Wie groß sind die kleinsten Krater, die man auf einem Mondfoto darstellen kann?

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joetaiga

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Hallo zusammen,

ich hoffe, das ist für einige interessant. Mich hat das jedenfalls eine Weile beschäftigt. Und ja, ich habe gerade Langeweile. Hier am Rhein ist es seit Jahren im Winter entweder regnerisch oder es ist Nebel...

Man kennt ja die vielen schönen Mondbilder aus der Galerie, wo der Autor über die Bedingungen jammert, das Bild selbst dann aber brutal gut aufgelöst ist. Daher wollte ich wissen: was geht denn da eigentlich? Ab wann kann ich zufrieden sein bzw. brauche einen Krater nicht ein zweites Mal aufzunehmen, weil kaum mehr zu erreichen ist. Und muss das Seeing immer perfekt sein?

Ich habe die letzten Jahre immer wieder versucht Kriterien zu finden, die mir sagen, wo meine Mondbilder im Vergleich zur verwendeten Optik stehen. Das ist dabei heraus gekommen.

  • Das Rayleigh Kriterium scheint mir die Grenze zu sein, ab dem ein Krater nicht mehr eindeutig als Krater identifizierbar ist. Man sieht auch noch kleinere Krater, allerdings kann man dann nicht mehr eindeutig sagen, was es ist. Das passt auch soweit zur Theorie der Wellenoptik.
  • Etwas über dem Rayleigh Kriterium ist ein Krater noch relativ sicher als solcher zu erkennen. Interessanterweise werden die Kraterabbildungen dann nicht mehr kleiner, wenn auch der Krater kleiner wird, sondern die Krater verblassen einfach, je kleiner sie im Vergleich zum Rayleigh Kriterium werden. Etwas unterhalb dem Kriterium sieht man nur noch einen blassen Schatten. Man kann nicht mehr erkennen, was es ist. Dann verschwindet auch der Schatten.
  • Selbst wenn das Seeing nur solala ist, kann man im Grenzbereich aufgelöste Aufnahmen erhalten. Nur kann man schwieriger einen guten Kontrast erreichen. Selbst wenn also man schon am Rayleigh Kriterium ist mit seiner Aufnahme, macht es also immer noch Sinn bei besseren Bedingungen nachzulegen. Die Aufnahmen erhalten dann einen besseren Kontrast und man kann effektiver schärfen. Die Bilder sehen aber nur besser aus, die Auflösung verbessert sich nicht mehr.
Vermessen habe ich die meine Bilder über diese Website hier.

Hier kann man beliebig in die Mondoberfläche zoomen und über ein Tool links in der Werkzeugleiste einfach Entfernungen messen.

Vermessen habe ich zum Beispiel dieses Bild von Werner und co, da ich über die hohe Auflösung nach der Bearbeitung überrascht war. Aufgenommen habe ich bei f/13 mit einem 12" Selbstbaudobson und einer ASI533, d.h. mit einer OSC Kamera. Grün und Blau waren im Vergleich zu Rot verschwommen, sodass ich nach dem Stacken nur den Rotkanal extrahiert und weiter bearbeitet habe.

Eigentlich war bei der Konstellation nicht zu erwarten, dass etwas vernünftiges dabei heraus kommt. Durch die Bayermatrix geht einiges verloren. Zusätzlich wäre für die Kamera eher f/18 anstatt f/13 optimal, wenn man das Maximum herausholen will. Dennoch ist der kleinste Krater, den ich gefunden habe und der eindeutig wie ein Krater aussieht ca. 1,3km groß. Das Rayleigh Kriterium liegt im Roten für den Dobson bei ca. 1km. Das ist schon dicht dran.

Das hat mich erstaunt. Ich habe daraus für mich mit genommen, dass es am Ende gar nicht den extremen Unterschied macht, ob man perfekt sampelt oder die perfekte Kamera hat. An die Sache kann man entspannter ran gehen. Es muss nicht perfekt auf den Punkt sein. Durch die Aufnahmetechnik und Bildbearbeitung kann man einiges ausgleichen.

Grüße
Joachim
 
Moin!
Ich habe gerade heute einen kleinen Vortrag von *entfernt* zum Thema gehört. Er hat einen wohl unverschämt guten Zeiss Cassegrain 400/6635. Er erzählte, daß seine Sternwarte "astrogünstig" gelegen ist und das Seeing oft besser als durchschnittlich ist (Details dazu kann ich jetzt leider nicht mehr wiedergeben). Großen Wert legt er auf die Eliminierung des Tubusseeing und des Kuppelseeing. Aufnahmen macht er mit einer ASI (178mm?), Bildbearbeitung mit den "üblichen Verdächtigen" Autostakkert, Registax und Photoshop. Ich habe ein Rohvideo von Arzachel gesehen, da waren blickweise schon 500m große Strukturen zu sehen. Das wäre seine Grenze, sagte er, und nach Bearbeitung waren diese Strukturen aus dem Video eindeutig als Krater zu erkennen.
Gruß, Michael
 
Mahlzeit,
ich bin grad auch über meinen Mondfotos... Ich habe gestern mit dem C9.25 (ohne Barlow, also 2350mm Brennweite) fotografiert. Die kleinsten Krater, die ich gefunden habe, und auch (einigermaßen ;-) ) als Krater zu sehen waren, waren auch so um 1.5km groß. 500m wär schon mal nicht schlecht, aber ich hab mir eben mit meinem Sohn nochmal ein Video der gestrigen Aufnahmen angeschaut, wabert schon ziemlich rum. Von daher bin ich zufrieden ;-)
 
Hallo Joachim
ich hoffe, das ist für einige interessant. Mich hat das jedenfalls eine Weile beschäftigt.
Mich hat das auch schon mal interessiert. Wenn ich jetzt hier auch "rechnen" darf?! Die Seite Quick Map, die Du verlinkt hast, war da sehr hilfreich. Ich hab das mal bei meinem Petavius-Bild vom 21. Dez. 2021 ausgerechnet, weil da das Seeing sehr gut war. Ich komme demnach mit 6 Zoll Öffnung und einer Teleskopbrennweite von f/8 und dazu eine 2,25x Barlow und als Kemaera die ASI 120 MC auf Krater mit 3 km Durchmesser. Den "größeren" an der Pfeilspitze hat 5 km und ist noch aufgelöst, aber der direkt links davon, der liegt bei mir an der Auflösungsgrenze.
Screenshot 2022-01-15 223712.jpg

CS Tobias
 
Ich habe ein Rohvideo von Arzachel gesehen, da waren blickweise schon 500m große Strukturen zu sehen. Das wäre seine Grenze, sagte er, und nach Bearbeitung waren diese Strukturen aus dem Video eindeutig als Krater zu erkennen.
Das kann ich mir nicht vorstellen. Im Grünen liegt sein Dawes Limit je nach Mondabstand um die 500m. D.h. ein Verlauf von hell-dunkel-hell ist bei der Größe nicht mehr darstellbar. Selbst beim Rayleigh Kriterium hat man nur noch ein Viertel des Kontrastes zwischen einem hell-dunkel-hell Übergang. Das wird dann wirklich schnell alles sehr blaß, wenn man in die Nähe kommt.

Bei Objekten wie der Cassini Teilung oder einigen Rimae, die in der zweiten Dimension deutlich größer sind als die Auflösungsgrenze ist das anders. Die kann man auch noch nachweisen, wenn sie kleiner sind. Aber bei Krater geht das nicht. Man sieht die teilweise zwar auch noch, wenn sie kleiner sind, aber dann nur noch als dunkle Flecken

Außer er misst anders oder die Messung auf Quickmap stimmt nicht. Das kann natürlich auch sein.

Mein Dobson hat übrigens auch einen extrem guten Spiegel. Ohne das geht nix :) Tubusseeing habe ich dank Gitterbauweise nicht. Der Spiegel kommt nun aber wieder in einen Volltubus. Da werde ich mir über das Problem auch Gedanken machen müssen.

@Tobyas M
Irgendwo zwischen 3 und 5km wird die Auflösung liegen. Da hast du noch gut Luft nach oben. Auf 2km müsstest du mit deinem Dobson kommen. Macht macht eigentlich deine EQ Plattform?
 
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