Sinnvolle Vergrößerungen für Binokular

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DiffuserUser

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Hallo Zusammen,

als Orientierungshilfe für eine sinnvolle Okularauswahl gibt es Näherungsformeln für die minimale, förderliche und maximale Vergrößerung. Mir stellt sich gerade die Frage, ob diese Gleichungen bei Gebrauch eines Binos immer noch anwendbar sind - vermutlich schon aber mit Einschränkungen.

Bei der Minimalen Vergrößerung limitiert die Feldblende am Binoeingang. Klar, kein Großfeldbino. Formel dafür : kA
Aus der Praxis weiß ich, dass mein Es68 20mm gerade etwas Vignettierung am 712/102 mit 1.25 Glaswegkorrektor und Maxbright I zeigt.

Bei der Maximalen Vergrößerung limitiert vermutlich die halbierte Helligkeit. Vielleicht
Vmax = Öffnung[mm] / 1.4 × 2 ?

Bei der förderlichen Vergrößerung vermute ich, dass die unverändert gilt.

Wichtig ist, dass man bei Berechnung der Okularbrennweiten den Glaswegkorrektor berücksichtigt. In meinem Beispiel von oben wäre dann die Brennweite des Teleskops 890mm (712×1.25)
Ein Okular für die Vmax wäre dann falls meine Formel richtig ist:
Vmax = 102/1.4 ×2= 145 ; f_ok = 890/145 = 6mm

Liege ich da richtig? Was ist eure Erfahrung bzgl Bino und sinnvoller Okularsatz?

Grüße,
DiffuserUser
 
Hallo DiffuserUser

Im allgemeinen reden wir uns hier mit dem Vornamen an.
Bei der Minimalen Vergrößerung limitiert die Feldblende am Binoeingang.
Das kann man so nicht sagen. Die kleinen Binos haben okularseitig eine freie Öffnung von 18mm. Da das Licht dahinter sich noch etwas ausbreitet sind damit Feldblenden von bis zu ca. 23mm Nutzbar. Das Großfeldbino hat am Eingang 28mm Öffnung und 30mm Prismen. Damit lassen sich alle 1 1/4"-Okulare mit Feldblenden von bis zu 30mm ausleuchten. Beim BAADER MAXBRIGHT® II sind Prismen und Durchgang etwas enger und trotz dem lassen sich auch damit noch alle 1 1/4"-Okulare ausleuchten obwohl hier der Helligkeitsabfall zum Bildrand hin ein wenig stärker ausfällt als beim Großfeldbino. Der leichte Helligkeitsabfall zum Bildrand hin ist bei schnellen Optiken etwas stärker als bei z.B. F20. Das Maxbright I gehört wohl eher zu den kleineren Binos und 23er Bildkreis..
Die Okulare welche die größten Felder erfassen sind die 31er und 36er Hyperions mit 30mm FB. Danach kommen die 35mm Eusiaskopischen und das 24er Hyperion mit Feldblenden so um die 28mm. Das sind dann schon die Ausnahmen. In der Regel ist sonst bei 27mm Schluß wie z.B. 32er Plössl oder 24er Panoptic.

Am anderen Ende der Fahnenstange, also bei der Maximalvergrößerung, ist zu beachten, daß in der Regel am Bino alles um den Faktor von ca. 1,4 größer wahrgenommen wird und dementsprechend die Beugungsgrenze früher in Sicht kommt. Liegt bei der Mono-Betrachtung die Maximalvergrößerung bei ca. 0,7mm AP so sollte man also am Bino bei 1mm AP aufhören, zumal es am Bino bei kleinerer Ap schon empfindlich dunkler wird.
Bei der Berechnung der AP ist die Brennweitenverlängerung durch Glaswegkorrektoren / Barlowlinsen so wie die Verlängerung die auftritt wenn an SC / Maksutov-Optiken die Bildebene weiter nach hinten raus verlagert wird mit ein zu beziehen.
Außer dem ist darauf zu achten wo der Glaswegkorrektor platziert wird. Vor einem Prisma / Zenitspiegel ist der Verlängerungsfaktor deutlich größer als dahinter direkt vor dem Bino. Das muß man dann im Einzelfall umrechnen und mit berücksichtigen.

Bei einer Real-Brennweite von 890mm und 102mm Öffnung sind wir also bei F 8,7 und man sollte hier also bei Okularbrennweiten so um die 9 (8) mm aufhören sonst ist man schnell in der "Leervergrößerung" und es wird langsam diffus und empfindlich dunkel, was einem dann schon eine gewisse Leidensfähigkeit abnötigt.

Gruß
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
1mm AP ist ein guter Ansatz.
Kommt aber auf das Ziel an.
Bei Mond und Sonne gehe ich oft auch höher auf 0,7mm AP. bei Planeten und KSH eher nicht.
Am Apo und bei Mond darfs ruhig bis an Vmax gehen, beim C8 nicht.
Geschmackssache, was einem da mehr gefällt. Wenn du das Gefühl hast, dass eine höhere Vergrößerung doch mehr bringt, go for it, wenn nicht, dann nicht. Gibt keine Vorschriften.

LG
Olli
 
Hallo Peter,

Deine Erklärung zur Minimal Vergrößerung deckt sich sehr gut zu meiner Beobachtung. Das Explore Scientific Ar 68 mit 20mm hat eine Feldblende mit 22.8mm. Und zeigt am Maxbright 1 schon eine leichte Randabschattung. Okulare mit größerer Brennweite haben größere Feldblenden d.h. sie würden nicht voll ausgeleuchtet werden. Für die minimal Vergrößerung für (kleine) Binos (23mm Okularseitige Blende) wäre dann folgender Ansatz richtig: "Suche Okular mit maximaler Brennweite, dessen Feldblende die okularseitige Feldblende nicht überschreitet".
Ich glaub das war auch mein Ansatz beim Kauf der Es Okulare - ist schon etwas her.

Zur Maximal Vergrößerung: Das mit 1,4 mal größer hab ich nicht ganz verstanden bzw. ich kann's noch nicht rechnerisch nachvollziehen. Die Teleskopbrennweite wird mit dem Faktor des Glaswegkorrektors vergrößert. Also im meinem Beispiel 712×1.25 = 890mm. Die Lichtstärke nimmt ab um den Faktor Wurzel aus 2. Das entspricht einer Verkleinerung der Öffnung. Aus 102mm werden dann 102mm / 1.4 = 72mm.
Wiederum die Öffnung ×2 Faustformel angewandt, kommt man auf 144 und dann die Okularbrennweite bestimmt, wäre man wieder bei 6. Das wäre wahrscheinlich ziemlich dunkel. Wobei - monookular wäre das Okular Max ja bei 3.5mm. Wo liegt der Fehler?

Und zur förderlichen Vergrößerung könnte man behaupten, dass die Öffnung - also das Auflösungsvermögen des Teleskops trotz Bino gleich bleibt.
Nur die Brennweite ändert sich. V_fö = 0.7 ×Öffnung und f_ok = f_tel × gwk / V_fö

Geht ihr da mit?

Gruß,
Andy
 
Hallo DiffU,

scharfe Grenzen gibt es dabei nicht. Wie Olli schreibt, ist 1mm AP ein guter Näherungswert. Dabei ist es Geschmackssache und abhängig von der Qualität der Optik, wie weit man das treiben will. Ich kann mich an eine Jupiterbeobachtung erinnern, da war es bei gut 1mm AP schon fast grenzwertig (dunkel). Beim Mond gehen am hochwertigen APO oder Spiegel bei mir auch 0,8mm.

Edit: wie Du schon schreibst, Andy, der Strahlengang wird aufgeteilt. Deshalb kann es sein, dass AP 1mm bei manchen Objekten zu dunkel wird. Da Du durch das binokulare Beobachten aber den Eindruck hast, alles etwas größer zu sehen (ca. 1,4 fach), gleicht sich das wieder aus. Durch das binokulare Sehen nimmst Du die Details jedoch viel einfacher war.

CS Jochen
 
Hallo Andy

Das mit dem Faktor 1,4 ist so zu verstehen:
Mit beiden Augen betrachtet wirken Planeten und deren Details bei der gleichen Vergrößerung etwa 1,4mal größer als bei einäugiger Betrachtung. Das ist eine Sache der Wahrnehmungsverarbeitung im Gehirn. Probiere es selbst einmal am Bino aus. Schau einmal konzentriert mit einem Auge ins Bino und direkt danach einmal mit beiden Augen. Dann wiederhole den Vorgang mehrmals hintereinander und achte dabei auf die Planetengröße. Das Ergebnis ist dabei bisweilen verblüffend. Mit anderen Worten bei geringerer Vergrößerung wirken die Planeten genau so groß wie einäugig mit höherer Vergrößerung obwohl sie es tatsächlich nicht sind. Man hat dabei den Eindruck als wenn sich bei beidäugiger Betrachtung der Abstand zum Planeten verringert. Ein weiterer Effekt ist dabei die gleichbleibende Helligkeit. Bei 1mm AP im Bino bleibt das Bild in etwa genau so hell wie bei monokular ohne Bino mit 0,7mm AP. Unterm Strich ergibt genau das ein bessere Wahrnehmung mit Bino. Der Nachteil dabei ist: die Beugungsgrenze der Optik wird dabei auch früher schon bei geringerer Vergrößerung wahrgenommen als bei einäugiger Betrachtung. Daher sollte man mit Bino bei der Vergrößerung etwas zurückhaltender agieren.

Bei der Ermittlung der Austrittspupille und der Okularbrennweite machst Du es aus meiner Sicht unnötig kompliziert. Ich rechne es so:

Das Öffnungsverhältnis ergibt sich aus effektiver Brennweite / Öffnung das ist bei Dir mit GWK. 890 / 102 = 8,73

Die Austrittspupille ergibt sich immer aus Okularbrennweite / Öffnungsverhältnis z.B. ergibt 20mm (Okularbrennweite) / 8,73 (Öffnungsverhältnis) eine AP von 2,29mm oder bei F20 80mm (Okularbrennweite) / 20 (Öffnungsverhältnis) eine AP von 4mm. Das passt so auf die einfachste Art immer!

Daraus folgt bei Deinem Fall:
-10mm Okular-Brennweite / 8,73 = 1,15mm AP
- 9mm / 8,73 = 1,03mm AP
- 8mm / 8,73 = 0,92mm AP
- 7mm / 8,73 = 0,80mm AP
- 6mm / 8,73 = 0,69mm AP
u. s. w.
Ich denke, so rum gehts einfacher

Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Vielen Dank! Das mit der Wahnehmung hatte ich nicht auf dem Schirm. Aber jetzt schließt sich der Kreis.

Gruß,
Andy
 
Hallo Andy,

Damals habe ich mir das weniger theoretisch überlegt, sondern ausprobiert. Die große Unsicherheit ist eh das Seeing.
Von niedrigeren Vergrößerungen aus rantasten. Du merkst sehr schnell, wenn Du im Bereich der toten (zu hohen) Vergrößerung angekommen bist: Du sieht weniger Details statt mehr. Du machst also eine empirische Testreihe und notierst Dir Deine Ergebnisse und kannst dann rückwärts ausrechnen, bei welcher Vergrößerung / AP Du gelandet bist, was sich lohnt und was nicht. Bei hellen Objekten wie Jupiter, Mond oder Sonne (mit Objektivfilter) kannst Du am guten Refraktor auch mit dem Bino bei AP 0,4 landen, je nach Bedingungen.
Beim binokularen Sehen ermüdet das Auge+angeschlossene Bildverarbeitung :beobachten: weniger schnell - noch ein Pluspunkt. ;)

Gruß,
Niko
 
Hallo Niko,

Also wenn's nach dem Seeing gehen würde, würde mir derzeit selbst 40mm nix bringen;)

Und zu dem empirischen Rantasten bräuchte man erstmal alle Okulare in doppelter Ausführung - oder zwei Zooms. Und da gibt es ja folgenden, netten Thread, bei dem alle sagen, das das nix ist und sich der Fragende sich dennoch über die Majoritätsmeinung hinwegsetzt.

2x Hyperion Zoom oder doch lieber Festbrennweiten fürs Bino

Ich habe aber tatsächlich noch zwei 10mm Baader Dados, die ich am Bino testen könnte. Da bin ich auch schon am überlegen, ob ich diese nicht gegen zwei ordentliche Ww Okulare z.B Pentax XW tauschen sollte. Vorschläge? Ach ja, die Nase sollte noch durch passen und der Augenabstand noch human sein.

Gruß,
Andy
 
Hallo Andy,
da hilft wohl wieder nur ein Teleskoptreffen, wo man mal alles testen kann, ohne etwas kaufen zu müssen... :teleskop:
Du kannst aber auch einen größeren Händler kontaktieren. Wenn Du sagst, Du suchst und möchtest ausprobieren, kannst Du vielleicht vier Wochen lang in Ruhe probieren, bevor Du die ungeeigneten Okulare zurückschickst. (Habe ich mal mit einem Filter gemacht.)

Dein Link: Zoom-Okulare am Bino? Ich habe Fotoobjektive in Festbrennweite und als Zoom. Die Festbrennweiten sind viel besser. Deshalb habe ich kein Zoom-Okular...
Tunnelblick bei Zoom-Okularen? Na, meine alten klassischen Orthos sind auch keine Weitwinkelokulare; an Planeten stört mich das nicht so. Meine 82°-ES sind natürlich viel besser, passen aber nicht in den alten Bino. :cry:
Am Bino kommt dazu, dass man die beiden Zoom-Okulare genau auf die gleiche Brennweite einstellen muss. Aber, wie in dem verlinkten thread, wer damit klarkommt, soll es so machen... :coffee:

Gruß, Niko
 
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