Nebelsprint am 25. August 2025

StKorth_privat

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Perfekter Vorstadt-Deep-Sky-Himmel bedeutet bei mir in Meerbusch: Fleckige, verwaschene Milchstraße vom Adler bis in die Cassiopeia, fast durchgängig sichtbar. Klingt nicht spektakulär, ist aber für mich schon etwas Großes, ich wohne halt nun einmal 17 km vom Düsseldorfer Stadtzentrum entfernt am Westrand des größten Ballungsraumes in Mitteleuropa. Nebelbeobachtung geht trotzdem!

Weil wir über das Wochenende meine Nicht mit Familie zu Besuch hatten, konnte ich erst nach Mitternacht mit der Beobachtung starten. Da hatte ich auch keinen Nerv, den Dobson in den Garten zu rumplen, stattdessen einfach nur den 60/360mm-Mini-Apo geschnappt, 31mm-Nagler + H-beta-Filter in Okularauszug – und ab mit dem Fotostativ in die dunkle Nacht.

Segen und Fluch zugleich, trotz meiner Gartenaktivitäten in den letzten zwei Wochen steht nach natürlich immer noch viel Gebüsch und Baum um meinen Beobachtungsplatz herum. Aber: Das hält mir auch den letzten Rest nachbarliches Streulicht vom Leib.

Zu Anfang gibt es wieder die Gamma Cygni – Region, was also geht mit dem Refraktorzwerg heute?

IC 1318 B und DWB 81 direkt östlich von Sadr: Sofort als knollige, längliche Nebel gesehen, der östliche Balken ist noch etwas leichter. Auch die Dunkelwolke LDN zwischen den beiden kann man wahrnehmen.

Westlich von Sadr geht´s dann auf (von Norden nach Süden, das gilt auch für die relativen Helligkeiten) IC 1318 A, DWB 59 und DWB 35/41 sind indirekt sofort zu erkennen. Die Dunkelwolke B 343 kann ich leider nicht ausmachen. Alle Nebelkonturen sind verwaschen und ohne weitere Struktur.

Südlich von Sadr dann DWB 34 – ist indirekt ebenfalls fast sofort sichtbar, etwas fleckig.

Über Nordamerika- und Pelikan-Nebel rutsche ich nur herüber, mein Hauptaugenmerk gilt IC 5068 südlich vom Pelikan. Es dauert etwas, aber dann schält sich dieser Nebelkomplex als längliche, ganz leicht fleckiger Balken aus dem Hintergrund hervor.

Für´s Erste mache ich einen Haken an die Regionen des Schwan, die nächste Runde im Sternbild gilt dann vielleicht noch ein paar PNs und Sternhaufen, dass dann aber wieder mit dem Dobson.

Auf geht´s in den hohen Norden – Cepheus! Dummerweise wandert das Sternbild gerade durch den Zenit, das macht das Starhopping per azimutaler Montierung zu einem Krampf. Dazu dann noch das seitenverkehrte Bild im Zenitspiegel – ich bin gernevt!

Aber dann …. IC 1396 steht im Feld, knappe 2 Grad groß und sofort auch direkt sichtbar – so schön hatte ich ihn noch nie! Man sieht eine unregelmäßige und rundliche Kontur, der Nebel selber ist ziemlich fleckig. Ein einfaches Objekt!

Und dann? Eine Premiere – Sharpless 132 an der Grenze zum Sternbild Eidechse, bekannt auch als Löwennebel. Im Deep-Sky-Atlas wird OIII-Befilterung empfohlen, ich bleibe aber erst einmal beim H-beta-Filter – sofort erkannt! Der längliche Nebel hebt sich deutlich von den Sternwolken der Milchstraße ab.

Zum Abschluss noch ein Hüpfer zu NGC 281 – schon ein alter Bekannter auch im Dobson, im Refraktor ebenfalls ziemlich einfach zu sehen als leicht rautenförmiger Nebel mit aufgehelltem Kern. Auch da werde ich noch einmal einen OIII-Blick riskieren – nächstes Mal…

Was bleibt, das ist die Erkenntnis, dass man sich mit passender Befilterung auch unter Bortle 5-6-Himmel an ausgedehnte Emissionsnebel trauen darf. Das fette Nagler-Okular wirkt ein wenig wie ein Overkill an dem kleinen TS-Apo, aber das riesige Feld und die irrsinnig scharfen Sterne machen Spaß.

Clear Skies,
Stefan Korth
 
Hallo Stefan,

und besten Dank für Deinen inspirierenden Beobachtungsbericht!

So, wie bei Dir, ist auch bei mir der Löwennebel an der Kante Cepheus/Lacerta mein Lieblingsobjekt der Saison. Stark gefiltert, ich erkenne die Form eines großen Hantels.

Die Post-Perseiden Nächte boten hier in Erlanger Oberland hin und wieder erstaunlich gute Vistas. Es ging mir darum, einige Sharpless-Nebel wieder einmal zu besuchen und das ist auch gelungen.

Liebe Grüße,
Jiri
 
So, wie bei Dir, ist auch bei mir der Löwennebel an der Kante Cepheus/Lacerta mein Lieblingsobjekt der Saison. Stark gefiltert, ich erkenne die Form eines großen Hantels.

Die Post-Perseiden Nächte boten hier in Erlanger Oberland hin und wieder erstaunlich gute Vistas. Es ging mir darum, einige Sharpless-Nebel wieder einmal zu besuchen und das ist auch gelungen.

Liebe Grüße,
Jiri

Freut mich, dass es Dir gefallen hat, Jiri! Sehe ich das richtig, dass Du da hauptsächlich mit einem 6"-Achromaten auf der Sharpless-Jagd bist?

CS,
Stefan Korth (dessen älteste Nichte in Marloffstein wohnt ;-) )
 
Hallo Stefan,

auch von mir ein Dank für den schönen Bericht. Schön, dass Du den Nachweis erbringst, dass die ausgedehnten Nebel gerade mit kleinem Gerät interessant sind, denn sie brauchen weder Vergrößerung noch Öffnung, sondern Feld und Austrittspupille.

Deine Transparenz muss sehr gut gewesen sein. Einige der genannten DWBs konnte ich noch nie in H-Beta unter Vorstadthimmel knacken, ebenso den Löwennebel Sh 132 nicht. Als Ersatz für Sh 132 habe ich mir angewöhnt, die physikalisch damit zusammenhängenden Objekte Berkeley 94 und RW Cep anzuschauen. Mit diesen sehe ich jedenfalls Teile von Cep OB1 und habe dadurch das Gefühl, Sh 132 irgendwie auch besucht zu haben. Für RW Cep reicht ein Feldstecher. Berkeley 94 zeigt bei mittlerer Vergrößerung eine interessante Pfeilspitzenform und wird gerade in Verbindung mit dem nahe stehenden RW Cep visuell attraktiv.
Siehe meine/unsere (Freunde der Nacht) Behandlung von Cep OB1 hier.

Meine beste Sichtung von B 343 im Hals des Schwans war mal mit einem 10-Zöller bei mittlerer Vergrößerung plus Baader UHC-S damit der Dunkelnebel richtig dunkel wurde unter meinem aufgehellten Himmel. Mit H-Beta murkst Du die Sterne ab, die Du jedoch brauchst um den Dunkelnebel abzugrenzen. Ich denke, dass es bei B 343 mehr Erfolg verspricht, den Dunkelnebel gegen das Sternumfeld abzugrenzen als gegen das Nebelumfeld. Vielleicht eine letzte Aufgabe für Dein 12-Zöller im heurigen Schwan?

Beste Grüße, Christopher
 
Danke für die nette Rückmeldung, Christopher! Ja, Euren BafK-Beitrag hatte ich dann hinterher auch auf dem Schirm, da war ich dann doppelt happy, den Löwen-Nebel erwischt zu haben. Da gehe ich so oder so noch einmal dran, auch mit dem 12-Zöller - denn auch eine Sternhaufenrunde plane ich natürlich wieder ein. Der Hinweis zu B 343 ist spannend, aktuell wird mein UHC-Filter sträflich vernachlässigt...
Nun ist der Urlaub vorbei, es steht wieder ein Trip an meinen Dresdner Arbeitsplatz an, Termine und dann auch der Mond - also blicke ich da schon Richtung Herbsthimmel...

CS,
Stefan Korth
 
Freut mich, dass es Dir gefallen hat, Jiri! Sehe ich das richtig, dass Du da hauptsächlich mit einem 6"-Achromaten auf der Sharpless-Jagd bist?

CS,
Stefan Korth (dessen älteste Nichte in Marloffstein wohnt ;-) )
Hallo Stefan,

mein 6" F/5 ist immer noch das Rennpferd in meinem kleinen Equipment.

Seit kurzer Zeit komplettierte ich das kleinere und händlichere Leica Telyt R 100mm F/5.6 zu einem Fernrohr, und hier ist mein letzter Bericht, diesmal über Sh2-88,
Beitrag #9 in https://www.cloudynights.com/topic/973254-sh2-88-lbn-137-139/

Sonst, ich starte immer mit dem alten 15x85 BA8 Fernglas und dann gehe ich über zu dem Leica 4", oder Sky-Watcher 6" .

Danke für Deine lieben Worte,
Jiri
 
Re: Marloffstein

Hallo Stefan,
solltest Du Deine älteste Nichte in Marloffstein besuchen wollen, dann komm mal vorbei. Marloffstein sehe ich von uns aus am Horizont.

LG,
Jiri
 
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