Kann Beobachtung der Sonne die EDM-Vergütung zerstören?

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

PulsarPioneer

Mitglied
Hallo zusammen,

ich möchte mit meinem Explore Scientific APO 102 Refraktor die Sonne beobachten und habe mir verschiedene Optionen angeschaut. Neben der Möglichkeit einen Filter vor das Objektiv zu hängen gibt es ja Möglichkeiten wie den Herschelkeil bei dem allerdings die komplette Energie durch das Teleskop geschickt wird, bevor sie am Ende geteilt wird. Ein IR/UV Filter ändert da wenig, da dieser nach den Linsen eingebaut wird.

Jetzt habe ich folgenden Kommentar im Netz speziell im Zusammenhang mit meinem Teleskop gelesen:
Wegen des Auflösungsvermögens über einer Bogensekunde und der apochromatischen Optik solltest Du von Beobachtungen der Sonne absehen. Sonst könnte die EMD-Vergütung zerstört werden.

Ist da was dran?

Ich habe hier im Forum schon ein paar Bilder gesehen die mittels Herschelkeil und ähnlichem Refraktor aufgenommen wurden. Allerdings war der Konsens, dass es wenig Probleme für die Linsen gibt wenn das Linsenpaket relativ weit vorne ist. Wie sieht es da eigentlich mit dem Flattener aus? der sitzt ja deutlich weiter hinten.
 
Hi!

Frag am besten mal den Hersteller deines Teleskops, ob es für die Sonnenprojektion geeignet ist – dann geht auch ein Herschelkeil. Wobei bei den meisten Herschels in der Anleitung steht, dass sie nicht für Teleskope mit weiteren Linsen am Tubusende geeignet sind. Auch wenn die Linsen das eventuell vertragen (Okularprojektion mit unverkitteten Okularen auf einen Sonnenprojektionsschirm geht ja auch) übernimmt da natürlich kein Hersteller eines Herschelkeils eine Garantie für, ob das mit deinem speziellen Gerät geht.

Ob ES jetzt ausgerechnet eine lichtempfindliche Vergütung verwendet oder ob die Linsen im Korrektor verkittet sind und der Kit keine Hitze mag (deshalb sind auch nicht alle Okulare für Sonnenprojektion geeignet), wird dir wohl nur der Hersteller sagen können.

Ich wäre an Teleskopen mit Linsen in Brennpunktnähe jedenfalls auch vorsichtig. Dem Objektiv passiert nicht mehr, als wenn es einfach so in der Sonne liegt. Der Korrektor? Knifflig.

Was das Auflösungsvermögen damit zu tun haben soll, keine Ahnung. Wir haben den Herschelkeil regelmäßig am 150/2250-Refraktor im Einsatz – aber auch nur mit Objektivlinsen, ohne weiteren Korrektor. (Und irgendein Spezi hat mal den Polfilter vor den Herschelkeil geschraubt statt ins Okular – der Filter ist jetzt Klarglas, die Filterschicht ist verdampft.)

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo?,

Wenn du mit einerND5 Folie VOR dem Objektiv arbeitest gibt es keine Probleme.
Wenn Du mit einem Herschelkeil arbeiten willst, darf nichts zwischen Frontobjektiv und Herschelkeil sein, auch kein Flattener. Deshalb passen z. B. Petzval Systeme nicht mit Herschelkeil zusammen. Kannst Du bei Baader nachlesen.

CS
Frank
 
Hallo,
ein Name wäre schön…..
Warum sollte denn die Vergütung beschädigt werden? Der Brennpunkt liegt doch weit hinter den Linsen. Die werden ja nichtmal heiß. Brim Korrektor könnte es Probleme geben.

Gruß
Ralf
 
Die Frage iat ja auch, wie weit ist der Korrektor vom tatsächlichen Brennpunkt weg (in der Regel ein ganzes Stück) und wie ist dessen Transmission (in der Regel sehr gut)
Der Glaskeil selbst vom Herschelkeil bleibt schließlich auch kalt, und der ist wesentlich dichter am Brennpunkt, denn die ganze Energie geht durch vergütetes Glas halt einfach nur durch und hinten auch wieder raus. Was da an Energie hängen bleibt spielt sich im Bereich von unter 0,5% ab.
Ich denke das wird überdramatisiert.
Klar sagt Baader Nö, aber hauptsächlich aus Versicherungsgründen, damits nicht heißt "aber die haben gesagt"

LG
Olli
 
Hi!

Das Problem ist halt (für uns genau wie für die Hersteller), dass keiner weiß, was alles da verbaut ist. Sonnenprojektion geht wunderbar mit Huygens-Okularen; verkittete Okulare sind dagegen No-go – zumindest dürfen bei uns im Verein nur die alten Huygens für die Sonnenprojektion verwendet werden und nicht die Orthos. Moderne Plössl gehen wohl auch gut – zumindest, solange die Nachführung funktioniert und alles Licht durch die Linsen geht und nicht z.B. die Linsenfassung, wenn die Sonne rauswandert oder die Feldblende zu klein ist. Und wenn nicht, sind halt 40-60€ hinüber, auch kein Beinbruch.

Beim FFC schreibt Baader, dass er nur sehr kurz (Sekunden) auf die Sonne gerichtet werden darf, damit die Fluoritlinsen nicht durch den Temperaturschock platzen, wenn ein schwächerer fotografischer Filter verwendet wird (wobei ich nicht weiß, wie man dann scharfstellen soll...). Keine Ahnung, wie entspannt die Linsen im Flattener sind.

Sonnenprojektion mit Ferngläsern geht auch gut – außer du erwischst eines mit Plastik oder Öl drin, das verdampft, wenn die Sonne nicht mehr genau in der Bildmitte ist. Dann gibt's schönen Beschlag im Inneren. Ich würde auch nichts mit Kunststoff im Okularauszug nehmen (sollte im Apo nicht der Fall sein).

Ich habe auch schon gesehen, wie mit einem Schmidt-Cassegrain ohne Sonnenfilter Sonne projiziert wurde - zwar nicht zum Beobachten, aber kurz zum Einstellen der Sonne. Da waren drei oder vier Leute von uns bei einer anderen Sternwarte zum Tag der offenen Tür zu Besuch – ich hätte unsere Gesichter gerne gesehen, als der Kollege das Teleskop einfach so ohne Okular und Filter auf die Sonne gerichtet hatte, um sie einzustellen... Es ist zwar Blödsinn, dass das Teleskop dann explodieren kann (wie bei uns im Verein eine Zeit lang erzählt wurde – das war überdramatisiert:eek:), aber einen angeschmolzenen Fangspiegelhalter habe ich schon gesehen.

Wenn da was in Auszugsnähe verbaut ist, sage ich hier daher auch nicht "probier's einfach, es könnte klappen" – sonst bin ich dann Schuld. Beim eigenen Teleskop bin ich da wesentlich entspannter, im schlimmsten Fall gibt's halt Glasbruch und ein neues Spielzeug...

Deshalb mein Rat: Beim Hersteller nachfragen, ob das Teleskop für Sonnenprojektion geeignet ist. Hier kann letztlich nur spekuliert werden, was der Flattener ab kann und wie gut nachgeführt wird. Um die Vergütung des Objektivs würde ich mir aber tatsächlich keine Sorgen machen, wäre schon übel, wenn die unter Lichteinfall altert;)

Beste Grüße,
Alex
 
Wie kommt ihr überhaupt auf Projektion?
Davon schreibt der TE doch mit keiner Silbe.

LG
Olli
 
Hi!

Wegen der Tauglichkeit der Optik – wenn ich mit einem Teleskop Sonnenprojektion machen kann, kann ich auch einen Herschelkeil dranhängen, dann verträgt die Teleskopoptik das. Nur deshalb würde ich beim Hersteller nach Sonnenprojektion fragen – manche Fernrohre (gut, wird auch seltener) hatten ja auch gleich Sonnenprojektionsschirme im Zubehör, dann taugt das Gerät auch für den Herschelkeil. Wobei man dann zugegeben auch gleich nach einem Herschelkeil fragen kann – aber wenn der Hersteller keine Herschelkeile selbst produziert, findet sich in der Anleitung eher was zur Sonnenprojektion als zum Herschelkeil. Soweit es überhaupt noch Anleitungen zu Teleskopen gibt...

Und wegen der Lichtdurchlässigkeit von Linsenstapeln - es ist von der Energiebelastung recht egal, ob da jetzt ein Okular oder ein Flattener nahe am Brennpunkt sitzt. Wenn das Licht wie zu vermuten durchgeht (wie bei Huygens oder sogar Plössl), dann ist alles gut. Wenn der Kit aber kein UV/Wärme mag oder die Linsen keinerlei plötzliche Wärmezufuhr mögen, nicht gut.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo zusammen,

vielen Dank für Infos!
Frag am besten mal den Hersteller deines Teleskops, ob es für die Sonnenprojektion geeignet ist – dann geht auch ein Herschelkeil. Wobei bei den meisten Herschels in der Anleitung steht, dass sie nicht für Teleskope mit weiteren Linsen am Tubusende geeignet sind. Auch wenn die Linsen das eventuell vertragen (Okularprojektion mit unverkitteten Okularen auf einen Sonnenprojektionsschirm geht ja auch) übernimmt da natürlich kein Hersteller eines Herschelkeils eine Garantie für, ob das mit deinem speziellen Gerät geht.

Das mache ich und werde berichten was ES dazu sagt.

Wenn du mit einerND5 Folie VOR dem Objektiv arbeitest gibt es keine Probleme.
Wenn Du mit einem Herschelkeil arbeiten willst, darf nichts zwischen Frontobjektiv und Herschelkeil sein, auch kein Flattener. Deshalb passen z. B. Petzval Systeme nicht mit Herschelkeil zusammen. Kannst Du bei Baader nachlesen.

ND5 Folie wäre die Alternative, wobei der Keil meine bevorzugte Option ist. Das mit den Flattener macht Sinn. Dann werde ich ihn für Sonnenbetrachtung ausbauen. Wie ist das mit IR/UV Filtern die schon in anderen Beiträgen erwähnt wurden. Die würde ich ja auch vor dem Herschelkeil einbauen. Platz da nicht unter umständen der Filter?

Warum sollte denn die Vergütung beschädigt werden? Der Brennpunkt liegt doch weit hinter den Linsen. Die werden ja nichtmal heiß. Brim Korrektor könnte es Probleme geben.

Das weiß ich auch nicht. Es hat mich allerdings verunsichert.


Grüße
Johannes
 
Hi!

Astrosolarfolie plus Solar Continuum liefert auch schon überraschend gute Ergebnisse, gerade mit einer Mono-Kamera.

Und wenn der Flattener rausgenommen werden kann, dann raus damit. So groß ist die Sonne auch nicht.

Wofür willst du den UV/IR-Sperrfilter? Einerseits wird die Strahlung auch durch den Herschelkeil ausgeleitet, außerdem sollten die Filter, die eh zum Herschel gehören, auch UV/IR-Sperrfunktion haben. Ein Filter vor dem Herschelkeil macht überhaupt keinen Sinn.

Beste Grüße,
Alex
 
Wobei Probleme idR immer nur dann entstehen, wenn das ungefilterte, Fokusnahe Sonnenlicht auf etwas trifft, was nicht transparent ist, Fassungen, Blenden etc, dann wirds heiß, thermiache Verformung ist die Folge, und das mag das darin eingebettete Glas dann natürlich überhaupt nicht.
Gute Nachführung ist also sowieso Pflicht.

LG
Olli
 
Es kann natürlich sein, dass ein verwendeter Kitt UV empfindlich ist und dann anfängt zu vergilben, dadurch mehr Licht absorbiert, dadurch warm wird.... und so weiter.
Das ist tatsächlich ein echtes Risiko, da müsste man in Erfahrung bringen ob der Korrektor aus zwei Einzellinsen oder einem verkitteten Doublet besteht.

LG
Olli
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben