Sonnenscheinautograph

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FStone

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Hallo,

Ich war heute beruflich beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach.
Da hab ich die "Schriebe" eines Sonnenscheinautograph anschauen können.
Die Papierstreifen mit den eingebrannten Löchern werden Stück für Stück digitalisiert (als digitales Abbild) und
werden in Zukunft dann in quantisiert Zeitreihen umgewandelt werden.

DWD-Pic2_2024-02  ns.jpg


DWD-Pic1_2024-02.jpg



VG&CS - Frank
 
Hi,
sieht 'n bisschen nach Arbeit aus...:LOL:
Aber was mich wundert, sind die Daten bislang noch nie in irgendeiner Form mal ausgewertet od. in Tabellen o.ä. übertragen worden? So kommt es eher wie ein Zufallsfund 'rüber, auf dem Dachboden des DWD beim Entrümpeln, "Ach guck ma', hier sind noch die ganzen Sonnenautographscheiben der letzten 5 Jahrzehnte, die ham' wir ja ganz vergessen..."
Greetz
-Cpt.B.
 
So kommt es eher wie ein Zufallsfund 'rüber, auf dem Dachboden des DWD beim Entrümpeln

Hallo,

Der Eindruck täuscht. Die Bündel mit Streifen waren beschriftet und in säurefreien Kisten im klimatisierten Archiv und sie wurden zu Digitalisierung hervorgeholt.
Die Sonnen-Streifen sind halt gebogen und sehen in der Kiste etwas „wirr“ aus.

Ganz grundsätzlich ist das natürlich ein Problem.
Alte derartige Messwertschriebe zB. zu Regenmenge, Temperatur, Sonnenscheindauer wurden damals meist vor Ort ausgewertet, in handschriftliche Tabellen übernommen und an die jeweilige Zentrale (Preußen, Bayern, …, Deutsches Reich, BRD, DDR) übermittelt.
Hier mal als Beispiel eine Regenpostkarte. Darauf wurden die abgelesenen und ausgewertet Messwerte der Regenmenge (zB. mittels Hellmann-Regenmesser) eingetragen und per Post an die jeweilige Zentrale versandt.


DWD-Pic3_2024-02.jpg



DWD-Pic4_2024-02.jpg


Falls eine schreibende Variante des Regenmessers (Pluviograph) verwendet wurde, wurden die Messwertstreifen (meist) nicht weggeworfen,
sondern liegen oft auch noch vor. Die per Postkarte übermittelten Werte liegen also (mit Lücken und Fehlern) in zentralen Archiven meist nochmals in Buchform vor. Richtig nutzen kann man das mit den heutigen Mitteln aber nur als Bits und Bytes in einer Datenbank.
Für die Klimaforschung sind diese Messwerte sehr wichtig und die Schriebe selber zählen so wie sie sind zum nationalen Kulturgut. Sie werden selbst erhalten.
Die Aufarbeitung all der verschiedenen Messwertschriebe durch (bedarfsweise) Restaurierung, Digitalisierung/Verscannung, Metadatenerfassung (Katalog) und letztlich Quantisierung ist langwierig und teuer. Sie wird sich sicher noch Jahrzehnte hinziehen.

Das Gute:
Es kommt nichts neues mehr dazu – heute ist alles digital und wird per Datenübertragung zentral verspeichert.
Das Schlechte:
Der Flair und die Anschaulichkeit eines solchen analogen Gerätes fällt weg, alles graue Kästen …

VG - Frank


Anmerkung 1: Gemäß der OpenData-Vorgaben werden die Daten über den DWD sicherlich frei zugänglich werden.
Anmerkung 2 : Auch wenn ich mit derartigen Arbeiten beruflich zu tun habe -
ich gehöre nicht zum Wetterdienst und gebe wieder was ich gehört und gesehen habe.
Genaueres kann aber nur der DWD sagen.
 
Hi nochmal,
klar, die Sonnenautograph-Streifen sind gebogen, wenn ich es richtig im Kopf habe, ist besagter Autograph ja einfach ein fette Glaskugel. Genial einfaches Prinzip. Funktioniert bei jedem Wetter, und auch bei Stromausfall, und das ganz ohne Akku. :geek:
Ich dachte nur, wenn, wie oben erwähnt, die Daten schonmal in Tabellen/Bücher etc. übertragen wurden, dass es einfacher wäre, diese dann zu digitalisieren anstelle die Streifen selbst. Unabhängig davon dass die Streifen und Postkarten an sich historischen Wert haben.
-Cpt.B.
 
Hallo,
für die "Brandlochstreifen" magst Du Recht haben, da wurde ja eigentlich nur die Gesamtlänge der "Brandlöcher" für den Tag aufsummiert und daraus die Sonnenscheindauer abgeleitet. Diese Streifen stehen derzeit auch nicht zur Quantisierung an, aber (ich spinne mal) -
mit geeigneten Programmen und KI-Einsatz ließe sich heute sicher eine (grobe) Zeitreihe des Sonnenscheins je Tag aus dem Streifen ableiten und die hat dann möglicherweise einen Wert für Klimamodelle.
Wie gesagt, diese Art Schriebe stehen aktuell auch gar nicht so im Fokus des Interesses. Aktuell geht es um viele Meter lange Meßwertfahnen, mit allerlei Mängeln, die die so haben. Spannendes Thema ...

VG - Frank
 
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