Moin Rolf.
Schön, dass Du weitere Details Deines Workflows mit uns teilst. Da kann ich dann noch tiefer drauf eingehen.
Im Aufnahmebereich machen wir beide es sehr ähnlich. Ich komme auf etwas mehr frames (bis über 20.000 je Video), aber die Einstellungen ähneln sich doch ziemlich.
Die Verwendungsrate ist ok, das ist stark seeingabhängig. Ich lasse immer Stackserien von 10, 20 und 40% laufen und schaue dann, welcher Prozentsatz sich am besten schärfen lässt. Nicht selten nehme ich 20 Prozent bei Rot und die 40% (oder sogar noch mehr) bei Blau und Grün, weil da oftmals mehr Rauschen drin ist.
Achtung: Oft wird "Feindetail" durch Rauschen vorgetäuscht. Es entsteht der Eindruck, das Bild sei "schärfer", wenn es nicht weichgezeichnet ist. Das ist aber faktisch falsch und lässt sich auch beim Glätten gut prüfen. Ich gehe mit dem Gauss immer so weit, dass kein echtes Detail schlechter wird, das klare Rauschen aber geglättet. Da geht nichts verloren, was nicht wirklich weg soll! Im Zweifel hilft es, sich mal eine gute Marsdetailkarte zu nehmen, und zu schauen, ob man es nah der Rauschebene noch mit realem Detail zu tun hat, oder es bereits Artefakte sind. Apropos gute Marsdetailkarte: Wir arbeiten ja an einer aus dieser Opposition, die liegt natürlich noch nicht vor. Aber solche von 2020 stimmen noch weitestgehend. Kleine Veränderungen sind aber bereits offensichtlich geworden.
Noch jemand, der noch das gute alte Giotto benutzt! Das ist fein.
Allerdings nutze ich die kritische Dämpfung wie beschrieben ausschließlich für die "Weichmärse" zur Randeartefaktbekämpung. Richtig geschärft wird bei mir entweder mit Bessel oder Butterworth. Quadrat wie früher vielfach nutze ich heute gar nicht mehr, es sorgt zu schnell für kräftige Überschwinger an allen Kanten.
Mit B&B kannst Du schön hin und her probieren. Prozente in die Mitte um 1000 oder weniger, Rauschpixel (Rechteck, nicht Gauss) soweit hoch, bis es glatt wird (bei mir in der Regel 5 bis 7) und Schärfungspixel dann soweit hochfahren, wie Detail schärfer (nicht "dickler" hervorkommt, ohne wieder vom Rauschen geschluckt zu werden. Gggf. beim schärfsten Scharfpixeleindruck noch ein bisschen Prozente in 100er-Schritten hochfahren. Probiers mal so. Das Ergebnis ist in einem Durchgang meistens besser als Doppeldurchgänge mit KD.
1,5x Drizzle sollte an sich keine Artefaktkästen hervorbringen. Mit vielen AP's arbeitest Du? Hast Du mal mit nur einem gearbeitet? Also nur einen Kasten manuell um den Planeten gezogen?
Fitswork brauche ich gar nicht.
Ich hole die 3 Monobilder in PS, setze die G- und B-Ebenen in die Farblayer des Rotbildes ein, justiere sie entsprechend, dann geht es in den Farbabgleich, erst über Strg-L, dann ggf. über Channel-Mixer zum Angleich an den "Mittelmars".
Vorsicht vor einem Weißabgleich auf die Polkappe. Die ist nicht immer rein weiß! In den Bildern vom 19./20. November konnten ich wie auch andere Beobachter klar nachweisen, dass da ein Rotton in der Polkappe vorhanden ist. Was angesichts von Staub und Dreck in der Atmosphäre ja auch durchaus plausibel ist.
Eine Anhebung der Sättigung braucht es gar nicht unbedingt, zarter wirkt oft besser.
Auf Derotation kann man bei Mars getrost verzichten; mindestens aus Zeitgründen. Es gibt aber ein Argument, das seine Anwendung noch nützlich macht: Das Randartefakt lässt sich damit ebenfalls "wegrotieren".
So weit für den Moment.
Ja, ich warte auch zappelig auf Wetter, ich meine klares. Langsam macht mich die geschlossene Wolkendecke rallig.
LG
Rudolf