Hallo Mischa,
danke für deinen netten Kommentar.
Genau das überlege ich auch - wie sehr kann ich den Intensitäten trauen? Oder - was kann ich tun, damit ich die Profile der verschiedenen Nächte vergleichen kann?
Um das zu erreichen, habe ich das folgende gemacht:
(1) Das Instrumenten-Setup habe ich nicht verändert - Teleskop- Spektrograph - Kamera.
(2) Beobachtungszeit ist auch in etwa die gleiche, die Stunde vor Mitternacht (MESZ).
(3) Datenauswertung - Das Verfahren ist identisch, incl. der genutzten Master-Responsekurve, also eben kein Anpassung eines einzelnen Profils, sondern alle gleich behandelt. Also kein "Fummlen" oder "Datenschönung"

(4) Normierung - Alle Profile schwanken durch die Division durch das ResampledProfile um den Wert 1, dazu habe ich auch noch alle Profilen beim ihrem Profilwert bei 550 nm die 1 gesetzt. Dort liegt keine Linie - weder TiO noch H - und das führt dazu, dass die Kontinua einen Ankerpunkt haben.
Soviel zu den Profilen. Nun habe ich überlegt, wie ich das "Starten der Nova" am besten messen kann. Mein Ansatz ist der, dass ich die Intensität der Wasserstoff-Linien messe und zwar in Bezug auf die TiO-Bandenkanten (TiO-Peaks). Letztere kommen vom roten Begleiter und diese sollten sich in ihrer Intensität gemäß dem Akkretionsscheibenmodell (erst einmal) nicht verändern.
Um die Profildaten der letzten Wochen zu vergleichen - ich habe dazu die vom 24.6., 28.6., 7.7, 8.7. und 9.7. benutzt - habe ich 8 Wellenlängenbereiche ausgewählt. Diese sind schmal und dort liegt jeweils ein Peak. Bei 6 der 8 Bereich sind es Peaks am blauen Ende der jeweiligen TiO-Bande und in 2 Bereichen liegt einmal die H-Beta-Linie und einmal die H-Alpha-Linien.
Auch hier wollte ich den "menschlichen Einfluss" bei der Auswertung reduzieren und nutzte daher ein Python-Programm, das die 5 Profile einliest und dann in den 8 Bereichen einen Gauss-Fit durchführt. Hier habe ich bei den TiO-Peaks auch mit einem Doppelprofil gefittet, dies ist aber bzgl. der Konvergenz etwas schwieriger zu handhaben. Die folgenden zwei Grafiken zeigen die 8 Bereiche und die daraus gewonnen Gaussfit-Werte (die Nummerierung entspricht der zeitl. Reihenfolge 24.6. .. 9.7.)
Im zweiten Scatter-Plot sind die zwei Bereiche mit den Wasserstoff-Linien entsprechend markiert. Schaut man auf die Werte, so kann man - in aller Vorsicht - doch schon jetzt bzgl. der Entwicklung der Intensitäten folgendes ableiten:
- Die 5 Bereiche mit den TiO-Peaks liefern für alle Beobachtungen eng beieinander liegende Werte. Dies deute ich als Bestätigung, dass das Verfahren einigermaßen konsistente Werte für die Linienintensitäten liefert. Die Streuung dieser TiO-Peaks liegt bei rund 0,1 ADU.
- Die zwei Wasserstoff-Linienintensität zeigen eine Streuung, die über der der TiO-Peks liegt. Daraus schließe ich, dass sich die "Wasserstoff-Situation" zeitlich geändert hat, im Gegensatz zum TiO.
- Bei Ha und bei Hb zeigt sich auch ein etwas anderes Zeitverhalten. Während Ha deutlich zulegt im Lauf der Beobachtungszeit, ist bei Hb am 7.7. ein Maximum, aber sonst ist Hb eher konstant als steigend.
- Das Soll-Verhältnis Ha/Hb = 2,86 wird gut erreicht (Ausreiser ist der 7.7. ...)
Dies als erster Blick auf die Datenauswertung. Die Plots sind auch noch etwas grob - ich hoffe, dass sich diese mit meinen Erläuterungen verstehen lassen.
Was ich heute auch geprüft habe, ist, ob sich in den TCrB Photometriedaten in den letzten zwei Wochen etwas getan hat. Laut AAVSO ist dies aber nicht der Fall. Man erkennt den bekannten Abstieg (über Wochen) in das Pre-Eruption-Dip, aber sonst sieht alles wie gehabt aus.
Stimmen meine Annahmen, so leuchtet die TCrB-Scheibe in Ha heller und heller. Ob das nun so weitergeht, oder ob sich alles wieder normalisiert, werden die nächsten Spektren zeigen.
Schöne Grüsse,
Michael