Motorisierung einer alten Montierung mit Uhrwerknachführung technisch machbar?

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jeanc

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Hallo In unserem Verein diskutieren wir, ob und wie wir eine alte schwere Montierung aus den 1960er-Jahren für den Führungsbetrieb in unserem kleinen Astro-Verein flotter machen können. Derzeit wird sie von einem Uhrwerk angetrieben. Das läuft sehr ungenau. Die Einstellung der Objekte erfolgt wie früher noch manuell.
Es handelt sich um eine Deutsche Montierung, die Stundenachse ist laut Erbauer aus 78 mm, die Deklinationsachse aus 70 mm starkem Stahl gefertigt.
Beide Hauptachsen sind mit Kegelrollenlagern in stählernen Achsbüchsen von 15 mm Wandstärke gelagert. In der Stundenachse ist ein großes Zahnrad verbaut. Nähere Angaben fehlen. Die Fragen die uns beschäftigen, sind: Ist eine Motorisierung technisch machbar und sinnvoll? Wir könnten z.B. eine FS2 Steuerung auftreiben. Hat jemand hier für uns ein paar wertvolle Tipps auf Lager, auch worauf bei einem allfälligen Umbau zu achten ist. Wir sind über jeden hilfreichen Beitrag dankbar. Michael Jäger
 

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Moin,

das große Zahnrad ist ein Schneckenrad, dazu gehört ne Schnecke, die vom Uhrwerk angetrieben wird - Ansatzpunkt Schrittmotor 1.

Die Gretchenfrage - Bewegung in Deklination, noch ein Schneckensystem oder ein Tangentialarm. Letzteres müßte umgebaut werden, oder man lebt mit der begrenzten Beweglichkeit.

Steuerung FS2 ist m.E. Technik von Vorgestern im x-ten Revival, ich würde dann auf Onstep gehen, oder EQStar Power wegen freier Parametrisierung.

Das ist auf jeden Fall ne richtige Maschinenbau-Aufgabe.

CS Jörg
 
Hallo In unserem Verein diskutieren wir, ob und wie wir eine alte schwere Montierung aus den 1960er-Jahren für den Führungsbetrieb in unserem kleinen Astro-Verein flotter machen können. Derzeit wird sie von einem Uhrwerk angetrieben. Das läuft sehr ungenau. Die Einstellung der Objekte erfolgt wie früher noch manuell.
Hallo,
Eure Montierung sieht für ihr Alter sehr gepflegt aus, Kompliment!
Was meinst Du mit "flotter" machen? Was ist das Ziel des geplanten Umbaus und für welchen Einsatzzweck?
Ein GOTO-Betrieb wird auf jeden Fall eine größere Sache, da hierfür ein weiteres Schneckenradgetriebe für die Deklinationsachse erforderlich wäre.
Wenn es nur um die präzise Nachführung geht bzw. Guiding für Astrofotografie, genügen 2 Motoren und auch der Tangentialantrieb in Deklination könnte bleiben.
Die FS-2 würde das zuverlässig machen. Es gibt etliche Alt-Montierungen (Fa. Alt) die in dieser Ausstattungsvariante ihren Dienst machen.

CS Dietmar
 
Moin,

das müßte sich mal ein versierter Maschinenbauer ansehen. Die Montierung sieht ja brachial stabil aus, möglich ist viel, aber es bräuchte, wenn man ein vernünftiges Anfahren von Objekten will auch in DEC einen Schneckenantrieb (oder besser - einen Antrieb der sich durchfahren läßt), das geht mit einem Tangentialarm eben nicht. Aber RA könnte man auf jeden Fall so motorisieren dass die Nachführung korrekt erfolgt. Richtig, und nur für Astrofotografie reicht auch der Tangentialarm zur Korrektur - nur eben kein "Goto" - wobei, wenn Ihr Eure Zielobjekte klassisch einstellt, sollte das wohl das letzte Problem sein, das Euch hemmt. Eine vernünftige Schneckenwelle, Lagerung und Motorhalterung wäre also die Aufgabenstellung.

CS
Jörg
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Vielen Dank für Eure Antworten. Das stimmt mich zuversichtlich, dass diese massive Montierung nicht in den Ausstellungsraum muss. Sie wird derzeit rein für den Führungsbetrieb eingesetzt. Wir haben manchmal bis zu 40 Besucher. Derzeit stellen wir die Objekte über den Sucher ein, nach einigen Minuten läuft aber das Objekt aus dem Gesichtsfeld. Damit wird der Führungsbetrieb sehr mühsam, weil die Handsteuerung (2fach Geschwindigkeit) auch immer wieder ausfällt.
Uns ist es so nicht möglich, viele Objekte bei klarem Himmel zu zeigen. Das Hauptinstrument ist ein 55 Jahre alter 12,5" Cassegrain mit rund 4,2 Meter Brennweite. Der liefert bei Planeten und Mond schöne Bilder. Wir haben ihm dieses Jahr 2" Okulare gespendet. Jetzt bringen wir im besten Fall den ganzen Mond visuell gerade ins Gesichtsfeld. Wir könnten gut damit leben, wenn die Nachführung in Rektaszension zuverlässig läuft. Aber "Goto" wäre natürlich noch feiner.
Wer kann sagen, welche Kosten grob auf den Verein zukommen, wenn wir nur die Rektaszensionsachse motorisieren
bzw. was ein Umbau auf Goto kosten würde? Eine letzte Frage: Ist bei einem Tangentialarm ein eingeschränkter Goto-Betrieb möglich?

CS Michael
 
Moin,

Tangentialarm und GoTo, eher nein.

Kosten: sehr schwierig. Steuerung EQStarPower mit WiFi und Gedöns ein paar hundert.
Anpassung RA ca. auch.
Anpassung DEC 2 - 3 Tausend.
Reine Schätzung.

CS Jörg
 
Hallo Michael.
Mir fallen da spontan zwei Personen ein die da in Frage kämen, bzw. den Aufwand abschätzen können.
Richard Gierlinger, und Herr Koch von Astro-Electronic.
CS Hermann
 
Hi,

ich habe keine Erfahrung mit grossen Montierungen, aber ich habe meinen 12 Zoll Dobson mit Schrittmotoren motorisiert.
GoTo ist durch Platesolving dadurch sehr einfach realisierbar.

Die Steuerung der 2 Schrittmotoren ist mittels heutiger Technik mit einem Arduino und handelsüblichen CNC Schrittmotoren Shield sehr einfach möglich.
Man muss aber den Arduino programmieren können. Der Arduino wird ganz einfach per USB durch einen PC angesprochen. Die Schrittmotoren sollten eigentlich relativ einfach an den Schneckenantrieb adaptiert werden können. Da braucht's eine Halterung für den Motor und einen flexiblen Wellenadapter. Kostenpunkt insgesamt ca. max. 200€, ehrlich.

Für die Deklination müsste ein 2. Schneckenantrieb montiert werden. Da habe ich keinen Plan.

Oder man motorisiert den Tangential-Antrieb auch mittels Schrittmotor und einer spezial Lösung.

Arduino Nano:

CNC Shield:

Schrittmotor Treiber, unbedingt TMC nehmen:

Die Schrittmotoren kann man durch die fertige Arduino Library "AccellStepper" einfach ansteuern.

Ach noch der Schrittmotor:

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

@AstroPZ , ich glaube, so in den Details sind die Kollegen noch nicht. Das Problem ist, dass der Tangentialarm nur ein paar Winkelgrad Verstellung zuläßt. Das bedeutet, dass das zwar für die Korrektur eines Astrofotos reichen kann, aber nicht für GoTo. Es muss sich ein Kundiger die Montierung ansehen, damit man eine maschinenbautechnische Lösung (wenn Goto laufen soll) mit Umbau des DEC-Antriebs, sonst eine Motoradaption an den Tangentialarm entwerfen kann. Eine Selbstbaulösung halte ich für wenig dienlich, ich denke eher an sowas:

-> EQStarPRO – NEW GOTO controller for equatorial mount – Astro-Gadget

Die genaue Adaption und Parameter mit dem Hersteller abstimmen. Das ist ne aktuelle "offene" Steuerung die man parametrieren kann, neben der ganzen Mechanik auch noch die Elektronik selbst machen und das für so eine große Montierung ist schon ne hinreichende Sache für einen Verein. Wenn dort natürlich ein Elektronik Crack sitzt mag das gehen.

CS
Jörg
 
Hi Jörg,
-> EQStarPRO – NEW GOTO controller for equatorial mount – Astro-Gadget

Die genaue Adaption und Parameter mit dem Hersteller abstimmen. Das ist ne aktuelle "offene" Steuerung die man parametrieren kann, neben der ganzen Mechanik auch noch die Elektronik selbst machen und das für so eine große Montierung ist schon ne hinreichende Sache für einen Verein. Wenn dort natürlich ein Elektronik Crack sitzt mag das gehen.
ja stimmt.
Die EQStarPRO sieht gut aus.

Ich habe halt so etwas bei meinen Projekten nicht in Betracht gezogen, da es so etwas nach meinen Recherchen nicht einfach anpassbar an eine Dobson Selbstbau Lösung gibt. Und die eigene Programmierung war für mich nicht schwierig. Allerdings habe ich keine ASCOM Schnittstelle, ist aber in der Planung. Brauche das auch wegen Plate-Solving im Moment nicht unbedingt.

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

bin auch mehr oder weniger durch Zufall auf den Lieferanten gestoßen, der trotz Krieg in der Ukraine weiter produziert.

CS
Jörg
 
Hallo Michael,

ist euer Antrieb wirklich ein Uhrwerk oder steuert ein Uhrwerk einen elektrischen Antrieb. So würden sich nämlich sehr unterschiedliche Herangehensweisen ergeben, um das Problem anzugehen. Ich persönlich fände den Erhalt eines heute als historisch zu bezeichnenden Uhrwerksantriebes sehr erstrebenswert.

CS Gerhard
 
Noch einmal vielen Dank für die vielen wertvollen Tipps. Ich werde mit unseren Vereinskollegen eure Vorschläge diskutieren. Rudolf Gierlinger und Michael Koch
sind natürlich super Tipps.
Zu Gerhard. Ja es ist ein Uhrwerksantrieb mit einem kleinem Elektromotor. Der ist laut den Beschreibungen des Erbauers nicht so genau, was sich in der Praxis auch so gezeigt hat. Der Erhalt der Anlage ist natürlich auch ein Thema. Aber um den Preis, dass wir außer ein paar wenigen Objekten sonst nicht viel zeigen können. Wir haben Mitglieder, die uns zuletzt immer wieder besucht haben. Und da müssen wir uns bei den Objekten etwas einfallen lassen. Aber in dieser Konstellation geht das nicht zusammen. Wir planen ohnehin ein Mitgliederbefragung. Und wenn die auf den Erhalt der historischen Anlage hinaus liefe, wird das so sein. Aber wir müssen unseren Mitgliedern dann klar sagen, was das für den Führungsbetrieb bedeutet.
CS Michael
 

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Hallo Michael,
das ist ja ein interessantes Antriebskonzept. Ich wusste garnicht das soetwas in den 1960ern noch gebaut wurde.
Es scheint aber wirklich nicht mehr gut zu laufen, wenn Euch sogar das Objekt aus dem Bildfeld wandert!
Als Kompromiss könntet Ihr ja den Kasten mit dem alten Antrieb als Ausstellungsstück in der Sternwarte belassen. Immerhin ist er ja rundherum mit Sichtfenstern versehen. Eine schöne Erläuterungstafel mit den technischen Details und dem Funktionsprinzip wäre dann noch eine schöne Zugabe.

CS Dietmar
 
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