Hallo,
nicht lange nach der Markteinführung konnte ich nicht mehr widerstehen und habe den 20 Zöllner genommen. Die motorisierte Nachführung war hier ein Hauptgrund. Die Frage ob 18 Zoll oder 20 Zoll kam in mir nicht auf, so dass ich Dir dabei auch nicht weiterhelfen kann.
Würde ich mir vornehmen hier jetzt alles zu schreiben was mit diesen Instrument zu tun hat, würde ich erst gar nicht damit anfangen.
Daher greife ich erst mal einen Aspekt auf, der mir besonders hervorsticht:
Wenn ich dran denke wie hell Jupiter in meinem C14 (mittlerweile auf C11 downgrade wegen Transport) war, dann braucht 20 Zoll ja schon eine Schweisserbrille im Zubehör..
Wird die Beobachtung von Mars, Jupiter und Saturn bei dieser Öffnung betrieben, ergeben sich dabei Besonderheiten, die man z. B. von einen 4 Zoll Refraktor nicht kennt. Für die Planetenbeobachtung braucht es bei 20 Zoll Lösungen gegen die zu große Helligkeit.
Die folgenden vier Lösungsansätze habe ich hierfür angewendet (ein bisschen Unernst könnte enthalten sein):
1. Die elegante Lösung
Bei ausreichend heller Umgebung blenden die Planeten nicht. In der frühen Abenddämmerung, wenn Jupiter noch nicht ohne optische Hilfsmittel erkannt wird, ist dieser in 20 Zöllner noch nicht zu hell. Dann kann mit den mitgelieferten 10 mm Plössl bei 200x eine gute Abbildungsqualität erzielt werden. Mit so wenig Glasmasse okularseitig kann man bei f/3,9 auskommen. Auch ist häufig, vornehmlich in Sommer, die Luftruhe während der Dämmerung zeitweise besser als in der darauf folgenden Nacht. So ergibt sich eine Möglichkeit Jupiter nur mit den im Lieferumfang enthaltenen Artikeln zu beobachten.
2. Die übliche Lösung
Ist ein Objekt zu hell, dann kommen üblicherweise Neutralfilter oder variabler Polarisationsfilter zum Einsatz, so wie man dies auch bei der Mondbeobachtung mit deutlich kleineren Teleskopen handhabt. Für die 508/2000 mm Optik ergibt sich aber ein Problem. Bereits das einzelne dünne Planglas eines Neutralfilters führt zu einer unscharfen Abbildung. Dies gilt auch für alle anderen Filter ob variabler Polarisationsfilter , OIII oder UHC, als erstes auf das Lichtbündel treffend sind diese nicht einsetzbar.
Für die 508/2000 mm Optik hat es sich bewährt, das Lichtbündel erst durch eine Barlowlinse zu leiten und den Filter an Okular einzuschrauben. Also z. B. Teleskop 508/2000 - 2,5x Barlow - Neutralfilter ND 0,9 - Okular 15 mm Plössl. Analog werden Nebelfilter zwischen Komakorrektor (hier: ES 2" HR) und Okular positioniert. Zu bedenken ist, dass durch Komakorrektor oder Barlowlinsen die Anforderungen an die Okulare wegfallen und so auch einfache Okulartypen wie Reversed Keller (wie das enthaltende 2" LET 28 mm Okular), Plössl und Erfle tadellos abbilden. Ohne Komakorrektor zeigt sowohl das LET 28 mm als auch das TV Ethos 21 mm nur Lichtmatsch am diesen Gerät. Mit Komakorrekter bilden beide gut ab. Der Komakorrektor korrigiert zwar auch das für lichtstarke Newton gegebene Koma, die Umwandlung des stumpfen Strahlungskegels in einen spitzen Strahlungskegel ist hier aber der entscheide Effekt. Die Brennweite erhöht sich dadurch auf 2120 mm. Die Okulare "sehen" dann nur noch eine lichtschwache Optik, es wirkt so, als würde man die Okulare an einen (z.B.) 508/7620 mm Cassegrain betreiben. Barlowlinsen bewirken dies auch, da das Spiegelkoma nicht korrigiert wird, funktionieren diese nur solange das Gesichtsfeld nicht zu groß wird (es gibt auch komakorrigierende Barlowlinsen). Für die Deep Sky-Objekt Beobachtung führt daher kein Weg an einen Komakorrektor vorbei. Nur bei hohen Vergrößerungen und kleinen Gesichtsfeldern geht es auch ohne.
3. Die irritierende Lösung
Die Größe dieses Teleskops ermöglicht einen alternativen Betriebsmodus. Durch eine passende Lochblende wird aus einem Newton-Spiegelteleskop ein Schiefspiegler, einen Off-Axis-Newton. Der maximale Durchmesser eines runden Lochs ohne Obstruktion beträgt 180 mm. Dadurch ergibt sich ein Öffnungsverhältnis von f/11,8. Die Abbildungsfehler wie Astigmatismus sollen auch durch den ES 2" HR Komakorrektor behoben werden. Damit würde es sich um einen katadioptrischen Schiefspiegler handeln. Unter Realbedingungen, von Grund des Luftozeans, ist eine Verbesserung der Abbildungsqualität in Vergleich zu fehlenden Komakorrektor nicht erkennbar.
Damit wird der größte Teil der lichtsammelnden Fläche des Hauptspiegels verdeckt. Dadurch können bei moderaten Vergrößerungen kleine Austrittspupillen erzielt werden, was eine reduzierte Helligkeit flächiger Objekte bedeutet. Bei 0,7 mm AP ergibt sich dann eine Vergrößerung von 250x. Ohne die Lochblende beträgt bei 250facher Vergrößerung die AP 2 mm, was für Jupiter und vor allen für den Mars zu viel ist und diese damit zu hell sind. Für Mond und Planeten ist der einzige sichtbare Vorteil die Lichtdämpfung gewesen. Genau so auch bei der üblichen Lösung mittels Neutralfilter, nur kann hier auf optische Komponenten verzichten werden. Zudem fallen auch manche Beschränkungen bei der Okularwahl weg.
Einen Nachteil bezüglich Auflösung und Kontrast konnte dagegen nie beobachtet werden, obwohl genau danach, durch Wechsel der beiden Betriebsweisen, gesucht wurde. Es zeigte sich aber immer nur ein dunkleres Bild und kein Verlust an erkennbaren Details bei Mond, Mars und Jupiter. Dies deckt sich auch mit den Erfahrungen an 4" f/11 ED-Refraktor, dessen volle Leistung sich nur selten zeigt. In der Regel wird bereits diese Öffnung, an meinen Standort in zentralen Bereich von Niedersachsen bei 55 m über N.N, durch die atmosphärischen Verluste an Auflösung und Kontrasts limitiert. Wenn dies mal nicht der Fall ist, und dann sieht zu was dieser 4 Zöller imstande ist, vergisst man das Gestehende nicht mehr so schnell.
In Österreich oder an vielen anderen Standorten kann es natürlich ganz anderes sein.
Daher ist es plausibel, das bei 180 mm Öffnung, hier vor Ort, die atmosphärischen Bedingungen der limitierende Faktor ist und die vollen 508 mm Öffnung dann erst recht keine Verbessere Auflösung und Kontrastübertragung bringen können. Dies bezieht sich aber nur auf die Beobachtung von Erdmond, Mars, Jupiter und Saturn. Für fast alle anderen Objekte ist die Nutzung der vollen Öffnung sinnvoll bis notwendig. Auch für Aufnahmen wird immer die volle Öffnung genutzt.
Es gibt aber noch einen Bereich in wo die Lochblende zum Einsatz kommt, bei der Beobachtung von Doppelsternen. Nehmen wir als Beispiel Epsilon Lyra. Neben der schon unangenehmen Helligkeit kommt hier noch etwas anderes zu tragen, die Gesichtsfelderstreckenden Spikes durch die vier Fangspiegelstreben. Diese sind nicht nur ein ästhetisches Problem, die Spikes können die Komponenten überstrahlen was über erkennen oder nicht erkennen entscheiden kann. Daher eignet sich die kleine Öffnung, ohne störende Spikes, besser für die Beobachtung von Doppelsternen. Der theoretische Unterschied an Auflösungsvermögen von 0,67" bei 180 mm gegen 0,24" bei 508 mm Öffnung macht sich auch hier in der Praxis nicht bemerkbar.
4. Die undankbare Lösung
Für die Beobachtung von Saturn, Jupiter, Mars und Mond ohne Lichtdämpfung eignen sich Austrittspupillen von etwa AP 1,0 mm bis AP 0,5 mm. Am 508/2000 mm Newton ergibt das eine Vergrößerung von 500x für Saturn und 1000x für Mars- und Mondbeobachtung. Erst dann ist das Bild von angenehmer Helligkeit. Nur wird aufgrund der atmosphärischen Bedingungen zumeist ein unschöner Anblick daraus resultieren. Aufgebläht und unscharf erscheinen die Planeten. Es wird mehr das Wirken von Aerosolen und konvektionierender Gase beigewohnt. Der Himmelsköper wird zu einer Hintergrundbeleuchtung die die Vorgänge sichtbar macht.
Unter den Teleskopen gibt es bezüglich ihres Einsatzgebietes Universalisten und Spezialisten. Ein 8" f/6 Newton oder ein 6" f/8 Apochromat sind vielseitig einsetzbar. Unter den Spezialisten gibt es zum einen Teleskope die große Gesichtsfelder erzielen wie z. B. ein 102/460 mm Refraktor. Das große Gesichtsfeld wird durch die geringe Brennweite ermöglicht. Dagegen fehlt es einer solchen Optik an Vergrößerungsfähigkeit, dann dafür braucht es neben einer großen Öffnung ein optisches System was Beugungsbegrenzt ist. Dies ist bei einen günstigen Kometensucher (polychromatisch) nicht der Fall.
In der anderen Richtung gibt es Instrumente die aufgrund großer Öffnung und beugungsbegrenzten Abbildung über eine hohe Vergrößerungsfähigkeit verfügen. Mit zunehmender Öffnung ergeben sich tendenziell auch längere Brennweiten und damit kleiner Gesichtsfelder. Das 500p mit ES 2" HR hat nun eine Brennweite von 2120 mm. Es handelt sich damit um einen Spezialisten bezüglich Vergrößerungsfähigkeit. Das maximal erzielbare Gesichtsfeld beträgt ca. 1°. Das TS UWA 28 mm erzielt bei einer Vergrößerung von 75x, eine AP von 6,7 mm und ein Blickwinkel von 82° ein Gesichtsfeld von 1,08°. Was Weitfeldbeobachtungen angeht ist damit das Maximum erreicht. Wer also Wert auf große Gesichtsfelder legt, sollte nach Bedarf einen Instrument mit deutlich kürzerer Brennweite nutzen. Wer sich dann die passenden Beobachtungsobjekte zum passenden Instrument aussucht, kann sich auch mit einfachen Okularen zufrieden stellen. Bei händisch nachgeführten Teleskopen mag anderes gelten, beim 500p kann das Objekt jedoch automatisch in der Bildmitte gehalten werden. Für die Beobachtung mit OIII-Linenfilter hat mir das LET 28 mm am ES 2" HR mit einen Gesichtsfeld von 0,73° bisher immer gereicht. Weitwinkelokulare sind eine schöne Sache, wer aber gerade in das Okular blickt, wird in einen Moment nicht mehr als 70° überblicken können. Dieser Blickwinkel ist ausreichend um den Tunnelblick zu vermeiden. Okulare mit einem Blickwinkel von 100° sind dagegen deutlich teurer und schwerer als Okulare mit 70°. Dafür bekommt man die Möglichkeit sich im Okular umzusehen, indem man in verschiede Richtungen schräg in das Okular blickt. Dabei kann man immer weitere Gebiete erblicken, ohne das Teleskop zu bewegen. Auch wieder sehr nützlich für einen klassischen Dobson. Das 500p kann aber sehr präzise und (wenn langsam) erschütterungsfrei bewegt werden. Konzentriert man sich auf das zu sehende, zum Beispiel beim Zeichnen wird die Peripherie des Gesichtsfelds wenig beachtet.
Die Konstruktion eines 100° Okular ist mit einen Zusätzlichen Aufwand und Glaseinsatz verbunden. Der Blinkwinkel ist aber nicht alles, neben den Kosten spielt das Gewicht, Einblickkomfort, Bildschärfe und Kontrast sowie die Transmission eine Rolle. Die Summe aller Eigenschaften lassen sich besser mit einen Blickwinkel von 70° berücksichtigen als mit der Zielsetzung 100°. Als Beispiel sei die Pentax XW Serie genannt. In der Summe der genannten Eigenschaften nach meiner Wahrnehmung mit die besten Okulare bei einen Guten Preis-Leistungs-Verhältnis und dabei gut über den Gebrauchtmarkt zu beziehen. Wenn es nicht gleich das Beste von Besten sein soll, so gibt es eine große Auswahl relativ günstiger Okulare mit einem Blickwinkel von 70° bis 82°. Es lassen sich problemlos 2000,- Euro in Okulare investieren. Aber der Rundumblick ist ein Bonus der nicht über sehen oder nicht sehen entscheidet. Da ist zum Beispiel die Wahl der richtigen Austrittpupille wichtig, um den Kontrast zwischen flächigen lichtschwachen Objekten und den Himmelhintergrund zu maximieren. Jeder sollte selbst entscheiden wie viel Geld er in die Okulare stecken möchte. Unisono jeden dahingehend zu beraten, dass die sehr Aufwendig aufgebauten 100° Okulare ein Muss seien, geht zumindest bei diesen Modell mit motorisieren Achsen und der Verwendung eins Komakorrektors an der Sache vorbei. Hier hat man eine Wahl, die jeder für sich selbst treffen kann. An besten nach dem man es selbst für sich ausprobiert hat.
Oh...jetzt bin ich aber abgedriftet. Der Punkt ist der, dass das 500p ein Spezialist für hohe Vergrößerungen ist, dieses Potential jedoch für die Mond und Planetenbeobachtung nur bedingt, aufgrund der atmosphärischen Bedingungen, genutzt werden kann. Der nutzbare Vorteil ist die Kombination aus großen Austrittspupillen und dazu relativ hohen Vergrößerungen. Wenn zum Beispiel eine Galaxie oder planetarischer Nebel bei einer bestimmten Himmelsqualität optimal bei einer AP von 3,3 mm beobachtet werden kann, dieses Objekt aber nur über einen geringen Winkeldurchmesser verfügt und damit erst bei hohen Vergrößerung (hier bei AP 3,3 mm 151fache Vergrößerung) in Detail studiert werden kann. Und beides zusammen geht eben nur mit der großen Öffnung.
Gruß
Erik