Zwei fantastische Beobachtungsnächte im Prättigau

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ToSto64

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Am letzten Samstag entschloss ich mich zu einem dreitägigen Kurztripp nach St. Antönien im Prättigau.
Wettermässig perfekt und Top-Seeing für die beiden Nächte von Di auf Mi und Mi auf Do. Am ersten Tag mit dem MTB zur Carschinafurgga, wo es die wohl leckerste Gerstensuppe gibt.
Um 16 Uhr zurück im Hotel, legte ich mich zur Nachtruhe. Kurz vor Mitternacht erschallte die Weckmelodie. Der Blick aus dem Fenster und ich war vom Anblick des nächtlichen Himmels hin und weg.
In fünfzehn Minuten war ich parat, nahm meinen Okularkoffer und schlich mich aus dem Hotel. Welch positive Überraschung. Mit Ausnahme von fünf Strassenlaternen, welche alle dieses weiche gelbliche Licht nach unten abstrahlen, keine Lichtquelle. Wo in anderen Orten die Kirchen in prachtvollem Licht für die Nachteulen erstrahlen, hier steht sie in dunkler Stille.
Doch mein Beobachtungsplatz liegt noch 200 Höhenmeter über St.Antönien.
Knapp sieben Minuten Autofahrt und er war erreicht.
Dann stand ich da, überwältigt von diesem atemberaubenden Sternenhimmel. Der Unterschied zwischen einem Bortle 4 und einem Bortle 3 Nachthimmel ist schon eine Hausnummer. Mein bevorzugter Standort in der Valüna ist schon grossartig, aber laut LPM immer noch ein Bortle 4. Der Nachteil dort, die Sicht ist wegen der Berge gen Osten und Westen eingeschränkt und mit Blick nach Norden macht sich die Lichtglocke vom Rheintal dezent bemerkbar.
Doch hier auf 1670 m Höhe ist der Blick rundum ziemlich frei.
Und es ist kein Licht zu sehen. Zero.
Aus zehn Meter Entfernung erkannte ich mein Teleskop nur schemenhaft.
Da im Prättigau bisher noch kein Wolf gesichtet wurde, sollte also auch kein
nächtlicher, unangemeldeter Besuch erscheinen. ?
Das Mobilphone im Hotel vergessen... typisch Thomas. So nahm ich den DS Reiseatlas zur Hand und versuchte mich damit zu orientieren.
Ohne FG begann ich zunächst die Milchstrasse zu 'durchwandern'. Fantastisch. ??
Mit dem FG war es einfach nur atemberaubend.
Dann mal zu den Objekten:

Die Andromeda Galaxie... da offenbarte sie sich meinem blossen Auge. Deutlich zu sehen der helle Kern umgeben von strukturlosem Nebel. Mit dem FG erkannte ich bereits erste schemenhafte Details und sogar die beiden Begleiter, M32 und M110.
Irgendwo in gerader Linie unterhalb von M31 muss sich M33 befinden. Keine zwei Minuten und ich hatte ihn im Blickfeld.
Wow! First Light für M33. Deutlich zu erkennen als wattebauschiger Nebelfleck. Dann schaute ich ohne Hilfsmittel und was für Freude, tatsächlich konnte ich ihn nach gut einer Minute erspähen.
Nun war aber mein Hofheim dran. Das Delos 17.3 aufgesetzt und scharf gestellt.
Sprachlos schaute ich auf M33. Na ja... mit wem sollte ich auch sprechen.
Eine Galaxie mit richtigen Spiralarmen.
Je länger ich schaute, je deutlicher zeigten sie sich. Um das Zentrum konnte ich sechs Sterne ausmachen, die innerhalb der Galaxie lagen.
Dann schwenkte ich zu Andromeda und seinen Begleitern. Je intensiver ich beobachtete, je spektakulärer die Details.
Auch bei M32 war das Zentrum deutlich zu erkennen.
Im Norden knapp über den Bergen war der Rücken von Ursa Major zu sehen.
Da muss doch Bodes Galaxie zu finden sein. Normal sollte bei Bortle 3 diese doch mit blossem Auge zu sehen sein.
Oberhalb von Stern 23, so mein DS Reiseatlas, muss ich sie doch finden. FG zur Hand genommen und... boah! Volltreffer. M81 und 82 in voller Pracht.
FG wieder weg und geschaut. Jepp. Da sind die beiden plötzlich. M81 gut zu sehen und M82 diffus aber sichtbar.
Also studierte ich die beiden genauer.
Zunächst mit dem Delos 17.3 und dann mit dem Ethos 13 und schliesslich mit dem Delos 10mm. Fantastisch.
Mit dem Ethos 13 machte sich noch ein etwas verwaschener Nebelfleck bemerkbar. Volá. NGC 2976.
Die Zeit schritt voran und die Augen wurden etwas müde.
So nahm ich noch Jupiter, Saturn, Mars und die Plejaden ins Visier.
Mit dem FG suchte ich noch nach dem Nordamerikanebel. Zwar konnte ich schemenhafte Nebelstrukturen ausfindig machen, war mir aber nicht sicher.
Gegen 3 Uhr noch ein Blick ins Zentrum der MS. Nach ein paar Minuten kristallisierte sich da ein heller Fleck heraus. Mit dem FG sehr schön zu sehen und mit dem Meade SWA 28 zeigten sich Details. Zunächst irrte ich etwas durch den Reiseatlas, bis mir klar wurde, dass es sich um die Kleine Sagittariuswolke (M24) handelte.
Nun war genug.
Ab ins Hotel und noch etwas Schlafen.
Für heute hatte ich ja noch eine MTB Tour geplant. Die Trails von Pany.

Teil 2 folgt.
 
Hallo Thomas,

so ein schöner und lebendiger Beobachtungsbericht! Vielen Dank dafür.

Da muss doch Bodes Galaxie zu finden sein. Normal sollte bei Bortle 3 diese doch mit blossem Auge zu sehen sein.
Oberhalb von Stern 23, so mein DS Reiseatlas, muss ich sie doch finden. FG zur Hand genommen und... boah! Volltreffer. M81 und 82 in voller Pracht.
FG wieder weg und geschaut. Jepp. Da sind die beiden plötzlich. M81 gut zu sehen und M82 diffus aber sichtbar.
Waaas?! M 81 und M 82 mit bloßem Auge? Das hätte ich jetzt nie für möglich gehalten.

Dein Bericht macht so richtig Lust, das alles auch mal selbst sehen zu können... Bin schon auf den 2. Teil gespannt!

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine

Vielen Dank. Die Blumen gebe ich gern zurück, denn auch Deine Beobachtungsberichte sind immer wieder eine Bereicherung, lebendig und humorvoll geschrieben.

Zu M81 und M82:
Nachdem ich diese mit dem FG (8×42) gefunden hatte, konnte ich sie auch mit dem blossen Auge sehen. Hat aber schon ein paar Minuten gedauert.
In der Valüna bei Bortle 4 ist mir das nicht gelungen, obwohl die Bedingungen dort schon knapp an Bortle 3 sind.
Da fehlt mir eben auch noch die Erfahrung.

Nach meinen Ferien gibt es die Fortsetzung inkl. Skizzen.

Gruss Thomas
 
Hallo Thomas,

Dein Beobachtungsbericht nimmt auch mich - abseits von technischen Details - so richtig mit und bringt die Highlights unseres tolles Hobbies auf den Punkt. Von daher :y::y::y: und ein wenig Neid ;)

Nur eines kann ich nicht so richtig nachvollziehen: dass Gerstensuppe lecker ist :ROFLMAO:

Freue mich schon auf die Fortsetzung Deines Berichts.

VG und cs,
Peter
 
Hallo Thomas,

es ist dieses Gefühl abseits vom Alltag zu sein ... ohne Trubel und dann den Blick zu den Sternen erheben...und bei einem wirklich dunklem Himmel die Sternenpracht zu sehen.

Gerade jetzt ist so viel zu sehen am Himmel ... ich habe auch das Glück auf 1300m einen 360° Himmel zu haben (mit ein paar wenigen Einschränkungen) und bin auch dabei wieder neue Objekte zu finden und zu beobachten.

Weiterhin viel Freude!

Wolfgang
 
Nur eines kann ich nicht so richtig nachvollziehen: dass Gerstensuppe lecker ist
Bündner Gerstensuppe ist eine Spezialität. ?

Hallo Thomas,

es ist dieses Gefühl abseits vom Alltag zu sein ... ohne Trubel und dann den Blick zu den Sternen erheben...und bei einem wirklich dunklem Himmel die Sternenpracht zu sehen.
Du hast dieses Gefühl sehr schön auf den Punkt gebracht.
 
Nach drei Wochen Ferien und der anschliessenden harten Landung in der Arbeitswelt ;) ... habe ich es die letzten beiden Tage geschafft, meine Skizzen in saubere Zeichnungen auf wie gewohnt schwarzem Papier zu verewigen.
Wie ich schon im Eingangspost geschrieben habe, war ich in der letzten Augustwoche in St. Antönien im Prättigau. Zwei traumhafte Nächte mit perfektem Seeing und einer so noch nie erlebten Dunkelheit. Der Blick auf unsere eigene Galaxie war einfach umwerfend.
Auf 1670m Höhe bewegten sich die Nachttemperaturen von 12°C kurz vor Mitternacht bis 5°C gegen 4 Uhr morgens.
Die Luftfeuchtigkeit lag in der ersten Nacht bei 55% und in der zweiten Nacht bei 48%.
Seeing Index 1 + 2: 5 (beide Nächte)
Jetstream: 11m/s (1.Nacht) und 9m/s (2.Nacht)
Bad Layers: 0.05 K / 0.00 K
Ratio: 0.218
SQM: 21.8
Bortle 3

Teleskop:
Hofheim 8" Gitterrohrdobson
Okulare:
Explorer Scientific 100° 5.5mm / TV Delos 10mm und 17.3mm / TV Ethos 13mm / Meade SWA 28mm

Zu den Beobachtungen in den beiden Nächten: Teil 1

M31 / M110 / M32
Mit blossem Auge sehr gut erkennbar. Mit dem FG 8 x 42 konnte ich ebenso M110 erkennen. M31 hob sich deutlich ab und zeigte ein schönes helles Zentrum.
Das Meade SWA 5000 28mm zeigte das Zentrum der Galaxie sehr hell und ich konnte zwei Sterne im mittleren Bereich um das Zentrum erkennen. M32 zeigte sich als deutlicher Lichtfleck mit Licht-Nebel-Struktur. M110 war sehr gut zu beobachten und mit dem Delos 17.3mm konnte ich die Elipsenform und diffuse Strukturen erkennen. Bei M31 waren zwei Spiralarme im Ansatz gut zu erkennen.

M33
Nach gut einem Jahr der Beobachtung ist mir nun erstmals gelungen, diese Galaxie mit dem Fernglas zu finden. Dazu muss ich noch anmerken, dass ich in der ersten Nacht nur mit dem DeepSky Reiseatlas ausgestattet war. Mein Samsung hatte ich im Hotel vergessen.
Nachdem ich sie also mit dem FG lokalisiert hatte, konzentrierte ich mich mit dem Auge auf die Stelle am Nachthimmel und plötzlich war da ein verschwommener Lichtfleck zu sehen. Dann richtete ich mein Teleskop mit dem Delos 17.3mm auf die Galaxie.
Sehr heller Kernbereich. Spiralarme wirkten wie ausgefranzte Nebel, konnten aber als solche von mir wahrgenommen werden. Zwei Sterne im Vordergrund und ein kleinerer aber sehr heller Stern rechts neben der Galaxie zeigten sich sehr deutlich. Links oben zeigte sich eine Vierer-Sternenkette und zur anderen Seite verlief vom markanten Stern HIP7403 eine Fünfer-Sternenkette. (natürlich gespiegelt)
Das Ethos 13 brachte dann noch einen Tick mehr Kontrast, was das Zentrum betraf. Die Spiralarme empfand ich mit dem Delos 17.3mm etwas schärfer, soweit man hier von Schärfe sprechen kann.
4.St.Antönien_25.08.22_M33_2.jpg


M81
Einige Grad oberhalb der Bergkette zwischen Drusenfluh und Sulzfluh erspähte ich mit dem FG Bodes Galaxie und ihren Begleiter M82. Mit einiger Übung gelang mir schliesslich M81 mit dem blosen Auge zu erkennen, zunächst sehr diffus, jedoch mit zunehmender Übung immer besser.
Mit dem Delos 17.3mm und dem Ethos 13mm war es dann ein Traum. Deutlich ovale Form mit einem sehr hellen Kernbereich und einem gleichmässigem Übergang zum dunklen Kosmoshintergrund. Die Spiralarme waren vor allem mit dem Ethos 13mm im Ansatz gut erkennbar.
Dann auf das Delos 10mm gewechselt und das war Genusskino pur. M81 war richtig gut als Galaxie zu erkennen.

M82
Im Fernglas als länglicher Nebel gut zu erkennen. Ohne FG konnte ich sie nicht eindeutig erkennen. Hier muss ich vorsichtig sein, denn die gefühlte Wahrnehmung ist eben nicht eindeutig. Mit dem Meade 28mm nahm ich dann beide ins Gesichtsfeld und liess diesen wunderschönen Anblick auf mich wirken.
Und während ich den gesamten Bereich des Okulars mit den Augen überblickte, fiel mir leicht rechts oberhalb ein etwas verschwommener 'Stern' auf. Das musste ich mal genauer anschauen. Also wechselte ich auf das Delos 17.3mm. Ganz am Rand des GF sah ich diesen Fleck nun grösser und deutlicher. Es war kein Stern, sondern eindeutig eine Galaxie. Nur welche? Die Lösung meines Rätsels fand ich schliesslich im DS Reiseatlas: NGC 3077
Mit dem Delos 17.3mm war M82 schon deutlich strukturiert. Sehr gut waren die beiden Lichtpunkte seitlich des Zentrums und die dunkle Stelle im Zentrum zu erkennen. Das Delos 10mm offenbarte um den zentralen Bereich der Galaxie einen leicht schwammigen Nebel.
Auf Grund der seitlichen Lage von M82, empfand ich die Beobachtung sehr spannend.
6.St.Antönien_25.08.22_M81_M82_2.jpg


M52
Im Meade 28mm war der Sternhaufen im Gesamten etwas schwach zu sehen. Ich konnte aber zwei sehr helle Sterne ausmachen.
Links oberhalb nahm ich eine schwache Nebelstruktur war mit zwei helleren Sternen. Unterhalb der sehr helle Stern 4Cas.
Mit dem Delos 17.3mm wirkt M52 deutlich grösser und transparenter und es zeigten sich mehrere helle Sterne und einige weniger hellere Sterne.
Auch die Nebelstruktur oberhalb wurde deutlicher. Als versuchte ich mich mal mit dem Astronomik OIII Filter. M52 war dann sehr dunkel, aber die Nebelstrukturen wurden kontrastreicher. Es handelt sich hierbei um NGC7635.
7.St.Antönien_25.08.22_M52.jpg


M25
In der zweiten Nacht gegen 22 Uhr hatte ich mich bereits positioniert und suchte mit Stellarium nach M25. Wenige Grad oberhalb des Horizont fand ich den Stern ARN52 und schliesslich einen hellen verwaschenen Fleck mit zwei helleren Punkten. Als Okular hatte ich das Delos 17.3mm. Eine knappe halbe Stunde blieb mir zur Beobachtung, bis gegen 22:40 Uhr M25 hinter den Bergen verschwand.


M39
Im Sternbild Schwan nahm ich mit dem FG den offenen Sternhaufen M39 ins Visier. Er ist relativ gross und von Deneb aus gut zu finden. Beim Beobachten kam ich mir da etwas verloren vor, vor lauter Sternen. Mit dem Delos 17.3mm begab ich mich beobachtungstechnisch ins Zentrum um den Stern ARN78.
Das Zeichnen war nicht einfach, da mir die Ansammlung der Sterne zu strukturlos erschien.
1.St.Antönien_24.08.22_M39.jpg



Mel 20 um den zentralen Stern Mirfak
Mit dem FG hatte ich hier den besten Überblick, da diese Ansammlung von Sternen doch eine grosse Ausdehnung besitzt.
Mit dem Meade 28mm habe ich mich dann in Teilen dieses Sterenareals verloren.
3.St.Antönien_24.08.22_Melotte 20.jpg


NGC2403
Diese Galaxie stand auf meiner To-Do-Liste. Und tatsächlich gelang mir es, sie aufzufinden.War allerdings nicht einfach und nach einer guten Viertelstunde wollte ich bereits aufgeben, als der Zufall mich belohnte. Mit dem Meade 28mm und auch dem Delos 17.3mm war sie einfach nicht zu finden. So unternahm ich noch einen Versuch mit dem Ethos 13mm und da war sie, als etwas diffuser aber heller Fleck, plötzlich mitten im Bild. Schön zu sehen das helle Zentrum und nach längerem Beobachten zwei schwache Lichtpunkte (Sterne) im Aussenbereich. Für mehr Details braucht es wohl einen 12 oder 14 Zöller.
Trotzdem war die Freude über das Auffinden gross.
9.St.Antönien_25.08.22_NGC2403.jpg


NGC2976
Flächenmässig gross aber geringe Helligkeit. Im Delos 10mm war sie schwach, jedoch gleichmässig hell zu sehen. Die Sternenkette westlich unterhalb (gespiegelt) war gut zu erkennen. Auf diese Galaxie bin ich zufällig bei der Beobachtung von M81/82 gestossen.
5.St.Antönien_26.08.22_NGC2976_2.jpg


Epsilon Lyrae
Mein erster Doppelstern. Mit denen hatte ich mich noch nicht intensiver beschäftigt. Eigentlich ein Vierfach-Sternsystem. Etwas oberhalb von Vega konnte ich das eine Paar auffinden. Mit dem Meade 28mm sehr gut auszumachen.

Gegen 3:30 Uhr stieg dann Orion im Südwesten hoch.
Die Plejaden, Mars, Jupiter und Saturn waren natürlich weitere Beobachtungsziele. Und ganz leicht grünlich schimmernd, sollte ich Uranus auch zum ersten Mal wahrgenommen haben.
Etwas schwer, direkter formuliert erfolglos, tat ich mich mit NGC7000, den Nordamerikanebel. Im FG konnte ich da einen diffusen Nebel erkennen. Mit dem Meade 28mm und dem Delos 17.3mm irrte ich dann in diffusen Filamenten umher, ohne wirkliche visuelle Erkenntnis. Auch mit dem OIII Filter war der Nebel in seiner ganzen Struktur nicht auszumachen. Ich habe schon einen Nebel gesehen, jedoch ergab das kein strukturiertes Bild.
Aber das wird sicher noch. Hier braucht es wohl Erfahrung.

Gruss Thomas und Daniela
 
Teil 2

NGC457
(Eulennebel)
Über Phi Cas konnte ich den Nebel ausfindig machen. Mit dem Delos 17.3mm und dem Ethos 13mm konnte ich Strukturen ausmachen und nachdem ich den OIII Filter vorgesetzt hatte, waren deutliche Nebelstrukturen zu erkennen. Wie eine eule sah er für mich zwar nicht aus, aber ich fand die Tiefenwirkung spannend.
2.St.Antönien_25.08.22_NGC457.jpg


Jupiter / Saturn / Mars
Mit dem ES 5.5mm sehr scharf und für meinen Achtzöller sehr detailreich. Der Mond Europa war gerade vor Jupiter. Sehr schön zu beobachten.
Saturn war eine Augenweide. Die Cassini Ringteilung war deutlich zu erkennen und zum ersten mal habe ich neben Titan, Rhea und Enceladus auch Tethys und Dione gesehen. Mars war sehr schön rötlich schimmernd als Kugel zu erkennen.
Zum ES 5.5mm 100°: Das Okular steht den TeleVue Okularen in Schärfe kaum nach. Im Vergleich zum Delight 4mm ist es einen Tick dunkler.
Ich setze es für die Planeten sehr oft ein, da man gelassener beobachten kann, als beim 4mm Delight, welches man alle 30 Sekunden nachführen muss.
Wobei das Delight 4mm bei perfekten Bedingungen noch etwas mehr an Details hergibt. Aber das sind Nuancen.

In Acquarossa habe wir dann noch eine Woche Ferien gemacht und auch hier zwei Nächte diesem faszinierenden Hobby gewidmet.
Vieles haben wir auch hier wieder beobachtet, so M31, 32, 33, 110, 81, 82, die Planeten und diverse Objekte in der Milchstrasse.
Ein Objekt war sehr spannend, nur leider konnten wir es nicht bestimmen.
1.Acquarossa_31.08.22_Unbekannt.jpg


Und zum Schluss noch eine Beobachtung vom häuslichen Balkon.
Okular: ES 5.5mm
Mauren_04.09.22_Mond_2.jpg


Vielen Dank Euch.

Grüsse Thomas und Daniela
 
Hallo Thomas,
vielen Dank für diese beeindruckenden Berichte und die tollen Skizzen.
Kleine Anmerkung: NGC 457 ist der Eulenhaufen im Sternbild Kassiopeia,. Der Eulennebel (Messier 97, NCG 3587) findet sich in Ursa Major. Auch mit Deiner Skizze komme ich nicht ganz zurecht, da der Eulenhaufen bereits im im Fernglas zu finden und im kleinen Refraktor (2,83 Zoll) bei visueller Beobachtung deutlich als Eule mit den leuchtenden Augen, den ausgebreiteten Flügeln, dem Körper und den Füßen erkennbar ist (vergleiche doch mal mit veröffentlichten Fotos und Zeichnungen). Für mich immer wieder ein beeindruckender Anblick.
Trotzdem: Vielen Dank für den ansteckenden Bericht, der Vorfreude auf die nächsten Beobachtungsnächte weckt (leider wohne ich inzwischen in Mitteldeutschland auf 67m NN) und kann von Alpenhimmel nur noch träumen (ich wohnte bis 1/2020 im bayerischen Voralpenland).
CS und viele Grüße

Stefan
 
Einige Grad oberhalb der Bergkette.... Mit einiger Übung gelang mir schliesslich M81 mit dem blosen Auge zu erkennen, zunächst sehr diffus, jedoch mit zunehmender Übung immer besser.
Da möchte ich ein dickes Fragezeichen dahinter setzten.

Nachdem die Pioniere Stephen James O'meara und Brian Skiff Ende in den 1990-er Jahren von positiven M81 Sichtungen berichtet haben, entbrannte das große Rennen nach dem am weitesten entfernten freisichtigen Deep Sky Objekt. Alle mir bekannten seriösen Sichtungen von M81 sind von sehr erfahrenen Deep Sky Beobachtern mit außergewöhnlich guten Augen unter ultimativem Hochgebirgshimmel gemacht worden. Auch für diese Leute waren es absolute Grenzbeobachtungen. Nur durch ihre lange Erfahrung konnten sie eindeutiges wenn auch seltenes Aufblitzen des Objektes von Wunschsehen unterscheiden. M33 ist dagegen viiiiel heller.

Mit "seröser Sichtung" meine ich:
- Gesicherte Stern- Grenzgröße mit freiem Auge deutlich jenseits der 7 mag.
- Das Objekt muss hoch am Himmel stehen und nicht nur "Einige Grad oberhalb der Bergkette...."
- Zwischen 24 UMa und EN UMa muss man all die feinen umliegenden Sterne identifizieren, sie nacheinander aussortieren und daran die Position von M81 festnageln. Der 1,3° entfernte Stern HD 87703 mit 7,1 mag muss eindeutig indirekt sichtbar sein, ansonsten hat man mit M81 wohl keine Chance.

Hier die detaillierte und inzwischen schon legendäre Beschreibung von Brian Skiff:

M82
Im Fernglas als länglicher Nebel gut zu erkennen. Ohne FG konnte ich sie nicht eindeutig erkennen. Hier muss ich vorsichtig sein, denn die gefühlte Wahrnehmung ist eben nicht eindeutig.
Das ist auch gut so. Ich kenne niemanden, der M82 mit freiem Auge gesehen hat.

Ansonsten schöner, lebhaft geschriebener Bericht, macht Spaß zu lesen... trotz der Verwechslung mit dem Eulenhaufen und dessen "deutliche Nebelstrukturen" mit OIII Filter.
 
Hallo Thomas,
vielen Dank für diese beeindruckenden Berichte und die tollen Skizzen.
Kleine Anmerkung: NGC 457 ist der Eulenhaufen im Sternbild Kassiopeia,. Der Eulennebel (Messier 97, NCG 3587) findet sich in Ursa Major. Auch mit Deiner Skizze komme ich nicht ganz zurecht, da der Eulenhaufen bereits im im Fernglas zu finden und im kleinen Refraktor (2,83 Zoll) bei visueller Beobachtung deutlich als Eule mit den leuchtenden Augen, den ausgebreiteten Flügeln, dem Körper und den Füßen erkennbar ist (vergleiche doch mal mit veröffentlichten Fotos und Zeichnungen). Für mich immer wieder ein beeindruckender Anblick.
Trotzdem: Vielen Dank für den ansteckenden Bericht, der Vorfreude auf die nächsten Beobachtungsnächte weckt (leider wohne ich inzwischen in Mitteldeutschland auf 67m NN) und kann von Alpenhimmel nur noch träumen (ich wohnte bis 1/2020 im bayerischen Voralpenland).
CS und viele Grüße

Stefan
Hallo Stefan

Danke für die Anmerkung. Bei den vielen Objekten, welche ich in den beiden Nächten über je 5 Stunden beobachtet habe, bin ich mir jetzt auch nicht mehr sicher, ob diese Zeichnung nicht zu einem anderen Objekt gehört. Werde das versuchen richtig einzuordnen.

Da möchte ich ein dickes Fragezeichen dahinter setzten.

Nachdem die Pioniere Stephen James O'meara und Brian Skiff Ende in den 1990-er Jahren von positiven M81 Sichtungen berichtet haben, entbrannte das große Rennen nach dem am weitesten entfernten freisichtigen Deep Sky Objekt. Alle mir bekannten seriösen Sichtungen von M81 sind von sehr erfahrenen Deep Sky Beobachtern mit außergewöhnlich guten Augen unter ultimativem Hochgebirgshimmel gemacht worden. Auch für diese Leute waren es absolute Grenzbeobachtungen. Nur durch ihre lange Erfahrung konnten sie eindeutiges wenn auch seltenes Aufblitzen des Objektes von Wunschsehen unterscheiden. M33 ist dagegen viiiiel heller.

Mit "seröser Sichtung" meine ich:
- Gesicherte Stern- Grenzgröße mit freiem Auge deutlich jenseits der 7 mag.
- Das Objekt muss hoch am Himmel stehen und nicht nur "Einige Grad oberhalb der Bergkette...."
- Zwischen 24 UMa und EN UMa muss man all die feinen umliegenden Sterne identifizieren, sie nacheinander aussortieren und daran die Position von M81 festnageln. Der 1,3° entfernte Stern HD 87703 mit 7,1 mag muss eindeutig indirekt sichtbar sein, ansonsten hat man mit M81 wohl keine Chance.

Hier die detaillierte und inzwischen schon legendäre Beschreibung von Brian Skiff:


Das ist auch gut so. Ich kenne niemanden, der M82 mit freiem Auge gesehen hat.

Ansonsten schöner, lebhaft geschriebener Bericht, macht Spaß zu lesen... trotz der Verwechslung mit dem Eulenhaufen und dessen "deutliche Nebelstrukturen" mit OIII Filter.
Eventuell zu viel Euphorie in diesen beiden Nächten. M82 habe ich definitiv nicht gesehen und selbst im Fernglas musste ich schon ein paar Augenblicke konzentriert schauen, bis ich diese längliche Struktur schwach abzeichnete.
M81 konnte ich im FG aber deutlich als diffusen Fleck mit punktförmig hellem Zentrum sehen.
Auf Grund deiner Aussagen revidiere ich meine Aussage und gehe von einem imaginären Bild, welches sich durch das Beobachten über sicher gut 20 Minuten mit dem FG und dem Teleskop in meinem Gehirn festgesetzt hat, aus. Es war dann Wunschsehen.
Der Stern HIP 48573 war mit dem FG deutlich als sehr heller Punkt zwischen den beiden Galaxien zu sehen. Ob er ohne FG zu sehen war, da bin ich mir nicht mehr sicher. Habe darauf zu wenig geachtet.
Mit blossem Auge konnte ich zwei Sterne schwach leuchtend in diesem Bereich von M81/82 erkennen. Musste da aber auf jeden Fall länger und konzentriert schauen.

Mit ein paar Grad über der Bergkette, welche sich von diesem Standort aus auf 3'000m in den nördlichen Himmel erhebt, wären dies im Flachland sicher 60° über dem Horizont. Da in Richtung Norden nur Berge sind, war diese Blickrichtung die Dunkelste in diesen beiden Nächten. Für mich waren diese beiden Nächte das Dunkelste was ich bisher erlebt habe.

Trotzdem Danke für Deine Richtigstellung. Bin natürlich noch immer Anfänger, nach einem Jahr Beobachtung und da ist jede Beobachtungsnacht immer noch eine faszinierende Entdeckungsreise durch den für mich sichtbaren Kosmos.

Und meine Freundin konnte mit blossem Auge überhaupt nichts erkennen und im FG auch nicht M82. Da habe ich zu viel Beobachtungs-Optimismus an den Tag (die Nacht) gelegt. ;)

Gruss Thomas
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
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