Ursus corpulentus
Aktives Mitglied
Liebe Altglassammler,
nachdem ich endlich verstanden habe, mich mithilfe eines Blickes in den Nachthimmel, anstatt auf Kachelmanns Vorhersage-Hompage über den aktuellen Bewölkungsgrad zu informieren, ist das Wetter besser geworden; schlagartig, man glaubt es kaum!
Denn es gibt sie tatsächlich: WOLKENLÜCKEN. Und seit ich die für mich entdeckt habe, verbringe ich plötzliche wieder Zeit auf meinem Carport-Dach.
Gestern Abend habe ich mal ein bisschen mit meinen letzten Neuzugängen bei den einzölligen Okularen herumprobiert.
Beobachtungszeit ungefähr zwischen 22.30 Uhr 23.30 Uhr. Der Himmel war relativ hell, denn der Mond kroch die ganze Zeit für mich unsichtbar unterhalb des Nachbarhauses herum und sorgte für anständig Streulicht. Nur blicken lassen wollte er sich nicht, der Schuft!
Aber Dopplesterne gehen immer. Mit dem Tasco 10K (80/1200; f/15), einem wunderbaren Gerät! Montiert in der Kuppel auf einer Vixen GP mit Alu-Stativ.

Aber im Zentrum des Interesses standen meine neuen (alten) Takahashi MC Okulare, sowie eine Reihe schweizer Spectros einer späten Baureihe, denen ich auch noch nie so richtig auf den Zahn fühlen konnte. Beide Clans - der der Taks und die Specs - stehen in trauter Eintracht nebeneinander in meiner .965'' Holzkiste und ergänzen sich richtig gut.

Für diese Zussamenstellung habe ich zwei Jahre gesammelt.
Und das ist auf dem Weg dorthin zusammengekommen:

Ein Teil davon, vor allem der mit den bekannteren Namen (Vixen, Celestron, Meade) gemarkten, ist grundsätzlich in Ordnung und durchaus brauchbar. Aber mit dem Inhalt in meiner kleinen Opto-Sahne-Kiste können sie nur schwer und in Ausnahmefällen (Vixen 20 mm vielleicht?) mithalten. Das ist zumindest mein eigener Eindruck.
Und der Rest ist schlicht und einfach Schrott. Aber ich bringe es nicht übers Herz, ein Okular wegzuwerfen - und sei es noch so schlecht.
Die Beobachtungsobjekte waren - ganz anfängergerecht - Mizar, Polaris und natürlich Albireo. Aber Anfänger hin oder her, alle drei haben ihre eigenen Spezifika, die sie zum Testen von Ausrüstung sehr interessant machen:
Bei Mizar ist es entscheidend, ob und was man an weiteren Objekten sieht, wenn man ihn und Alkor in der Bildmitte hat; hochspannend und ein echter Test für so manches Gerät, dem man ursprünglich vielleicht mehr zugetraut hat. Und vor allem ist er sogar für mich leicht zu finden.
Polaris ist auch einfach zu lokalisieren und bei ihm sticht der starke Größenunterschied der beiden Objekte ins Auge. Im Prinzip ähnlich wie oben, die Helligkeit und Nähe der Hauptkomponente macht hier jedoch die Musik. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Und Albireo ist aufgrund seiner eindrucksvollen Farbigkeit (die zufällig auch noch komplementär ist) ein dankbares Objekt, um Optik auf deren Farbechtheit (- sagt man das?) hin zu prüfen. Um ein Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: die Taks sind deutlich kälter (bläulicher) in ihrer Wiedergabe, als die Spectros Okulare.
Mizar: Einstig mit 30 mm Celestron (Tani), schönes Bild, alles da, aber auch nicht mehr. 25er Tak - holla die Waldfee! Die Nachbarsternchen sind plötzlich auch alle da, das Bild ist messerscharf - ein spürbares Upgrade zum Celestron. Das 20er Spec wirkt insgesamt "weicher" ist aber sehr gut von der Auflösung - auch hier sind die kleinen Nachbarn zu sehen. Dasselbe Spiel mit dem 18er Tak und dem 15er Spec, alles lösen sehr gut auf, wobei die Taks spürbar "glas-artiger" abbilden.
Mit dieser Erfahrung war ich gespannt auf Albireo ...
Doch zuerst Polaris: Am 30er Celestron habe ich anfangs die kleine Komponente überhaupt nicht gesehen - ich wusste nicht mehr, wo sie steht und wie groß (klen!) sie ist. Mit dem 25er Tak war sie dann da und schwer, aber sicher trennbar. Die vorherige Reihenfolge der Okulare habe ich beibehalten und im Prinzip setzte sich der Trend harte/weiche Abbildung auch hier fort. Bis es mit dem 15er Spectros eine Überraschung gab: plötzlich wurde die kleinen Komponente bläulich. Weiter runter nicht mehr, zumindest nicht sicher, aber mit 15 mm Brennweite (80-fach; AP 1 mm, wahrscheinlich praktisch ganz knapp drunter) war das Ding blau; bläulich.
Albireo war am 30er sofort da und natürlich auch blau/gelb (orange). Die Taks regelten die Farben wirklich merklich runter, zumindest im Vergleich zu den Spectros. Besonders schön war der Anblick im 15er und 10er Spec, im dazwischenliegenden 12.5er Tak fühlte es sich wieder fast "überbelichtet" an.
Kann man sich das vorstellen, oder rede ich hier totalen Mist??
Egal.
Schön wars!
Und das ist am Ende des Tages auch die Hauptsache.
An meinem alten Zeugs habe ich einen Mörder-Spaß. Und was man mit einem 50 Jahre alten Refraktor und ein paar "alten" Okularen aufstellen kann, wird den allermeisten nicht klar sein. Für ein Setup mit einzölligen Okularen würde ein Großteil der Sternenfreunde heute vermutlich nicht mal mehr freiwillig auf den Balkon gehen - schätze ich.
Aber - hey! - jeder, wie er will.
Schöne Grüße,
Ursus
nachdem ich endlich verstanden habe, mich mithilfe eines Blickes in den Nachthimmel, anstatt auf Kachelmanns Vorhersage-Hompage über den aktuellen Bewölkungsgrad zu informieren, ist das Wetter besser geworden; schlagartig, man glaubt es kaum!
Denn es gibt sie tatsächlich: WOLKENLÜCKEN. Und seit ich die für mich entdeckt habe, verbringe ich plötzliche wieder Zeit auf meinem Carport-Dach.
Gestern Abend habe ich mal ein bisschen mit meinen letzten Neuzugängen bei den einzölligen Okularen herumprobiert.
Beobachtungszeit ungefähr zwischen 22.30 Uhr 23.30 Uhr. Der Himmel war relativ hell, denn der Mond kroch die ganze Zeit für mich unsichtbar unterhalb des Nachbarhauses herum und sorgte für anständig Streulicht. Nur blicken lassen wollte er sich nicht, der Schuft!
Aber Dopplesterne gehen immer. Mit dem Tasco 10K (80/1200; f/15), einem wunderbaren Gerät! Montiert in der Kuppel auf einer Vixen GP mit Alu-Stativ.

Aber im Zentrum des Interesses standen meine neuen (alten) Takahashi MC Okulare, sowie eine Reihe schweizer Spectros einer späten Baureihe, denen ich auch noch nie so richtig auf den Zahn fühlen konnte. Beide Clans - der der Taks und die Specs - stehen in trauter Eintracht nebeneinander in meiner .965'' Holzkiste und ergänzen sich richtig gut.

Für diese Zussamenstellung habe ich zwei Jahre gesammelt.
Und das ist auf dem Weg dorthin zusammengekommen:

Ein Teil davon, vor allem der mit den bekannteren Namen (Vixen, Celestron, Meade) gemarkten, ist grundsätzlich in Ordnung und durchaus brauchbar. Aber mit dem Inhalt in meiner kleinen Opto-Sahne-Kiste können sie nur schwer und in Ausnahmefällen (Vixen 20 mm vielleicht?) mithalten. Das ist zumindest mein eigener Eindruck.
Und der Rest ist schlicht und einfach Schrott. Aber ich bringe es nicht übers Herz, ein Okular wegzuwerfen - und sei es noch so schlecht.
Die Beobachtungsobjekte waren - ganz anfängergerecht - Mizar, Polaris und natürlich Albireo. Aber Anfänger hin oder her, alle drei haben ihre eigenen Spezifika, die sie zum Testen von Ausrüstung sehr interessant machen:
Bei Mizar ist es entscheidend, ob und was man an weiteren Objekten sieht, wenn man ihn und Alkor in der Bildmitte hat; hochspannend und ein echter Test für so manches Gerät, dem man ursprünglich vielleicht mehr zugetraut hat. Und vor allem ist er sogar für mich leicht zu finden.
Polaris ist auch einfach zu lokalisieren und bei ihm sticht der starke Größenunterschied der beiden Objekte ins Auge. Im Prinzip ähnlich wie oben, die Helligkeit und Nähe der Hauptkomponente macht hier jedoch die Musik. Und da trennt sich die Spreu vom Weizen.
Und Albireo ist aufgrund seiner eindrucksvollen Farbigkeit (die zufällig auch noch komplementär ist) ein dankbares Objekt, um Optik auf deren Farbechtheit (- sagt man das?) hin zu prüfen. Um ein Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: die Taks sind deutlich kälter (bläulicher) in ihrer Wiedergabe, als die Spectros Okulare.
Mizar: Einstig mit 30 mm Celestron (Tani), schönes Bild, alles da, aber auch nicht mehr. 25er Tak - holla die Waldfee! Die Nachbarsternchen sind plötzlich auch alle da, das Bild ist messerscharf - ein spürbares Upgrade zum Celestron. Das 20er Spec wirkt insgesamt "weicher" ist aber sehr gut von der Auflösung - auch hier sind die kleinen Nachbarn zu sehen. Dasselbe Spiel mit dem 18er Tak und dem 15er Spec, alles lösen sehr gut auf, wobei die Taks spürbar "glas-artiger" abbilden.
Mit dieser Erfahrung war ich gespannt auf Albireo ...
Doch zuerst Polaris: Am 30er Celestron habe ich anfangs die kleine Komponente überhaupt nicht gesehen - ich wusste nicht mehr, wo sie steht und wie groß (klen!) sie ist. Mit dem 25er Tak war sie dann da und schwer, aber sicher trennbar. Die vorherige Reihenfolge der Okulare habe ich beibehalten und im Prinzip setzte sich der Trend harte/weiche Abbildung auch hier fort. Bis es mit dem 15er Spectros eine Überraschung gab: plötzlich wurde die kleinen Komponente bläulich. Weiter runter nicht mehr, zumindest nicht sicher, aber mit 15 mm Brennweite (80-fach; AP 1 mm, wahrscheinlich praktisch ganz knapp drunter) war das Ding blau; bläulich.
Albireo war am 30er sofort da und natürlich auch blau/gelb (orange). Die Taks regelten die Farben wirklich merklich runter, zumindest im Vergleich zu den Spectros. Besonders schön war der Anblick im 15er und 10er Spec, im dazwischenliegenden 12.5er Tak fühlte es sich wieder fast "überbelichtet" an.
Kann man sich das vorstellen, oder rede ich hier totalen Mist??
Egal.
Schön wars!
Und das ist am Ende des Tages auch die Hauptsache.
An meinem alten Zeugs habe ich einen Mörder-Spaß. Und was man mit einem 50 Jahre alten Refraktor und ein paar "alten" Okularen aufstellen kann, wird den allermeisten nicht klar sein. Für ein Setup mit einzölligen Okularen würde ein Großteil der Sternenfreunde heute vermutlich nicht mal mehr freiwillig auf den Balkon gehen - schätze ich.
Aber - hey! - jeder, wie er will.
Schöne Grüße,
Ursus