BackyardImaging
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Liebe Community,
gleich zu Anfang sorry für den längeren Text, aber das muss jetzt mal raus.
Mit eurer Unterstützung und der meines Vereines habe ich nun seit längerem mein astrofotografisches Setup, konnte mit dem Guiding beginnen (dank des MGEN2 nahezu ein Kinderspiel) und seit einigen Tagen darf ich auch nach einem Spontankauf, bei dem viele schöne Fotos auf Astrobin und zugegebenermaßen auch etwas Wein im Spiel war, einen Optolong L-extreme Filter mein eigenen nennen. Was dann noch fehlte, waren klare Nächte...
Mittwoch Abend bot sich dann die Möglichkeit. Klar, am nächsten Tag war Arbeit angesagt, aber notfalls geht's auch mal mit 4-5h Schlaf. Die nächste Frage war die nach dem Objekt zum auf die Pelle rücken. So ein wenig hatte ich ja mein Augenmerk auf Wolf-Rayet-Gegenden gelegt und kam daher ziemlich schnell bei NGC 6888 an. Mit 432mm Brennweite zwar alles andere als "Fill the Frame", aber gab's da nicht nebenan noch so eine hübsche Soap Bubble? Die rauszukitzeln, das wäre doch mal was. Für eine Anfängerin ambitioniert, aber wenn's einfach wäre, könnte es ja jeder. Hätte ich mal gewusst, was das nach sich gezogen hat... Aber der Reihe nach.
Nacht 1: Ich habe mein Setup in der Dämmerung aufgebaut, was mir mittlerweile erfreulich schnell von der Hand geht, inkl. Einnordung ganz old school visuell über den Polsucher. Dann das Alignment. Erster Stern Arktur. Tja, irgendwie konnte ich dieses Mal kaum etwas über den Sucher der Kamera sehen. Das Peilen über das Fernrohr beherrsche ich auch nicht so gut, so dass ich mit der Handsteuerbox mehr oder weniger zielgerichtet über den Himmel fahre, bis das Sternchen sich in den Sucher verirrt. Hat es schlussendlich auch, allerdings viel mir das Zentrieren sehr schwer. Irgendwie seltsam... Oder auch nicht, wenn man daran denkt, dass man ja dieses Mal einen Schmalbandfilter in der Optik hat
Nach mehreren Anläufen hat es dann allerdings funktioniert. Dann das Zielobjekt aufgesucht, das Guiding angestellt, Testaufnahme und: Sterne aufgebläht. Fokus saß leider gar nicht, obwohl den - dachte ich zumindest - ganz gut eingestellt hatte. Leider waren in der Gegend die Sterne zu schwach für den Liveview der Canon, so dass ich erstmal wieder zu Deneb gefahren bin. Neu fokussiert, zurück zum Crescent-Nebel und dann erneuert eine Testaufnahme. Dieses Mal waren nur viele Striche zu sehen - das Guiding funktionierte offensichtlich nicht mehr. Gaaanz ruhig durchatmen, Ulrike... wird eben noch mal kalibriert, ist doch kein Hexenwerk. War es auch nicht. Hat aber auch nichts gebracht. Nun war guter Rat teuer. Aber wozu hat man nette Vereinskollegen, wovon einer auch noch ein Magier am MGEN ist? Das Problem wurde schnell analysiert: Der Leitstern wanderte immer wieder aus dem Blickfeld. MGEN ausgeschaltet, wieder an, kalibriert und nix... Mittlerweile war eine gute halbe Stunde mit vornehmlich Ratlosigkeit vergangen, bis er dann doch noch eine Idee hatte, die schlussendlich auch das Problem behob: Die Montierung hatte in eigener Verantwortung entschieden, dass die Nachführung in Sterngeschwindigkeit doch auf Dauer etwas langweilig ist und man dass doch mal umstellen könnte... höhöhö! Ganz großes Kino. Aber - so sagte ich mir - blieben ja trotzdem noch ein paar gute Stunden für die Aufnahme. Das Guiding funktioniert wieder und es wurde Zeit für die nächste und hoffentlich letzte Testaufnahme. Also auf's Knöpfen gedrückt und es passierte erstmal nichts. Kein Grund zur Aufregung - normalerweise macht mein MGEN ganz gerne mal 15 oder 20 Sekunden Pause statt der programmierten 5 Sekunden. Hier mal dithern, dort mal kurz durchatmen und nur keine Hektik! Man ist ja bei der Arbeit und nicht auf der Flucht. Dieses Mal dauerte die Pause aber verdächtig lange. Genau genommen ging es gar nicht los. Kabel überprüft, die Einstellungen und die Stromzufuhr der Canon - alles lief wie am Schnürchen. Die Canon sprach auch auf manuelles Auslösen an. Auch gegen den Fernauslöser hatte sie nichts einzuwenden. Nur mit dem MGEN mochte sie auf einmal nicht mehr reden. Oder er mit ihr. Wer weiß das schon so genau. Wieder verging viel Zeit mit testen, probieren und lautem Fluchen. Doch dieses Mal gab es keine Lösung. Da mittlerweile die Zeit auch schon recht fortgeschritten war, packte ich zusammen. Immerhin sollte auch die nächsten Nächte sternenklar werden. Und irgenwie hoffte auch auf kurzzeitige Beziehungsprobleme zwischen Kamera und MGEN. Eine Gras drüber wachsen lassen und dann mal schauen.
Nacht 2: Ein bisschen müde aber motiviert kam ich an der Sternwarte an. Das Aufbauen ging wieder problemlos. Dieses Mal machte ich das Alignment ohne Filter und schraubte ihn erst danach ein. Das ging wesentlich einfacher. Dann besonders sauber und sorgfältig fokussiert und zum Objekt. MGEN angeschaltet, Kalibration, Guiding und das Testfoto. Und oh Wunder: MGEN und Kamera kommunizierten ohne Probleme, als wäre die letzte Nacht nicht gewesen. Was so ein wenig Abstand voneinander manchmal bringt... Dann stellte ich das Blickfeld an, so wie ich mir das in etwa vorstellte: Widefield mit Soap Bubble, deren Standort wie natürlich nur abschätzen konnten. Und dann Feuer frei. Es lief wirklich gut. Ich war sogar motiviert genau, etwas Zeit für Darks zu opfern, die ich bisher noch nie gemacht hatte. Gegen 1 Uhr musste ich dann allerdings aufhören, da ich am nächsten Tag wieder früh raus musste. Also noch kurz die Flats machen. Dazu brachte ich das Teleskop in die senkrechte und legte die Flatfieldmaske oben auf. Dann AV-Modus zum Errechnen der Belichtungszeit angeschaltet und mit einem leisen Plopp verabschiedete sich die Kamera aus dem OAZ und folgte den Gesetzen der Schwerkraft - gottseidank ins weiche Gras, so dass nichts kaputt ging (auch der Schwenkdisplay nicht). Nur für vernünftige Flats war es jetzt natürlich zu spät. Wie sich die Kamera lösen konnte, bleibt ihr Geheimnis, denn da ich achte immer sehr darauf, die Kamera wirklich vernünftig am OAZ zu fixieren. Ich hab dann trotzdem noch ein paar Flats und Biases gemacht, denn das war kein Aufwand mehr. Trotzdem fühlte ich mich langsam veralbert vom Leben, dem Universum und dem ganzen Rest...
Nacht 3: Am Wochenende ist ausschlafen angesagt, also Grund genug, noch einen Versuch zu starten. Die übliche Arbeitsroutine ließ sich gut an. Bis um Alignment, denn dafür muss man erstmal die Montierung anschalten. Was nicht funktionierte. Also das Einschalten schon, nur tat sich da nix. Mmh... was war es dieses Mal? Wilder Streik? Die Kabel saßen, auch der Akkupack war aufgeladen. Der MGEN bezog Strom, die Kamera, nur die Monti nicht. Was natürlich in Sachen Nachführung eher suboptimal ist. Hilfe nahte in Form meines Vereinskollegen, der das Problem schnell analysierte: Kabelbruch. Nun war guter Rat teuer. Allerdings erinnerte ich mich daran, dass der MGEN2 die gleiche Verkabelung hat, wie die Montierung. Und mein Verein verfügt, wie ich, über einen MGEN2. Heureka! Schnell den MGEN rausgekramt, das Kabel geschnappt und die Montierung verkabelt, eingeschaltet - wie Sie sehen, sehen Sie nix. Keine freundliche Begrüßung der Handsteuerbox. Es war einfach nur ein Trauerspiel. Das Kabel wieder entfernt und den Zigarettenanzünderanschluss (was für ein Wort!) unter die Lupe genommen - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dort, am Vereins-MGEN, war zwar das Kabel in Ordnung, aber die Sicherung am Anzünder defekt. Nach einem Telefonat mit einem weiteren Vereinskollegen konnten wir trotzdem noch ein Kabel auftreiben, mit dem es endlich funktionierte. Es war leider schon wieder einige Zeit ins Land gezogen. Also fix das Objekt eingestellt (mehr oder weniger fix, denn wir versuchten natürlich, den Ausschnitt des vorherigen Tages zu rekonstruieren). Schlussendlich hat aber auch das geklappt, wenn auch mit minimaler Bildfelddrehung. Testaufnahme: Perfekt. Also Feuer frei. In der Sternwarte erstmal Kraft getankt, ein paar Chips genascht und ein Schwätzchen gehalten. Zwischendurch immer mal raus um zu schauen, ob alles noch lief. Das tat es. Nach rund einer Stunde stoppe ich die Aufnahme kurz, um zu schauen, wieviel der Kameraakku mittlerweile verbraucht hatte. Also die Nebel sahen auf den Aufnahmen schon echt toll aus! Wahnsinn, was der Optolong so alles kann - vor allem, wenn man die ganze Zeit bei ISO 6400 fotografiert, weil man nach der Testaufnahme das zurückstellen vergessen hat
. Arrrghhhhh! ISO schnell zurückgedreht und die Aufnahme wieder gestartet. Wenigstens ein paar Fotos sollten mir doch vergönnt sein... Nach einer weiteren halben Stunden bemerkte ich, dass aufgrund der Wahl des Objektes nun leider die Kamera drohte, am Stativ hängen zu bleiben. Das erste Stativbein nahm sie noch mit Bravour, aber rund eine dreiviertel Stunde später scheiterte sie am zweiten Stativbein. Da war jetzt nicht mehr viel zu machen. Ich habe die Nachführung gestoppt und eine Runde Darks fotografiert. Zum Schluss noch Flats und Biases, bei denen - wie sollte es auch anders sein - die Kamera wieder ihre eigenen Wege (nämlich ins Gras) ging. Natürlich vor (!) den Flats. Dieses Mal hatte sogar mein Kollege sie angezogen am OAZ.
Tja, das waren meine drei Nächte, die mich vor allem Demut gelehrt haben. Die Lust an der Fotografie ist nicht vergangen und letztlich hat jeder Fehlschlag auch einen Lerneffekt. Vielleicht sogar für den ein oder anderen , der das hier liest.
Clear skies,
Ulrike
P.S.: Eine quick-and-dirty Bearbeitung der Aufnahmen möchte ich auch dennoch nicht vorenthalten. Soap Bubble - ich komme wieder!
gleich zu Anfang sorry für den längeren Text, aber das muss jetzt mal raus.
Mit eurer Unterstützung und der meines Vereines habe ich nun seit längerem mein astrofotografisches Setup, konnte mit dem Guiding beginnen (dank des MGEN2 nahezu ein Kinderspiel) und seit einigen Tagen darf ich auch nach einem Spontankauf, bei dem viele schöne Fotos auf Astrobin und zugegebenermaßen auch etwas Wein im Spiel war, einen Optolong L-extreme Filter mein eigenen nennen. Was dann noch fehlte, waren klare Nächte...
Mittwoch Abend bot sich dann die Möglichkeit. Klar, am nächsten Tag war Arbeit angesagt, aber notfalls geht's auch mal mit 4-5h Schlaf. Die nächste Frage war die nach dem Objekt zum auf die Pelle rücken. So ein wenig hatte ich ja mein Augenmerk auf Wolf-Rayet-Gegenden gelegt und kam daher ziemlich schnell bei NGC 6888 an. Mit 432mm Brennweite zwar alles andere als "Fill the Frame", aber gab's da nicht nebenan noch so eine hübsche Soap Bubble? Die rauszukitzeln, das wäre doch mal was. Für eine Anfängerin ambitioniert, aber wenn's einfach wäre, könnte es ja jeder. Hätte ich mal gewusst, was das nach sich gezogen hat... Aber der Reihe nach.
Nacht 1: Ich habe mein Setup in der Dämmerung aufgebaut, was mir mittlerweile erfreulich schnell von der Hand geht, inkl. Einnordung ganz old school visuell über den Polsucher. Dann das Alignment. Erster Stern Arktur. Tja, irgendwie konnte ich dieses Mal kaum etwas über den Sucher der Kamera sehen. Das Peilen über das Fernrohr beherrsche ich auch nicht so gut, so dass ich mit der Handsteuerbox mehr oder weniger zielgerichtet über den Himmel fahre, bis das Sternchen sich in den Sucher verirrt. Hat es schlussendlich auch, allerdings viel mir das Zentrieren sehr schwer. Irgendwie seltsam... Oder auch nicht, wenn man daran denkt, dass man ja dieses Mal einen Schmalbandfilter in der Optik hat
Nacht 2: Ein bisschen müde aber motiviert kam ich an der Sternwarte an. Das Aufbauen ging wieder problemlos. Dieses Mal machte ich das Alignment ohne Filter und schraubte ihn erst danach ein. Das ging wesentlich einfacher. Dann besonders sauber und sorgfältig fokussiert und zum Objekt. MGEN angeschaltet, Kalibration, Guiding und das Testfoto. Und oh Wunder: MGEN und Kamera kommunizierten ohne Probleme, als wäre die letzte Nacht nicht gewesen. Was so ein wenig Abstand voneinander manchmal bringt... Dann stellte ich das Blickfeld an, so wie ich mir das in etwa vorstellte: Widefield mit Soap Bubble, deren Standort wie natürlich nur abschätzen konnten. Und dann Feuer frei. Es lief wirklich gut. Ich war sogar motiviert genau, etwas Zeit für Darks zu opfern, die ich bisher noch nie gemacht hatte. Gegen 1 Uhr musste ich dann allerdings aufhören, da ich am nächsten Tag wieder früh raus musste. Also noch kurz die Flats machen. Dazu brachte ich das Teleskop in die senkrechte und legte die Flatfieldmaske oben auf. Dann AV-Modus zum Errechnen der Belichtungszeit angeschaltet und mit einem leisen Plopp verabschiedete sich die Kamera aus dem OAZ und folgte den Gesetzen der Schwerkraft - gottseidank ins weiche Gras, so dass nichts kaputt ging (auch der Schwenkdisplay nicht). Nur für vernünftige Flats war es jetzt natürlich zu spät. Wie sich die Kamera lösen konnte, bleibt ihr Geheimnis, denn da ich achte immer sehr darauf, die Kamera wirklich vernünftig am OAZ zu fixieren. Ich hab dann trotzdem noch ein paar Flats und Biases gemacht, denn das war kein Aufwand mehr. Trotzdem fühlte ich mich langsam veralbert vom Leben, dem Universum und dem ganzen Rest...
Nacht 3: Am Wochenende ist ausschlafen angesagt, also Grund genug, noch einen Versuch zu starten. Die übliche Arbeitsroutine ließ sich gut an. Bis um Alignment, denn dafür muss man erstmal die Montierung anschalten. Was nicht funktionierte. Also das Einschalten schon, nur tat sich da nix. Mmh... was war es dieses Mal? Wilder Streik? Die Kabel saßen, auch der Akkupack war aufgeladen. Der MGEN bezog Strom, die Kamera, nur die Monti nicht. Was natürlich in Sachen Nachführung eher suboptimal ist. Hilfe nahte in Form meines Vereinskollegen, der das Problem schnell analysierte: Kabelbruch. Nun war guter Rat teuer. Allerdings erinnerte ich mich daran, dass der MGEN2 die gleiche Verkabelung hat, wie die Montierung. Und mein Verein verfügt, wie ich, über einen MGEN2. Heureka! Schnell den MGEN rausgekramt, das Kabel geschnappt und die Montierung verkabelt, eingeschaltet - wie Sie sehen, sehen Sie nix. Keine freundliche Begrüßung der Handsteuerbox. Es war einfach nur ein Trauerspiel. Das Kabel wieder entfernt und den Zigarettenanzünderanschluss (was für ein Wort!) unter die Lupe genommen - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn dort, am Vereins-MGEN, war zwar das Kabel in Ordnung, aber die Sicherung am Anzünder defekt. Nach einem Telefonat mit einem weiteren Vereinskollegen konnten wir trotzdem noch ein Kabel auftreiben, mit dem es endlich funktionierte. Es war leider schon wieder einige Zeit ins Land gezogen. Also fix das Objekt eingestellt (mehr oder weniger fix, denn wir versuchten natürlich, den Ausschnitt des vorherigen Tages zu rekonstruieren). Schlussendlich hat aber auch das geklappt, wenn auch mit minimaler Bildfelddrehung. Testaufnahme: Perfekt. Also Feuer frei. In der Sternwarte erstmal Kraft getankt, ein paar Chips genascht und ein Schwätzchen gehalten. Zwischendurch immer mal raus um zu schauen, ob alles noch lief. Das tat es. Nach rund einer Stunde stoppe ich die Aufnahme kurz, um zu schauen, wieviel der Kameraakku mittlerweile verbraucht hatte. Also die Nebel sahen auf den Aufnahmen schon echt toll aus! Wahnsinn, was der Optolong so alles kann - vor allem, wenn man die ganze Zeit bei ISO 6400 fotografiert, weil man nach der Testaufnahme das zurückstellen vergessen hat
Tja, das waren meine drei Nächte, die mich vor allem Demut gelehrt haben. Die Lust an der Fotografie ist nicht vergangen und letztlich hat jeder Fehlschlag auch einen Lerneffekt. Vielleicht sogar für den ein oder anderen , der das hier liest.
Clear skies,
Ulrike
P.S.: Eine quick-and-dirty Bearbeitung der Aufnahmen möchte ich auch dennoch nicht vorenthalten. Soap Bubble - ich komme wieder!