Es war eine sternklare mondlose Nacht Mitte Juni...

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Ehemaliges Mitglied

... und die Himmelsguckerin dachte sich spätabends ganz spontan: "Ja! Das ist Deine Chance auf die Milchstraße."

Und weil ich gern viiiele Sterne und die Milchstraße und dunklen Himmel (haha!) sehen wollte und mir das schon länger mal so überlegt hatte, packte ich meine beiden Teleskope (das 60/700 und das 80/400) samt Tee und allem, was man sonst noch braucht, ins Auto. Ich hatte mir einen Platz etwa 15 km von mir zu Hause als Ziel erkoren, an dem ich vor längerer Zeit mal viele Sterne hatte sehen können. Wenn es dort viele Sterne gab, dann sollte es in einer mondlosen Nacht dort doch auch zumindest soviel von der Milchstraße geben, dass ich die hellen Sternwolken und vielleicht auch was von den auffälligeren Dunkelwolken sehen konnte. Dachte ich.

Die erste Ernüchterung kam, als ich im Auto die Stadt hinter mir gelassen hatte. Dunkler Himmel? Am Westhorizont lachte mich selbst jetzt um halb 12 Uhr nachts noch ein Rest Dämmerungslicht aus. Und Venus schaute mir stumm bei meinem Vorhaben zu.

Die zweite Ernüchterung war die Tatsache, dass selbst um diese nächtliche Uhrzeit noch der halbe Landkreis auf der Bundesstraße unterwegs gewesen war. Da ich kurz vor meinem Ziel die unauffällige Abfahrt auf den Feldweg suchen musste und deshalb die Straße - zumindest für einige Minuten - gern für mich allein gehabt hätte, nervte mich der rege Verkehr sehr. Aber ich erinnerte mich daran, dass ich auch mal jung gewesen war, und es war Samstag Abend, naja...

Mit etwas Mühe fand ich meinen Feldweg und stellte fest, dass er beim letzten Mal wesentlich besser befahrbar gewesen war. Aber gut, fürs Sternegucken muss man auch mal was riskieren. Wird schon gut gehen. Ich blieb wegen all der Schlaglöcher und dem hohen Gras, das sich nur missmutig und mit unangenehmen Geräuschen unter mein Auto fügte, nahe an der Bundesstraße stehen. Zu nahe. Das merkte ich schnell, aber weil mir die Erinnerung an den schönen sternreichen Himmel, den ich dort mal erlebt hatte, noch im Kopf herumspukte, baute ich hinter meinem Auto alles auf, setzte mich auf meinen Hocker und versuchte, bei einem Becher Tee an dem Platz anzukommen.

Es gelang mir nicht. Ich hatte mich extra so positioniert, dass ich das Auto im Rücken zwischen mir und der Hauptstraße hatte. Trotzdem blendete mich immer wieder der Lichtschein der vorbeifahrenden Autos, der sich im nahen Waldrand spiegelte. Es war laut. Und unruhig. Und hell, viel zu hell. Sterne waren schon da, aber zu Hause auf meinem Balkon hätte ich genauso viele gehabt. Dafür hatte sich die Rausfahrerei wirklich nicht gelohnt.

Ich wollte die Zähne zusammenbeißen und trotz allem mit der Beobachterei anfangen. Doch dann kam mir der Gedanke: "Wieso eigentlich? Wieso hier durchbeißen, wo du dich nicht wohlfühlst und wo es keine Chance auf Dunkeladaption gibt? Der Beobachtungsabend mit der Autofahrt, die du dir hättest sparen können, wird dadurch nicht besser, dass du das nun bis zum bitteren Ende hier durchziehst. Nur, weil du jetzt hier bist." Also packte ich das ganze Geraffel wieder ein. Dabei fiel mir am Westhimmel ein tief stehender, hell und rötlich strahlender Stern ins Auge. Wer war denn das? Mars konnte das doch nicht mehr sein. Der war nicht mehr so hell und schon fast wieder weg. Arktur? Nö, dafür war er zu hell. Da fiel mir Venus wieder ein. Venus, die mir stumm bei meinem Tun von da oben aus zuschaute. Vom Dunst rötlich verfärbt. Oder, weil ihr vor verkniffener Belustigung über mein Tun fast der Kopf zersprang...

Also alles wieder rückwärts: die Schlaglöcher, das hohe Gras, die Bundesstraße. Nach Hause wollte ich aber nicht. Stattdessen fuhr ich zu meinem Feldweg vor der Stadt, nahe beim Gruselplatz. Schon als ich dort ankam, fühlte ich mich daheim. Hier gab es auch Schlaglöcher und hohes Gras. Aber hier hatte das alles etwas Vertrautes. Als ich dort aus dem Auto stieg, fühlte es sich sofort richtig an. In der Nähe gab es auch eine Straße, aber sie war weit genug weg und störte nicht. Und es war merklich dunkler als an dem anderen Platz. Und ruhiger, friedlicher, und auch irgendwie wärmer. Manchmal liegt das Gute wirklich näher, als man es glauben möchte.

Glücklich baute ich das 60er Teleskop wieder auf, setzte mich mit einem Becher Tee auf den Hocker und schaute mich um. Auch, wenn der Himmel hier dunkler war als vorhin, konnte ich vom kleinen Wagen heute nur drei der Kastensterne sehen. Auch seine Deichsel hatte Lücken. Das war an guten Abenden hier besser. Ich blickte nach oben und wurde milchstraßenmäßig schnell ernüchtert. Ganz zart konnte ich sie erahnen. Aber die Suche nach den hellen und dunklen Bereichen in ihr stellte ich erst mal zurück und hoffte darauf, dass sich vielleicht mit fortgeschrittener Dunkeladaption noch etwas verbesserte.

Eine ganze Weile saß ich einfach so da und schaute mir den Himmel an. Der Schwan prangte ziemlich zenitig, Kassiopeia und der große Wagen waren gut zu sehen. Und was war denn das dort über dem von der Stadt aufgehellten Himmelsbereich? Der Skorpion! Ihn hatte ich diesen Sommer auch noch nicht bewusst gesehen. Ich suchte seine Nachbarschaft nach dem Schützen ab, aber wegen dem Dunst und der Lichtglocke konnte ich von ihm nichts erkennen.

Am liebsten hätte ich einfach weiter so dagesessen und mir die Sterne angeschaut. Aber da stand ja das Teleskop und wollte benutzt werden. Ich hatte schon länger vor, den Eulen-Sternhaufen NGC 457 zu zeichnen. Weil das eine gute Überbrückungsmöglichkeit war, um den Augen Zeit zur Dunkeladaption für die Milchstraße zu geben, machte ich das dann auch. Hier das Ergebnis:

NGC 457 - 17-6-23 bearbeitet.jpg


Der Himmel war verschleierter als ich gedacht hatte. Im 20 mm Okular konnte ich nur wenige Sterne der Eule erkennen. Trotzdem zeichnete ich das, was ich sehen konnte.

Als ich fertig war, wickelte ich mich in eine Decke ein, weil es frisch geworden war. Mein Blick verließ das Teleskop und wanderte wieder hinauf zur inzwischen ziemlich zenitig stehenden Milchstraße. Oder besser zu der zarten Aufhellung am Himmel, von der ich wusste, dass es die Milchstraße war. Auch trotz der besseren Dunkelgewöhnung meiner Augen hatte sich dort oben nichts merklich verbessert. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Himmel insgesamt noch etwas milchiger geworden war als anfangs. Trotzdem holte ich nun meine Milchstraßenkarte hervor und versuchte im Rotlichtschein, irgendwas von all den aufregenden Dingen, die ich dort eingezeichnet hatte, zu erkennen.

Nun, was ich deutlich sehen konnte, war die Cygnus-Sternwolke. Dieser Milchstraßenbereich ist sowieso von uns aus (und wenn Schild, Schütze, usw. im Dunst und Licht absaufen) der auffälligste. Deshalb hielt sich meine Euphorie in Grenzen. Aber immerhin konnte ich die Lage dieser Aufhellung entlang und oberhalb der Mittelachse des Schwans deutlich erkennen und auch, dass darunter ein nicht aufgehellter Himmelsbereich angrenzte. Der Bereich zwischen Gamma Cygni (dem Mittelpunkt des Kreuzes zwischen den Flügeln) und Deneb war erkennbar dunkler als die Cygnuswolke, wie es auch laut meiner Karte sein sollte. Im Gebiet links unterhalb von Deneb (ja, ich weiß, das hat irgend eine Himmelsrichtung...) konnte ich einen größeren ovalen hellen Fleck erkennen. Auch wieder eine Sternwolke oder sowas laut meiner Karte. Ob diese helle Stelle einen Namen hat, weiß ich noch nicht. Aber ich bin ganz zufrieden, dass ich sie bereits vor meinem Blick auf die Karte bemerkt habe.

Ich versuchte, den nördlichen Kohlensack auszumachen. Aber es waren insgesamt viel zu wenige Sterne sichtbar, um sagen zu können, ob es dort irgendwo eine dunkle Stelle gab, die dunkler war als die Umgebung. In Richtung Kassiopeia konnte ich ganz zart den feinen Streifen der Milchstraße weiter verfolgen. Aber für irgendwelche Details war das alles zu unauffällig. Ich suchte eine Weile nach der Eidechse und der Lacerta-Sternwolke. Keine Chance. Nicht mal das Sternbild fand ich.

In Richtung Adler wurde es mit der Milchstraße noch schlechter. Der Adler stand tiefer als der Schwan und näher an der Lichtglocke der Stadt. Nur mit Mühe und eher indirektem Sehen konnte ich dort noch Spuren der Milchstraße erkennen. Dass man das mit dem indirekten Sehen auch bei so einem großen Objekt wie der Milchstraße machen konnte, war allerdings eine interessante Erkenntnis. Tja, und dass mit Schild und Schütze nichts zu machen war, hab ich ja schon erwähnt.

Als ich fast schon aufgeben wollte, fiel mir mein 80/400 Teleskop ein, das noch immer im Auto wartete. Milchstraße im Zenit, großes Gesichtsfeld vorteilhaft - das war doch der ideale Einsatzbereich dieses Teleskops. Dachte ich. Deshalb montierte ich es auf das Stativ und peilte mit dem 20 mm Okular damit Deneb an, so gut ich es schaffte. Ob ich ihn auch nur ansatzweise getroffen habe, kann ich nicht sagen. Das Teleskop zeigte mir viele schöne Sterne. Aber doch nicht das Sternenmeer, das ich mir in der Milchstraße von ihm gewünscht hätte. Es war letzte Nacht definitiv kein Milchstraßenwetter. Und so kurz vor der Sonnwende bestimmt auch nicht die intelligenteste Idee gewesen, die Milchstraße beobachten zu wollen. Ich suchte noch eine Weile mit dem Blick durchs Teleskop herum in der Hoffnung, auf den Kohlensack zu stoßen. Aber der stand anscheinend gerade irgendwo anders.

Etwas frustriert gönnte ich mir noch einen Becher Tee, der die Kälte, die allmählich immer mehr in meine Kleidung hineinkroch, auch nicht mehr wegschubsen konnte. Danach packte ich zusammen und fuhr gegen 2 Uhr nach Hause.

Sehr ergiebig war diese Nacht nicht gewesen. Aber trotzdem war es schön, mal wieder nach den Sternen geguckt zu haben.

Euch allen schöne Sternerlebnisse und allzeit angenehmen Himmel,

herzliche Grüße
Sabine
 
Hi,

Hier immer erstmal nachsehen wie es mit der Dämmerung steht - man will astronomische Dämmerung ABGESCHLOSSEN haben für schwache Objekte wie Milchstrasse etc ! - z.Zt. jetzt im Hochsommer haben wir in D NUR nautische Dämmerung:
(Ein Sternkartenprogramm weiss sowas natürlich auch)

Hier rauskriegen wo es in der Nähe möglichst dunkel ist - von der Lichtverschmutzung her:

Wenn man nach Süden gucken will (Adler, Schütze etc) dann empfiehlt es sich auch nach SÜDEN aus der Stadt zu fahren ! Damit die Objekte, die man sehen will, zumindest von der Stadt ABGEWANDT sind...

Wenn man helle Nächte hat, so empfiehlt sich ein Beobachtungsprogramm mit entsprechend angepassten Objekten:
- (von der Form her) stellare Objekte (geht z.B. auch: Kleinplaneten !)
- Sternhaufen (höher vergrössern !!! Das macht den Himmel dunkler, relativ zu Objekten mit stellarer Form!)
- Planetarische Nebel, ABER MIT Nebelfilter (OIII, UHC) !!!
- Mond, Planeten, Kleinplaneten

- Flächenhaft schwache Objekte sind dann ein NoGo !

Im September wird's besser... ;-)
Good luck + Gruss,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,

Du machst mir Spaß. September...

Hier rauskriegen wo es in der Nähe möglichst dunkel ist - von der Lichtverschmutzung her:
Ja, so in etwa hatte ich das schon mal gemacht und dabei diesen weiter entfernten Platz entdeckt, an dem es schon mal viele Sterne gegeben hatte. Aber das war vermutlich zu einer anderen Jahreszeit gewesen. Ich weiß es nicht mehr.

Wenn man nach Süden gucken will (Adler, Schütze etc) dann empfiehlt es sich auch nach SÜDEN aus der Stadt zu fahren ! Damit die Objekte, die man sehen will, zumindest von der Stadt ABGEWANDT sind...
Welch simpler Rat und doch muss man erst mal drauf kommen. Danke! :)

Wenn man helle Nächte hat, so empfiehlt sich ein Beobachtungsprogramm mit entsprechend angepassten Objekten:
- (von der Form her) stellare Objekte (geht z.B. auch: Kleinplaneten !)
- Sternhaufen (höher vergrössern !!! Das macht den Himmel dunkler, relativ zu Objekten mit stellarer Form!)
- Planetarische Nebel, ABER MIT Nebelfilter (OIII, UHC) !!!
- Mond, Planeten, Kleinplaneten

- Flächenhaft schwache Objekte sind dann ein NoGo !
Also im Grunde alles, was sich auch für die Beobachtung in der Stadt eignet. Nur, dass im Sommer auch außerhalb der Stadt der Himmel nicht viel dunkler ist als winters innerorts.

Flächenhaft schwache Objekte sind dann ein NoGo !
Dazu zählt anscheinend in unseren Breiten auch so ein großes Objekt wie die Milchstraße.

Na gut, warten wir auf den September. Bis dahin kann ich ja auf der anderen Stadtseite nach einem passablen Beobachtungsplatz suchen. Muss mal auf der Sternkarte nachschauen, ob der Schütze dann überhaupt noch da ist. Unkompliziert ist das, was wir hier tun, ja nicht gerade... ;)

NGC 457 werd ich nochmal mit einer etwas stärkeren Vergrößerung probieren. Soweit er dann noch komplett ins Bild passt.

Vielen Dank für Deine Hinweise.

Herzliche Grüße
Sabine
 
KORREKTUR: (wegen September ... ;-) )
Zum Thema Dämmerung korrigiere ich mich mal: (hab nochmal genau nachgesehen)
ab Mitte Juli gibt es in Mitteldeutschland (! - Ffm) wieder ca 3h mit abgeschlossener astronomischer Dämmerung !
Also musst Du nur noch ca 4-5 Wochen warten :) bis es besser wird....

Den Schützen kannste sicher noch inkl. August ganz gut sehen, nach astron. Dämmerungsende.

Good luck,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Sabine,
Danke für deinen Bericht. Diverse Elemente erkenne ich wieder.
Denkst manchmal, dass du auch zu der Zielgruppe gehörst die vom Blick durch ein Nachtsichtgerät profitieren würde?
 
Peter, das beruhigt mich jetzt aber schon sehr. Dann ist es ja bald soweit. :D

ab Mitte Juli gibt es in Mitteldeutschland (! - Ffm) wieder ca 3h mit abgeschlossener astronomischer Dämmerung !
Und die liegen dann so zwischen 1 und 4 Uhr vermute ich... Aber gut, ich will jetzt nicht auch noch wegen der Uhrzeit meckern. Bei uns im Süden kann es vielleicht sogar noch etwas besser sein als in Mitteldeutschland.

Denkst manchmal, dass du auch zu der Zielgruppe gehörst die vom Blick durch ein Nachtsichtgerät profitieren würde?
Wegen der Milchstraße? :unsure:
 
Hallo
Bei mir in Landshut kann ich schon sagen, daß spätestens im Juli wieder Milchstraße geht. Und zwar je nach Wetter so gut wie sonst auch im Jahr.
Man muss allerdings etwas weiter von den Städten weg. In La mindestens 15 km (Sternwartenplatz) noch besser ist es 25 km östlich.
Und das richtige Werkzeug für deine Zwecke ist ein gutes Fernglas. Alles von 8 x 40 bis etwa 10 x 56.
Eher kleiner da die größeren schon ziemliche Brocken sind. Und weitwinklig (60 °) Für mich ist das momentan echtes Genussspechteln.
Leider macht das Wetter noch nicht so richtig mit. Ich würde auch erstens so fahren, daß südwärts keine Stadt steht und man zweitens höher steht.
Ausserdem empfiehlt sich solche Standorte bei Tag auszukundschaften damit mann/frau nachts keine Überraschungen erlebt.
Ideal wäre ein Anwesen von Bekannten auf dem Land wo man dann privat steht.
Gruss
Felix
 
Hallo Felix,

wenn es bei Dir in Landshut im Juli mit der Milchstraße wieder geht, sollte das bei mir auch klappen.

Ja, mein 10 x 50 Fernglas benutze ich auch sehr gerne, um einfach ein wenig im Himmel herum zu schauen. Leider bin ich meistens zu faul, um es aufs Stativ zu schrauben. Das würde die Sache weniger wild und etwas zielgerichteter machen. Und ich hätte auch die Hände frei, um gleichzeitig im Sternatlas nachschauen zu können, wo ich denn grad bin und was es dort eigentlich zu sehen gibt.

Wegen der Stadtlichtglocke hab ich auch schon einen Platz im Sinn, der so ungefähr gegenüber von der Stelle liegt, an der ich war. Also einmal quer über die Stadt drüber. Schütze und Co sollten dann nicht mehr vom Stadtlicht überstrahlt werden. Und wenn ich dass mit meinem kümmerlich ausgeprägten Orientierungssinn richtig sehe, kommt dahinter erst mal kein größerer Ort mehr. Hm, ich war schon ein, zwei Mal dort oben. Im Winter. Ich weiß nicht mehr, wie das vom Licht dort war. Damals hat mich auch die Milchstraße noch nicht interessiert.

Dort werd ich mal wieder hinfahren. Oder hin wandern. Aber da geht es ganz schön den Berg rauf...

Vielen Dank für euere Anregungen. :D

Herzliche Grüße
Sabine
 
Hallo Sabine,

sehr schöner Beobachtungsbericht. Vielen Dank!

Dein Himmel war dann vermutlich so bei 4,2mag Grenzgröße. Ab da kriegt die Deichsel im Kleinen Wagen Lücken. Am Freitag waren es bei mir ca. 5,0mag. Aber erst so um 2 rum. Um halb zwei ist bei mir erst Mitternacht. Selbst 12 habe ich immer noch Probleme Objekte zu finden, da ich zu wenige Orientierungssterne finde. Interessanterweise ist der Himmel derzeit zwischen 2 und 3 am dunkelsten. In den blauen Nächsten gibt es aber immer einen Kreis am Himmel, der trotzdem sehr dunkel ist. Der Schwan steht aber (noch) nicht optimal. Der läuft erst nach 4 durch. Bei meinen 5mag konnte man die Milchstraße vom Kepheus bis etwas über Albireo erkennen. Aber nur sehr schwammig. August, September und auch noch Oktober sind die Milchstraßenmonate. Davor steht sie für mich zu zivilen Zeiten noch zu tief. Selbst tief im Süden läuft die Milchstraße erst gegen 2 Uhr durch. Im Moment ist eher Kugelsternhaufenzeit.

Grüße,
Joachim

PS: Mars ist zwar schwach, steht derzeit aber sehr auffällig nahe Venus, etwas östlich davon. Findet man super einfach so ab 22:30-23:00 Uhr.
 
Hallo Joachim,

die Ecke mit dem 5,0 mag Stern im Wagen hat gefehlt. Du kannst mit Deiner Vermutung richtig liegen. Ich verlinke mal für alle, die es interessiert und die das noch nicht kennen eine Grafik, in der die Sterne des kleinen Wagens mit ihren Helligkeiten angegeben sind. Sowas finde ich grade für AnfängerInnen wie mich sehr hilfreich, um die Helligkeit des Himmels halbwegs einschätzen zu können.

Es ist interessant, dass es sowas wie eine Milchstraßenzeit und eine Kugelsternhaufenzeit gibt. Und dass das nicht nur mit der Mondphase zu tun hat, sondern auch mit der Jahreszeit. Klar, wenn man etwas drüber nachdenkt, ist das alles logisch. Aber das theoretische Wissen ist immer nochmal was anderes als eine praktische Erfahrung. Ich werd in Zukunft nie mehr so um Sonnwend herum versuchen, Dunkelwolken in der Milchstraße zu erkennen. Mit bloßem Auge. Zumindest so lange, bis ich diese Erfahrung wieder vergessen habe... :oops:

Ok, dann ist gerade Kugelsternhaufenzeit. Und Zeit für offene Sternhaufen, Mond, Planeten (wenn Jupiter denn schon da wäre :cry:), Kleinplaneten, und bestimmt auch für Doppelsterne, ... Eigentlich ganz Vieles, wenn man sich nicht ausgerechnet die Milchstraße in den Kopf gesetzt hätte. Einen Kugelsternhaufen hatte ich in der Nacht sogar noch als Möglichkeit im Hinterkopf. Einen im Schützen, und der Schütze war im Licht der Stadt leider unauffindbar. Man hat es nicht leicht, ...

Wann Milchstraßenzeit ist, muss ich mir am besten in den Kalender schreiben, sonst verpasse ich sie womöglich noch. Und weil wir grade so unter uns sind, verrate ich euch noch was:
- Planetarische Nebel, ABER MIT Nebelfilter (OIII, UHC) !!!
Als ich das gelesen hatte, war mein erster Gedanke: Was, den UHC-Filter kann man auch im Sommer benutzen? Denn der gehört für mich irgendwie untrennbar zu Orion. Und Orionzeit ist im Winter, also ist auch UHC-Filterzeit im Winter... _affeaugen: :ROFLMAO: Ja, ich weiß, damit kann man auch andere Nebel anschauen. Hab ich auch schon gemacht. War aber so spontan mein erster Gedanke. O Leute, ich sag jetzt besser nichts mehr. Und such mir ein paar hübsche Sternhaufen zum Überbrücken heraus, bis die Milchstraßenzeit gekommen ist. Ach so, und vielleicht nochmal Mars zuwinken, bevor er weg ist.

Herzliche Grüße
Sabine
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Noch ein wichtiger Nachschlag,

hol Dir mal UNBEDINGT ein Sternkartenprogramm, bitte ! ;):cool:...damit Du alles selber nachgucken kannst:
Sonnenuntergang, Dämmerung, Mondaufgang, wann welche Objekte wo zu sehen sind, Jupitermonde, Kometen, Kleinplaneten, welcher stern wie hell, welcher PN wo usw usw... EINFACH ALLES ! (bis auf Supernovae vielleicht ;)) Alles für jeden Ort der Erde einstellbar. ALLES wird live ausgerechnet, z.B auch wie die Planetenoberflächen gerade aussehen und die Position der Planetenmonde etc etc...

- Ich empfehle immer (für Windows) Notebooks: Guide 9.1 (astroshop.de, 50 euro) professionelles Niveau, DENNOCH NICHT schwer zu bedienen ! Guide 9 Kannste von Bekannten übrigens auch legal (umsonst) kopieren (auf USB Stick, 4GB) !
- Andere schwören auf etwas moderneres: Stellarium, Cartes Du Ciel, you name it...
- Für App Liebhaber: Ski Safari pro. (kostet aber so viel wie Guide 9 !)

Mit so einem Programm kannst Dir beliebige Sternkarten auch ausdrucken, wenn Du das lieber magst. Ich gucke allerdings direkt mit dem Notebook (gedimmt, Rotfarben) neben dem Teleskop (und bin damit eben immer max. flexibel).

Wieviel Objekte sind da drin ?
Wirklich ***ALLE*** die Du jemals im Leben anguckst ! (bis auf Supernovae vielleicht ;)) (auch bis 20" Teleskope)

Gruss, Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Ok, dann ist gerade Kugelsternhaufenzeit.
Also wenn ich mir gerade eine Session zurecht legen würde, dann wären das in der Dämmerung Mars und Venus.

Wenn es halbwegs dunkel ist M53 im Haar der Berenike, M3 und M5 um Arkturus, M10, M12 und M14 im Schlangenträger und schließlich M13 und M92 im Herkules. Das sind alles Kugelhaufen. M53 ist ein Sonderfall, da man hier bei niedriger Vergrößerung noch einen zweiten, schwächeren Kugelhaufen im Feld hat.

Dann müsste es schon richtig dunkel sein, sodass man nochmal zurück schwenken kann zu den hellen Galaxien um die Jagdhunde (M51, M63, M94). Und zu guter letzt kommt der Ringnebel und evtl. schon der Hantelnebel und bei der Gelegenheit auch gleich der Kleiderbügel gleich nebenan. Das sind alles einfache Objekte. Die gehen schon mit dem Fernglas. Ok, die Galaxien muss man bei 4mag Grenzhelligkeit vermutlich richtig suchen.

Zum Ende kann man sich aus Spaß noch am Blinkenden Planetarischen Nebel im Schwan versuchen. Albireo darf natürlich nicht fehlen und was ich ganz interessant finde ist 61 Cygni, ein naher Doppelstern bestehend aus zwei späten K Hauptreihensternen. Mit 5-6mag zwar nur mit Starhopping zu finden, aber hell genug um mit 30" Abstand auch im Übersichtsokular leicht zu identifizieren zu sein.

Die ganz schwachen Sachen sind für die blauen Nächte nichts. Da muss man noch etwas warten, bis es wieder ganz dunkel ist.
 
Hier 4 (immer detailreichere) Karten aus Guide 9.1 für 1. August 24h, Blick ca nach Süden zum Schützen, für Heidelberg gerechnet:
Mit Zoom in den Schützen (Teekanne) und dann auf M8 und M20. Michstrasse schematisch nur als Kontourplot (dies ist eine Karte und kein Foto !)
Copyright (c) Guide 9.1, projectpluto.com

Rote Linie = Milchstrassenebene
Türkise Linie = Ekliptik
Pink = Sonnensystemobjekte, Planeten, Kometen

Guide_Level0.jpg


Guide_Level1.jpg


Guide_Level2.jpg



Guide_Level3.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank, ihr Lieben, für all euere Hilfestellungen und Tipps! :D

Stellarium benutze ich schon eine Weile. Trotzdem erfahre ich immer wieder von Funktionen, die ich dort noch nicht kannte. Nix, was jemanden von euch noch aus den Latschen heben könnte. Es sind solche Dinge wie, dass man die Milchstraße komplett und strukturreich darstellen kann. Und dass der Mond, wenn man reinzoomt, von der Beleuchtung her in Stellarium auch so aussieht, wie er das grad in Wirklichkeit tut. Solche Sachen, die ihr alle schon kennt.

Und natürlich liegen bei mir auch eine drehbare Sternkarte, ein Astro-Jahrbuch, usw. herum. Aber solche Dinge wie: "Im Juni ist Kugelsternhaufenzeit und Milchstraßenzeit kommt erst ab Juli wieder", stehen da nicht drin. Wenn man schon ein besseres Verständnis fürs Ganze insgesamt hat, was da am Himmel passiert, dann weiß man solche Dinge. Aber bei mir passiert da noch sehr viel mit Versuch und Irrtum. Vielen Irrtümern. Nebenbei lernt man, mit Misserfolgen umzugehen. Das ist ja auch nicht schlecht. ;)

Teilweise plane ich meine Beobachtungsabende besser, suche mir Objekte aus, schau nach, wann der Mond auf- oder untergeht. Aber um Dämmerungszeiten hab ich mich bis jetzt noch nicht wirklich gekümmert. Ich wart halt, bis es Nacht ist (also dunkel und Sterne sichtbar), und dann gehe ich raus. Oder ich schau vor dem Zubettgehen noch kurz aus dem Fenster, und wenn da Sterne sind und mein Herz einen Sprung macht, dann passiert es auch, dass ich mit meinem Teleskop auf den Balkon rausgehe und dort zwei Stunden oder so völlig versumpfe. Da schau ich nicht nach, ob gerade noch eine Dämmerungsphase ist oder nicht. Da nehm ich, was geht.

Nun wird mir langsam klar, dass es bei bestimmten Objekten, wie z. B. die Milchstraße, schon darauf ankommen kann, ob noch Dämmerung ist, ob sie hoch genug steht und ob gerade Sommer oder Winter ist. Ich denke, mit der Zeit wird es immer feiner, was man bedenkt, wenn man den Sternenhimmel beobachten möchte. Anfangs freut man sich über die Sternbilder. Dann geht man nach und nach immer mehr in die Tiefe und begreift, was dort oben eigentlich so alles passiert. Und irgendwann achtet man darauf, ob man die Milchstraße gerade im Hochsommer oder besser im Herbst beobachtet.

Herzlichen Dank nochmal und liebe Grüße
Sabine
 
Ciao Sabine,

ja, ich hab vielleicht eine zu stark 'professionelle' Sicht auf das Ganze. Natürlich hab ich auch mal so nur 'zu Fuss' und 'zum Spass' damit angefangen... Aber man kann + sollte natürlich durchaus dazulernen. Vor allem: Werkzeug (Kartenprogramm), was man hat durchaus gut + im Detail benutzen lernen. Damit kann man einfach unnötige Enttäuschungen + Irrwege vermeiden. Und der Spass kommt auf 'professionellerer Ebene' ja durchaus wieder... ;-)

Good luck + weiter viel Spass am Himmel,
Peter
 
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