Ist Astrofotografie Kunst oder Wissenschaft? Ein Video

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Die Kernaussage des Arte Videos ist nicht , das fake news verbreitet werden.
Es werden wissenschaftliche Daten in eine ansprechende Form verpackt um Menschen zu interessieren und teilhaben zu lassen. Das ist Kommunikation. Die Bilder sind die Sprache um Zugang zu erhalten. Genau dass beschreibt auch unser Hobby.
CS Reinhard
 
Die Kernaussage des Arte Videos ist nicht , das fake news verbreitet werden.
Das hab ich schon verstanden. Und auch nicht behauptet.

Die Bilder sind die Sprache um Zugang zu erhalten. Genau dass beschreibt auch unser Hobby.
Das ist korrekt. Dennoch sind unsere Bilder für mich keine Abbildung einer - anders als mit fotografischen Mitteln erreichbaren - Erfahrung der visuellen Wirklichkeit. Und nicht nur Bilder wären die Sprache, um Zugang zu erhalten. Aber sie sind ein wichtiges Mittel, um mal jemanden in eine Sternwarte zu locken.

lg
Niki
 
Überspitzt könnte man noch sagen, " fast alles was du oben siehst, gibts wahrscheinlich nicht mehr, weil wir ja in die Verganheit schauen".
Also ist selbst der Anblick ein fake. ;)
 
Hi Niki, was mich stört ist der Ausdruck „fake news“. Der Begriff ist klar negativ besetzt Und enthält damit eine Wertung.

Klaus , jawohl dass bewegt mich ja ebenfalls. Aber eben nicht als fake news.
Will aber hier nicht weiter Wortklauberei betreiben.
CS Reinhard
 
Mal ein Beispiel: Dominik hat vor kurzem ein gelungenes Bild zu M42 eingestellt.
Da gibt es unter anderem den Kommentar: so muß es aussehen.
Was meint der Astrofreund genau?
da stecken echte Daten drin, die mit einem Instrument erstellt worden sind.
Um diese Daten zu zeigen hat Dominik einen komplexen Prozess angewendet um am ende ein ästhetisches Bild zu veröffentlichen.
Ist das nun fake news?
CS Reinhard
 
...

Im Prinzip verbreiten wir fake news. Mich hat schon immer gestört, dass Bilder und Filme "missbraucht" werden, um falsche Vorstellungen bei den Menschen zu erwecken und zugunsten einer "Show" die Annäherung an Wirklichkeiten aufgeben. Ich denke da zB an Polarlicht-Filmchen, die allesamt wehende Bänder mit rasenden Wolken zeigen, kein einziger Hinweis auf den Faktor des Zeitraffers. Für wirklich Interessierte, sich ein Bild von den realen Geschwindigkeiten machen wollen gibts also wenig Chancen, das zu erfahren.

Wer Nordlichtfilme in Echtzeit sehen will, kann hier fündig werden. Ich war bei den Aufnahmen dabei. Die Polarlichter waren meist normal schnell, es geht aber auch sehr viel schneller. Mein eigener Rekord war eine schnell rotierende große Spirale, die in 30 Sekunden von einem Horizont zu nächsten jagte. Unmöglich aufzunehmen.

Mir gefallen auch die meisten Nordlichtfilme nicht, da sie viel zu schnell abgespielt werden. Das kann man leicht an der Bewegung der Sterne erkennen. Aber ein Geschwindigkeitsfaktor von 3 ist meist ganz ok.

LG Hans
 
Hi Niki, was mich stört ist der Ausdruck „fake news“.
Das ist schon klar. Ich bleibe trotzdem dabei, um auf das Problem hinzuweisen: die Präzision der Sprache. Wir nutzen sie nicht, wenn jemand ein Foto vom M42 präsentiert und dazu sagt: "das IST M42" oder "So sieht M42 aus".

Man kann sagen, dass man M42 fotografiert und bearbeitet hat und dabei dieses Bild herauskam. Es zeigt einen Ausschnitt von Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums mit gewaltig gespreizten Kontrasten und überhöhten Sättigungen. Wir reden also eigentlich dauernd davon, wie Bilder aussehen, und schreiben dieses "Aussehen" den Objekten selbst zu.

Das ist "fake". Das stimmt so nicht. Warum, habe ich bereits ausführlicher dargestellt. Genauso sagen wir oft, ein Stern hat mag 14,3. Aber ja, gut, nur: in welcher Wellenlänge? Wie gemessen? Wie gewichtet? Wie gemittelt? Mit welchem Fehler? Da müssen wir auch präziser sein, und das sind wir. Das ist dann auch wissenschaftlicher. Wir MESSEN etwas.

Unsere verbogenen Fotos zeigen uns für unser Auge Unsichtbares in Schönheit, kitzeln Details heraus und schaffen eine Foto-Wirklichkeit, da wir uns jeweils aneinander orientieren. Aber eben nicht am Original, denn wie wollen wir das mit so einem prozessierten Ausschnitt der Wirklichkeit zuschreiben?

Es tut ja unserer mittlerweile "anblicks-gewohnten" Ästhetik keinen Abbruch, aber es zeigt Variationen von Bearbeitungen unserer unvollständigen Sensor-Daten. Wir fügen ja nicht stets auch Ha und IR dazu... ergo IST unser Bild nicht das Objekt, es ZEIGT nicht mal das vollständige Objekt, es ist ein Teil und zwar ein prozessierter. Nicht mehr, nicht weniger. :coffee: :)

lg
Niki
 
Hallo Sternfreunde,

für MICH ist (meine) Astrofotografie einfach nur ein Hobby, das keinerlei Anspruch hat, Kunst oder Wissenschaft zu sein. Astrofotografie ist für mich quasi die Fortsetzung des visuellen Beobachtens mit anderen Mitteln. Nämlich der Versuch, an Objekte oder Details heranzukommen, die mir rein visuell verwehrt bleiben. Wenn’s dann auch noch halbwegs ästhetisch aussieht, bin ich schon zufrieden. Ich würde auch nie Stunden in die EBV investieren, um irgendwelche spektakulären knallbunten Bildchen zu fabrizieren. Meistens bin ich in 30min durch und einen Großteil der Zeit nimmt die Rechenarbeit beim Stacken ein. Zum Schluss freue ich mich darüber, was man alles (mehr) sieht, meine Frau freut sich auch und alle sind zufrieden. So entspannt kann‘s sein.
So, das war mein Senf dazu.

Viele Grüße
Oliver
 
Hallo Niki,
Was soll das also dann heißen, wenn wir sagen "so sieht M42 aus"? Oder: "das IST M42". Es ist ein Foto, nicht M42.
das erinnert mich an meinen Altgriechischlehrer. Wir sollten einen Text übersetzen und mein Lehrer war mit meiner Übersetzung nicht einverstanden. Trotzig sagte ich, da steht.... und sagte ein deutsches Wort. Nein, antwortete er, da steht was altgriechisches.

Seitdem weis ich um die Schwierigkeiten von Übersetzungen toter Sprachen und kann Exegeten leiden wie´s Zahnweh. Im besten Fall erklären sie die kulturellen und geschichtlichen Zusammenhänge und begründen ihre Übersetzung, im schlechtesten Fall sagen sie daß, von dem sie möchten das es wahr sei.

Gruß Uwe
 
Dennoch sind unsere Bilder für mich keine Abbildung einer - anders als mit fotografischen Mitteln erreichbaren - Erfahrung der visuellen Wirklichkeit.
Jeder Fotoapparat ist dem Menschen darin überlegen, die Zeit anzuhalten, einen Moment festzuhalten. Das ist eine Frage der Wahrnehmung.
Langzeitbelichtung kann man auch an Silvester von einer Wunderkerze machen, sieht schön aus, bildet aber auch nicht unsere Wahrnehmung ab. Viele Tiere sehen die Welt ganz anders als wir, oder hören, riechen..
Von daher ist Astrofotografie m.E. nicht so sehr ein Teufelswerk, sondern eher eine künstliche Erweiterung unserer Wahrnehmung der Realität.

Was mich an dem Video etwas gestört hat ist, dass nichts zum Bildausschnitt gesagt wurde. Ich fand es echt schwer, die Stelle im Nebel zu finden, letztlich anhand des Sterns.

Gruß Moritz
 
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