Hallo Ulf
Willkommen auch von mir. Da ich einen Hofheim 800 f/4 Newton besitze und in den fünf Jahren seit der Anschaffung einige spannende Beobachtungsnächte verbracht habe, möchte ich auch noch kurz meine Erfahrung und den Vergleich zum f/5 hier einbringen.
Das Wesentliche ist ja bereits geschrieben.
Für visuelle Deep-Sky-Beobachtung bringt m.E. ein 8"
f/4 gegenüber
f/5 keinen Helligkeitsvorteil pro Flächeneinheit, wenn Du mit demselben Austrittspupillen-Wert beobachtest. Der reale Vorteil von f/4 ist die grössere, maximal wahre Gesichtsfeldbreite. Der Preis dafür ist eine extrem genaue Kollimation (da verzeiht Dir f4 keine Ungenauigkeiten), das empfindlichere Fokussieren, die grössere Fangspiegel-Obstruktion (minimal schlechtere Planeten-Kontraste) und der Bedarf an sehr guten Okularen (TeleVue). Eventuell wäre noch eine hochwertige Koma-Korrektur in Betracht zu ziehen (wobei ich bei meinem Hofheim 800/f4 bisher diese nicht vermisst habe). Dazu noch ein sehr dunkler Nachthimmel mit wenig Dunst (ich bin fast nur auf über 1000m in den Alpen unterwegs), was dann perfekte Bedingungen ergibt.
Wenn Du diese Punkte im Griff hast ist 8" f/4 im Deep-Sky-Einsatz hervorragend und Planeten bleiben in der Abbildung immer noch sehr gut, nur in der absoluten Feinzeichnung des Kontrasts hat ein schlankes f/5 mit kleinerer Obstruktion einen leichten (theoretischen) Vorteil.
Antares hat das Technische bereits perfekt erklärt.
Die Flächenhelligkeit eines ausgedehnten Objektes im Okular hängt nun mal primär – bei visueller Beobachtung – von der Austrittspupille ab und nicht direkt vom Lichtstärke-Verhältnis (f). Bei gleicher Austrittspupille ist die Flächenhelligkeit immer gleich. Ein f/4 liefert mit dem gleichen Okular die grössere Austrittspupille als ein f/5.
Die kürzere Brennweite des f/4 gibt Dir bei gleicher Feldblende ein weiträumigeres wahres Gesichtsfeld, was z.B. ideal für grosse ausgedehnte Nebel ist.
Nur mal als Beispiel:
8» f/5 mit 1000mm Brennweite ergeben ein TFOV – 57.3 x 46 / 1000 = 2.64°
8» f/4 mit 800mm Brennweite ergeben ein TFOV – 57.3 x 46 / 800 = 3.30°
Was die Obstruktion betrifft, so mindert diese zwar effektiv die Fläche, was einen Lichtverlust ergibt, jedoch ist diese Differenz aus meiner Sicht für Deep Sky vernachlässigbar. Irgendwo bewegen wir uns hier zwischen 25 und 30% linearer Obstruktion, was eben nur wenige Prozente an Lichtverlust effektiv ausmacht.
Was die Schärfentiefe betrifft, so ist ein f/4 doch merklich ‘nervöser’ als ein f/5.
Was die Fangspiegelgrösse betrifft, so benötigt ein f/4 für das gleiche ausgeleuchtete Feld einen etwas grösseren FS als ein f/5. Wenn du viel Wert auf Planeten legst, so kann der f/5 auf Grund seines besseren mittelfrequenten Kontrast und der minimal grösseren Obstruktion die bessere Wahl sein. Für DS ist das aber vernachlässigbar.
Mein Fazit:
Legst Du den Fokus auf DS und hast perfekte Beobachtungsbedingungen, dazu sehr gute Okulare und kollimierst Deinen f/4 perfekt und Du passt Deine Okularwahl Deiner Augenpupille entsprechend an, so bist Du mit einem f/4 sehr gut ausgerüstet. Eine Koma-Korrektur kann Dir ebenfalls noch von Vorteil sein, wobei ich ohne diese sehr gute Beobachtungsergebnisse erziele. Meine Erfahrung mit meinem f/4: sehr schöne und klare Weitfeldansichten, DS für das was mit einem 800mm Newton möglich ist, sehr gut und auch die Planeten (vor allem Jupiter und Saturn) sind sehr gut und detailreich zu sehen.
Wenn Du es unkomplizierter willst, was die Kollimation betrifft, und mit normal guten Okularen beobachten möchtest, die auch weniger das Budget strapazieren, so ist sicher der f/5 die bessere Wahl.
Da Du in Norddeutschland wohnst, wo es doch mehr Luftfeuchtigkeit gibt und auch Dunst, würde ich mich eher auf den f/5 fokussieren.
Was die Okulare betrifft, so würde ich hier, wenn das Budget entsprechend gross ist, nicht sparen. Wie heisst es so schön bei den Hobby-Astronomen: Die Teleskope wandeln sich, die Okulare bleiben.
CS Thomas