Hallo Christian
Im Prinzip kann man mit jedem Teleskop Planeten beobachten.
Bei der Planetenbeobachtung geht es aber in erster Linie um eine möglichst hohe Auflösung und um einen möglichst hohen Kontrast.
Zur hohen Auflösung gehört erst einmal möglichst viel Öffnung welche meist durch den Preis und der Transportierbarkeit ihre Grenzen findet. Man sollte hier aber schon zu mindestens 5 Zoll bei farbreinen Refraktoren oder mindestens 6 Zoll bei Spiegloptiken greifen mit möglichst kleinen Fangspiegeln die unerwünschte Beugungseffekte vermeiden / reduzieren denn starke Beugungserscheinungen mindern den Kontrast. Um den Kontrast wieder anzuheben, dazu ist wieder ein mehr an Öffnung nötig was wieder mehr Geld kostet und ein mehr an Gewicht zu schleppen ist.
Farbreine Refraktoren erreichen die beste Kontrastleistung. Die sind aber in der Regel sündhaft teuer. Auf der anderen Seite ist ein 4"-ED-Apo ja schon ganz nett aber dem fehlt es noch an Öffnung , da findet die Vergrößerungsfähigkeit bereit bei 180-210-fach ihre Grenze.
Geht es um den Preis so führt in der Regel kein weg an einer Spiegeloptik vorbei. Hier eignen sich am besten Newtonteleskope mit konservativem Öffnungsverhältnis, mit anderen Worten die Geräte mit langen Brennweiten.
Warum ausgerechnet diese? Nun, diese Optiken kommen mit einem vergleichsweise kleinen Fangspiegel aus was die Beugungserscheinungen abmildert und zu einem besseren Kontrast führt. Des weiteren stellt eine Optik mit langer Brennweite ein vergleichsweise großes Primärbild zu Verfügung. Ein Jupiter in einer guten Opposition erreicht eine Größe von ca. 48 Bogensekunden. Will man die feinen Details bis auf 1% vom Jupiterdurchmesser herunter auflösen so liegt man bei 0,48 Bogensekunden Auflösung was eine 10Zoll-Optik durchaus erreichen kann.
Schauen wir jetzt einmal wie groß der Jupiter tatsächlich bei verschiedenen Brennweiten in der Bildebene abgebildet wird. Das sind bei:
-5000mm Brennweite ca. 1,2mm
-2500mm Brennweite 0,6mm
-1250mm Brennweite 0,3mm
-625mm 0,15mm
Ja, ja so klein wird das!
Will man jetzt Jupiter bis auf 1% auflösen so muß ein Okular die Auflösung aus diesen Durchmessern herausarbeiten. Je kleiner nun das Primärbild ist desto schwieriger wird es für ein Okular Jupiter in entsprechender Vergrößerung darzustellen. Man kann es auch so sagen je kürzer die Teleskopbrennweite ist desto mehr muß ein Okular nachvergrößern.
Bei 5000mm Brennweite sind die feinsten Details die ein Okular darstellen müßte 0,012mm groß das entspricht einem viertel vom Durchmesser eines Haares und das ist schon schwierig. Bei 625mm müßte ein Okular schon das Kunststück fertig bringen aller feinste Details in der Größe von nur noch 0,0015 mit entsprechend stärkster Nachvergößerung dem Auge zur Verfügung stellen.
Um zu begreifen wie grenzwertig das wird mal ein Vergleich zur Wellenlänge vom Licht. Bitte auf die Nullen hinterm Komma achten! Das liegt in Sichtbaren Spektrum bei ca. 0,0004 bis 0,0007mm, im mittel also bei 0,00055mm. Mit anderen Worten bei 625mm Brennweite hat das Licht bei den feinsten Details nur noch gerade so viel Platz um 3mal hin und her zu schwingen. Daraus folgt: je kürzen die Teleskopbrennweite desto schwieriger wird es für die Optik insgesamt feinste Details für das Auge mit entsprechender Vergrößerung dar zu stellen. Mit anderen Worten: eine größere Öffnung bietet nicht nur wegen den größeren Durchmesser ein höhere Auflösung an sondern auch wegen der damit einher gehenden längeren Brennweite. Dem Okular und zu letzt auch dem Auge stehen größere Strukturen zur Verfügung!
Mal ein Beispiel: mit meiner 10"-Optik kann ich Jupiter bis zu 385-fach Vergrößern. Der kommt dann so fett rüber wie eine 2€-Münze aus 25-30 cm Entfernung betrachtet. Eine 2€-Münze hat einen Durchmesser von 26mm und ein Prozent davon ist schon ein Viertelmillimeter. Mal ehrlich, ist das wirklich immer noch richtig scharf? Aber Du kannst ja jetzt einmal nachrechnen in wie weit Du Dein Primärbild bei entsprechender Brennweite nachvergrößern mußt um von 1,2mm oder gar von nur 0,15mm auf 26mm zu kommen!
Daher: Mir ist für die Hochvergrößerung ein 6-Zoll F8-Newton lieber als ein 6-Zoller mit F5 und das nicht nur wegen dem kleineren Fangspiegel. Die F8-Optik hat in dieser Disziplin, was das Vergrößern anbelangt einfach mehr Reseven!
So gesehen bist Du mit dem F8- Newton schon auf dem richtigen Weg. Aber muß es ausgerechnet einer sein mit einem turmhohen Okularauszug und kontrastmindernden "fetten" Fangspiegel? Da gibt es auch welche
die sind für die visuelle Anwendung und hohen Kontrast ausgelegt. Die machen am Planeten einfach mehr Spass.
Nun einmal eine kleine "Hitparade" für Planeten-Teleskope bis 8" bei vergleichbarer Öffnung:
1. farbreine F8-Refraktoren / Apos
2. Schiefspiegler wie Yolo / Kutter
3. F8-Newton und Maksutov-Newton mit kleiner Obstruktion
4. lange Fraunhofer F15-F20 und länger (annähernd farbrein)
5. schnelle Newton F6-F4,5
6. Maksutov-Cassegrain
7. Schmidt-Cassegrain / Schmidt-Newton
8. kurze Fraunhofer / Richfielder ("Farbwerfer")
Aber, irgendwo kann man mit noch mehr Öffnung alles "erschlagen"!
Und wenn Du wirklich Spass hast an Planeten und willst nicht dauernd riesige "Salatschüsseln" mit Dir Rumschleppen dann sei Dir ein
6"-Apo empfohlen aber nur wenn Du mal nicht weist wohin mit dem Geld. Der ist gut für Vergrößerungen bis zu 343-fach (3,5er Nagler).
Ich denke, Du kannst Dir jetzt in etwa selbst zusammen reimen wonach Du suchen mußt.
Gruß Peter