So, will Euch nicht enttäuschen.
Zusammenfassung:
Nein, das C14 ist brav daheim auf der 85 Kilo-Montierung geblieben. Nein, weder meine Frau noch die Womo-Einrichtung mussten weichen, es war ein netter Gemeinschaftsausflug (von fetter Erkältung mal abgesehen, die mich aber an fünf Stunden im Freien gestern nicht gehindert hat).
Von vorn: Da ich die letzten Gelegenheiten seit November alle wegen Wetters nicht wahrnehmen konnte, war mir diese besonders wichtig. Also Tage vorher geplant. Wetter wieder mal schwer einschätzbar, am Freitag erst stand dann fest, dass es Richtung Franken gehen soll, wo die Aussichten am besten standen. Hier bei mir zuhause am Westrand des Harzes war kaum was zu holen; mindestens laut Prognose. Tatsächlich schien am Sonnabend aber auch hier viel Sonne. Wenn mal schon aml weg ist...
Also in Goggle Maps Stellplätze zwischen Würzburg, Bamberg, Nürnberg und Rothenburg gecheckt. Dabei war mir wichtig, dass in Blickrichtung ein flacher Horizont und möglichst viel Acker oder Natur sein sollten. Die erste Wahl fiel auf Colmberg nahe Rothenburg, der dafür geradezu perfekt war. Warum Stellplatz? Wegen Strom! Ich habe in unserem neuen Wohnmobil den alten Spannungswandler noch nicht wieder eingebaut, der mich anschlussunabhängig sein ließe.
Eingepackt: Celestron CGX-Montierung, C8 orange (Baujahr 1978, Top-Optik), Laptop mit Programmen für Montierung und Kameras/Filterrad. ASI290MM und ASI715MM.
Freitag erste Etappe bis Rothenburg o.d.T., da schön gegessen und kostenlos gestanden (die beiden offiziellen Stellplätze sind eher nicht zu empfehlen und zu teuer).
Sonnabend gegen Mittag Richtung Colmberg, war mit 16 km praktisch um die Ecke.
Platz gefunden. Dann gleich erstes Problem: Wegen technischer Störung geschlossen. OK, Blick auf die Stromsäulen, die sind wenigstens noch an. Aber: Nur mit der Parkkarte zu aktivieren, die man bei der Einfahrt bekommen hätte. Damit fiel Platz eins gleich völlig aus.
Nächster Stellplatz an einem Badesee 15 Kilometer nördlich. Angefahren, würde beobachtungstechnisch passen, Anmeldung war aber gerade in der Mittagspause, aber Telefonnummer ausgewiesen. Angerufen und gefragt, ob Stromanschluss geht. Nein, auch hier nicht, gerade im Umbau.
Langsam schmolz die geplante Aufbau- und Vorbereitungszeit dahin. Nächster halbwegs aussichtsreicher Platz der Phoenix-Mobilhafen in Bad Windsheim. Nicht optimal, da am nordwestlichen Rande einer Stadt, die damit teilweise in der Sichtlinie lag. Aber egal, langsam musste mal eine Lösung her.
Diesmal alles gut. Platz flach, ziemlich groß (ca. 40 Wohnmobile rundherum auf weitläufigem Gelände). Passenden Platz gesucht und es gab endlich auch Strom, den sogar günstig.
Da war es schon so gegen 14 Uhr, als ich endlich aufzubauen begonnen habe. Ungefähr eingenordet. Alles in Gang gebracht, Montierung intialisiert, Sonne angefahren, manuell Montierung besser ausgerichtet, dass es ungefähr stimmte. Dann zur Venus fahren lassen. Immerhin im Sucher, aber gutes Stück vom Sucherkreuz.
Das war erst mein zweiter Außeneinsatz mit der CGX, ich kenne sie also noch nicht so gut. Deshalb hat es auch eine weitere fast Stunde mit Align-Versuchen gebraucht, bis ich zwischen Venus und Sonne so hin- und herfahren konnte, dass es recht gut passte. Dann an Venus Kamera scharfgestellt und von da aus Saturnposition angefahren. Trotz IR685 und Kontrast auf 1 nix. Ich habe nochmal eine halbe Stunde rumgesucht, bis sich endlich ein extrem kontrastschwaches Fleckchen im Bild bewegte.
Die ersten Aufnahmen gegen 15.30 MEZ waren noch unscharf, dann hab ich auch den Fokus gefunden. Leider fehlte mir eine lange Taukappe, die ich nur fürs C14 habe, so dass ich meine Frau bitten musste, zur Kontraststeigerung die Sonne zu verdecken. Das ging aber erst, als sie von ihrem 13-Kilometer-Lauf wiederkam...
Nun denn, ab da lief es immer besser, zumal irgendwann auch die Sonne hinter anderen Wohnmobilen verschwand. Leider gab es den besten Kontrast erst gegen Ende noch vor 18 Uhr, da wurde das Seeing aber auch zusehends schlechter, das vorher noch recht gut gewesen war. In der Stunde ab 17 Uhr war Titans Schatten dann auch im Livebild wahrnehmbar. Titan selbst habe ich nicht gesehen, im Methanband waren zu der Zeit noch keine sinnvollen Aufnahmen möglich, da wäre Titan sogar vor der Kugel aufgefallen.
Anbei zwei Ergebnisse relativ nah am Ende der Beobachtungssession. Es sind L-Aufnahmen, die zusätzlich ein IR-Luminanzbild bekommen haben. Beides mit der ASI715MC aufgenommen am C8 fokal, als bei 2 Meter Brennweite. IR-Luminanz mit IR685 von Baader. Titan tritt auf dem einen Bild von ca. 17.40 MEZ gerade aus, auf dem zweiten von 17:51 MEZ steht er schon neben der Kugel, und auch Rhea ist links vom Ring mindestens auf der IR-Aufnahme klar auszumachen.
Den Rest werte ich morgen udn die nächsten Tage aus. Mal sehen, was da noch so drinsteckt.
Ans Thema Titan-Schattenwurf kann ich auf jeden Fall meinen Check-Haken machen. Bislang hatte ich dieses Vergnügen nur einmal, und das war bei der Kantenstellung 1980 (!!). Damals aber nur visuell in der Baugrube meiner heutigen Sternwarte mit dem selben C8 auf seiner Original-Gabelmontierung. Nun also auch als Bilddokument verewigt.
Soweit mein Bericht.
Und Carsten: Völlig falsch. Du glaubst gar nicht, wieviele junge Leute und Familien heute mit Wohnmobilen unterwegs sind. Längst kein Rentnerprivileg mehr. Aber ich muss immer im Blick haben, wann die Ferien haben etc. Nervig sowas.

Fun Fact am Rande: Ich hatte eine Stunde ein Ehepaar zu Gast, das sich sehr interessiert zeigte. Die gingen auf die 80 zu und kamen gerade aus mehreren Wochen Griechenland zurück... Toller Sternenhimmel dort, schwärmten sie immer wieder.
CS
Rudolf