Hochaufgelöste Spektroskopie von T CrB

Chris_in_hd

Aktives Mitglied
Hallo Spektroskopie Interessierte,

heute möchte ich Ergebnisse einer hochaufgelösten Spektroskopie von T CrB mit 0.0097 Å px−1 vorstellen.

Ich betreibe seit geraumer Zeit ein Remote-Teleskop mit einem Shelyak eShel II Spektrograf. Diesen habe ich vor einigen Wochen endlich in Betrieb genommen. Nach ersten Gehversuchen konnte ich inzwischen einen zwar noch nicht über alle Wellenlängen 100% optimalen Prozess zur Kalibrierung und die Instrument-Response erarbeitet. Die Optimierung des Instrumentes und der Datenverarbeitung ist also im vollem Gang. Die Kalibrierung im Bereich der Hα ist jedoch gut und so zeige ich hier das erste vorzeigbare Ergebnis.

Als ersten ernsthaften Versuch habe ich am 23.7.24 T CrB spektroskopiert. Dabei habe ich 12 Aufnahmen zu 5 min belichtet. Zum Einsatz kam für die Datenerfassung sowie die Datenaufbereitung die Software Demetra von Shelyak. Zur Auswertung der Spektren habe ich BASS verwendet. Darin wurde zunächst eine baryzentrische Geschwindigkeitskorretur vorgenommen.

Hier das vollständige Spektrum über alle Ordnungen hinweg und die 34. Ordnung des Echelle-Spektrums mit der Ha Linie.

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Fig. 1 - T CrB Spektrum

1726789597695.png

Fig. 2 - T CrB Spektrum 34. Ordnung

Man erkennt sehr deutlich eine Aufspaltung der Hα Linie, was ein Hinweis auf das Vorhandensein einer Akkretionsscheibe ist.

Da es in weiteren Beiträgen hier im Forum bereits viel Information zu T CrB gibt und ein ebenfalls hier bereits verlinkter toller Vortrag (PDF: http://www.astronomie-amateur.fr/DocsSpectro/TCrB_SAS_2023-06-22.pdf und das Video: https://youtu.be/JJrR7DPv-HU?feature=shared) viel erklärt, hier nur in aller Kürze: viel erklärt, hier nur in aller Kürze:

T Coronae Borealis ein kataklysmisch veränderlicher Stern, ein Doppelstern mit einem Roten Riesen und einem Weißen Zwerg. Vom Roten Riesen strömt Materie auf den Weißen Zwerg. Da die Materie aufgrund der Drehimpulserhaltung nicht direkt auf die Oberfläche des weißen Zwerges fallen kann bewegt sie sich in Spiralbahnen um den Weißen Zwerg und bildet eine Akkretionsscheibe. Die Materie in der rotierenden Akkrationsscheibe heizt sich auf und strahlt Licht in Hα ab welche wir im gezeigten Spektrum beobachten.
Die aufgespaltene Hα Linie, die wir beobachten gibt uns viel Information über die Gegebenheiten vor Ort. Die Aufspaltung der Hα Linie entsteht durch den Dopplereffekt. Strahlung, die von Materie ausgesandt wird, die sich in der rotierenden Akertionsscheibe von uns weg bewegt wird ins Rote verschoben, umgekehrt wird sie ins Blaue verschoben, wenn sich die Materie auf uns zu bewegt.
Das wir diese Aufspaltung deutlich erkennen verrät uns, dass wir nicht in Richtung der Rotationsachse auf die Akkretionsscheibe blicken sondern von der Seite unter einem Winkel - dem Inklinationswinkel i. Nur so ist es möglich, dass wir einen Teil des Hα Lichtes rotverschoben und einen Teil des Lichtes blauverschoben sehen, was zu der beobachteten Form der Spektrallinie führt. Aus der Aufspaltung der Hα Linie - der jeweiligen Wellenlängendifferenz Δλn der beiden Linien zum Laborwert der Hα von λ=656,285 nm - lässt sich die Geschwindigkeitsdifferenz der Materie die sich von uns Weg beweg zu der die sich auf uns zu bewegt wie folgt berechnen:

Zunächst berechnen wir mit Hilfe der Formel für den Dopplereffekt

Δλ = λ * Vn / c​

die Geschwindigkeiten V1 mit der sich die Materie auf uns zu bzw. mit V2 von uns wegbewegt. Es ergibt sich:

Vn = Δλn / λ * c bzw. Vn = (λn - λ) / λ * c​

Das oben gezeigte Spektrum enthält das Licht vom Roten Riesen und dem Weißen Zwerg mit dessen Akkretionsscheibe. Weiße Zwergsterne strahlen überwiegend im UV und zeigen in der Regel keine signifikante Emission in Hα. Im aufgenommenen Spektrum sehen wir jedoch Emission in Hα aus der Akkretionsscheibe. Rote Riesensterne zeigen in der Regel Absorption in Hα. So kann es natürlich sein, dass die Überlagerung der beiden Komponenten die beobachtete Linienform verändert und somit darauf basierende Messungen verfälscht. Um den Einfluss des Roten Riesen zu reduzieren, ziehe ich das Spektrum eines mit unserem Spektrum vergleichbaren M0.5 Roten Riesen ab. Ich habe dazu aus der Miles Referenzdatenbank in BASS einen passenden Kandidaten gesucht, der dem aufgenommenen Spektrum ähnelt, was mich zu HD132933 geführt hat. Leider konnte ich noch kein Spektrum eines geeigneten Sterns selbst aufnehmen, was für die Analyse besser wäre, so dass ich hier ein Referenzspektrum geringerer Auflösung (Fig. 3 in Rot) verwendet habe.


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Fig. 3 - Hα T CrB (grün), Hα M0.5 Roter Riese (rot), Hα T CrB - Hα M0.5 (hellbraun)

Aus dem vom M Riesen „befreiten“ Spektrum (Fig. 3 in hellbraun) bestimmt sich λ1 zu 656,341 nm und damit ergibt sich V1 = 38,98 km/s. λ2 bestimmt sich aus der Messung zu 656,054 nm und damit ergibt sich V2 = -160,79 km/s. Die Werte von λ1 und λ2 wurden dabei aus der Position der jeweiligen Intensitätsmaxima der Linien bestimmt.

Summieren wir die Absolutbeträge der beiden Geschwindigkeiten und dividieren diese durch 2 ergibt sich daraus die beobachtete Rotationsgeschwindigkeit der Akkretionsscheibe zu Vrot_ops = 99,88 km/s. Mit dem 3. Keplerschen Gesetz

Vrot_ops = sin(i) * √(G * M?? ∕ R????)​

und der Umlaufgeschwindigkeit der Materie kann man den Radius ihrer Umlaufbahn und somit die Größe der Akkretionsscheibe abschätzen. Dazu benötigt man noch die Masse M?? des Weißen Zwerges und den Iklinationswinkel i unter dem wir die Akretionsscheibe beobachten. Diese Werte finden sich bei Wikipedia (1) bzw. in der Literatur bei Stanishev et al. (2): M?? = 1,37 +/- 0,13 M⊙ und i = 67°. Dort findet sich der Vollständigkeit halber auch die Masse des Roten Riesen Mrg= 1,12 +/- 0,23 M⊙.

Damit ergibt sich aus:

R???? = (sin(i) / Vrot_ops)2 * G * M??​

der Radius der Akkretionsscheibe in Sonnenradien

R???? = 88,8 R⊙​

Eine Akkretionsscheibe dieser Größe würde in unserem Sonnensystem über die Bahn des Merkur (RMerkurbahn ~ 86 R⊙) hinaus reichen. Im Zentrum der Akkretionsscheibe steht jedoch anstelle eines Sterns wie unserer Sonne „nur“ ein kleiner Weißer Zwerg mit in etwa der Größe unserer Erde und einer größeren Masse als unsere Sonne. Laut (1) bzw. (4) ist die große Halbachs der Bahn auf der sich die Komponenten von T CrB in 227,55 Tagen umkreisen nur 116 R⊙ So kommen sich die Akkretionsscheibe und der Rote Riese recht nahe (siehe weitergehende Betrachtungen in (4)).

Bei der Recherche zu diesem Beitrag fand ich das sehr aktuelle Paper von Zamanov et al. (5) vom 19. Mai 2024 in dem die Autoren aus einer längeren Beobachtungsreihe seit 2022 den Radius zu R???? = 89 +/-19 R⊙ bestimmt haben. Die hier vorgestellte Messung liegt in überrasend guter Übereinstimmung mit dieser Arbeit trotz der sehr vereinfachten Herangehensweise. So subtrahieren die Autoren das Spektrum von HD134807 - einem M0 Riesen - dessen Spektrum ich in Referenzdatenbanken und online nicht finden konnte. In der Literatur finden sich unterschiedliche Angaben für die Spektralklasse des Roten Riesen weshalb ich der Einfachheit halber und nicht besonders wissenschaftlich fundiert, ein „ähnliches“ niedrig aufgelöstes Spektrum gewählt habe.

Ich hoffe in den nächsten Tagen wieder Spektren an T CrB aufnehmen zu können bevor er auch am Standort meines Teleskops unter dem Horizont verschwindet. Es wäre spanend zu sehen ob sich wie in (5) dargestellt weitere Veränderungen der Linienform zeigen.

Ich werde ggf. berichten.

CS
Christof



(1) T Coronae Borealis - Wikipedia

(2) Stanishev, V., Zamanov, R., Tomov, N., & Marziani, P. 2004, A&A, 415, 609

(3) Francis C. Fekel et al 2000 AJ 119 1375

(4) Linford, Justin D.; Chomiuk, Laura; Sokoloski, Jennifer L.; Weston, Jennifer H. S.; Van Der Horst, Alexander J.; Mukai, Koji; Barrett, Paul; Mioduszewski, Amy J.; Rupen, Michael (2019). "T CRB: Radio Observations during the 2016-2017 "Super-active" State". APJ. 884 (1)

(5) Size of the accretion disc in the recurrent nova T CrB
R. K. Zamanov1 | K. A. Stoyanov1 | V. Marchev1 | M. Minev1 | D. Marchev2 | M. Moyseev1 | J. Martí3 | M. F. Bode4,5 | R. Konstantinova-Antova1 | S. Stefanov1
arXiv:2405.11506v1 [astro-ph.SR] 19 May 2024

 
Hallo Christof,

sehr gute Arbeit - und ein interessanter Blick in die Ha-Details.

Die 90 R⊙ passen ja bestens. Vielleicht hast du ja Glück und kannst bald hochaufgelöst den Nova-Ausbruch beobachten.

Schöne Grüsse,
Michael
 
Hallo Christof,

vielen Dank für Deinen Bericht! Könntest Du bitte etwas genauer beschreiben, was Du als baryzentrische Geschwindigkeitskorretur bezeichnest? Das ist mir so nicht geläufig.

Vielen Dank und viele Grüße,

Günther
 
was Du als baryzentrische Geschwindigkeitskorretur bezeichnest?
Hallo Günther,

die baryzentrische Korrektur ist die Korrektur der gemessenen Radialgeschwindigkeit des beobachteten Objektes bzw. ein resultierender Wellenlängenshift des Spektrums, um den Einfluss der Bewegung der Erde relativ zum Baryzentrum / dem Massenmittelpunkt des Sonnensystems zu eliminieren. In meiner Messung geht es um -19,8 km/s.

Die Funktion findest du in BASS im Menü: Tools/Calculate Velocity Correction …

CS
Christof
 
Hallo Hallo Spektroskopie Interessierte,

nach meiner ersten Spektroskopie von T CrB vor knapp einem Jahr am 23.7.2024 habe ich letzte Nacht - am 14.7.2025 - erneut 1h T CrB belichtet.
Anbei der Vergleich der beiden Aufnahmen:
T-CrB_20240723_20250714.jpg

Zu sehen sind die Hα Linie zu den beiden Zeiten nach Baryzentischer Geschwindigkeitskorrektur und Abzug des Anteils des Roten Riesen (07 in rot).
Man erkennt sehr deutlich den Anstieg der Hα Intensität.

Dieser Anstieg ist in allen Balmer Linien wie auch bei He I zu erkennen.
T-CrB_20240723_20250714_Hbeta.jpg

Hγ war im Spektrum vor einem Jahr kaum nachweisbar,
T-CrB_20240723_20250714_Hgamma.jpg

wie die He I Linie.
T-CrB_20240723_20250714_He.jpg


Sehr interessant ist der Versatz den man zwischen den beiden Spektren erkennen kann, im folgenden Bild mit den grünen Linien A und B visualisiert.
T-CrB_20240723_20250714-shift.jpg

Die Wellenlängendifferenz beträgt 657.26 nm - 657.18 nm = 0.08 nm. Zunächst glaubte ich an einen Messfehler. Da ich den Spektrograf derzeit noch
nicht in einer temperaturstabilisierten Umgebung betreiben kann nehme ich zu jeder Spektroskopie auch Kalibrierdaten auf. Da ich den Prozess der
Kalibrierung - bzgl der Aufnahme der Kalibrierdaten - über das vergangene Jahr verändert habe lag dieser Gedanke nah. Da jedoch keine Veränderung
in der Skalierung der Daten zu erkennen war, es sich also um einen reinen Versatz der Spektren handelte kam mir ein anderer Gedanke als Erklärung
in den Sinn. Was wenn sich hier die Bewegung der beiden Komponenten von T CrB umeinander beobachte ließe? Könnte dies den beobachteten
Wellenlängenshift erklären?

Ein Umlauf der beiden Komponenten dauert 227.55 Tage. Zwischen meinen beiden Beobachtungen lagen 356 Tage , was 1.56 Umläufen
(1 Umlauf + 128,5 Tage) entspricht. Somit zeigen meine Beobachtungen eine mögliche Dopplerverschiebung verursacht von in etwa einem halben
Umlauf, was ein glücklicher Zufall ist, denn ich habe meine Beobachtungen nicht in dieser zeitlichen Hinsicht durchgeführt.
Schätzen wir ab welcher maximaler Wellenlängenshift entsteht wenn die beiden Beobachtungen gerade in optimaler Position der T CrB
Komponenten zur Erde stattgefunden hätten, wenn sich der Weiße Zwerg während einer Beobachtung gerade auf uns zu und in der zweiten
Beobachtung von uns weg bewegt hätte.

Gegebene Parameter (vereinfacht)
Umlaufzeit von T CrB: P=227,55  Tage=1.965×10^7  s
Massen:
Weißer Zwerg: M1≈1,2 M⊙
Roter Riese: M2≈1,0 M⊙
Gesamtmasse: M≈2,2 M⊙=4,38×10^30 kg

Abstand der Sterne
Keplers 3. Gesetz:

a^3 = G (M1 + M2) P^2/4π^2

Setzen wir die obigen Werte ein ergibt sich der Anstand a = 1,34×10^11m Das entspricht etwa 0,9 AU (etwa Erde–Sonne-Abstand).

Umlaufgeschwindigkeiten
Die Komponenten bewegen sich um den gemeinsamen Massenschwerpunkt.
Die Umlaufgeschwindigkeit (kreisförmig angenommen) ergibt sich zu:
v=2πr/P

Da die Masse des Roten Riesen geringer ist, bewegt er sich langsamer als der Weiße Zwerg. Für den Weißen Zwerg, der näher am Schwerpunkt
liegt, ergibt sich z.B. (angenommen r1≈a * M2/(M1+M2)

r1≈1,0/2,2 * 1,34×10^11≈6,09×10^10 m

und somit

v1 = 2πr1/P ≈ 2π * 6,09×10^10 m/1,965×10^7s ≈19,5 km/s

für der Roten Riesen ergibt sich entsprechend v2 ≈ 16,3 km/s

Maximaler Wellenlängenshift
Dieser ergibt sich aus:
Δλ=λ* v/c

mit v = v1, λ=656,28 nm (Hα) und c der Lichtgeschwindigkeit ergibt sich Δλ≈±0,043 nm
Wir beobachten T CrB allerdings unter einem Inklinationswinkel von 67°. Berücksichtigen wir dies
so ergibt sich für v = sin(67°) * v1 = 17,96 km/s und damit

Δλ≈±0,039 nm insgesamt also ein Shift von maximal 0,078 nm.


Laut ChatGPT (=Quelle des Plots und der damit verbundenen Berchnungen) ergibt sich für meine beiden Beobachtungen die folgende Situation:
1752629808741.png

Tatsächlich lagen die Beobachtungen nahe der optimalen Bewegungsrichtungen auf uns zu bzw. von uns weg und somit eribt sich nahezu der maximale Wellenlängenshift. In Summe ergibt sich dieser zu 0,0768 nm was verblüffend gut mit dem beobachteten, oben dargestellten Shift von 0,08 nm übereinstimmt.

Das ist fast zu gut um wahr zu sein? :unsure:

Freue mich über eure Kommentare, Anregungen, Kritik zu den obigen Überlegungen.

CS
Christof
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo zusammen

@gateway : Vielen Dank für deinen Kommentar, allerdings ist das "Kino" vermutlich noch nicht ganz sooo groß. ;)

Ich habe mir weitere Gedanke zu obigem Ergebnis gemacht, weitere Daten einbezogen und die Info von ChatGPT hinterfragt

Als erstes habe ich mich gefragt ob der von ChatGPT dargestellte Zeitpunkt der unteren Konjunktion, der Moment in dem die in unsere Sichtrichtung verlaufende Geschwindigkeitskomponente bzw. der Doppler-Shift zu 0 wird, auch mit modernen Beobachtungen übereinstimmt?
Laut ChatGPT lag dieser Zeitpunkt 51,4 d vor meiner Beobachtung am 14.07.25 und somit am 23.5.2025.
Schaut man nach aktuellen Forschungsergebnissen so findet man das Paper das @mkoenig66 in einem seiner letzten Beiträge verlinkt hat bzw. darin das Datum
(Julianisches Datum) 2455825.44 (2011-09-20 22:33:36) einer unteren Konjunktion im Jahr 2011.
Rechnet man ab diesem Datum wie folgt To = 2455825.44 + n * 227.58 HJD, wobei n die Anzahl der Umläufe die seit dem vergangen sind so kommt man zum 05.06.2025 als Datum der letzten unteren Konjunktion und den 07.03.2024 der vorletzten.

Weiter habe ich versucht die Absorptionslinie zu identifizieren anhand derer ich die Messungen vorgenommen habe. Unter Berücksichtigung der Radialgeschwindigkeit von T CrB müsste es sich um eine Absorptionslinie mit einer Laborwellenlänge im Bereich zwischen 667,2 nm un 657,3 nm handeln. Eine Suche in der NIST Datenbank ergab die Ca I Linie bei 657,278 nm. Diese kommt in kühlen Sternatmosphären vor was auf die Atmosphäre des Roten Riesen als wahrscheinlichen Ursprung schließen lässt.

Neben den beiden bisherigen Beobachtungen am 23.7.2024 und 14.07.205 habe ich eine weitere vom 23.5.2025 mit einbezogen.

Somit existiert nun folgender Datenstand:
- Datum untere Konjunktion: 07.03.2024
- Periode: 227.58
- Beobachtete Linie wahrscheinlich Ca I in der kühlen Atmosphäre des Roten Riesen
- Laborwellenlänge 657.278 nm ->mit Radialgeschwindigkeit -27,79 km/s ergibt sich eine "Beobachtete" Wellenlänge von 657,278 nm
Hier besteht noch eine Unsicherheit ob die korrekte Linie identifiziert wurde. Ich werde die Messungen an weiteren, stärkeren, leichter
identifizierbaren Linien durchführen.
- 3 Beobachtungen:
Datum Uhrzeitλ [nm]
bei Min Flux
Δλ [nm] zu Ca I Linie
in RG Atmosphäre
23.07.2024 01:15657,1810,0361
23.05.2025 02:21657,2050,0121
14.07.2025 22:56657,263-0,0459

T-CrB_20240723_20250714-shift-3.jpg

Der kontinuierliche Anstieg der Intensität der Ha Linie ist gut zu erkennen, wie auch der Doppler-Shift.

Mit all diesen Information ergibt sich ein neues Bild.
T-CrB_Lambda-shift.jpg

Da der Rote Riese mit etwas geringerer Geschwindigkeit um den gemeinsamen Massenschwerpunkt läuft ist der maximale Doppler-Shift etwas geringer als beim Weißen Zwerg (Siehe jeweilige Amplitude der beiden Sinusfunktionen). Der maximal mögliche Doppler-Shift am Roten Riesen beträgt nur 0,066 nm.

Das beobachtete Δλ (in Orange) am 23.7.2024 und 14.7.2025 passen zum jeweiligen Ausschlag des Modells jedoch weichen die Werte deutlich vom jeweils modellierten Wert (blaues Kreuz) ab. Nur am 23.5.2025 stimmen der gemessene Werter gut mit dem Modell überein.
Der Shift zwischen dem Datenpunkt vom 23.7.2024 und 14.7.2025 beträgt laut Modell 0,049 nm beobachtet wurden 0,082 nm.

Soweit zum aktuellen Stand. Weitere Beobachtungen sind geplant, sowie die Auswertung anhand anderer Linien.

Freue mich weiter über Kommentare, Anregungen und Kritik.

CS
Christof
 
Hi Chris,

klasse Daten und sehr interessante Einblicke "in die Scheibe" - oder in das "Hin-und-Her der Emissionsregion". :y::y:

Durch den immer länger werdende Beobachtungszeitraum, kann man die Orbitalphase recht gut abtasten und somit auch Rückschlüsse ziehen, wo denn nun die Emissionsregion oder Regionen liegen. Hats du einmal deine Werte mit der Aras Spektren vergleichen? Da gibt es auch einige Ha-Linien mit ähnlich hoher Auflösung.

Ich habe diese Woche auch wieder ein Spektrum erstellt, und werde dazu diesen Wochenende etwas posten.

Schöne Grüsse,
Michael
 
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