Mars macht mobil ...

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RWilmes

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... doch Yuki* verdirbt das Spiel. (* Name des aktuellen Tiefdruckgebietes).
In 2 Tagen schon hat er ja seine kürzeste Distanz zu uns mit 81,46 Mio. km erreicht, danach wird der Winzling schon bald wieder kleiner.
In den nächsten Tagen wird´s wohl auch erst mal nix, das Wetter zeigt sich unkooperativ.
Ich habe in den vergangenen Wochen 3 brauchbare Märse einfangen können und möchte die Euch gerne zeigen. Aufnahme-Instrument auch diesmal:
TS 8" RC --- Baader FFC --- ZWO ADC --- ZWO ASI 1600MM pro mit EFW
Je 90sec R, G und B bei Belichtungszeit 5 (R) bzw. 8 (G+B) msec/frame und Brennweite von ca. 5050 mm.

Mars_10.+14.+25.11.2022 .jpg


Anregungen und Kommentare auch hier willkommen.
Clear Skies - hoffentlich bald nochmal.
Gruß -

Rolf
 
Hallo Rolf.
Das sieht doch gut aus. Die hast Du schon mal sicher.
Für 8" gut aufgelöst.
An Deiner Aufnahmetechnik gibt es wenig Verbesserungsansätze.
Aber an der Nachbarbeitung schon. Was an allen drei Bilder, besonders aber im rechten auffällt, ist das gut erkennbare Rauschen. Hoch geholt durch die Schärfung.
Leider hast Du keine Bearbeitungsinformatioonen mitgeschickt, dann ließe sich das noch besser zuordnen. So kann ich nur allgemeine Tipps geben.
Ich kenne Deine Verwendungsrate nicht, kann aber sein, dass sie eher klein war. Erfahrungsgemäß kann man selbst bei eher mäßigem bis schlechtem Seeing trotzdem höhere Verwendungsraten nehmen, das Stackbild lässt sich dann besser schärfen und rauscht weniger.
Falls ein brauchbarer Stack nur mit kleinen Verwendungsraten zu bekommen ist, weniger hart schärfen. Oft ist es in einem RGB nur eine Ebene, die besonders viel zum Rauschen beiträgt. Dann verbessert sich der Gesamteindruck schon deutlich, wenn man nur die Farbe weichzeichnet (z.B. in PS mit Gaußscher Maske so, dass die Details immer noch erhalten bleiben. In Deinen Bilder (hab sie mal analysiert) sind es vor allem Blau und Grün. Die kannst Du beide deutlich weichzeichnen, auch Rot, ohne dadurch Detail zu verlieren. Habe mir erlaubt, das mal am Original zu machen und komme zu anhängenden Ergebnis. Dabei habe ich zugleich die Farbe an dem von Ralf Burkart erstellten "Farb-Mittelmars" ausgerichtet.
Was ich nicht machen kann, ist die Beseitigung des Randartefaktes, das heftig zugeschlagen hat. Um das loszuwerden, gehe ich folgenden Weg: Fertige von jedem Stack zwei geschärfte Versionen an. Eine harte, die Details bestmöglich betont (da hast Du dann das wilde Randartefakt), und eine zweite, sehr weiche (bei mir in Giotto mit Kritischer Dämpfung), die sollte (so gut wie) kein Randartefakt zeigen.
In Photoshop öffnest Du beide Versionen nebeneinander. Ziehe die weiche als Ebene in das harte Bild. Füge eine Ebenenmaske dafür hinzu und wähle dafür "Ebene verbergen". Dann mit dem Radiergummi in nicht zu großem Durchmesser und reduzierter Wirkung (ca. 20 Prozent) vorsichtig die versteckte Ebene am defekten Rand wieder freilegen. Die weiche Kante wird dann das Randartefakt ersetzen. Und schon sieht Mars gleich um Klassen besser aus.
Hoffe, das hilft Dir ein wenig weiter.
CS
Rudolf
 

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Hallo Rudolf,

vielen lieben Dank für Deine ermutigenden Worte und die ausführlichen Bearbeitungstips. Das werde ich jetzt mal mit einbauen in meinen Workflow und probieren, wie es herauskommt. Auf jeden Fall sieht man , dass das Rauschen deutlich reduziert ist in dem von Dir nachbearbeiteten Beispiel oben, vielleicht ein bisschen auf Kosten der ganz feinen Details, aber da muss ich mich pö a pö mal herantasten.
Noch ein paar Erklärungen zu den Aufnahmen und der Nachbearbeitung:
Je 90sec R, G und B bei Belichtungszeit 5 (R) bzw. 8 (G+B) msec/frame und Gain=370 ergaben SER-Videos mit ca. 11000 (R) bzw. 8800 (G+B) frames. In AS3! habe ich zum Stacken eine Verwendungsrate von 20% benutzt. 40% habe ich auch probiert, aber da sehe ich nach identischer Schärfung wie bei 20% einen deutlichen Einbruch in der Auflösung. 10% Verwendungsrate würde vielleicht noch einen Ticken mehr Details bringen, aber dafür habe ich zu wenige frames, von daher ist 20% mein Kompromiss. Ich habe beim Stacken auch nicht gedrizzelt, weil dann erhalte ich beim Schärfen ein gräßliches Kachelmuster in den Bildern.

In Giotto dann wie folgt mit dem Mexhat Filter bearbeitet:
Schärfen + Filtern (Filterform: Dreieck Charakteristik: Kritische Dämpfung Rauschfilter in der Mitte: Rechteck Rauschfiltergröße: 3 Filtergröße 7 Filterwirkung: 2000% sowie danach nochmal mit den Einstellungen 3 5 200%.

Danach Fitswork:
1) 3 s/w-Bilder zu RGB-Bild (mit Verschiebung)
2) Vergrößern auf 200%
3) Farblayer zurechrrücken
4) Um 180° drehen
5) Rechtsklick auf weisse Polhaube, dann "Pixel als Weisswert nehmen". Dasselbe mit Hintergrund und Schwarzwert
6) Farbsättigung auf 120%

Zum Schluß in Photoshop noch ein Hochpassfilter mit Stärke 3.

Ach noch was, WinJuPos habe ich hier, anders als für Jupiter, nicht verwendet, weil ich so grob mal abgeschätzt habe, dass sich der Planet während der insgesamt 270-sekündigen Aufnahme weniger als 0,2" weitergedreht hat, das kriegt der Achtzöller gar nicht mit.

Schöne Grüße und alles Gute, hoffentlich wird`s bald mal was mit dem Wetter, bevor unser äußerer Nachbar wieder in den Tiefen des Sonnensystems verschwindet und auf Uranusgröße schrumpft.
Ciao -

Rolf
 
Moin Rolf.
Schön, dass Du weitere Details Deines Workflows mit uns teilst. Da kann ich dann noch tiefer drauf eingehen.

Im Aufnahmebereich machen wir beide es sehr ähnlich. Ich komme auf etwas mehr frames (bis über 20.000 je Video), aber die Einstellungen ähneln sich doch ziemlich.

Die Verwendungsrate ist ok, das ist stark seeingabhängig. Ich lasse immer Stackserien von 10, 20 und 40% laufen und schaue dann, welcher Prozentsatz sich am besten schärfen lässt. Nicht selten nehme ich 20 Prozent bei Rot und die 40% (oder sogar noch mehr) bei Blau und Grün, weil da oftmals mehr Rauschen drin ist.

Achtung: Oft wird "Feindetail" durch Rauschen vorgetäuscht. Es entsteht der Eindruck, das Bild sei "schärfer", wenn es nicht weichgezeichnet ist. Das ist aber faktisch falsch und lässt sich auch beim Glätten gut prüfen. Ich gehe mit dem Gauss immer so weit, dass kein echtes Detail schlechter wird, das klare Rauschen aber geglättet. Da geht nichts verloren, was nicht wirklich weg soll! Im Zweifel hilft es, sich mal eine gute Marsdetailkarte zu nehmen, und zu schauen, ob man es nah der Rauschebene noch mit realem Detail zu tun hat, oder es bereits Artefakte sind. Apropos gute Marsdetailkarte: Wir arbeiten ja an einer aus dieser Opposition, die liegt natürlich noch nicht vor. Aber solche von 2020 stimmen noch weitestgehend. Kleine Veränderungen sind aber bereits offensichtlich geworden.

Noch jemand, der noch das gute alte Giotto benutzt! Das ist fein.
Allerdings nutze ich die kritische Dämpfung wie beschrieben ausschließlich für die "Weichmärse" zur Randeartefaktbekämpung. Richtig geschärft wird bei mir entweder mit Bessel oder Butterworth. Quadrat wie früher vielfach nutze ich heute gar nicht mehr, es sorgt zu schnell für kräftige Überschwinger an allen Kanten.
Mit B&B kannst Du schön hin und her probieren. Prozente in die Mitte um 1000 oder weniger, Rauschpixel (Rechteck, nicht Gauss) soweit hoch, bis es glatt wird (bei mir in der Regel 5 bis 7) und Schärfungspixel dann soweit hochfahren, wie Detail schärfer (nicht "dickler" hervorkommt, ohne wieder vom Rauschen geschluckt zu werden. Gggf. beim schärfsten Scharfpixeleindruck noch ein bisschen Prozente in 100er-Schritten hochfahren. Probiers mal so. Das Ergebnis ist in einem Durchgang meistens besser als Doppeldurchgänge mit KD.

1,5x Drizzle sollte an sich keine Artefaktkästen hervorbringen. Mit vielen AP's arbeitest Du? Hast Du mal mit nur einem gearbeitet? Also nur einen Kasten manuell um den Planeten gezogen?

Fitswork brauche ich gar nicht.
Ich hole die 3 Monobilder in PS, setze die G- und B-Ebenen in die Farblayer des Rotbildes ein, justiere sie entsprechend, dann geht es in den Farbabgleich, erst über Strg-L, dann ggf. über Channel-Mixer zum Angleich an den "Mittelmars".
Vorsicht vor einem Weißabgleich auf die Polkappe. Die ist nicht immer rein weiß! In den Bildern vom 19./20. November konnten ich wie auch andere Beobachter klar nachweisen, dass da ein Rotton in der Polkappe vorhanden ist. Was angesichts von Staub und Dreck in der Atmosphäre ja auch durchaus plausibel ist.
Eine Anhebung der Sättigung braucht es gar nicht unbedingt, zarter wirkt oft besser.

Auf Derotation kann man bei Mars getrost verzichten; mindestens aus Zeitgründen. Es gibt aber ein Argument, das seine Anwendung noch nützlich macht: Das Randartefakt lässt sich damit ebenfalls "wegrotieren".
So weit für den Moment.
Ja, ich warte auch zappelig auf Wetter, ich meine klares. Langsam macht mich die geschlossene Wolkendecke rallig.
LG
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

danke für Deine Ausführungen.
1,5x Drizzle sollte an sich keine Artefaktkästen hervorbringen. Mit vielen AP's arbeitest Du? Hast Du mal mit nur einem gearbeitet? Also nur einen Kasten manuell um den Planeten gezogen?
Ich nehme beim kleinen Mars so ca. 15 -20 AP`s, habe aber von einem AP (Kasten um die Planetenscheibe) bis über 100 (ich weiss, aberwitzig bei dem Winzling) alles probiert. Sieht dann überall so ähnlich aus wie das hier (zum besseren sichtbarmachen 2x vergrössert):
2022-11-14-0027_1-R-Mars_lapl4_ap4_Drizzle15 Giotto KD 3 13 1600 2x.jpg

Wie gesagt, der da war noch in Giotto geschärft worden mit der Charakteristik "Kritische Dämpfung". Ich habe mal Deinen Vorschlag aufgegriffen und stattdessen "Bessel" bzw. "Butterworth" probiert, wobei letzteres vielversprechende Resultate gezeigt hat. Das werde ich weiterverfolgen.
Ich zeige das Ergebnis hier sobald ich "zu Potte" gekommen bin. Das Wetter macht mich im Moment echt depri :(. Für die Mars-Bedeckung Donnerstag früh sehe ich schwarz.
Schöner Gruß und bis bald -

Rolf
 
Wo kommt denn das seltsame Raster her?
Du verwendest ja eine Mono-Kamera. Kann es sein, dass Dein AutoStakkert auf Bayer RGGB oder etwas ähnlichem anstelle von Graustufen eingestellt war? Dann entsteht ein Pseudo-Bayer-Matrixstack...
CS
Rudolf
 
Hallo Rudolf,

Kann es sein, dass Dein AutoStakkert auf Bayer RGGB oder etwas ähnlichem anstelle von Graustufen eingestellt war? Dann entsteht ein Pseudo-Bayer-Matrixstack...
Der Gedanke kam mir auch. Ich hatte es vorher auf "Auto detect" eingestellt gehabt, wo die Software auch immer sauber zwichen Farb-Cam und s/w-Cam unterschieden hat. Habe es dann auch Mal mit der Einstellung "greyscale" laufen lassen, gleiches Ergebnis.
Keine Ahnung wo dieses Raster herkommt, habe ich bei Stacking von Jupiter- und Saturn-Videos mit Drizzle 1,5 noch nie gesehen.
So viele "canali" können die "little green men" doch gar nicht gegraben haben, wäre ja 'ne irrsinnige Arbeit ;) .
Schöner Gruß - Rolf
 
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