Auswahl eines Sonnenteleskop für Weißlicht und H-Alpha

lunetteguy

Neues Mitglied
Hallo!

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Forum für eine Gerätediskussion das Richtige ist?
Falls nicht, bitte ich um Entschuldigung.

Ich möchte gerne in die Sonnenbeobachtung einsteigen.

Zuerst Weißlicht, später dann mittels eines H-Alpha Okulars, eben auch in weitere Bereiche.

Fotografieren möchte ich das auch gerne.

Aus "alten Zeiten" weiß ich, dass je mehr Brennweite, desto besser...

Wäre aus Eurer Sicht der TS ED 102/F11 eine gute Wahl für ein solches Teleskop?

Link zum Teleskop:

Also das ich im ersten Schritt Weißlichtbeobachtungen mittels Objektivsonnenfilter machen und später ggf. in die H-Alpha mittels Daystar Quark o.ä. einsteigen kann?

Mit ~1100mm Brennweite könnte man mit "relativ großen" Okularen doch problemlos beobachten, oder?

Sonnigen Gruß
Michael

 
...aus der Erfahrung von Sonnenbeobachterfreunden heraus - das Gerät ist hervorragend für die Sonnenbeobachtung geeignet, kann man nur empfehlen!
Dass ich selber einen dreilinsigen TS-Apo habe, hat nur damit zu tun, dass ich eben auch nachts mit dem Gerät arbeite, nicht nur solar.

CS,
Stefan
 
Hi!

Bei H-alpha kann die Brennweite teuer werden – zumindest, wenn du die ganze Sonne sehen willst. Wenn du einen Filter wie SunDancer, Quark oder SolarSpectrum verwenden willst, denk an die Fastregel, dass die Sonne pro Meter Brennweite etwa einen Zentimeter groß abgebildet wird. Bei 600mm Brennweite passt die Sonne im SunDancer gerade noch komplett durch den Filter; der Quark ist ähnlich groß.

Außerdem arbeiten die Filter bei f/30 am besten und verwenden dafür Telezentriken. Die f/11 passen optimal zum SunDancer, der mit 3x Telezentrik ausgeliefert wird; der Quark kommt mit einer 4,2x Telezentrik (gibt's beim SunDancer optional). Bedeutet auch, dass du bei f/11 mit dem Quark gleich mit 4712 mm Brennweite in H-alpha einsteigst, also bei einem 40mm-Okular bei etwa 118x und etwa 0,9mm Austrittspupille bist (und f/47). Das ist schon so ziemlich die kleinste Austrittspupille, die für die H-alpha-Sonne noch nutzbar ist, und nah an der Höchstvergrößerung, die tagsüber geht. Außerdem brauchst du bei mehr als 80mm Teleskopöffnung noch einen Energieschutzfilter vor dem Objektiv.

Wir haben im Verein einen Filter, der effektiv (mit Telezentrik und Energieschutzfilter) bei 100/4500 betrieben wird – der bringt nur selten ein brauchbares Bild, meist ist die Luft zu unruhig für 112x/0,9mm AP.

Bei H-alpha ist das Teleskop das billigste, das kannst du dann zu dem Filter kaufen, den du anschaffst...

Weißlicht mit Herschelkeil oder Folie ist dagegen gar kein Problem. Nur schneller als ca f/6 sollte das Teleskop für einen Herschelkeil nicht sein.

Beste Grüße,
Alex
 
Außerdem arbeiten die Filter bei f/30 am besten und verwenden dafür Telezentriken. Die f/11 passen optimal zum SunDancer, der mit 3x Telezentrik ausgeliefert wird; der Quark kommt mit einer 4,2x Telezentrik (gibt's beim SunDancer optional). Bedeutet auch, dass du bei f/11 mit dem Quark gleich mit 4712 mm Brennweite in H-alpha einsteigst, also bei einem 40mm-Okular bei etwa 118x und etwa 0,9mm Austrittspupille bist (und f/47). Das ist schon so ziemlich die kleinste Austrittspupille, die für die H-alpha-Sonne noch nutzbar ist, und nah an der Höchstvergrößerung, die tagsüber geht. Außerdem brauchst du bei mehr als 80mm Teleskopöffnung noch einen Energieschutzfilter vor dem Objektiv.

Wir haben im Verein einen Filter, der effektiv (mit Telezentrik und Energieschutzfilter) bei 100/4500 betrieben wird – der bringt nur selten ein brauchbares Bild, meist ist die Luft zu unruhig für 112x/0,9mm AP.
Hi Alex,

vielen Dank für diese Informationen!!

Meinst Du, ein f/7 würde "besser geeignet" sein im Sinne von brauchbares Bild auch bei nicht optimalsten Bedingungen/Luftruhe?

Ich würde alternativ den hier wählen:

 
Hi!

Das Öffnungsverhältnis ist in Sachen Luftunruhe relativ egal. Die Luftunruhe beschränkt die maximal nutzbare Vergrößerung. Die Öffnung gibt an, wie viele Details du auflösen kannst – wobei auch die Luftunruhe besser aufgelöst wird, schon weil größere Teleskope meist eine längere Brennweite haben und somit mit den vorhandenen Okularen höher vergrößern.

Ein kurzes Öffnungsverhältnis bringt dir
  • Mehr Feld, was für Deep Sky toll ist und für die Sonne egal
  • Ein helleres Bild dank niedrigerer Minimalvergrößerung
  • Bei gleicher Öffnung die Möglichkeit, niedriger zu vergrößern, sodass die Luftunruhe auch bei schlechteren Bedingungen nicht ganz so sehr stört
  • Ein handlicheres Teleskop, das besser zu transportieren ist und nicht ganz so hohe Ansprüche an die Montierung stellt
Der f/10 bringt dir
  • ein entspannteres Öffnungsverhältnis und somit potentiell eine bessere Bildqualität zum selben Preis – wie der sich im direkten Vergleich zum f/7 schlägt, weiß ich aber nicht
  • Schneller eine hohe Vergrößerung, was für Mond/Planeten toll ist, an der Sonne wegen der Luftunruhe aber nicht so viel bringt – und moderne Okulare bieten auch mit kurzen Brennweiten einen bequemen Einblick
Ich habe hier u.a. einen ED80/600 und einen 80/910, die passen beide gut auf meine GP-DX, aber mit dem ED80/600 habe ich beim Weg vom Arbeitszimmer zur Montierung auf dem Balkon weniger Probleme mit Türen und Einrichtung als mit dem 80/910 ;) Den 80/910 hatte ich gekauft, um auf f/30 zu kommen, und weil das damals billiger war, als die noch nicht verfügbare 4x Telezentrik. Mein H-alpha-Filter funktioniert aber zum Glück auch am ED80 gut, sodass ich meist das kürzere Teleskop einsetze.

Ich kenne die beiden Teleskope von TS nicht, aber ich würde eher zum f/7 tendieren, der ist vielseitiger. An der Sonne bin ich fotografisch ein großer Fan vom Solar Continuum Filter (der macht eine grüne Sonne, dafür ist der Farbfehler vom Teleskop insbesondere mit einer Monochrom-Kamera irrelevant, und er dürfte auch einen ADC ersetzen, wenn die Sonne niedrig steht – Farbdispersion in der Atmosphäre wird auch ausgeblendet).

f/10 ist für H-alpha-Filter schön, wenn du die entsprechende 3x Telezentrik verwendest und der Filter groß genug ist (falls du die ganze Sonne sehen willst); f/7 für 4x-Telezentriken. 700mm dürfte mit den bezahlbaren Filtern eng werden.

Von daher: Für Weißlicht gerne f/7 und gerne auch noch etwas mehr Öffnung, wenn es ins Budget passt. Der @olli.mit.zwei.l hat hier eine Weißlicht/H-alpha-Kombi, die ziemlich gut passt. Herschelkeil und Bino-Ansatz sowie ein Astrogarten Beobachtungstuch dazu, dann macht das richtig Spaß.

Beste Grüße,
Alex
 
Hallo Michael,
hast Du alternativ über ein 60er Lunt mit einem 1200 Blockfilter nachgedacht?
Wie oben geschrieben ist der Refraktor das günstigste Element. Schau Dir die Preise für einen ERF Filter an. Dann für das Daystar Quark oder Baader Solar Continuum…
Ab und an findet man ein gebrauchtes Lunt hier im Forum.
CS Thomas
 
Hi Thomas,
Danke für den Tipp mit dem 60er Lunt und ja, preislich wäre das noch im Rahmen.
Wie gesagt, ich will ja erstmal mit Weißlicht starten und habe mir die Tipps von @Kerste nochmal zu Herzen genommen und mir über die astronomy.tools nochmal verdeutlicht, was die Telezentrik so bewirkt.

Und ja, sie, also die Telezentrik, ändert das ganze Spiel :cool:

Mit f/11 und Quark wird das so groß, größer gehts gar nicht mehr...mit f/7 wäre das "gesund", da müsste ich nur schauen, wie ich z.B. mit meiner Astro-CMOS + Barlow oder Okular ein wenig die Sonnenscheibe groß bekomme.
 
Zurück
Oben