außergewöhnlich und sehr schön. Da störte mich auch nicht, wenn es neblig war. Im Gegenteil, das brachte dem Ganzen nochmal einen besonderen Zauber.

Liebe Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine,
du hast soviel hier geschrieben, was wir "Alten Beobachter" so in Erinnerung lieben, ja viele werden es wohl in Erinnerung immer wieder nachvollziehen!
Ich selber stand als junger Mann auf meinen Balkon (1974) als ich das erste Mal Saturn in meinem kleinen 60/900 Revue fand! Was für eine Freude tat sich da auf, unvergessen der nächtliche Ablauf! Ich weckte um ca. 2:00 Uhr Nachts meine Frau mit den Rufen:" Ich habe Ihn ( Saturn) ich habe Ihn... Was für eine schöne Zeit....heut sind viele mit der Technik und schlechtem Himmel verseucht:cry:....
Umso so schöner ist, das Du noch nicht damit angesteckt bist:)
Zu deiner Geschichte oben hin kam mir gleich folgendes im Sinn:
Es stand eine Frau auf weiter Flur,
vermummt von Kopf bis Fuß,
ja man sah von ihr die Augen nur!
In der Hand hielt sie ein langes Gerät,
womit sie den Himmel erspät.
Über ihr flog ein Pilot und denkt was ist das denn,
bin ich gleich Tot?
Spinne ich oder träume nur, weshalb dies lange Rohr auf mich gezielt
lies es mich mein Blut in den Adern gleich Erfrieren,
schnell weg,ich hab hier nichts zu verlieren.
Die Frau auf dem Feld ,von der Kälte fast erfrohren,mit Blaurot kalten Ohren,
lachte still, sagt sich selber, was der wohl da oben will,wo ich doch nur M42 sehen will....
beste Grüße
K.Heinz
 
Hallo Sabine,
Wieder einmal eine schöne Geschichte von dir, danke. Wie Karl-Heinz bemerkte, da werden in einigen von uns Erinnerungen wach, bei mir war’s damals ein 114/900 Tasco, jetzt nur noch Aufstellen, Einordnen, Starten und dann Couch…. Ein langer Blick in den Himmel, bei der Lichtverschmutzung selten. Hab vor kurzen meine am Okular gezeichneten Objektkarten von damals bei meinen Eltern im Allgäu im Keller gefunden, hatte schon seinen Reiz.

Hochachtung, dass du den manchmal doch beschwerlichen Weg gehst, gerade wenn man bei der Kälte draußen Stunden verbringt. Aber gerade im Winter kann man an einem Ort wie du in beschreibst, den Sternhimmel in einer Intensität erleben wie sonst nie. Eiskalte, fantastisch klare Nächte und die absolute Stille, wenn die Natur im Winterschlaf ist und der tiefe Schnee alle Geräusche dämpft. Über dir funkeln die Sterne (okay, keine Diskussion jetzt über Seeing). Das sind die Momente die uns wohl alle tief bewegt haben.

Mach weiter, bin schon gespannt auf deine nächste Geschichte. Vielleicht muss ich mir auch mal wieder richtig Zeit nehmen, raus fahren und einfach nur Staunen. Danke für deine Anregung…… Taukappe ja da muss ich dann auch dran denken…………….

Grüße und Danke
Markus
 
Hallo Markus,

danke für Deinen netten Kommentar! Es freut mich, wenn ich bei Dir und einigen anderen schöne Erinnerungen an euere Anfangszeiten wachrufe und vielleicht auch den einen oder anderen von der Couch ziehen und nach draußen locken kann.

Ja, es ist immer wieder wunderschön, die Nacht mit allem, was dazugehört, draußen zu erleben. Und dabei nach und nach Dinge am Sternenhimmel zu entdecken, die einem mit bloßem Auge verborgen bleiben.

Vielleicht muss ich mir auch mal wieder richtig Zeit nehmen, raus fahren und einfach nur Staunen. Danke für deine Anregung
Ja, tu das! Und vielleicht magst ja auch Deine Sammlung gezeichneter Objektkarten von damals noch ein wenig erweitern. Dafür würde ich aber wegen der Temperaturen dann doch das Warten auf den Frühling empfehlen... ;)

Taukappe ja da muss ich dann auch dran denken…………….
O, da gibt es noch ein paar andere Dinge mehr, die ganz nützlich sein könnten. Falls Du Dich nicht mehr an alles erinnerst, Dein letztes Mal ist ja anscheinend schon eine Weile her, schreib ich Dir hier mal eine Liste ;):
  • das Teleskop MIT den gewünschten Okularen (glaub mir, es gibt Leute, die fahren zum Sternegucken, packen mehr ein, als sie tragen können - und lassen sämtliche Okulare zu Hause...)
  • Taukappe natürlich
  • individuelles Teleskop-Zubehör
  • Rotlicht-Lampe
  • Tee oder ein anderes Heißgetränk nach Wunsch
  • alternativ vielleicht ein Süppchen?
  • Schokolade, Kekse, Butterbrot, ...
  • Sternkarte, Fachliteratur oder die elektronischen Entsprechungen
  • ggf. Beobachtungsbüchlein, Stifte, Papier
  • Hocker
  • evtl. Camping-Tisch
  • Kissen
  • Decke(n)
  • evtl. passende Stimmungsmusik
  • evtl. Pfefferspray oder andere Arten der Bewaffnung ;), usw.
  • Liste darf nach Bedarf erweitert werden :)
Und gerade im Winter ist die passende Kleidung sehr wichtig, zum Beispiel:
  • mehrere Pullis übereinander
  • mehrere Hosen bzw. Strumpfhosen übereinander
  • auch das, was darunter ist, sollte die Thermo-Version sein ;)
  • mehrere Stricksocken übereinander
  • Schal
  • Mütze
  • Handschuhe
  • Winterstiefel
  • warme Jacke
  • Liste darf nach Bedarf erweitert werden :)
So, nun solltest Du doch gut vorbereitet sein!

Auf jeden Fall wünsch ich Dir - und auch allen anderen - den passenden Himmel dafür!
Herzliche Grüße und viel Spaß beim nächsten "Draußen"-Beobachten :sternklar: :teleskop:

Sabine
 
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