Interessant, dass bei Ronald Stoyan Bortle Skala "berichtigt und erweitert" steht und es sich von der
ursprünglichen Version unterscheidet. Das überrascht mich jetzt jedoch nicht - zu unterschiedlich sind Erfahrung, Herangehensweise, Augen, momentane Fitness. Unter meiner Einschätzung von Bortle 3 sehe ich M33 nur mit größerer Mühe und nur, wenn sie sehr hoch am Himmel steht.
Meine eindrücklichste Beobachtung von M33 habe ich
im Astrotreff Objekt des Monats 10/2023 aufgeschrieben.
Geübte Veränderlichen-Beobachter kommen ja auf nahe 0.1mag Messgenauigkeiten. D.h. das dürfte auch (ganz grob) die mit Übung erreichbare Grössenordnung für fst Bestimmung sein.
Hallo Peter, das sehe ich anders. Als ich mich systematischer mit Veränderlichen- Beobachtung beschäftigt hatte (seeehr lange her), konnte ich mit steigender Routine sicher auf 0,1 mag genau schätzen, mit Mittelwertbildung und mehr Mühe sogar noch besser. Das gelang jedoch nur bei hinreichend hellen Sternen, das war mindestens 1 mag heller als die Grenzgröße. Nahe am Limit wird die Streuung immer größer. Wenn ich z.B. 6,3 mag indirekt immer wieder sicher aufblitzen sehe, sage ich fst=6,3. Hänge ich mich jetzt aber richtig rein (gut essen, gut trinken 10 Kniebeugen ein FlikFlack

) , kann ich unter denselben Bedingungen auch auf 6,5 mag kommen, vielleicht nur 5% der Zeit indirekt aufblitzend, oder gar 6,6 mag 1 mal aufblitzend mit Fragezeichen und "Averted Imagination".
Das Alter der Augen, die (korrigierte) Sehschärfe oder die absolute Dunkelheit am Platz spielen eine untergeordnete Rolle.
Hallo Uwe, interessante Aussage. So geht es mir auch, allerdings bezogen auf die Stern- Grenzhelligkeit fst. Die absolute Dunkelheit verschafft mir nur einen geringen Grenzgrößenzuwachs. Bei gutem Wetter sehe ich fst=6,2 bereits 10 km südlich des Münchener Stadtrandes. fst=6,5 sehe ich aus den bayerischen Voralpen mit inzwischen überall Lichtglocken am Horizont, es muss dafür somit nicht besonders dunkel sein. Unter Hochgebirgshimmel komme ich in Sachen fst kaum weiter, nur mit Mühe schaffe ich die 6,7 mag. Weiter als 6,9 mag bin ich glaube ich selbst in der Atacama/Altiplano nie gekommen, obwohl dort die Milchstraße diese wild zerklüftete körnige Struktur bekam, die jeden Sternfreund mit der Zunge schnalzen lässt. Der Unterschied erscheint mir bei flächigen Deep Sky Objekten im Fernglas/ Teleskop viel größer als meine persönliche fst Schätzung vermuten lässt. Vielleicht ist mein Visus nicht so gut?
Mit wem kommunizieren wir bei der Ermittlung von FST/SQM/Bortle-Werte oder der Bestimmung anderer Kriterien wie Sichtbarkeit der Milchstrasse?
Hallo Christopher, danke für diesen Aspekt. Da ich während der Beobachtung nicht weiß, wohin das führen wird und wie ich das später verwenden werde, schreibe ich lieber mehrere Kriterien auf. Erscheint mir eine Beobachtung wichtig, wird es für ein komplettes Bild eine halbe Erzählung. Dann steht da z.B.: Voralpen 900 mm hoch, fst=6,3 mag, Sommermilchstraße im Schwan kräftig, aber ohne viel Struktur, bis in den Adler deutlich, zum Horizont absaufend, Horizont leicht dunstig, Bortle 4 minus.
Ich finde das Sky Quality Meter (SQM) aussagekräftig und objektiv für mittlere bis stark lichtverschmutzte Himmel (Bortle 4-9). Hier dominiert die Himmelshelligkeit und genau das misst ja das SQM. Ist die Transparenz schlechter, streuen die künstlichen Lichtquellen auch mehr, der SQM-Wert sinkt - passt. Je besser jedoch der Himmel ist, um so geringer wird die Aussagekraft. Am Strand auf der einsamen Tropeninsel messe ich 21,9 mag/arcsec^2 und sehe vor lauter Dampf und unsichtbar dunklen Zirren im Zenit so lala und zum Horizont gar nichts mehr. Auf dem bolivianischen Altiplano auf 4.700 mm Höhe messe ich vielleicht nur 21,7 weil mir die Milchstraße vom Zenit runterknallt und bis zum Horizont praktisch gar nicht schwächer wird. Ich persönlich habe kein SQM und vermisse es auch nicht wirklich.
Oh, ist lang geworden, danke für's Durchhalten.