Dennoch bleibt mein Fazit, dass ich - bei aller Objektivität - keinen qualitativen Vorteil bei Strnet2 erkennen kann. Vielmehr sind bei meinen Daten stets längere Phasen der Nachbearbeitung nötig.
Der StarExterminator arbeitet mit immer besseren Trainigsdaten, die regelmäßig bereit gestellt werden. Nachbearbeitungen sind da nur noch selten erforderlich. In meinen Augen ist er zwar teuer, aber überlegen.
Hi Sebastian,
Obwohl Ich dieses Fass eigentlich wirklich nicht aufmachen moechte, trotzdem (es lebe die Inkonsequenz...) hier mein Take dazu:
Die Unterschiede die Du hier ansprichst, betreffen i.d.R. Gegenden im Bild, die bereits in oder nahe der Saettigung sind.
Ein ferner Stern hinter einem Emissionsnebel fuehrt in erster Naeherung zu einer additiven Ueberlagerung des Signals. Idealerweise waere es die Aufgabe eines jeden "Sternentfernungs-Tools", beide Signalquellen sauber voneinander zu trennen und das Sternsignal einerseits in ein Bild zu verfrachten (welches man sich explizit liefern lassen kann, oder eben fallen laesst) und das "Nichtsternsignal" in ein anderes Bild. (Nebenbemerkung: Ist der Stern vor dem Nebel, dann ist das Signal des Nebels dahinter nicht mehr zu ermitteln, sondern nur noch zu interpolieren).
Soweit, so gut.
Wo gehen da SXT und SN++ nun getrennte Wege?
Naja, bei gesaettigtem Signal geht das natuerlich mathematisch nicht mehr, ist der Well vom Chip voll, dann ist der Well vom Chip voll und beide Signale sind nicht mehr trennbar, sondern beide ergeben das Saettigungssignal.
Klassisches "Dynamik-Range Dilemma" in der Signalverarbeitung.
Auch schon bei Signal nahe der Saettigung wird es schwierig, denn da ist CMOS i.A. nicht mehr linear in der "Signal-Response" des Sensors.
Selbstverstaendlich sind das leider mitunter genau die Gegenden der hellen Sterne, die man da mit diesen Werkzeugen verarbeiten und vom "Vordergrund" trennen will.
Wie gehen diese Algorithmen nun damit um?
Naja, SXT erstetzt (tendenziell) solche Bereiche "ganz unverkrampft" mit Patches die sogar das Rauschen mit dem SNR der Umgebung haben. Das schaut erst mal gut aus (was der Zweck ist), steckt aber natuerlich in den Originaldaten nicht mehr drin und somit dann ein Einpatchen von synthetischen Daten und keine Signaltrennung mehr. Der Eingriff in die Originaldaten geht da schon eine Etage tiefer.
SN++ ist in solchen Faellen deutlich konservativer und "entscheidet" sich dann solche Sterne nicht zu ersetzten. Es wird (zumindest nach meinen Tests) auch nur Signal getrennt und im Rahmen der numerischen Praezision nichts "dazuinterpretiert". Es ist richtig, an den oben genannten problematischen Stellen muss man sich halt gelegentlich ueberlegen was man damit dann macht: Entweder von Hand zuklatschen, oder beim naechsten Mal aufpassen, dass das Signal vom Himmel mit seinem vollem Dynamikumfang auch auf dem Chip landet.
Was jeder am Ende bevorzugt ist i.d.T. Ansichtssache, aber Ich will meinen Punkt mal illustrieren:
SN++ ---------------------------------------------------------------------------------------- SXT
In beiden Bildern siehst Du das das Resultat der folgenden Operation an Peters Beispielbild: abs(Originalbild - (Sterne + Entsternt))
Bei SN++ (links) sieht man, dass das "Sternbild" und das "entsternte Bild" ziemlich exakt in der Summe dem Originalbild entsprechen. So ist der Algorithmus meinem Verstaendnis nach trainiert und das ist genau das, was Ich persoenlich als "Sternabtrennungs-Operation" gerne haette, bzw. von so einem Werkzeug erwarte.
Bei SXT rechts daneben sieht Du dagegen, was da so alles jenseits des Originalbilds an - na nennen wir das mal "umgebungsmotivierter Interpretation" - dazugepatched wurde. Das ist halt der Preis, wenn man auch da Sterne "spurlos" entfernen will, wo sowas "mathematisch richtig" von der Signaldynamik her eigentlich sehr heikel bis unmoeglich wird.
Der StarExterminator arbeitet mit immer besseren Trainigsdaten, die regelmäßig bereit gestellt werden. Nachbearbeitungen sind da nur noch selten erforderlich. In meinen Augen ist er zwar teuer, aber überlegen.
Genau das sehe Ich eben etwas differenzierter. SXT wird mit immer mehr Training zunehmend dazu getrimmt, "Fehlbelichtungen" oder (partielle) "Uberbelichtung" zu tolerieren und im Bedarfsfall dann (Ich erlaube mir das einzige bewusst polemische Wort im Rahmen dieses Postings, aber es fasst die Sache halt tatsaechlich zuammen) "realistisch, aber frei interpretiert zuzukleistern". Warum ist verstaendlich und nicht weiter verwerflich: Es soll halt anfaengerfreundlich sein und auch bei problematischen und fehlbelichteten Bildern (oder problematischen Teilen weitgehend korrekt belichteter Bilder) schoene Ergebnisse liefern.
Insgesammt finde Ich solche Tools selber sehr praktisch und finde eigentlich beide Tools gut, habe aber fuer mich persoenlich entschieden eher aufzupassen richtig zu belichten und dann mit dem arbeiten, was in den Daten dann tatsaechlich auch drinsteckt. Daher ging mir bei Peters Bezeichnung, mein Beispielbild sei ja "einfach" fuer solche Algorithmen ein Schmunzeln ueber das Gesicht: Das ist nicht einfach, sondern im Sinne der angestrebten mathematischen Operation loesbar (und daher war da auch die Performance von SN++ und SXT nach einer Subtraktion des Ergebnisses bei diesem Beispiel so gut wie aequivalent). Und wenn das dann mit der letzten Alnitak Mag 1.74c Fackel vom Dynamikumfang her nicht realisierbar ist, dann wird da halt "ehrlich geschummelt" (=Patch drueber und Amen, aber man weis wo man steht).
SXT hat eben eine andere Philosophie (die Ich weder werten, noch bewerten moechte, aber aus meinem Blickwinkel beschreiben). Prioritaer ist es bei SXT, dass es am Ende schoen aussehen soll, ob das letztendlich originalgetreu den aufgenommenen Daten entspricht, ist dabei tendenziell eher zweitranging. Dass (wie bei tendenziell allen XYZTerminator-Tools) sich dabei langsam aber sicher der Usus einschleicht, eigentlich immer mehr technisch unzureichendere Bilder zu "pretty pictures" durchzumangeln, ist dabei ein unangenehmer Nebeneffekt. Doch genau dieser Usus wird durch dieses "Nachtrainieren" von SXT verstaerkt: Man achtet immer weniger auf eine korrekte Belichtung und am Ende wird immer mehr nicht etwa mathematisch "entsternt" (= vorhandenes Signal in Sternsignal und Vordergrundsignal aufgesplittet), sondern es wird der Hintergrund/Vordergrund an/um ausgebrannte Sterne immer mehr synthetisch ersetzt. Man merkt's halt nicht.
Letzteres ist halt das, was Du als "ueberlegen" bezeichnest, mich hat genau das von SXT immer weiter weggesteuert. Witzigerweise habe Ich eine SXT Lizenz aus der Fruehzeit von SXT, aber z.Z. (nach einem neuen Rechner Build) aus Faulheit/Nichtbenutzung gar nicht mehr aktiviert gehabt.
Nochmal: Ich will das nicht werten, sondern nur mal Unterschiede herausarbeiten und an (das geht jetzt nicht in deine Richtung) irgendwelchen Grundsatzdiskussionen was KI "darf" und ob irgendwer irgendwie Hubble in der Kiste hat, habe Ich Null Interesse und werde mich auf gar keinen Fall darauf einlassen.
Beide Tools ueberschneiden sich in der Funktion, haben aber eine andere Prioritisierung im Lastenheft, beide machen zwar vordergruendig das gleiche, aber was hinten herauskommt ist nicht das selbe und Ich vermute Leute wie Bill Blanshan werden sich das auch ueberlegt haben (aber es liegt mir fern fuer die zu sprechen, noch mich in dieses Pantheon einzuordnen).
Gruss & CS