12" F/4 Newton - was genau ist daran so schwierig?

TaurusM45

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Hallo zusammen,

ich hatte vor einiger Zeit mal einen Beitrag aufgemacht wo es um den 12" F/4 Newton und seine Tauglichkeit bzgl. Fotografie geht.
Leider kann ich dort keine Antwort mehr erstellen, daher frage ich nun hier nochmal.
Mir wurde weitestgehend von 12" F/4 abgeraten, weil das System so "schwierig" ist.

Jetzt mal die Frage - rein für mein Verständnis - was genau ist daran schwierig? Was ist mit "schwierig" gemeint?
Wo genau liegen die Herausforderungen an diesem Öffnungsverhältnis und wie wirken sich diese fotografisch bzw. visuell aus?

Vielen Dank schonmal für die Erweiterung meines Horizont

Andreas
 
Hallo Andreas,

Optisch prinzipiell erstmal nicht schwieriger als ein 8“ f4 aber deutlich schwerer und unhandlicher - vielleicht war das mit schwierig gemeint.

Muss natürlich auch für die Montierung passen, aber das wird es ja vermutlich bedacht haben. So wahnsinnig den auf eine EQ6 zu klemmen wirst du ja sicher nicht sein :)

Auflösung mit einer üblichen CMOS Kamera (3,76 μm Pixelgröße) ist 0,65“/pixel.

Das möchte/muss sehr sauber nachgeführt werden und die Justage muss sowieso auch perfekt sitzen.

Definitiv nichts für unterwegs oder mal eben kurz raus, eher ein Sternwarten-Instrument.

Der Glasklotz möchte natürlich auch Zeit um auskühlen.

Grüße,
Alex
 
Hallo Andreas,
wenn der Newton mechanisch gut gebaut ist und man Ihn evtl. werkzeugloß justieren kann, ist daran nichts grundlegendes schwieriger als bei einem andren Newton mit größerem Öffnungsverhältnis.
An der Mechanik hapert es allerdings bei vielen Newtons, entweder sind es Wackelgestelle, oder das Tubusblech bzw. der OAZ gibt nach.
Bei f/4 ist das Beugungsbegrenzte Feld 0,71mm groß, von daher ist ein Komakorrektor oder eine komakorrigierende Barlow sehr sinnvoll.
Daran wird meiner Meinung nach auch ersichtlich, dass die Mechanik bei f/4 nicht nachgeben darf.
Bei der Fotografie spielt dann die Ausdehnung der Komponenten und Materialien noch eine Rolle bzw. die Fokussierung.
LG
 
Hallo Andreas

Das Hauptproblem besteht in der Tiefenschärfe. Bei einer F8-Optik beträgt sie ca. 0.07mm, daß ist in etwa das 1,5-fache vom Durchmesser eines Haares. Die Tiefenschärfe verringert sich mit dem Öffnungsverhältnis von 4 auf ein Viertel dessen also nur 0,0175mm. Des Weiteren haben wir bei F4 eine kürzere Brennweite und damit auch eine größere Bildfeldwölbung wobei hier bereits die Bildfeldwölbung größer sein kann als die Tiefenschärfe von 0,0175mm je nach Feldgröße und Brennweite.
Des Weiteren muß bei F4 der Abstand Fangspiegel - Hauptspiegel peinlich genau eingehalten werden. Der Abstand ist dann optimal wenn die Sichtachse die vom Okularauszug vorgegeben wird genau in Tubusmitte auf den Fangspiegel trifft. Trifft die Sichtachse / optische Achse vor oder hinter der Tubusmitte auf den Fangspiegel so sind optische Achse und Tubusachse nicht mehr deckungsgleich was dazu führt, daß der Hauptpspiegel im weiteren Verlauf der Justierung zum Tubus etwas schräg gestellt werden muß um den Strahlengang noch einiger Maßen über einander zu bringen. Einige Newtonbesitzer sind der Meinung, daß das nichts zu sagen hat aber dem ist nicht so, denn wenn wir den Hauptspiegel etwas schräg stellen müssen so bekommen wir wie bei einem "Kutter" zum Okularauszug eine geringe Bildfeldneigung was in Verbindung mit der extrem geringen Tiefenschärfe und Bildfeldwölbung bei Fotografien zu auffälligen ungleichmäßigen Unschärfen und Verzeichnungen in den Bildecken führt. Dann fängt in der Regel die Murkserei mit den Tilt-Adaptern an weil ein schräg stehender Okularauszug vermutet wird.
Bei F5 haben wir merklich mehr Tiefenschärfe und weniger Bildfeldwölbung was die ganze Problematik dann bereits schon ein wenig abmildert.

Gruß
Peter
 
weiteren Verlauf der Justierung zum Tubus etwas schräg gestellt werden muß um den Strahlengang noch einiger Maßen über einander zu bringen. Einige Newtonbesitzer sind der Meinung, daß das nichts zu sagen hat
Die optischen Achsen müssen rechtwinklig zueinander stehen. Der Tubus ist nur die Halterung für beide Spiegelsysteme. Da kann der HS auch mal schief im Tubus stehen!
VG Frank
 
Visuell ist die Tiefenschärfe und die Bildfeldwölbung kein großes Problem.
Es gibt ja gute Okularauszüge oder Motorfokussierer und auch genügend Komakorrektoren welche das Bildfeld flach machen.

Bei einem gut gebauten f/4 Newton hat man einen gut definierten Schärfepunkt der auch "einschnappt" wenn justiert und thermisch angepasst.

Die Verkippung hat jedoch schon so manchen Fotografen graue Haare wachsen lassen?

Bei f/4 werden die Toleranzen einfach kleiner, darüber sollte man sich im klaren sein.
LG
 
Servus,

ich habe einen 14" f4 Newton seit nunmehr 9 Jahren im Einsatz in meiner Hütte.
Folgendes zum Thema:
Mechanisch muss der Newton stabil sein.
Ein wirklich guter OAZ muss dran sein
Die Montierung muss den sicher tragen
Ein sehr guter KK sollte es sein

Ich habe seit ca 4 Wochen den Newton von Gitterrohr in Volltubus umgewandelt. Wandstärke 8mm. Ich habe wunderbar runde Sterne und das Teil macht richtig spaß an Galaxien. Justiert habe ich das Teil nach dem Komplettumbau in ca 1 Stunde mit dem Ocal pro und einem Laser. Und mit einem entsprechenden KK kann man noch mit der Brennweite spielen. Aktuell bin ich mit 1670mm unterwegs. Das Gesamtpaket wiegt ca 30 Kg und wird getragen von einer ALT5ADN.

Also ich würde nach den 9 Jahren immer wieder einen f4 nehmen.

Gruß Dietmar
 
Hallo Andreas,
ich habe einen 10" F4 seit 2 1/2 Jahren im Einsatz. Wenn im Forum von "schwierig" gesprochen wird, ist es vermutlich ziemlich wurscht, ob 10" oder 12". Ja, es ist nicht ganz einfach, einen schnellen Newton zu verwenden, aber es ist definitiv lernbar.

Wie immer in der Astrofotografie, es ist Übungssache. Auch wenn ich Thommys Anleitung bestimmt hundert Mal gelesen habe, die Umsetzung hat bei mir eine Weile gedauert, und so ganz im Schlaf kann ich es immer noch nicht. Wenn man es dann irgendwann gerafft hat, dann stimmt vermutlich Thommys erster Satz: Newton-Justage ist eigentlich ganz einfach! ;-)

12" würde ich persönlich nur stationär betreiben wollen, 10" mit einem Carbontubus wäre für mich die Grenze, wenn man jeden Abend neu aufbaut. Der Gewichtsunterschied von 10" auf 12" ist schon sehr ordentlich. Hängt eben davon ab, von welchem Optik-Durchmesser Du kommst. Ich würde immer mindestens 4" draufpacken - außer Du sammelst gerne Teleskope :).

VG
Wolfgang
 
Wenn die Mechanik gut durchdacht und konstruiert ist und die Flexionen beherrscht werden, ist es kein Problem. Flexionen nicht nur beim Teleskop selbst sondern auch bei der Befestigung via der Montageplatte an der Montierung, die großzügig sein sollte.
 

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Hallo Andreas,

aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass selbst F3,3 noch sehr gut ohne störende Abweichungen oder Justageprobleme zu managen sind… ;).
Kannst ganz entspannt bei F4 sein, wenn die wichtigsten Dinge (siehe oben) berücksichtigt wurden.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo

Ja aber was hat großer gekaufter Newton mit Selbstbaugeräten gemeinsam? Die Größe und Gewichtsreduktion bei auch noch günstigem Preis wird immer zu mechanisch unstabil führen.
8mm Hartpapier ist mörderschwer, Carbonsandwichleichtbau mit 15mm Wandung industriell nicht machbar oder zu teuer.
Wer meint er kommt damit klar kann es gut selber bauen.

Bei dem Durchmesser steigt auch die optische Auflösung, das macht jeden Fehler noch sichtbarer

Gruß Frank
 
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