Ehemaliges Mitglied
... und die Himmelsguckerin dachte sich spätabends ganz spontan: "Ja! Das ist Deine Chance auf die Milchstraße."
Und weil ich gern viiiele Sterne und die Milchstraße und dunklen Himmel (haha!) sehen wollte und mir das schon länger mal so überlegt hatte, packte ich meine beiden Teleskope (das 60/700 und das 80/400) samt Tee und allem, was man sonst noch braucht, ins Auto. Ich hatte mir einen Platz etwa 15 km von mir zu Hause als Ziel erkoren, an dem ich vor längerer Zeit mal viele Sterne hatte sehen können. Wenn es dort viele Sterne gab, dann sollte es in einer mondlosen Nacht dort doch auch zumindest soviel von der Milchstraße geben, dass ich die hellen Sternwolken und vielleicht auch was von den auffälligeren Dunkelwolken sehen konnte. Dachte ich.
Die erste Ernüchterung kam, als ich im Auto die Stadt hinter mir gelassen hatte. Dunkler Himmel? Am Westhorizont lachte mich selbst jetzt um halb 12 Uhr nachts noch ein Rest Dämmerungslicht aus. Und Venus schaute mir stumm bei meinem Vorhaben zu.
Die zweite Ernüchterung war die Tatsache, dass selbst um diese nächtliche Uhrzeit noch der halbe Landkreis auf der Bundesstraße unterwegs gewesen war. Da ich kurz vor meinem Ziel die unauffällige Abfahrt auf den Feldweg suchen musste und deshalb die Straße - zumindest für einige Minuten - gern für mich allein gehabt hätte, nervte mich der rege Verkehr sehr. Aber ich erinnerte mich daran, dass ich auch mal jung gewesen war, und es war Samstag Abend, naja...
Mit etwas Mühe fand ich meinen Feldweg und stellte fest, dass er beim letzten Mal wesentlich besser befahrbar gewesen war. Aber gut, fürs Sternegucken muss man auch mal was riskieren. Wird schon gut gehen. Ich blieb wegen all der Schlaglöcher und dem hohen Gras, das sich nur missmutig und mit unangenehmen Geräuschen unter mein Auto fügte, nahe an der Bundesstraße stehen. Zu nahe. Das merkte ich schnell, aber weil mir die Erinnerung an den schönen sternreichen Himmel, den ich dort mal erlebt hatte, noch im Kopf herumspukte, baute ich hinter meinem Auto alles auf, setzte mich auf meinen Hocker und versuchte, bei einem Becher Tee an dem Platz anzukommen.
Es gelang mir nicht. Ich hatte mich extra so positioniert, dass ich das Auto im Rücken zwischen mir und der Hauptstraße hatte. Trotzdem blendete mich immer wieder der Lichtschein der vorbeifahrenden Autos, der sich im nahen Waldrand spiegelte. Es war laut. Und unruhig. Und hell, viel zu hell. Sterne waren schon da, aber zu Hause auf meinem Balkon hätte ich genauso viele gehabt. Dafür hatte sich die Rausfahrerei wirklich nicht gelohnt.
Ich wollte die Zähne zusammenbeißen und trotz allem mit der Beobachterei anfangen. Doch dann kam mir der Gedanke: "Wieso eigentlich? Wieso hier durchbeißen, wo du dich nicht wohlfühlst und wo es keine Chance auf Dunkeladaption gibt? Der Beobachtungsabend mit der Autofahrt, die du dir hättest sparen können, wird dadurch nicht besser, dass du das nun bis zum bitteren Ende hier durchziehst. Nur, weil du jetzt hier bist." Also packte ich das ganze Geraffel wieder ein. Dabei fiel mir am Westhimmel ein tief stehender, hell und rötlich strahlender Stern ins Auge. Wer war denn das? Mars konnte das doch nicht mehr sein. Der war nicht mehr so hell und schon fast wieder weg. Arktur? Nö, dafür war er zu hell. Da fiel mir Venus wieder ein. Venus, die mir stumm bei meinem Tun von da oben aus zuschaute. Vom Dunst rötlich verfärbt. Oder, weil ihr vor verkniffener Belustigung über mein Tun fast der Kopf zersprang...
Also alles wieder rückwärts: die Schlaglöcher, das hohe Gras, die Bundesstraße. Nach Hause wollte ich aber nicht. Stattdessen fuhr ich zu meinem Feldweg vor der Stadt, nahe beim Gruselplatz. Schon als ich dort ankam, fühlte ich mich daheim. Hier gab es auch Schlaglöcher und hohes Gras. Aber hier hatte das alles etwas Vertrautes. Als ich dort aus dem Auto stieg, fühlte es sich sofort richtig an. In der Nähe gab es auch eine Straße, aber sie war weit genug weg und störte nicht. Und es war merklich dunkler als an dem anderen Platz. Und ruhiger, friedlicher, und auch irgendwie wärmer. Manchmal liegt das Gute wirklich näher, als man es glauben möchte.
Glücklich baute ich das 60er Teleskop wieder auf, setzte mich mit einem Becher Tee auf den Hocker und schaute mich um. Auch, wenn der Himmel hier dunkler war als vorhin, konnte ich vom kleinen Wagen heute nur drei der Kastensterne sehen. Auch seine Deichsel hatte Lücken. Das war an guten Abenden hier besser. Ich blickte nach oben und wurde milchstraßenmäßig schnell ernüchtert. Ganz zart konnte ich sie erahnen. Aber die Suche nach den hellen und dunklen Bereichen in ihr stellte ich erst mal zurück und hoffte darauf, dass sich vielleicht mit fortgeschrittener Dunkeladaption noch etwas verbesserte.
Eine ganze Weile saß ich einfach so da und schaute mir den Himmel an. Der Schwan prangte ziemlich zenitig, Kassiopeia und der große Wagen waren gut zu sehen. Und was war denn das dort über dem von der Stadt aufgehellten Himmelsbereich? Der Skorpion! Ihn hatte ich diesen Sommer auch noch nicht bewusst gesehen. Ich suchte seine Nachbarschaft nach dem Schützen ab, aber wegen dem Dunst und der Lichtglocke konnte ich von ihm nichts erkennen.
Am liebsten hätte ich einfach weiter so dagesessen und mir die Sterne angeschaut. Aber da stand ja das Teleskop und wollte benutzt werden. Ich hatte schon länger vor, den Eulen-Sternhaufen NGC 457 zu zeichnen. Weil das eine gute Überbrückungsmöglichkeit war, um den Augen Zeit zur Dunkeladaption für die Milchstraße zu geben, machte ich das dann auch. Hier das Ergebnis:
Der Himmel war verschleierter als ich gedacht hatte. Im 20 mm Okular konnte ich nur wenige Sterne der Eule erkennen. Trotzdem zeichnete ich das, was ich sehen konnte.
Als ich fertig war, wickelte ich mich in eine Decke ein, weil es frisch geworden war. Mein Blick verließ das Teleskop und wanderte wieder hinauf zur inzwischen ziemlich zenitig stehenden Milchstraße. Oder besser zu der zarten Aufhellung am Himmel, von der ich wusste, dass es die Milchstraße war. Auch trotz der besseren Dunkelgewöhnung meiner Augen hatte sich dort oben nichts merklich verbessert. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Himmel insgesamt noch etwas milchiger geworden war als anfangs. Trotzdem holte ich nun meine Milchstraßenkarte hervor und versuchte im Rotlichtschein, irgendwas von all den aufregenden Dingen, die ich dort eingezeichnet hatte, zu erkennen.
Nun, was ich deutlich sehen konnte, war die Cygnus-Sternwolke. Dieser Milchstraßenbereich ist sowieso von uns aus (und wenn Schild, Schütze, usw. im Dunst und Licht absaufen) der auffälligste. Deshalb hielt sich meine Euphorie in Grenzen. Aber immerhin konnte ich die Lage dieser Aufhellung entlang und oberhalb der Mittelachse des Schwans deutlich erkennen und auch, dass darunter ein nicht aufgehellter Himmelsbereich angrenzte. Der Bereich zwischen Gamma Cygni (dem Mittelpunkt des Kreuzes zwischen den Flügeln) und Deneb war erkennbar dunkler als die Cygnuswolke, wie es auch laut meiner Karte sein sollte. Im Gebiet links unterhalb von Deneb (ja, ich weiß, das hat irgend eine Himmelsrichtung...) konnte ich einen größeren ovalen hellen Fleck erkennen. Auch wieder eine Sternwolke oder sowas laut meiner Karte. Ob diese helle Stelle einen Namen hat, weiß ich noch nicht. Aber ich bin ganz zufrieden, dass ich sie bereits vor meinem Blick auf die Karte bemerkt habe.
Ich versuchte, den nördlichen Kohlensack auszumachen. Aber es waren insgesamt viel zu wenige Sterne sichtbar, um sagen zu können, ob es dort irgendwo eine dunkle Stelle gab, die dunkler war als die Umgebung. In Richtung Kassiopeia konnte ich ganz zart den feinen Streifen der Milchstraße weiter verfolgen. Aber für irgendwelche Details war das alles zu unauffällig. Ich suchte eine Weile nach der Eidechse und der Lacerta-Sternwolke. Keine Chance. Nicht mal das Sternbild fand ich.
In Richtung Adler wurde es mit der Milchstraße noch schlechter. Der Adler stand tiefer als der Schwan und näher an der Lichtglocke der Stadt. Nur mit Mühe und eher indirektem Sehen konnte ich dort noch Spuren der Milchstraße erkennen. Dass man das mit dem indirekten Sehen auch bei so einem großen Objekt wie der Milchstraße machen konnte, war allerdings eine interessante Erkenntnis. Tja, und dass mit Schild und Schütze nichts zu machen war, hab ich ja schon erwähnt.
Als ich fast schon aufgeben wollte, fiel mir mein 80/400 Teleskop ein, das noch immer im Auto wartete. Milchstraße im Zenit, großes Gesichtsfeld vorteilhaft - das war doch der ideale Einsatzbereich dieses Teleskops. Dachte ich. Deshalb montierte ich es auf das Stativ und peilte mit dem 20 mm Okular damit Deneb an, so gut ich es schaffte. Ob ich ihn auch nur ansatzweise getroffen habe, kann ich nicht sagen. Das Teleskop zeigte mir viele schöne Sterne. Aber doch nicht das Sternenmeer, das ich mir in der Milchstraße von ihm gewünscht hätte. Es war letzte Nacht definitiv kein Milchstraßenwetter. Und so kurz vor der Sonnwende bestimmt auch nicht die intelligenteste Idee gewesen, die Milchstraße beobachten zu wollen. Ich suchte noch eine Weile mit dem Blick durchs Teleskop herum in der Hoffnung, auf den Kohlensack zu stoßen. Aber der stand anscheinend gerade irgendwo anders.
Etwas frustriert gönnte ich mir noch einen Becher Tee, der die Kälte, die allmählich immer mehr in meine Kleidung hineinkroch, auch nicht mehr wegschubsen konnte. Danach packte ich zusammen und fuhr gegen 2 Uhr nach Hause.
Sehr ergiebig war diese Nacht nicht gewesen. Aber trotzdem war es schön, mal wieder nach den Sternen geguckt zu haben.
Euch allen schöne Sternerlebnisse und allzeit angenehmen Himmel,
herzliche Grüße
Sabine
Und weil ich gern viiiele Sterne und die Milchstraße und dunklen Himmel (haha!) sehen wollte und mir das schon länger mal so überlegt hatte, packte ich meine beiden Teleskope (das 60/700 und das 80/400) samt Tee und allem, was man sonst noch braucht, ins Auto. Ich hatte mir einen Platz etwa 15 km von mir zu Hause als Ziel erkoren, an dem ich vor längerer Zeit mal viele Sterne hatte sehen können. Wenn es dort viele Sterne gab, dann sollte es in einer mondlosen Nacht dort doch auch zumindest soviel von der Milchstraße geben, dass ich die hellen Sternwolken und vielleicht auch was von den auffälligeren Dunkelwolken sehen konnte. Dachte ich.
Die erste Ernüchterung kam, als ich im Auto die Stadt hinter mir gelassen hatte. Dunkler Himmel? Am Westhorizont lachte mich selbst jetzt um halb 12 Uhr nachts noch ein Rest Dämmerungslicht aus. Und Venus schaute mir stumm bei meinem Vorhaben zu.
Die zweite Ernüchterung war die Tatsache, dass selbst um diese nächtliche Uhrzeit noch der halbe Landkreis auf der Bundesstraße unterwegs gewesen war. Da ich kurz vor meinem Ziel die unauffällige Abfahrt auf den Feldweg suchen musste und deshalb die Straße - zumindest für einige Minuten - gern für mich allein gehabt hätte, nervte mich der rege Verkehr sehr. Aber ich erinnerte mich daran, dass ich auch mal jung gewesen war, und es war Samstag Abend, naja...
Mit etwas Mühe fand ich meinen Feldweg und stellte fest, dass er beim letzten Mal wesentlich besser befahrbar gewesen war. Aber gut, fürs Sternegucken muss man auch mal was riskieren. Wird schon gut gehen. Ich blieb wegen all der Schlaglöcher und dem hohen Gras, das sich nur missmutig und mit unangenehmen Geräuschen unter mein Auto fügte, nahe an der Bundesstraße stehen. Zu nahe. Das merkte ich schnell, aber weil mir die Erinnerung an den schönen sternreichen Himmel, den ich dort mal erlebt hatte, noch im Kopf herumspukte, baute ich hinter meinem Auto alles auf, setzte mich auf meinen Hocker und versuchte, bei einem Becher Tee an dem Platz anzukommen.
Es gelang mir nicht. Ich hatte mich extra so positioniert, dass ich das Auto im Rücken zwischen mir und der Hauptstraße hatte. Trotzdem blendete mich immer wieder der Lichtschein der vorbeifahrenden Autos, der sich im nahen Waldrand spiegelte. Es war laut. Und unruhig. Und hell, viel zu hell. Sterne waren schon da, aber zu Hause auf meinem Balkon hätte ich genauso viele gehabt. Dafür hatte sich die Rausfahrerei wirklich nicht gelohnt.
Ich wollte die Zähne zusammenbeißen und trotz allem mit der Beobachterei anfangen. Doch dann kam mir der Gedanke: "Wieso eigentlich? Wieso hier durchbeißen, wo du dich nicht wohlfühlst und wo es keine Chance auf Dunkeladaption gibt? Der Beobachtungsabend mit der Autofahrt, die du dir hättest sparen können, wird dadurch nicht besser, dass du das nun bis zum bitteren Ende hier durchziehst. Nur, weil du jetzt hier bist." Also packte ich das ganze Geraffel wieder ein. Dabei fiel mir am Westhimmel ein tief stehender, hell und rötlich strahlender Stern ins Auge. Wer war denn das? Mars konnte das doch nicht mehr sein. Der war nicht mehr so hell und schon fast wieder weg. Arktur? Nö, dafür war er zu hell. Da fiel mir Venus wieder ein. Venus, die mir stumm bei meinem Tun von da oben aus zuschaute. Vom Dunst rötlich verfärbt. Oder, weil ihr vor verkniffener Belustigung über mein Tun fast der Kopf zersprang...
Also alles wieder rückwärts: die Schlaglöcher, das hohe Gras, die Bundesstraße. Nach Hause wollte ich aber nicht. Stattdessen fuhr ich zu meinem Feldweg vor der Stadt, nahe beim Gruselplatz. Schon als ich dort ankam, fühlte ich mich daheim. Hier gab es auch Schlaglöcher und hohes Gras. Aber hier hatte das alles etwas Vertrautes. Als ich dort aus dem Auto stieg, fühlte es sich sofort richtig an. In der Nähe gab es auch eine Straße, aber sie war weit genug weg und störte nicht. Und es war merklich dunkler als an dem anderen Platz. Und ruhiger, friedlicher, und auch irgendwie wärmer. Manchmal liegt das Gute wirklich näher, als man es glauben möchte.
Glücklich baute ich das 60er Teleskop wieder auf, setzte mich mit einem Becher Tee auf den Hocker und schaute mich um. Auch, wenn der Himmel hier dunkler war als vorhin, konnte ich vom kleinen Wagen heute nur drei der Kastensterne sehen. Auch seine Deichsel hatte Lücken. Das war an guten Abenden hier besser. Ich blickte nach oben und wurde milchstraßenmäßig schnell ernüchtert. Ganz zart konnte ich sie erahnen. Aber die Suche nach den hellen und dunklen Bereichen in ihr stellte ich erst mal zurück und hoffte darauf, dass sich vielleicht mit fortgeschrittener Dunkeladaption noch etwas verbesserte.
Eine ganze Weile saß ich einfach so da und schaute mir den Himmel an. Der Schwan prangte ziemlich zenitig, Kassiopeia und der große Wagen waren gut zu sehen. Und was war denn das dort über dem von der Stadt aufgehellten Himmelsbereich? Der Skorpion! Ihn hatte ich diesen Sommer auch noch nicht bewusst gesehen. Ich suchte seine Nachbarschaft nach dem Schützen ab, aber wegen dem Dunst und der Lichtglocke konnte ich von ihm nichts erkennen.
Am liebsten hätte ich einfach weiter so dagesessen und mir die Sterne angeschaut. Aber da stand ja das Teleskop und wollte benutzt werden. Ich hatte schon länger vor, den Eulen-Sternhaufen NGC 457 zu zeichnen. Weil das eine gute Überbrückungsmöglichkeit war, um den Augen Zeit zur Dunkeladaption für die Milchstraße zu geben, machte ich das dann auch. Hier das Ergebnis:
Der Himmel war verschleierter als ich gedacht hatte. Im 20 mm Okular konnte ich nur wenige Sterne der Eule erkennen. Trotzdem zeichnete ich das, was ich sehen konnte.
Als ich fertig war, wickelte ich mich in eine Decke ein, weil es frisch geworden war. Mein Blick verließ das Teleskop und wanderte wieder hinauf zur inzwischen ziemlich zenitig stehenden Milchstraße. Oder besser zu der zarten Aufhellung am Himmel, von der ich wusste, dass es die Milchstraße war. Auch trotz der besseren Dunkelgewöhnung meiner Augen hatte sich dort oben nichts merklich verbessert. Ich hatte auch das Gefühl, dass der Himmel insgesamt noch etwas milchiger geworden war als anfangs. Trotzdem holte ich nun meine Milchstraßenkarte hervor und versuchte im Rotlichtschein, irgendwas von all den aufregenden Dingen, die ich dort eingezeichnet hatte, zu erkennen.
Nun, was ich deutlich sehen konnte, war die Cygnus-Sternwolke. Dieser Milchstraßenbereich ist sowieso von uns aus (und wenn Schild, Schütze, usw. im Dunst und Licht absaufen) der auffälligste. Deshalb hielt sich meine Euphorie in Grenzen. Aber immerhin konnte ich die Lage dieser Aufhellung entlang und oberhalb der Mittelachse des Schwans deutlich erkennen und auch, dass darunter ein nicht aufgehellter Himmelsbereich angrenzte. Der Bereich zwischen Gamma Cygni (dem Mittelpunkt des Kreuzes zwischen den Flügeln) und Deneb war erkennbar dunkler als die Cygnuswolke, wie es auch laut meiner Karte sein sollte. Im Gebiet links unterhalb von Deneb (ja, ich weiß, das hat irgend eine Himmelsrichtung...) konnte ich einen größeren ovalen hellen Fleck erkennen. Auch wieder eine Sternwolke oder sowas laut meiner Karte. Ob diese helle Stelle einen Namen hat, weiß ich noch nicht. Aber ich bin ganz zufrieden, dass ich sie bereits vor meinem Blick auf die Karte bemerkt habe.
Ich versuchte, den nördlichen Kohlensack auszumachen. Aber es waren insgesamt viel zu wenige Sterne sichtbar, um sagen zu können, ob es dort irgendwo eine dunkle Stelle gab, die dunkler war als die Umgebung. In Richtung Kassiopeia konnte ich ganz zart den feinen Streifen der Milchstraße weiter verfolgen. Aber für irgendwelche Details war das alles zu unauffällig. Ich suchte eine Weile nach der Eidechse und der Lacerta-Sternwolke. Keine Chance. Nicht mal das Sternbild fand ich.
In Richtung Adler wurde es mit der Milchstraße noch schlechter. Der Adler stand tiefer als der Schwan und näher an der Lichtglocke der Stadt. Nur mit Mühe und eher indirektem Sehen konnte ich dort noch Spuren der Milchstraße erkennen. Dass man das mit dem indirekten Sehen auch bei so einem großen Objekt wie der Milchstraße machen konnte, war allerdings eine interessante Erkenntnis. Tja, und dass mit Schild und Schütze nichts zu machen war, hab ich ja schon erwähnt.
Als ich fast schon aufgeben wollte, fiel mir mein 80/400 Teleskop ein, das noch immer im Auto wartete. Milchstraße im Zenit, großes Gesichtsfeld vorteilhaft - das war doch der ideale Einsatzbereich dieses Teleskops. Dachte ich. Deshalb montierte ich es auf das Stativ und peilte mit dem 20 mm Okular damit Deneb an, so gut ich es schaffte. Ob ich ihn auch nur ansatzweise getroffen habe, kann ich nicht sagen. Das Teleskop zeigte mir viele schöne Sterne. Aber doch nicht das Sternenmeer, das ich mir in der Milchstraße von ihm gewünscht hätte. Es war letzte Nacht definitiv kein Milchstraßenwetter. Und so kurz vor der Sonnwende bestimmt auch nicht die intelligenteste Idee gewesen, die Milchstraße beobachten zu wollen. Ich suchte noch eine Weile mit dem Blick durchs Teleskop herum in der Hoffnung, auf den Kohlensack zu stoßen. Aber der stand anscheinend gerade irgendwo anders.
Etwas frustriert gönnte ich mir noch einen Becher Tee, der die Kälte, die allmählich immer mehr in meine Kleidung hineinkroch, auch nicht mehr wegschubsen konnte. Danach packte ich zusammen und fuhr gegen 2 Uhr nach Hause.
Sehr ergiebig war diese Nacht nicht gewesen. Aber trotzdem war es schön, mal wieder nach den Sternen geguckt zu haben.
Euch allen schöne Sternerlebnisse und allzeit angenehmen Himmel,
herzliche Grüße
Sabine