8'' f/4 mit gutem Komakorrektor für Beobachtung von Deep-Sky-Objekten besser als f/5?

epsTau

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Servus, der Himmel über Norddeutschland ist nass und grau, der Mond über dem Gewölk wird immer heller, vielleicht ein guter Augenblick, um eine kleine Frage loszuwerden…: Zahlt sich für die genussvolle Beobachtung mit einem 8'' Newton der Lichtstärkevorteil eines f4 mit einem guten Komakorrektor aus, was den Detailreichtum/die Bildqualität bei Deep-Sky-Objekten gegenüber einem 8“ f5 angeht? Ich weiß, die Suche nach einer eierlegenden Wollmilchsau, die Beobachtung und Fotografie gleichermaßen gut wuppt, wird in der Regel mit dem Daumen nach unten beantwortet. Bislang wurden mir für den Schwerpunkt Beobachtung f/5 empfohlen, da einfacher handhabbar. Aber ich habe bislang noch keine überzeugende Meinung zu dem Thema visuelle Qualität gefunden, was die Kombi f4/Komakorrektor für die Beobachtung angeht. Es gibt neue Carbon-Tuben von TS (f 3,94) und Omegon (Pro Astrograph), sehr handlich für den mobilen Einsatz sind und auf leichte Montierungen passen. Hier schreibt ein Wiedereinsteiger, der hadert mit einer Entscheidung für eine neue Ausrüstung... CS, Ulf
 
Zahlt sich für die genussvolle Beobachtung mit einem 8'' Newton der Lichtstärkevorteil eines f4 mit einem guten Komakorrektor aus, was den Detailreichtum/die Bildqualität bei Deep-Sky-Objekten gegenüber einem 8“ f5 angeht?
Was sich an f4 und f5 gleichermaßen lohnt (meiner Meinung nach) ist der Komakorrektor, mir macht schon ein f5 Newton ohne KK nur bedingt Spaß...

Visuell ist die "Lichtstäre" egal, die Austrittspupille bestimmt die Bildhelligkeit und die ergibt sich aus der Kombination Teleskop + Okular. Die kürzere Brennweite des f4 ermöglicht schönere Weitfeldbeobachtungen bei sehr niedriger Vergrößerung bei einer AP die größer ist als die Pupille des eigenen Auges verschenkt man halt etwas Licht. Niedrigere Obstruktion und damit ein kontrastreicheres Bild ermöglicht ein f5...f6 Newton, da wirst Du einen sinnvollen Kompromiss finden müssen je nach Anspruch mehr Foto, mehr Visuell oder eher ausgewogen...?

Viele Grüße Felix
 
Hi
die Frage ist so nicht zu beantworten, weil besser zu pauschal ist.
F/4 muß höher obstruiert werden, hat also einen Kontrastnachteil. Dafür bietet es mehr wahres Feld.
Es wäre transportabler , etwas leichter zu montieren aber als Dobson sehr niedrig.
Komakorrektor kann man bei f/4 in Betracht ziehen, auch wenn man mit sehr guten Okularen aber ohne KK nicht augenkrank wird.
Da wir in beiden Fällen über ein so großes mögliches wahres Feld verfügen, dass ohnehin fast alles reinpaßt, ist visuell die f/5
Variante in Summe universeller.
Eben deswegen habe ich meinen 8f/4 verkauft und letztlich aus dem f/5 einen Reisedobson gebaut.
cs
 
Hallo ,
wie schon andere gesagt haben, visuell bei DeepSky ist die Lichtstärke nahezu unwichtig, nur die Öffnung zählt

Der einzige sinvolle Grund für einen f4 Newton rein visuell ist m.E ist die kurze Baulänge also die Platzfrage bei mobilen Einsatz.
Ich meinem VW Polo passte damals gar nichts anderes rein, also Auswahl Newton f4 .
Inzwischen habe ich zusätzlich einen Dobson für den mobilen Einsatz im Portefolio und ich habe einen Golf Kombi mit viel Platz. ( aber das f4 Teleskop verkaufe ich trotzdem nicht)

Ausserdem hat ein solcher f4 Newton zwar den Vorteil des Weitwinkel-Effekts, aber das bedeutet of eine AP von 4 bis 8 mm, welche man bei Lichtverschmutzen Himmel dann aber gar nicht nutzen kann (grauer Himmelshintergrund) , es sei denn mit OIII Filter.

Ansonsten kommt bei mit oft eine Barlow zum Einsatz (und kein Komakorrektor) , weil mir sonst "unten" die Okulare ausgehen , weil kleiner als 4 mm Okulare habe ich nicht. ( und gibts auch nur schwer zu kaufen)
Fazit : Newton f4 rein visuell würde ich nur mobil empfehlen und bei dunklem Himmel.
Ansonsten lieber was völlig anderes kaufen.

Gruss
Markus
 
Niedrigere Obstruktion und damit ein kontrastreicheres Bild ermöglicht ein f5...f6 Newton, da wirst Du einen sinnvollen Kompromiss finden müssen je nach Anspruch mehr Foto, mehr Visuell oder eher ausgewogen...?
F/4 muß höher obstruiert werden, hat also einen Kontrastnachteil. Dafür bietet es mehr wahres Feld.

Danke für eure Antworten, Felix und Deepsky Brothers! Eine Frage dazu: Die Obstruktion wird, soweit ich verstanden habe, nicht durch die Lichtstärke, sondern die Größe des Fangspiegels bestimmt. Oder hast du den Satz auf die beiden genannten neuen Astrographen bezogen? In dem Fall: klar, die werden mit einem 70mm-Fangspiegel geliefert. Aber was wäre, wenn zunächst ein 58mm-Fangspiegel in einem f/4 200/800 verbaut würde - mit der Option, ihn, wenn der Schwerpunkt sich auf Astrofotografie verlagert, dann durch einen größeren zu ersetzen? Es gibt ja die (leider "etwas" teureren) ONTC von TS, bei denen man die Hauptspiegelposition je nach Fangspiegelgröße anpassen kann. Meine Frage der Fragen ist: Kitzelte die Kombi mit einem 58er, guten Tele-Vue-Objektiven und evtl einem entsprechenden Komakorrektor mehr Bilddetails im Deep Sky beim Beobachten raus als ein f/5? Lohnt sich das? Wenn nicht, überlege ich, mich eventuell für eine einfachere f/5 Variante eines 8", bei der ich das Geld, dass ich dann auch wohl zunächst bei der Montierung sparen würde, wenn sie nicht potentiell auch für Astrofotografie taugen soll, lieber in sehr gute Okulare investierte und dann später einfach eine neue Kombi kreierte. Ist natürlich alles auch eine Geldfrage, logo. Aber das, ohne Krösus zu sein, wäre weniger das Problem. Ich warte schon lange auf diesen Moment und möchte ihn genießen. Wenn ein Aufbau über einen teuren 8" funktioniert, der wirklich extrem gut verarbeitet ist, dann reizte mich das auch, was die Schönheit des Gerätes selbst betrifft. Für mehrere Teleskope fehlt mir zudem im Augenblick einfach der Platz in Berlin... in dessen Nähe es zum Glück einige der dunkelsten Himmel im Lande gibt, die man in einer auch weniger als einer Stunde gut im Auto erreichen kann. Fragen über Fragen...
wie schon andere gesagt haben, visuell bei DeepSky ist die Lichtstärke nahezu unwichtig, nur die Öffnung zählt
Danke auch dir, Markus. Deinen ersten Satz allerdings verstehe ich nicht, sorry... die Lichtstärke wird doch durch die Öffnung bestimmt. Je größer der Fangspiegel, der einen Teil des Hauptspiegel verdeckt, je mehr sinken Kontrast und Lichtstärke. Immerhin scheinst du deinenNewton f4 ja zu mögen ;) Was sagst du zu der f4-Variante mit einem zunächst kleinen Fangspiegel von 58mm? Gut oder nicht gut?

Liebe Grüße an alle, Ulf
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Ulf,


der Hinweis bzgl. der Obstruktion ist nicht auf bestimmte Geräte bezogen sondern ergibt sich aus der Geometrie des Strahlenganges: beim f4 ist der kürzer und "stumpfer" als bei f6 oder langsamer das bedeutet dort wo das Licht seitlich ausgelenkt wird braucht der f4 Newton eine größeren Fangspiegel als der F6 mit dem schlankeren Strahlverlauf.

Dazu kommt natürlich wie das konkrete Teleskop ausgelegt ist:: niedrigere Fokuslage und ein kleines ausgeleuchtetes Feld ermöglicht einen kleineren Fangspiegel, eine größere Ausleuchtung bzw. weiter außen liegender Fokus benötigt einen größeren Fangspiegel.

Den Unterschied zwischen einem 58mm und einem 70mm FS wird man nicht sehen, speziell für Planeten und Hochvergrößerung ausgelegte 8"f6 kommen mit 40mm FS daher den Unterschied sieht man dann wenn die Beobachtungsbedingungen mitspielen.

Ansonsten kommt bei mit oft eine Barlow zum Einsatz (und kein Komakorrektor) , weil mir sonst "unten" die Okulare ausgehen , weil kleiner als 4 mm Okulare habe ich nicht. ( und gibts auch nur schwer zu kaufen)
An Newtons verwende ich gerne diese 2,7x Barlow mit Komakorrektur: Komakorrigierende Barlow


Viele Grüße Felix
 
Hi Ulf,

vllt klären wir erst mal ein paar Begriffe.

Öffnungsverhältnis ist die Relation von Hauptspiegel zu Brennweite. Z.B. 200/1000 mm = 1/5 oder f/5
Das wäre dem Begriff Lichtstärke entsprechender und ist letztlich wie die Blende beim Fotografieren.
Hierüber ermittelst Du auch die notwendige Größe von Fangspiegeln.
f/5 heißt, dass das vom HS gesammelte Lichtbündel alle 5 cm Wegstrecke Richtung Fokuspunkt um 1 cm weniger Durchmesser hat.
D.h. z.B. 60 cm über dem HS hat das Lichtbündel vom HS kommend 70/5 cm = 14cm an Durchmesser verloren.
Es ist hier dann 20cm - 14 cm = 6 cm im Durchmesser. Wäre dies die Position des Fangspiegels, so würde
ein 60mm Fangspiegel dort nur im Mittelpunkt 100% Ausleuchtung haben.
Visuell solltest Du aber eine Ausleuchtung von 6-10 mm planen, fotografisch aber je nach Camera viel mehr.
Eine reine numerische Reduzierung des FS kann, daher sogar ein Nachteil werden, wenn sie die konstruktionsbedingte Mindestgröße unterschreitet.
Ein Austausch wenn man von Visuell auf Foto umrüsten will kann man über den entsprechenden FS erreichen.
Die Größe ergibt sich dann aus obigen Hinweise zzgl. der nötigen Ausleuchtung.
cs
A propos Foto, visuell brauchen wir Okulare, fotografisch brauchst Objektive.

Lichtmenge ergibt sich aus den Flächen unserer Lichtsammler und ggf. der Abdeckung durch die Obstruktion.
Das ergibt die Menge des gesammelten Lichtes und damit die Basis für die erreichbare Grenzgröße von Objekten im visuellen.
Da kommen dann aber noch andere Faktoren hinzu. Der Effekt ist weit geringer als man denkt.
Fläche Kreis Pi x r2 - Da wir hier nicht absolut rechnen müssen sondern vergleichen, spielt Pi keine Rolle:
Lichtsammler = 10cm x10cm = 100
FS = 3cmx3cm = 9
Unobstruiert 314cm², Obstruiert 286cm² - das sind keine 10% Lichtverlust

Kontrast dagegen ergibt sich aus dem Durchmesser des Lichtsammlers plus ggf. vorhandene Dimensionen des FS im Strahlengang.
Das Verhältnis von 20 zu 6 cm sind 30%. Für mehr bitte: Daws oder Raleigh Kriterium mal googlen.
 
Hallo Ulf.

Weil es mir beim "Drüberschauen" nicht aufgefallen ist, möchte ich noch auf einen Umstand hinweisen:
die Auslegung auf visuelle Nutzung bedeutet (erst einmal unabhängig vom Öffnungsverhältnis) den Fokuspunkt gerade so weit über den Tubus heraus zu legen, dass man mit den gewünschten Okularen noch in den Fokus kommt... d.h. eher niedrig über dem Tubus / Fokussierer.

Für Fotografie achtet man darauf mit dem beabsichtigen Komakorrektor und einer Kamera in den Fokus zu kommen .... dafür ist es in Regel notwendig den Fokuspunkt wesentlich höher über den Tubus zu legen.
Dafür sind eigentlich die zusätzlichen Bohrungen in der Tubuswand für die HS Halterung gedacht.

Was jetzt zusätzlich einen größeren Fangspiegel erfordert, weil der Strahlenkegel näher am Hauptspiegel umgelenkt wird.
Hinzu kommt die gewünschte Ausleuchtung des Kamerasensors - das bedingt ebenfalls wieder den FS dafür groß genug zu wählen.

Um für visuell einen kleinen FS verwenden zu können macht es Sinn auch den HS etwas nach hinten zu versetzen, und darauf zu achten dass der Fokuspunkt für die Okulare passt, ohne große Verlängerungen zw. OAZ und Okular.

Bei der Fotografie heißt das dann wieder HS nach vorne und größeren FS rein .... :-( .

Oder man lebt mit der größeren Obstruktion als Kompromiss....
Wobei Der bei schnellen Öffnungsverhältnissen noch etwas ungünstiger ausfällt.
Zusätzlich zur anspruchsvolleren Justage.

VG Hermann
 
Danke auch dir, Markus. Deinen ersten Satz allerdings verstehe ich nicht, sorry... die Lichtstärke wird doch durch die Öffnung bestimmt. Je größer der Fangspiegel, der einen Teil des Hauptspiegel verdeckt, je mehr sinken Kontrast und Lichtstärke. Immerhin scheinst du deinenNewton f4 ja zu mögen ;) Was sagst du zu der f4-Variante mit einem zunächst kleinen Fangspiegel von 58mm? Gut oder nicht gut?

Liebe Grüße an alle, Ulf
Hallo Ulf,
Lichtstärke ist ein anderes Wort für Blendenzahl, also hier f4 . Fotografisch ist das wichtig ( siehe Werbung für Kameraobjektive), in der visuellen Astronomie egal, weil nur die Öffnung / Durchmesser vom Spiegel über die Sterngrenzgrösse entscheidet .
58 mm Fangspeigel ==> keine Ahnung , mein Telekop hat 70 mm und es funktionert für MICH gut genug

Aber : Obstruktion bei Deepsky ?? Eher unwichtig bei einem DEEP-SKY Teleskop , weil das sieht man vor allem am Planeten , und dafür taugt ein f4 Newton ohnehin nicht besonders.

Hier mal Jemand der davon mehr Ahnung hat als ich :
link

Ja ich mag meinen f4 Newton aber :
Nochmal meine Empfehlung , ich sehe nur 2 sinnvolle Gründe für den Kauf eines f4 Newton :
a) Visuelle Beobachtung und Platzprobleme lösen
b) Fotografie mit hoher Lichtstärke

Trifft das auf dich zu ? Wenn nein, dann lieber etwas anderes kaufen .
Die Idee mit dem Universalteleskop taugt nicht viel .

Es gibt auch ziemliche Nachteile :
a) Randunschärfe , welche teuere Okulare erfordert ( auch der Komakorrektor rettet nicht immer)
b) Kollimierung schwieriger als bei f5
c) Obstruktion hoch, d.h Planetenbeobachtung ist eher unerfreulich.
d) Verlängerungshülsen nötig, weil der Schärfepunkt weit draussen vom Tubus entfernt ist ( für Fotografie ist das erfoderlich)

Praktisch 99 % aller käuflichen f4 Newton sind auf Fotografie optimiert egal ob der Newton nun 600 Euro kostet oder 3000 .

Visuell optimierte f4 Newton gibt es nur in der Dobson-Welt und dann auch eher als Selbstbaúlösung .

Gruss
Markus
 
Hallo Felix, Deepsky Brothers, Hermann und Markus, habt ganz herzlichen Dank für eure geduldigen, ausführlichen und sehr guten Erklärungen, hilfreiche Orientierungspunkte auf meiner Reise zu einer passenden neuen Ausrüstung ;-)

Ja, Mobilität und Platz sind wichtig für mich, und nein, Astrofotografie via Newton ist zwar ein Wunsch, dem ich früher oder später wohl erliegen werde, aber - noch - nicht als Schwerpunkt geplant, dazu fehlt mir im Augenblick die Zeit.

Die, die ich habe, möchte ich vorwiegend dazu nutzen, um durch den Newton schauend stressfrei und mit maximalem Genuss durchs samtig glitzerndes Endlosfunkeln zu reisen. Da habe ich vor längerer Zeit mit einem (damals noch orangefarbenen...) C8 und einem 25-cm-Selbstbau-Schiefspiegler, die in einer kleinen Sternwarte in der niedersächsischen Tiefebene standen, aufgehört, da möchte ich jetzt wieder anknüpfen, natürlich mit mehr Licht und weniger Gewicht.

Eure Hinweise zu Obstruktion, FS- und HS-Lage, Fokuspunkten, Lichtstärke, Rand(un)schärfen, Komakorrektoren und Deep Sky haben mir sehr geholfen, mich neu zu orientieren und weiter einzufuchsen ins Thema.

Das Projekt f4 habe ich erst mal geparkt. Ich werde mir Gedanken über eine f5-Kombi für 8" mit guten Okularen (sind ja schon teuer genug...) machen und noch mal neu die Variante Dobson beleuchten, ggf dann etwas größer als 8" und mit Nachführung zum Beobachten, wobei die Kilos da ja auch sehr schnell mitwachsen. Aber auf den Nachführkomfort möchte ich nicht verzichten. Parallel dazu wächst die Astrofotografie bereits über eine Skyguider Pro mit guten alten und neuen Nikkor-Optiken sowie einer umwerfenden Nikon Zf mit.

Danke nochmals für eure Beiträge, bin sehr beeindruckt über die große Hilfsbereitschaft, macht viel Spaß, hier zu schreiben und zu lesen!!!

Gruß, Ulf
 
Hallo Ulf

Willkommen auch von mir. Da ich einen Hofheim 800 f/4 Newton besitze und in den fünf Jahren seit der Anschaffung einige spannende Beobachtungsnächte verbracht habe, möchte ich auch noch kurz meine Erfahrung und den Vergleich zum f/5 hier einbringen.
Das Wesentliche ist ja bereits geschrieben.

Für visuelle Deep-Sky-Beobachtung bringt m.E. ein 8" f/4 gegenüber f/5 keinen Helligkeitsvorteil pro Flächeneinheit, wenn Du mit demselben Austrittspupillen-Wert beobachtest. Der reale Vorteil von f/4 ist die grössere, maximal wahre Gesichtsfeldbreite. Der Preis dafür ist eine extrem genaue Kollimation (da verzeiht Dir f4 keine Ungenauigkeiten), das empfindlichere Fokussieren, die grössere Fangspiegel-Obstruktion (minimal schlechtere Planeten-Kontraste) und der Bedarf an sehr guten Okularen (TeleVue). Eventuell wäre noch eine hochwertige Koma-Korrektur in Betracht zu ziehen (wobei ich bei meinem Hofheim 800/f4 bisher diese nicht vermisst habe). Dazu noch ein sehr dunkler Nachthimmel mit wenig Dunst (ich bin fast nur auf über 1000m in den Alpen unterwegs), was dann perfekte Bedingungen ergibt.

Wenn Du diese Punkte im Griff hast ist 8" f/4 im Deep-Sky-Einsatz hervorragend und Planeten bleiben in der Abbildung immer noch sehr gut, nur in der absoluten Feinzeichnung des Kontrasts hat ein schlankes f/5 mit kleinerer Obstruktion einen leichten (theoretischen) Vorteil.

Antares hat das Technische bereits perfekt erklärt.

Die Flächenhelligkeit eines ausgedehnten Objektes im Okular hängt nun mal primär – bei visueller Beobachtung – von der Austrittspupille ab und nicht direkt vom Lichtstärke-Verhältnis (f). Bei gleicher Austrittspupille ist die Flächenhelligkeit immer gleich. Ein f/4 liefert mit dem gleichen Okular die grössere Austrittspupille als ein f/5.

Die kürzere Brennweite des f/4 gibt Dir bei gleicher Feldblende ein weiträumigeres wahres Gesichtsfeld, was z.B. ideal für grosse ausgedehnte Nebel ist.

Nur mal als Beispiel:

8» f/5 mit 1000mm Brennweite ergeben ein TFOV – 57.3 x 46 / 1000 = 2.64°

8» f/4 mit 800mm Brennweite ergeben ein TFOV – 57.3 x 46 / 800 = 3.30°

Was die Obstruktion betrifft, so mindert diese zwar effektiv die Fläche, was einen Lichtverlust ergibt, jedoch ist diese Differenz aus meiner Sicht für Deep Sky vernachlässigbar. Irgendwo bewegen wir uns hier zwischen 25 und 30% linearer Obstruktion, was eben nur wenige Prozente an Lichtverlust effektiv ausmacht.

Was die Schärfentiefe betrifft, so ist ein f/4 doch merklich ‘nervöser’ als ein f/5.

Was die Fangspiegelgrösse betrifft, so benötigt ein f/4 für das gleiche ausgeleuchtete Feld einen etwas grösseren FS als ein f/5. Wenn du viel Wert auf Planeten legst, so kann der f/5 auf Grund seines besseren mittelfrequenten Kontrast und der minimal grösseren Obstruktion die bessere Wahl sein. Für DS ist das aber vernachlässigbar.

Mein Fazit:

Legst Du den Fokus auf DS und hast perfekte Beobachtungsbedingungen, dazu sehr gute Okulare und kollimierst Deinen f/4 perfekt und Du passt Deine Okularwahl Deiner Augenpupille entsprechend an, so bist Du mit einem f/4 sehr gut ausgerüstet. Eine Koma-Korrektur kann Dir ebenfalls noch von Vorteil sein, wobei ich ohne diese sehr gute Beobachtungsergebnisse erziele. Meine Erfahrung mit meinem f/4: sehr schöne und klare Weitfeldansichten, DS für das was mit einem 800mm Newton möglich ist, sehr gut und auch die Planeten (vor allem Jupiter und Saturn) sind sehr gut und detailreich zu sehen.

Wenn Du es unkomplizierter willst, was die Kollimation betrifft, und mit normal guten Okularen beobachten möchtest, die auch weniger das Budget strapazieren, so ist sicher der f/5 die bessere Wahl.

Da Du in Norddeutschland wohnst, wo es doch mehr Luftfeuchtigkeit gibt und auch Dunst, würde ich mich eher auf den f/5 fokussieren.

Was die Okulare betrifft, so würde ich hier, wenn das Budget entsprechend gross ist, nicht sparen. Wie heisst es so schön bei den Hobby-Astronomen: Die Teleskope wandeln sich, die Okulare bleiben.;)

CS Thomas
 
Hallo Thomas,

habe besten Dank für dein herzliches Willkommen und deine ausführlichen Erläuterungen, die die vorherigen wunderbar ergänzen!

Auch wenn ich gern das etwas größere Gesichtsfeld des f/4 genossen hätte, bin ich inzwischen wie ihr davon überzeugt, dass sich hier oben im Norden und für meine jetzigen Bedürfnisse ein f/5 besser macht und ich damit auch leichter zurechtkommen werde.

Ich habe mir eine Ausrüstung um einen TS Photon zusammengestellt, die auch deinen Tipp nach (sehr) guten Okularen beherzigt, ganz im Sinne deines letzten Satzes.

Schlucken musste ich zwischendurch mal kurz, als ich im Netz auf der Suche nach detaillierteren Fakten zur Austrittspupille irgendwo las, wie deutlich doch der unvermeidliche Zellabbau zu einer Abnahme der Dunkeladaption beiträgt... ich hätte vielleicht doch etwas früher wieder einsteigen sollen, um die volle herrliche Helligkeit von ausgedehnten Großfeldbeobachtungen genießen zu können. Aber ich habe inzwischen auch das im Minimalvergrößerungsbereich des Okulars tolerant und uneitel mit eingeplant - und keine Sorge, dennoch voll auf meine Kosten zu kommen.

Lebte ich noch bis vor einiger Zeit in Bayern – und verlockend dunklen Firmamentsgestaden mit Gebrigsseeing wenigstens virtuell auf Frauenkirchenhöhe in Sichtweite näher, hat es mich dann tief in den Osten verschlagen, dorthin, wo es dummerweise am hellsten ist. Aber ich war überrascht, als ich entdeckte, das man gar nicht weit davon im Nordwesten in einer Finsternis landen kann, die - abzüglich des Haveldunstes - sich nicht vor der alpinen zu verstecken braucht.

Der Mond nimmt wieder ab, die Dunkelheitsphase ergo zu, bin im Urlaub... und kann das funkelnde First-Light-Fest kaum abwarten.

Danke nochmals für deine ausführliche Betrachtung, die mich noch mehr ermuntert hat!

CS, Ulf
 
Hallo,
was mir eben einfällt: mit einem Gerät von, sagen wir F/6 oder 8 tut man sich okularmäßig leichter, oder liege ich da verkehrt ???

Gruß Günther
 
Hallo Günther,

ich will hier den erfahrenen Experten nicht vorgreifen... Aber nach all dem, was ich dazu gerade verstärkt gehört und gelesen habe, liegst du richtig. Die lichtstarken Newtons sind anfällig für Koma & Ko (Astigmatismus), das vor allem durch sehr gute und daher sehr teure Okulare (und evtl auch Komakorrektoren) korrigiert werden muss. Der Preisunterschied zwischen gut und sehr gut ist schon happig, das ist meine bescheidene Erfahrung.

Gruß, Ulf
 
Hallo Ulf und Günther,


das ist so wie Günther schreibt wobei ich bei einem 8" die sinnvolle Grenze bei f6 sehe langsamer bekommt man glaube ich gar nicht fertig zu kaufen. Bei den Okularen sieht man halt den kleinen Unterschied zwischen den Top-Okularen und denen die unmittelbar dran liegen vor allem beim 1 zu 1 Vergleich. Ob man diesen geringen Vorteil bezahlen möchte ist dann die andere Frage. Im Hochvergrößerungsbereich wenn es auf Planeten oder Kugelsternhaufen geht merkt man das eher als bei Übersichtsvergrößerung. Da finde ich es eher eine ästhetische Frage wenn im 32mm Oku die Sterne am Rand nicht perfekt sind während beim Planeten Schärfe und Kontrast entscheidend sind.

im Bietebord gibt es einen 8"f5 mit Motorfokus dort lohnt es sich auch mal nach Okularen und weiterem Zubehör zu schauen.

Viele Grüße Felix
 
Die lichtstarken Newtons sind anfällig für Koma & Ko (Astigmatismus), das vor allem durch sehr gute und daher sehr teure Okulare (und evtl auch Komakorrektoren) korrigiert werden muss. Der Preisunterschied zwischen gut und sehr gut ist schon happig, das ist meine bescheidene Erfahrung.
Hi
Koma hat etwas mit dem Öffnungsverhältnis zu tun, Astigmatismus nicht unbedingt.
Komakorrektur kann man bis auf 2 Ausnahmen über Okulare erreichen. Eine, die University Pretoria gibt es neu nimmer und die 2. die
Houdini Okulare sind sehr neu und noch nicht weit verbreitet. Nach ersten Berichten aber brauchbar.
Okulare kosten Geld, inzw. oft auch sehr viel. Aber am Ende ist es eine lohnende Investition. Da hast zig Jahrzehnte von und einen Restwert, ein Paar gleichteurer Ski sind viel kürzer gescheit nutzbar.
Sparen am Okular ist sich selbst um Seherlebnis zu bringen. Da es aber ums Sehen geht, ist das an sich schon ein Widerspruch.
CS
 
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