Hi Niki, was mich stört ist der Ausdruck „fake news“.
Das ist schon klar. Ich bleibe trotzdem dabei, um auf das Problem hinzuweisen: die Präzision der Sprache. Wir nutzen sie nicht, wenn jemand ein Foto vom M42 präsentiert und dazu sagt: "das IST M42" oder "So sieht M42 aus".
Man kann sagen, dass man M42 fotografiert und bearbeitet hat und dabei dieses Bild herauskam. Es zeigt einen Ausschnitt von Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums mit gewaltig gespreizten Kontrasten und überhöhten Sättigungen. Wir reden also eigentlich dauernd davon, wie Bilder aussehen, und schreiben dieses "Aussehen" den Objekten selbst zu.
Das ist "fake". Das stimmt so nicht. Warum, habe ich bereits ausführlicher dargestellt. Genauso sagen wir oft, ein Stern hat mag 14,3. Aber ja, gut, nur: in welcher Wellenlänge? Wie gemessen? Wie gewichtet? Wie gemittelt? Mit welchem Fehler? Da müssen wir auch präziser sein, und das sind wir. Das ist dann auch wissenschaftlicher. Wir MESSEN etwas.
Unsere verbogenen Fotos zeigen uns für unser Auge Unsichtbares in Schönheit, kitzeln Details heraus und schaffen eine Foto-Wirklichkeit, da wir uns jeweils aneinander orientieren. Aber eben nicht am Original, denn wie wollen wir das mit so einem prozessierten Ausschnitt der Wirklichkeit zuschreiben?
Es tut ja unserer mittlerweile "anblicks-gewohnten" Ästhetik keinen Abbruch, aber es zeigt Variationen von Bearbeitungen unserer unvollständigen Sensor-Daten. Wir fügen ja nicht stets auch Ha und IR dazu... ergo IST unser Bild nicht das Objekt, es ZEIGT nicht mal das vollständige Objekt, es ist ein Teil und zwar ein prozessierter. Nicht mehr, nicht weniger.
lg
Niki