Michas planetarische Versuche 2025

Denebolus

Aktives Mitglied
Moin zusammen,

ich bin ja nicht sooo der Aktive, am Wenigsten fotografisch, darum ist der Titel für (m)eine "Jahressammlung" vielleicht ambitioniert. Mal schauen.

So arg viel habe ich dieses Jahr noch nicht zusammengebracht. Sondern genaugenommen - nur ein kurzer Abend (am 18.1.) mit ein paar Jupiteraufnahmen, eine davon habe ich etwas weiter bearbeitet.
Immerhin - mein bester Jupiter dies Jahr :LOL:

Ich versuche dabei gar nicht, an die anderen irrsinnig detaillierten Fotos hier heranzukommen. Sagen wir mal, etwas ansatzweise vorzeigbares mit geringem Aufwand reicht mir völlig.

Mein Setup im Allgemeinen:
  • Teleskop Celestron SCT C8 Standard (AVX Montierung, ist aber unerheblich)
  • Baader 2,25x Barlow (jaaa, noch mehr Brennweite, und etwas Werbung für die Forenbetreiber)
  • Kamera ZWO ASI 120 MC-S (die USB3-Variante)
  • Firecapture zur Aufnahme in SER-Files auf einem Astroberry
  • Stacking mit AutoStakkert!4 unter Wineskin auf einem älteren Mac
  • Weitere Verarbeitung über PixInsight auf dem gleichen Mac :cool:
Den ZWO-ADC hatte ich nicht dazwischen gepackt, weil Jupi ohnehin so schön hoch stand, die Farbkanalabweichung war laut Anzeige in Firecapture nicht so groß, dass sich das "Gefummel" gelohnt hätte. Vielleicht doch? Egal, zu spät.

Da PixInsight ja nicht so oft zur Bearbeitung von planetarischen Bildern verwendet wird, hier mal exemplarisch, was ich da so angestellt habe. Vielleicht verzapfe ich auch völligen Humbug mit der Bearbeitung, aber es kommt zumindest etwas heraus.
Anmerkungen, Kritik, Verriss ausdrücklich willkommen.

Sollte ich weitere Fotos dies Jahr für diesen Thread schaffen ( :oops: ), werde ich wohl nicht so episch darauf eingehen ... es sei denn, ich entdecke da noch was Tolles.

Das gestackte Bild (5% von 2000 Bildern, AutoStakkert Standardeinstellungen, per GIMP vom TIF in PNG konvertiert) sah erstmal gewohnt 'flauschig' aus:


Jup_204402_lapl6_ap196.png


Der "Workflow" (wenn das bisschen schon so nennen darf) in PixInsight sieht dann in diesem Fall so aus:
  • Statistics: Bestimmung der Statistikwerte für die Farbkanäle. Idee: Kalibrierung auf den Kanal mit dem kleinsten Median. Hier: G-Kanal
  • Channel Extraction: Zerlegen des Bildes in R, G, B
  • LinearFit: Anpassung der "anderen" Kanäle in Referenz zum im ersten Schritt bestimmten Kanal.
    Reference image --> G-Kanal-Bild, Anwendes des LinearFit-Prozesses auf R- und B-Kanal-Bilder
  • ChannelCombination: wieder zusammen fügen der R- G-, B-Bilder zu einem farbkalibrierten Bild
  • MultiScaleLinearTransform: das Registax des Mac-Users in PixInsight ...
    Starlet Transform mit 4 Layern + R-Layer
    Werte hier:
    Layer 1 -0.600
    Layer 2 +1.600
    Layer 3 +0.500
    Layer 4 +0.400
    Einstellungen 'nach Gefühl', ohne dass es allzu körnig wird.
  • Anschließend noch eine zarte HistogramTransformation, um das Bild etwas heller zu bekommen.

Und das kommt dabei raus:
Jup_204402_lapl5_ap576_PI.png


Immerhin ... ein paar Details sind zu erkennen.
Vielleicht geht da 'noch mehr', aber - s.o., meine Ansprüche sind nicht so hoch.

Ich hab wie immer gaaanz viel Luft nach oben, aber ich denke, Galileo wäre schon so ein bißchen neidisch gewesen :whistle:

In diesem Sinne: klare Nächte,
Micha

Edit: da war aus einem geklammerten Smiley was komisches geworden, korrigiert
 
Hi,
So arg viel habe ich dieses Jahr noch nicht zusammengebracht.
ja, gut, im Januar schon an den Jahresrückblick zu denken ist natürlich auch sportlich :LOL:

Ich finde es gut, mal Tools anzuwenden für Zwecke, für die sie eigentlich nicht gemacht wurden, aber u.U. auch produktiv eingesetzt werden könn(t)en. Im aktuellen Kontext sind sicher auch die Algorithmen, die im Hintergrund werkeln (z.B: Wavelets, u.a.) im wesentlichen auch gleich.
Ein "Problem" bei solchen Crossover-Experimenten ist aber, dass man letztlich Erfahrung in beiden Bereichen (hier also Deep Sky & Planeten-Tools) braucht, um sinnvolle Ratschläge geben zu können. Und da fliege ich schon gleich in der ersten Kurve 'raus, ich habe noch nie mit PixInsight gearbeitet, kann also auch nix dazu sagen, an welche Knöpfen man da jetzt weiter drehen muss, um mehr 'rasuzukitzeln.
Aber das Schwarmwissen hier wird da sicher weiterhelfen können. Immer dranbleiben :y:
Galileo wäre schon so ein bißchen neidisch gewesen
Wohlmöglich, hätte ihm aber am Ende auch nix genutzt. Wäre er mit dem Bildern zum Papst gegangen, hätter der sie prompt als KI-generierte Fake News abgetan und Galileo trotzdem gezwungen, seine ketzerischen Thesen zu widerrufen. :devilish:

VG CptB
 
Hi nochmal,
ich habe mir mal die ob. Bilder 'runtergeholt und ein wenig "analysiert". Durch die 8bit JPG Komprimierung geht natürlich viel Datenqualität verloren, aber für einen 'educated guess" reichts noch. 2 Aspekte könnten aktuell eine Rolle spielen:
1) 5% von 2000 sind , ja, ähm, ziemlich genau 100 Frames, das ist wenig. Bei Jupiter macht i.a. eine höhere Verwendungsrate Sinn (10-30%, selbst bei mässigem Seeing), zudem sollten mindestens mal +/- 1000 Frames im (endgültigen) Stack sein. Sonst hast du nicht viel Signal zum schärfen. [-nb: auf die 1000 sollte man mich jetzt bitte nicht festlegen, 998 gehen auch, in Ausnahmefällen auch mal 653, ich hoffe es ist klar was gemeint ist. Mehr als 100 halt. D.h., jetzt nicht 102, sondern signifikant mehr als 100. ..:LOL::LOL:]
2) evtl. ist der Fokus nicht gut genug getroffen, dafür würde sprechen, dass man mit etw. mehr Schärfung sofort fast nur noch den Noise sieht, und kaum mehr Details.

Fazit: da hilft nur klarer Himmel, um neue Daten zu sammeln. Aus den obigen ist --m.E.-- nicht viel zu gewinnen, egal mit welchem Tool.
Wiegesagt, dranbleiben .. :y:
VG CptB
 
Danke mein Captain :cool:

Das sind schon mal hilfreiche Tips, beim nächsten Anlauf werd ich versuchen an vorige Fokussierung per Bahtinov zu denken.
Am Planet war es durch das Seeing pures herumprobieren. „Könnte … könnte nicht … nochmal zurück … nee, vor … oder doch nicht“
Mehr Frames teste ich heute Abend mal, die SER-Dateien liegen noch auf der SSD.
Aber wenn‘s eh vorwiegend unscharf war, naja, einen Versuch immer wert.

Danke, dass du tiefer ins Bild geschaut hast, war eigentlich nur zur Illustration gedacht, und im Thread selbst mag das Forum keine TIF ;)

Ich versuch‘s mal wieder, wenn klarer Himmel passend zum sonstigen Leben unverhofft auftauchen sollte.

Klare Nächte,
Micha
 
Hi,
ja, über das richtige Fokussieren bei Planetenaufnahmen werden andernorts regelrechte Glaubenskriege geführt, v.a. wenn es noch um zusätzlichen Einsatz von Autofokus-Tools geht od. nicht. Glücklicherweise - den heutigen Zeiten sei dank - arten die nur nicht mehr so aus wie weiland zu Galileos Zeiten :cool:
Im Grunde ist's aber wie so oft auch hier eine Frage der Übung. mit der Zeit bekommt man da einen Blick dafür, wann man zumindest im grünen Bereich ist, auch wenn das Bild noch so wabert u flackert.
Bei der Gelegenheit kann ich natürlich auch noch mal auf mn. FC Plugin verweisen, da ist auch ein Fokussierhilfe dabei. Der Vorteil dabei ist, dass man es während der Aufnahme mitlaufen lassen kann, und somit Fokusshifts etc nachregeln kann. Wobei ich hier auch empfehle, sowohl den eigenen Augen (beim Blick auf den Stream Preview) wie auch den angezeigten Werten zu vertrauen, nicht nur letzteren. FC hat aber auch selbst schon eine Fokussierhilfe, allerdings kam ich da nie so richtig mit klar.
Noch ein allgemeiner Fokus-Tip ist natürlich, anfangs wirklich mal von deutlich Intrafokal zu Extrafokal durchzufahren, um sich einen "Überblick über die Lage" zu verschaffen.
VG CptB
 
Moin Captain,

schaut gut aus, aber ich schätze, ich werd da etwas basteln müssen - der Astroberry läuft noch unter 32bit, da wird das Plugin nicht gefunden. Also werd ich mal ein System zusammenstellen und dann testen. Ist eh die nächsten Tage wolkig. Ohne Aussicht auf Fleischbällchen :LOL:

Klare Nächte,
Micha
 
Uff, ja 32bit hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm .. sorry ..
Apropos Fleischbällchen: bei schlechtem Wetter ist doch Essen eine prima Kompensation.
:giggle: VG CptB
 
Hallo Micha,

ich bin erst jetzt auf diesen Thread aufmerksam geworden.

Das gestackte Bild (5% von 2000 Bildern, AutoStakkert Standardeinstellungen, per GIMP vom TIF in PNG konvertiert) sah erstmal gewohnt 'flauschig' aus:
Das ist zu wenig. Ich versuche in 1 bis 2 Minuten über 6000 Frames zu sammeln und stacke 40%.
Ok, da wird die Belichtungszeit wahrscheinlich über 10ms liegen und die max. mögliche Framerate beschränken.
Wie hoch ist denn deine Belichtungszeit und Framerate ?
Vielleicht reichen auch 5000 Frames aber dann würde ich auch mind. 40% stacken oder bei besseren Bedingungen auch mehr.
Natürlich ginge auch der Mehraufwand mit winjupos mehrere Avis / Summenbilder zu derotieren.

ABER:
Endlich wird hier nicht nur ein Endergebnis gezeigt sondern viel mehr Infos gegeben, Klasse !
Dein Summenbild sagt eigentlich schon alles: Das Seeing war zu schlecht.
Da kannst du nicht viel machen. Inzwischen bearbeite ich solche Bilder gar nicht mehr.
beim nächsten Anlauf werd ich versuchen an vorige Fokussierung per Bahtinov zu denken.
Am Planet war es durch das Seeing pures herumprobieren. „Könnte … könnte nicht … nochmal zurück … nee, vor … oder doch nicht“
Das zeigt nochmal die schlechten Bedingungen. Du bracuhst keine Bahtinov-Maske.
Bei vernünftigen Bedingungen siehst du beim normalen Scharfstellen den richtigen Fokus direkt im Livebild.
könnte nicht … nochmal zurück … nee, vor
Ist genau richtig, so mache ich das auch und dann triffst du damit auch den richtigen Fokus wenn das Seeing mitspielt.

Meine erste Astrokamera war auch die Asi120mc, aber USB2. Verwende ich heute noch für Farbaufnahmen.
Am 8" F6 Dobson mit Baader Q-Turret war das hier beim Jupiter 2016 möglich:
jupiter-17-03-16-234607.jpg

Leider habe ich dazu nicht mehr das Summenbild.

Aber so könnte ein Summenbild bei besseren Bedingungen aussehen:
Jupiter_311024_230359_lapl5_ap1684-asi120mc-summe.jpg

Da ich aber die Asi462mm für die Luminanz verwende mache ich nur eine kurze Farbaufnahme mit der Asi120mc.

Aber früher habe ich ja, wie du oben siehst, auch nur mit der Asi120mc gute Ergebnisse erzielen können.
Dahinter stecken aber sehr viele Aufnahmen / Nächte für den Papierkorb !
90% habe ich bestimmt umsonst aufgebaut, da das Seeing nicht viel hergegeben hat.

Mit den Bedingungen steht und fällt alles bei der Planetenfotografie.
Du must sehr viel Geduld haben und es immer wieder probieren.
Manchmal ändert sich das auch noch am selben Abend:
Summenbilder 07.08.22 mit 12" F5 Dobson
jupiter-summe-6er.jpg


Also einfach dran bleiben und dann kommt der Moment wo im Livebild auf einmal schon viele Details zu sehen sind und die Luft schön ruhig ist.

Gruß,
Holger
 
Moin Holger,

vielen Dank für deine Ausführungen - das bringt mir (und sicherlich dem einen oder der anderen) eine ganze Menge. Und war auch die Idee, die ich eher grundlegend mit dem Starten des Threads hatte, nämlich auch mal zu schreiben, was denn so genau (oder zumindest genauer) gemacht wurde.
+Und das auch durchaus zur Diskussion stellen, vielleicht ist der Bearbeitungsansatz völliger Humbug?

Ist zwar immer schön, toll ausgearbeitete Aufnahmen zu sehen, aber mal ehrlich - mich interessiert das "wie mache ich ..." fast mehr als das eigentliche Ergebnis.
Und oft wird zwar angemerkt, mit welchen Tools so gearbeitet wurde - ich las das immer so wie "Die komplexen Handlungsstränge dieses Romans sowie die Entwicklung der Figuren wurden mit Word in Textform gebracht" ...

Bei meinen sporadischen früheren Versuchen war das immer mehr so Ausprobieren - aber eigentlich planlos. Das versuche ich, jetzt etwas mehr dokumentiert zu haben, wie denn der Weg ist, damit ich beim nächsten Mal (und hier in Ostwestfalen können da schon mal Wochen oder Monate zwischen liegen ...) vielleicht etwas die "Erfahrung" einfließen lassen kann. Nicht im Sinne von "ich weiß, wie's geht" sondern "Mit dem und dem Ansatz ist letztes Mal was akzeptables herausgekommen". Auch einer der Gründe, warum ich mit PixInsight unterwegs bin - zum einen denke ich, die grundlegenden Verfahren zur Bearbeitung sind da drin - und die Bearbeitungen werden bei Speicherung als .xisf-Datei mit gespeichert, und man kann später nochmal drauf zurückgreifen. Sonst ist es für Planeten ja eher kaum benutzt (die Tutorials, die es bei PI wohl mal gab laut Tante Gugl scheinen im Dunst der Geschichte verschwunden zu sein). Auf lange Sicht werde ich vielleicht auch mal irgendwann Deep Sky machen - dann hab ich zumindest schon mal das richtige Tool.

Und du machst mir Mut, mit den Planeten weiter zu machen. Mh ... ist das jetzt Versprechen oder Drohung ...?
Deine Bilder zeigen ganz gut, dass da, wie ich schon schrieb, noch ganz gut Luft nach oben ist :cool:

Ja, Belichtungszeit lag bei 50ms, Gain 40%, 20 FPS laut Firecapture-Protokoll. Also vermutlich da schon schwierig.
Also - da muss ich auf jeden Fall dran schrauben, evtl. Gain höher, Belichtung runter, um die FPS "auf die Straße" zu bekommen.

Der Captain (Carsten) hat ja schon auf die Fokusunterstützung in Firecapture hingewiesen, ich glaube dringend, dass ich das Tool insgesamt noch genauer kennenlernen muss. Und auch sein EAA-Plugin.
Ich werd's trotzdem (manchmal bin ich einfach neugierig) beim nächsten Versuch (wann der auch immer sein wird) erstmal über Bahtinov-Maske als Ansatz versuchen - ich hab eine, also ist es einen Versuch wert. Nachjustieren geht immer (EAF ist montiert, um wackelfrei von Monitor anpassen zu können).
Seeing ist aus der Siedlung heraus (im Garten ...) durchaus immer ein Thema, und ich fürchte, ihr habt recht, es war einfach suboptimal. Ich hab mal in ältere Aufnahmen geschaut (so viele sind's nicht auf der Platte) - vor fast einem Jahr hatte ich einiges mehr an Details. Also wohl einen besseren Abend erwischt.

Ich werd' demnächst (so denn mal wieder überhaupt etwas geht) das mal strukturierter angehen, ihr habt mit schon einiges an Input angedeihen lassen, nochmal vielen Dank.

Klare Nächte,
Micha
 
den Punkt hatte ich noch vergessen, die BZ spielt auch eine grosse Rolle. 50ms sind i.d.R. schon sehr (bzw zu) lang, weil in dem Zeitraum schon zuviel vom Seeing verwischt wird. Hat man Schleierwolken, oder bei Uranus, kommt man um längere BZ nicht herum, meistens ist aber grad bei Schleirwolken die Luft wd. ruhiger.
Ansonsten sind , Pi x Daumen, Zeiten unter 10 ms anzuraten. Das ist auch -weitgehende- unabhängig von der Öffnung, weil hier die 'pesudo-Frequenz' des Seeings ja die entscheidene Grösse ist, die es auszuhebeln gilt.
Kurze BZ brauchen halt höhere Gain-Einstellungen, und natürlich darf natürlich die Flächenhelligkeit auf dem Chip nicht zu gering sein, d.h. Barlow-Faktor muss auch passen. Meine persönlich Erfahrung mit Gain ist (bei mn, ZWO 178MM/MC), dass alles bis zu ca 80% des Maximalwerts noch zu bewältigen ist, hinsichlkich Noise-Glättung durch Stacking, geht man höher, 90%-Max., nimmt der Noise drastisch zu 'auf den letzten Metern', das ist dann nur noch was für Notfälle .
Uff, ja, viele Faktoren und Knöppe zum dran drehen ... einaml damit angefangen, wirds einem so schnell nicht langweilig :geek:
VG CptB

PS:
Also einfach dran bleiben und dann kommt der Moment wo im Livebild auf einmal schon viele Details zu sehen sind und die Luft schön ruhig ist.
gernau. Geduldig warten wie ein Jäger auf dem Hochsitz ... irgendwann kommt die Wilds*au schon auf die Lichtung .. :LOL:
 
Moinsen!

Micha, da hast du eine ganz schöne Aufnahme des Jupiter machen können. :y:
Ich sehe das wie @Cpt.Boiler: Es macht durchaus Sinn, nur einen kleinen Prozentsatz deiner Frames zu verwenden, wenn diese dann die besten sind, die du hast, aber wenn du schon mit recht wenigen Frames insgesamt startest, dann würde ich wirklich schauen, dass es am Ende nicht zu wenige für die Bearbeitung bzw. das Stacking sind. Hier würde ich empfehlen, sonst gern mehr Frames aufzunehmen. Da müsstest du nochmal nachschauen, was die allgemeine Empfehlung für dein Setup mit der gegebenen Brennweite ist. (Was ich so kenne sagt man meistens nicht mehr als 2min bei Jupiter wegen der ca 9h 55 min hohen Rotationsperiode - aber dabei ist wie gesagt die Brennweite entscheidend.)
Dann würde ich versuchen den ROI (Region of interest) möglichst klein zu halten, um eine hohe Framerate zu erzielen.
Was den Fokus angeht: bin ich auch vollkommen bei @Cpt.Boiler. ("Glaubenskriege") Ich persönlich nutze auch erstmal eine Bathinov-Maske (wenn nicht autofocus) und schau dann am Planeten, was mein Auge sagt. Ich orientiere mich dann gern an Oberflächenstrukturen, die ich im "perfekten Fokus" gerade so noch erkennen kann. Das ist dann für die Nacht sozusagen meine Referenz. Du kannst auch während der Session bereits kurz einen Blick auf die gestackte Version werfen, um zu sehen, ob alles soweit passt. Kann ziemlich unangenehm sein, wenn man erst am nächsten Morgen sieht, dass etwas nicht gepasst hat.

Ich habe mir dein Jupiter-Bild mal vorgenommen und etwas damit rumgespielt.
Ich denke, du kannst da durchaus noch ein paar Details rauskitzeln.

Mein Workflow ist für Planeten bisher immer: Aufnahme in Firecapture > Stacken in Autostakkert! > Schärfen in Registax > Nachbearbeitung Pixinsight und oder WinJupos. Allerdings lieferte mir WInJupos SEHR selten Ergebnisse, die wirklich besser waren, als gesteckte und gut prozessierte Einzelaufnahmen, aber in dem Programm bin ich auch noch eher unbeholfen. Mir sagt aber auch die Bedienung so gar nicht zu...

Bearbeitung deines Bildes in Registax:
Jup_204402_lapl6_ap196_RS.jpg


Da sehe ich schon etwas mehr Details...
Hier die verwendeten Einstellung:
Jup_Bearbeitung in Registax_1.png


Dann habe ich "Autobalance" angewendet, um die Farben etwas "aufzuhübschen"...
Jup_Bearbeitung in Registax_2.png


...und schließlich noch "RGB align" (nur auf den Mond angewendet)... Auf Jupiter selbst angewandt sah der Blau-Schleier rechts noch stärker aus komischerweise...:
Jup_Bearbeitung in Registax_3.png


Weiß nicht, wie firm du in RS bist: Am Ende (vor dem Speichern) immer unbedingt "do all" klicken. ;)

Anschließend habe ich in Pixinsight "Deconvolution" mit Standardeinstellungen angewendet (schärfen).
(Ich bin zu doof für die Wavelets-Funktion in Pixisnight...Schon immer. _affeaugen::LOL:)

Dabei sah ich etwas mehr Details, aber auch etwas mehr "Körnung". Das ist wohl letztlich Geschmacksache. Mir gefällts. :)

Und dann habe ich noch mittels "SCNR" (blau) den Blaustich auf der rechten Seite des Planeten etwas reduziert.
Jup_Bearbeitung in PI_Vgl. vs nur RS.png

links: nach Registax, rechts nach Deconvolution und SCNR (mit entsprechender Einstellung).
Die Blau-Reduktion eher "mild angewendet"...;)


Und der finale Vergleich deines Jupiters nach deiner Schärfung mittels Wavelets (links) und mit meinem Ansatz (rechts):
Vgl. Original nach Wavelets vs. RS & PI.png



Gutes Gelingen und beste Grüße aus Hamburg
Micha
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Micha,

50ms ist recht lang, da braucht es ja nicht einmal eine ROI.
Ich nutze ja selbst die Asi120mc: Gain 60% geht locker, beim Saturn bin ich da früher sogar auf 80% hochgegangen.
Damit könntest du die Framerate vielleicht unter 20ms drücken und dann würde ich auch eine schmale ROI um den Planeten ziehen.
Mehr als 50fps halte ich dabei für realistisch und damit kannst du in max. 2 Minuten bis zu 6000 Frames sammeln.

Un mach dir nicht so viele Gedanken um´s Fokussieren. Bei vernünftigen Bedingungen geht das locker direkt am Planeten mit dem Livebild.
Nach ein paar Avis fokussiere ich auch immer mal wieder neu.

Gruß
Holger
 
Hi Micha und Holger,

boah, was hab ich da losgetreten - ich wollte doch keinem Arbeit machen :eek:

Alles super Tips - und Micha, du hast ja richtig Arbeit reingesteckt. Tolle Beschreibung des Vorgehens, das hilft sicher nicht nur mir.
Ich schau mal, ob ich deine Registax-Verarbeitung im PixInsight etwa abgebildet bekomme, und auch die Farbsaumkorrektur sieht interessant auch. Ich dachte eigentlich, dass das weitgehend mit dem RGB-Align im AutoStakkert! abgefrühstückt wäre - aber so ist das, wenn man irgendwelche Sachen mit gesundem 1/8 Wissen macht. :oops:

Mittlerweile weiß - naja, ahne ich, wo ich mir selbst im Weg stand, also gut Gain geben (die Alliteration konnte ich mir nicht verkneifen) und die FPS möglichst hochbringen, verstanden. Mache ich. Wenn's wieder geht.

Ich habe eben mal ein paar Trockenübungen gemacht, ohne jetzt genau zu wissen, welche Werte ich effektiv einstellen kann, wenn wirklich wieder ein Planet frontal auf die Schmidt-Platte fällt - aber bei einer ROI 300x300 (bei den Aufnahmen hatte ich 600x600, da ich die Montierung auch ab und an etwas aktiv korrigiert habe - dass Firecapture das auch kann hab ich jetzt gelernt und klar, muss ich unbedingt probieren), einem 50% Gain und Belichtungszeit 10ms kam ich dann auf Frameraten (auch beim Raspberry) von über 80 fps.
Das macht Mut ;)

Danke nochmal an alle!!
Und jetzt macht was Sinnvolleres als euch mit meinen stümperhaften Versuchen rumzuschlagen, alle hier im Thread haben echt super geholfen.

Klare Nächte, schöne Aufnahmen und optimale Frameraten bei bestem Seeing,
Micha
 
Hallo Micha,
gern. Hat Spaß gemacht.
RGB-Align: Normalerweise funktioniert das auch in Registax, aber beim Beispielbild irgendwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte.
Die SCNR (blau)-Anwendung in PI war eher auf die schnelle und behelfsmäßig. Dabei, wenn du keine Maske anwendest, wird blau im gesamten Bild runtergeschraubt..,aber in dem Fall fand ich das Ergebnis (trotzdem) ganz brauchbar, was den Farbsaum und Gesamt-Farben angeht.

Schönes Rest-Wochende & kN
Micha
 
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