Strukturen auf Ganymed visuell im Siebenzöller

Schiefspiegler

Aktives Mitglied
Manche von Euch werden sich an den schönen Bericht von Hubertus in diesem Forum zu seiner Sichtung von Strukturen auf Ganymed und Callisto vor einem Jahr erinnern. Das war für mich einer jener Berichte, die ich stets im Hinterkopf habe ohne allzu viel Hoffnung, je ein solches Erlebnis meinerseits zu haben. Doch gestern war es soweit!

Ich hatte gestern abend mein Takahashi Mewlon 180, ein siebenzölliges Spiegelteleskop des Typs Dall-Kirkham, aufgestellt nachdem ich es ein halbes Jahr lang nicht angerührt hatte. Es galt, damit wieder vertraut zu werden. Die Kollimation erwies sich als gut. So schraubte ich ohne besondere Absichten die Vergrößerung an Jupiter spielerisch hoch.

Bei 240x (TOE 10mm) kein Schärfeeinbruch und recht ruhig, aha! Bei 300x (TOE 7,5mm) immer noch ein gutes Bild. Das Seeing verbesserte sich parallel fortlaufend. Nun wurde ich übermutig und ging auf 435x (TOE 5,5mm). Bei dieser Vergrößerung präsentierten sich alle vier Monde als Scheibchen, Ganymed und Callisto deutlich größer als Io und Europa. Soweit, so schön.

Dann die große Überraschung: Ganymed war auf der westlichen Seite deutlich aufgehellt und ein dunkler Fleck schien leicht aussermittig in der oberen Hälfte zu sein und sich über die Mitte zu ziehen! Albedo-Strukturen auf Ganymed? Kann das sein?

Die Phase von gutem bis hervorragendem Seeing gekoppelt mit guter Transparenz hielt 75 Minuten lang. Ich konnte mich nicht losreissen obwohl die Zehen langsam abfroren. Ich hatte nicht vorgehabt so lange draussen zu bleiben und nicht die dicksten Stiefel angezogen. Doch für ein solches Erlebenis leide ich gerne. Ich konnte die gesehenen Strukturen über eine Stunde hinweg immer wieder eindeutig bei Vergrößerungen zwischen 400x (ZAO-I 6mm) und 600x (ZAO-I 4mm) erkennen.

Ich habe meine besten Okulare hin- und her-gewechselt auf der Suche nach dem optimalen Bild. Daher auch 600x. Manche von Euch mögen darüber schmunzeln. Aber ich sage Euch: selbst 600x war in der Periode besten Seeings um 22:30 herum förderlich! Es war ganz wunderbar, alle vier Monde als in der Größe, Helligkeit und Farbigkeit differenzierte Scheiben zu sehen.

Ein ganz besonderes Erlebnis war es bei 600x im keinen Feld eines Orthos zu verfolgen, wie Ganymed als strukturierte Scheibe aus dem Feld driftete, dann kurz nichts im Feld, dann driftete Callisto als Scheibe herein.

Nach Okularwechsel habe ich jedesmal Castor und die schwachen Sterne in seinem Umfeld besucht um den optimalen Fokus zu finden. Bei dieser Übung war es ein herrliches Erlebnis, die zwei Komponenten des Doppelsterns bei 470x (XO 5,1mm) als ausgestanzte Beugungsscheibchen mit jeweils zwei feine Beugungsringe drumherum zu sehen.

Zusätzlich habe ich nach jedem Okularwechsel Callisto angeschaut um sicherzustellen, dass die gesehenen Strukturen auf Ganymed nicht Artefakte der Optik waren. Waren es nicht! Es ist schon toll was gehen kann wenn alles zusammenkommt. Ich fühle mich wie ein Hobbyangler der einen Riesenkarpfen in seinem Fischteich gesichtet hat von dessen Existenz er bisher nur Ahnungen hatte.

1769023788397.png


Hier ist meine Skizze. Ich habe sie einer - wohlgemerkt nach der Beobachtung angeschauten - Simulation aus Stellarium gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung erinnert sehr an solche, die ich häufig bei Mars anstelle. Es gilt, sich ein wenig weg vom Bildschirm zu stellen und sich einen Schleier passender Dichte über die viel zu knackige Simulation vorzustellen. Kommt hin, finde ich!

Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Servus Christopher,

wow, Gratulation zu der tollen Beobachtung! Solche Momente, in denen das Seeing wirklich passt und man sehr weit hochvergrößern kann, sind immer phatastisch. Ich hatte das mal beim Cheeseburger-Nebel (NGC 7026), bei dem ich kurzzeitig auf 800× gehen konnte und Feinstrukturen wahrnehmen konnte, die ich vorher nie gesehen habe. Das Teleskop war ein 17" Newton, also deutlich größer als das Deine (7" und 600×, das ist fast unglaublich), trotzdem war es ein Erlebnis seinesgleichen. Nur war da nach ein paar Minuten das Seeing wieder zu schlecht. Eine Stunde lang, wow.

Ich schaue ja meist raus aus dem Sonnensystem, aber ich denke, ich bekäme auch eine Gämsehaut,. wenn ich live auf Ganymed Albedoujnterschiede wahrnehmen könnte. Saucool, ums mal so auszudrücken.

Liebe Grüße,
Christoph
 
Wow!

...

(sprachlos).


Kommt in jedem Fall hin, Christopher, GRATULIERE, sehr cool.
Ich bin echt platt - weil ich weiß, wie es sich anfühlt, im Schein der roten Funzel zu zeichnen und dabei zu versuchen, die langsam dominanter werdenden Einklötze in den Schuhen zu ignorieren. Aber immerhin bleichen die Hände warm - weil man manuell nachführen muss.

Willst Du uns noch was über die "Ortho"s erzählen?

400 bis 600-fach?! Du kannst jetzt mit Günni zusammen einen Hochvergrößerungszirkel gründen. :whistle:

Ich freue mich für Dich, bro, das muss eine tolle Stunde gewesen sein.

Herzliche Grüße,
Urs
 
Hallo Christopher,

ein ganz toller Bericht und akribisch dokumentiert.

Hier kann man sehen, wenn die Bedingungen passen, was mit ziemlich optimalem Equipment, möglich ist.Solche Beobachtungen brennen sich förmlich ins Gehirn, da lohnen sich auch die ganzen Entbehrungen.
Die Mewlons, wenn optimal kollimiert, liefern Dank der Spiegeloberflächengenauigkeiten von mindestens Lamda /20 Peak-to-Valley, richtig gut ab und, ganz wichtig hierfür !! der Rest der Beobachtungskette, ist ebenfalls, mit vom Feinsten. :)

LG, Wolfgang
 
Hallo Christopher,

ein toller Bericht. Mit meinem 5" Apo sehe ich die Jupitermonde bei gutem Seeing auch eindeutig als Scheibchen. Unter exzellenten Bedingungen kann ich die Vergrößerung bis auf 325x hoch treiben und mit dem Baader Neodymfilter Details auf Jupiter beobachten. Nach Albedostrukturen auf Ganymed habe ich aber bislang erfolglos Ausschau gehalten. Aber wenn die mit 7" und Obstruktion so deutlich zu sehen waren, sollte da mit unobstuierten 5" doch zumindest andeutungsweise etwas gehen. Also ein Vorhaben für die nächste Jupiterbeobachtungen. :y:

Danke für den Bericht und die Inspiration:
Marcus
 
Hallo Christopher, Glückwunsch zur Sichtung von Details in einem Mond von Jupiter. Solche Erlebnisse sind selten aber umso mehr bleiben sie für immer in Erinnerung. Ich hatte auch schon einige unvergessliche Momente in der Astronomie, wie zum Beispiel das erste Mal durch ein großes Bino zu schauen, während der Mond mit seinen Kratern hinter den Bäumen am Horizont aufgeht. Dreidimensional mit beiden Augen ist das ein in tolles Erlebnis. Vor allem wenn man mit einer Parallelogramm Montierung bequem mit einer Tasse Tee in einem Liegestuhl sitzt. Oder mit einem Binoansatz durch einen 33 Zoll Dobson unter dunklen Himmel M51, die Whirlpool Galaxie zu beobachten. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus und hatte solch ein Anblick nicht erwartet. Das Bild von der Spiralstruktur ist bis heute fest gespeichert in meinem Kopf. Alles Live durch Okulare. Einer meiner Highlights bleibt aber der Astrourlaub auf la Palma. Ganz alleine über zweitausend Meter unter Idealbedingungen auf de Rogue de los Muchachos zu stehen und mit Ehrfurcht den Sternenhimmel zu beobachten...und das über den Wolken, wobei die Wolken doch ansonst über einem sind. Liebe Grüße und klaren Himmel.... Stefan
 

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... aufgestellt nachdem ich es ein halbes Jahr lang nicht angerührt hatte. Es galt, damit wieder vertraut zu werden.
Hallo Christopher ...
auch im Zusammenhang ist dieser Satz eine schöne Anmerkung.
Nach längerer Zeit ist man , in Deinem Fall dann besonders doppelt zufrieden :

( 1 ) ... tolle Beobachtung
( 2 ) ... eine Optik nicht nur im Schrank stehen zu haben.

Also auch in diesem Sinn ein toller Beitrag bzgl. unseres Hobby's.
Wir "sehen" , ... Was lange währt, wird endlich gut ! :)
Gruss
Marco
 
Hallo lieber Christopher,

was für eine beeindruckende Beobachtung. Gratuliere zu den Jupitermondbeobachtungen. Ich hätte nicht geglaubt, dass das mit 180mm Öffnung an deinem Standort möglich ist. Es müssen wirklich Ausnahmebedingungen vorgeherrscht haben. Obere Atmosphäre und lokales Seeing müssen perfekt zusammenpassen. Saustark.

Du beobachtest also mit 400x und 600x, was eine AP von 0,45mm und 0,30mm bedeutet. Hattest du Probleme mit fliegenden Schatten?

Interessant, dass du den ZAOs den Vorrang vor den TOE gegeben hast.

Ebenfalls interessant, dass du den ADK verwendet hast, trotz des hohen Standes von Jupiter. Hattest du mal ohne ADK versucht, oder ist dieser standardmäßig im OAZ?
Gerade bei so winzigen Strukturen ist es essenziell wichtig, dass man Strukturen, die auf leichte atmosphärische Farbverschiebungen zu erklären wären, ausschließen kann.

Witzigerweise hatte ich am Samstag, dem 17.01. ebenfalls hervorragendes Seeing. Ich war mit 690mm Öffnung unterwegs, bei dem man geringste Luftunruhen sofort und gnadenlos wahrnimmt. Diese waren aber auf 1600m Höhe diesmal so gering, dass ich mich mit einem lang aufgeschobenen Zeichenprojekt beschäftigt habe. Nach dieser über Stunden gehenden Anstrengung stellte ich als Entspannung dann Jupiter ein. Bei knapp 1000x waren dann auf Ganymed und Callisto ebenfalls Strukturen wahrzunehmen. Ärgerlicherweise hatte ich keine Motivation mehr, diese so sauber zu dokumentieren, wie du.

Viele Grüße, uwe
 
Hallo Christopher,

als leidenschaftlicher (visueller) Planetenbeobachter auch von mir Gratulation für deine tollen und außergewöhnlichen Beobachtungsergebnisse. :y: Sehr schön und sauber dokumentiert. Ich kann das sehr wohl nachfühlen, was es einem bedeutet, an einer solchen Beobachtungsnacht bei Toppseeing teilhaben zu dürfen.

Das erlebt man nicht alle Tage. Derartige Erlebnisse nimmt man für das Leben mit und hat diese vor seinem geistigen Auge noch in Jahrzehnten parat.

Sehr interessant auch, dass dir das mit „nur“ 7 Zoll Öffnung gelungen ist. Ich wäre da wohl gar nicht auf den Gedanken gekommen, bei den Monden nachzuschauen und wäre vermutlich bei der Jupiterscheibe und den unfaßbar deutlichen Wolkenformationen hängen geblieben.

Vor wenigen Tagen, ich glaube es war der 19.01., hatte ich auch einen recht beeindruckenden Jupiter im 18er mit Bino bei ca. 320-340x beobachtet. Erste Strukturen auf Ganymed und auch auf Kallisto waren bei genauerem Hinsehen nicht allzu schwer auszumachen, aber Hallo: Mit 18 Zoll eben. Das ist eine andere Hausnummer, wenn man da schon mit 7 Zoll Erfolg hat.:giggle:

Ich denke zusätzlich zu deinen Topp-Bedingungen zum bestmöglichsten Zeitpunkt der Beobachtung, genau richtig angepassten Okularen, schöner Optik, etc. hat vermutlich Ganymed selbst dir dieses Geschenk beschert. Denn während einer ganzen Rotation gibt es unterschiedlich deutliche Albedostrukturen zu entdecken. Nicht jedes Mal ist der Anblick auch bei Toppseeing gleich und die Albedosstrukturen offenbaren sich einmal recht einfach, dann wieder wesentlich schwieriger.

Auf deiner Ganymedabbildung rechts sieht man eine ziemlich große und dunkle Struktur, welche schon alleine für sich betrachtet ca. 1/3 des Scheibchens ausfüllt. Hast du das einmal zu anderen Zeitpunkten abgeglichen? Das wäre interessant.

Viele Grüße
Werner
 
Ich danke für die hellsichtige und einfühlsame Antworte auf meinen Beobachtungsbericht.

Wie Christoph (Lucifugus) andeutet, sind die beobachterische Verhältnisse bei den Jupitermonden wohl jenen von flächenhellen PNs vergleichbar. Um Kontrastunterschiede in flächige Objekte heraus zu kitzeln kann es sich lohnen, das Dogma der "Übervergrößerung" - meist mit 0,5mm Austrittspupille (AP) definiert, manchmal 0,7mm AP - zu ignorieren. Nur wer es häufig genug ausprobiert wird den gelegentlichen Vorteil einer sub-0,5mm AP erleben können.

Lieber Uwe, Du hast recht, es kam alles zusammen - in der Atmosphäre (offenbar in allen Schichten), in der Beobachterverfassung (ausgeruht, entspannt) und in der optischen Kette (ausgekühltes und von der Bauart her kaum für Tubusseeing anfälliges Teleskop; optimiertes Zusammenspiel zwischen Primäroptik und Okular sowie zwischen Primäroptik und Umlenkung; vielleicht sitzt zudem 180mm an einem Sweet Spot zwischen hinreichende Auflösung und geringe Anfälligkeit für atmosphärisches Seeing).

Zu Deinen Fragen: Fliegende Schatten sah ich nicht. Die TOEs und ZAOs ergänzen sich bestens. Dem 58° grossen Feld des TOE 5,5, seinem angenehmen Einblickverhalten und seiner Qualität ist es zu verdanken, dass mir die Albedostruktur zunächst auffiel. Das ZAO-I 6 zeigte dann den besseren Kontrast, wie so oft an den Planeten. Das ZAO-I 4 nutzte ich für einen kurzen Ausflug um die Strukturen in größerem Abbildungsmaßstab anzuschauen sowie um Ganymed ohne die Blendung durch Jupiter isoliert anschauen zu können.

Den ADK benutze ich standardmäßig im Auszug. Ich habe ihn am Anfang der Beobachtung sorgfältig eingestellt und fortlaufend die zur Situation passende Einstellung überprüft. Am Anfang der Beobachtung um 21:45, bei 54° Horizonthöhe und 240x, war die atmospärische Dispersion eindeutig zu erkennen. Da war es wertvoll, sie korrigieren zu können um gleich mit der Beobachtung zu beginnen. Später konnte ich die Korrektur zurücknehmen. Das Gefummel mit Abschrauben fange ich in einer solchen Situation erst gar nicht an, denn man weiss ja nie, wann das Seeing wieder einbricht.

Lieber Werner, Deine Ausführungen bzgl. der Stellung von Ganymed im Raum finde ich sehr hellsichtig und wertvoll. Die große Struktur in der oberen Hälfte der Scheibe ist vermutlich Galileo Regio (siehe die Ganymed-Karte von Mike Wölle im Thread aus 2025 von Hubertus zu seiner Ganymed-Beobachtung mit 6 Zoll). Nur an dieser Position der Bahn von Ganymed prangt Galileo Regio so mittig! Auch der Abstand zu Jupiter machte natürlich etwas aus.

Ich finde es sehr interessant, dass Ihr beide - Uwe und Werner - wenige Tage zuvor ebenfalls Strukturen auf Ganymed gesehen habt. Vielleicht haut Ihr das nächste Mal eine kleine Skizze raus und stellt sie hier ein?

Hubertus hat angekündigt, seine Ganymed-Skizze vom Montag dieser Woche - mit 6 Zoll, hört, hört! - hier zu präsentieren. Vielleicht kann eine kleine Ganymed-Galerie hier entstehen?

Beste Grüße, Christopher
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Christopher,

Lieber Werner, Deine Ausführungen bzgl. der Stellung von Ganymed im Raum finde ich sehr hellsichtig und wertvoll. Die große Struktur in der oberen Hälfte der Scheibe ist vermutlich Galileo Regio (siehe die Ganymed-Karte von Mike Wölle im Thread aus 2025 von Hubertus zu seiner Ganymed-Beobachtung mit 6 Zoll). Nur an dieser Position der Bahn von Ganymed prangt Galileo Regio so mittig! Auch der Abstand zu Jupiter machte natürlich etwas aus.

Ich finde es sehr interessant, dass Ihr beide - Uwe und Werner - wenige Tage zuvor ebenfalls Strukturen auf Ganymed gesehen habt. Vielleicht haut Ihr das nächste Mal eine kleine Skizze raus und stellt sie hier ein?

Hubertus hat angekündigt, seine Ganymed-Skizze vom Montag dieser Woche - mit 6 Zoll, hört, hört! - hier zu präsentieren. Vielleicht kann eine kleine Ganymed-Galerie hier entstehen?

Beste Grüße, Christopher

Danke sehr für deine netten Bemerkungen. Hast natürlich recht mit der Erstellung einer Skizze, hätte man eigentlich machen können. :y: Werde versuchen, dies beim nächsten Mal nachzuholen, obwohl meine zeichnerischen Künste nicht die besten sind.

Offen gesprochen, war mir am Abend des 19.01. die Jupiterscheibe und v.a. zwei schön sichtbare oval Spots als „Augen“ und eine „Nase“ selbst irgendwie wichtiger, zumal es mein erster wirklich guter Jupiter in der diesjährigen Wintersaison war und es mittlerweile bei mir quasi zum „Standard“ gehört, bei halbwegs gutem Jupiter automatisch fast immer entsprechende Strukturen auch auf den Monden zu erkennen. Habe übrigens nachträglich im Sky Safari den Ganymed zu meiner Beobachtungszeit gegen 22:00 Uhr nachgeschaut. Da stand ebenfalls die Galileo Regio am Rand der Ganymedscheibe.;)

Ich gehe allerdings meist mit etwas größerem „Kaliber“ dran. Jedoch sind die Bedingungen vom heimischen Garten oftmals von Störungen durch umliegende Kamine, etc. vor allem in der kalten Jahreszeit beeinflußt.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Christopher,

herzliche (öffentliche) Glückwünsche auch von mir (per Konversation hatten wir uns ja schon kontaktet). Und deshalb poste ich hier auch noch meine Ganymed und Kalissto-Zeichnug vpm Montag, 19.01. mit anschließend mit Stellarium generierten Vergleichsabbildungen. Die Zeichnungen enrstanden etwa um 21:30 MEZ.
Es hätte am Montag also gelohnt, bis zur Jupiterkulmination abzuwarten, aber da kamen uns in Herne natürlich auch die phantastischsten Polarlichter seit über 20 Jahren dazwischen und die hatten dann natürlich "oberste Prio".
Das Instrument war der 150x2300er Lichtenknecker Halb-Apo mit 460fach und ADC:

Ganymed 190126 2130 460x.jpg
Das Vergleichsbild lässt manches wiedererkennen:
Ganymed 190126 2130.jpg


... und jetzt das "Aber !!". An Kallisto ließ sich nicht wirklich Vergleichbares wiedererkennen von der vermeintlich hellen "8" gegen 10 Uhr:
Kallisto 190126 2130 460x.jpg
Kallisto 190126 2130..jpg

Erst dachte ich, Jepp das stimmt, aber beim richtig drehen des Bildes war die einer 8 vergleichbare Struktur eher horizontal gegenüber auf 2 Uhr.
Tja, da übe ich halt auch noch an den Jupitermonden.

Sicher wäre um Mitternacht zur Zeit der Kulmination alles viel besser gewesen.

CS.

Hubertus
 
Hallo Christopher,

Das ist ein interessanter Bericht. Der animiert, das selbst auszuprobieren, ob ich Albedo-Unterschiede auf den Jupitermonden sehen kann.
Die Monde sehe ich oft eindeutig mit meinem 254/3048mm Cassegrain als Scheibchen. Wenn die Monde ab und an aufgereiht nebeneinander stehen, dann sehe ich auch eindeutig immer wieder die Unterschiede in ihrer Farbe. Unterschiedliche Größen der Jupitermonde zueinander kann ich ebenfalls erkennen, das wird aber sicher keine realen Unterschiede der Monde widerspiegeln. Denn die Position wo der Mond gerade steht, weiter draußen oder näher zur Erde, wird die scheinbare Größe sicherlich beeinflussen.
An einem ADC habe ich schon einmal gedacht. Da gibt es die ganz günstigen von ZWO/Co., von denen ich nicht weiß was ich von denen halten soll, oder eben gleich zu teuer...

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo Gerd,

die unterschiedlichen Größen der Monde, auch die zwischen Io und Europa, sind ab 400x schon erkennbar. Schwierig ist der Unterschied zwischen den beiden letzten, wenn sie auf unterschiedlichen Seiten des Jupiters stehen und man immer über den grellen Jupiter hinwegschwenken muss.
ADC´s machen an deinem Cassegrain mit F12 Sinn (mind. F10 ist für den Einsatz heute verlangt, die frühen von Astro System Holland (ASH) erforderten noch F20-30!!!)
Leider sind die simplen ADC´s von Zwo und baugleiche mechanisch recht "grottig". Man schiebt damit die Farbsäume an den Planeten (oder Monden) scheinbar hilflos um die Planetenscheibchen herum bis man bemerkt. dass beim gegenseitigen Verdrehen der flachen Glasprismen diese nicht korrekt parallel bleiben können. In der anderen Dimension die Verstellhebel in eine parallele Position zu drücken geht für den Moment.
Ich habe die zweite Version von ASH, die mit f15 und auch F12,5 zurechtkam und die sind mechanisch ordentlicher gefertigt, werden aber nicht mehr gebaut wegen billigeren China-ADC´s (habe den lieben Herman ten Haaf vor 1-2 Jahren noch selbst angeschrieben).
Vielleicht gibts einen von ASH mal gebraucht, weil jemand auf die echt teueren umsteigt.

CS.

Hubertus
 
Hallo Hubertus.

Schwierig ist der Unterschied zwischen den beiden letzten, wenn sie auf unterschiedlichen Seiten des Jupiters stehen und man immer über den grellen Jupiter hinwegschwenken muss.

In diesem Fall tue ich mich ebenfalls schwer, eine unterschiedliche Größe der Monde zu sehen. Wenn sie auf einer Seite von Jupiter stehen ist die unterschiedliche Größe der Monde eindeutiger zu sehen.

Zu den ADCs:
Ich habe -noch- die Hoffnung, das die ADCs von Pierro Astro irgendwann wieder erhältlich sind. Meine Hoffnung schwindet sehr...Gebraucht werden gute ADCs wohl kaum erhältlich sein, und wenn doch, auch schnell verkauft sein.

Viele Grüße
Gerd
 
Hallo Gerd,

die Durchmesserunterschiede der vier hellsten Monde im Vergleich zu Sternbeugungsscheibchen sind aus meiner Erfahrung auch schon locker mit ca. 300x und auch etwas weniger zu erkennen. Das Ganze steht und fällt aber mit gutem/schlechten Seeing.

Ganymed und Kallisto haben signifikant größere Durchmesser als Io und Europa. Die Unterschiede zwischen Io und Europa sind im Fernrohr nicht groß. Da wird eine Unterscheidung nur aufgrund der Durchmesser schwierig. Auch bei den Helligkeiten schenken die sich nicht viel bzgl. signifikanter Unterschiede. Im Gegensatz dazu steht Kallisto, der deutlich lichtschwächer im Okular erscheint als die anderen Monde und außerdem einen eher graubraunen Farbton besitzt.

Einen ADC zum Erkennen von Strukturen und Durchmesserunterschieden brauche ich bei der recht großen Höhe von Jupiter über Horizont nicht. Dieser war vor wenigen Tagen (19.01.) bei meiner oben erwähnten Beobachtung definitiv nicht notwendig.

Letztes Jahr beobachtete ich die Monde des öfteren auch mit meinem kleineren 9er Apo (ist ja nur die halbe Öffnung ausgehend vom 18er Dobson). Auch dabei waren Größenunterschiede mehr als deutlich. Aufgrund des großen Temperaturgefälles zwischen warmem Zimmer und der eisigen Kälte draußen kam der Apo bislang in 2026 noch nicht zum Einsatz.

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Hubertus,

schöne Schilderung auch deiner Beobachtung. Gratuliere.:y:

Ob allerdings 400x oder gar 460x im 6 Zöller zum Erkennen wirklich notwendig ist, da habe ich ein wenig meine Zweifel. Selbst bei einem normalen Visus von 1,0 benötigt man dies wohl eher nicht. Alles was es zu erkennen gäbe/gibt sollte sich spätestens bei ca. 300x in diesem Falle zeigen, bei deutlich überdurchschnittlichem Visus auch bereits bei geringerer Vergrößerung.;)

Viele Grüße
Werner
 
Hallo Werner,

beim Zeichnen hilft Übervergrößerung aber beim Abschätzen, ob z. B. was Helles unten bis zum unteren Drittel oder bis zur Hälfte eines Scheibchenbs reicht oder wie weit was Dunkles am rechten Rand bis zu Mitte.
Im von Günther D. Roths herausgegebenen Buch "Planeten beobachten" wird für Teleskope mit 12cm Öffnung bereits 500fach empfohlen (S- 304).

CS.

Hubertus
 
Hallo zusammen,

Christopher hat mich gebeten, meine Ganymedkarte hier reinzustellen, mache ich gerne.

Ich habe mir seinen Beobachtungsbericht durchgelesen und dann zu meinem guten Freund und Beobachterkollegen in Bangkok weitergeschickt und dann haben wir recht lange darüber diskutiert, ob dies real sein kann oder nicht. Wir haben ja beide Erfahrung im visuellen Planeten beobachten.
Grundsätzlich halten wir es für möglich, auch was die verwendete Vergrösserung betrifft.
Skeptisch waren wir, wegen der relativ kleinen Öffnung, doch dann ist uns eine gemeinsame Beobachtung des Jupiters und seiner Monde mit meinem 19cm f/9 Newton wieder eingefallen.
Es war eine dieser sehr seltenen Nächte im Mitteleuropa mit erstklassigen Seeing.
Wir beobachteten mit ca.350x alle Monde und stellten beide fest, wie deutlich wir Unterschiede in Farbe, Größe und Helligkeit unterscheiten konnten, alle Monde waren deutlich als Scheiibchen zu erkennen. Damals in den 1980 Jahren kamen wir gar nicht auf die Idee und hatten auch nicht die Möglichkeit noch höher zu vergrössern und zu versuchen Einzelheiten zu erkennen. Aber mit der heutigen Erfahrung und Wissensstand, hätte das in jener Nacht wohl an Ganymed funktioniert, wenn Galilileo oder Perinne Regio am Zentralmeridian gewesen wäre. Daher halten wir beide Christophers Beobachtung für plausibel.👍

Ich selber konnte bei Ganymed im 24" bei hoher Vergrösserung auch Detail erkennen, habe damals auch eine hier Skizze veröffentlicht( ist aber lange her, finde sie hier nicht mehr)

Vor 2-3 Jahren konnte ich recht deutlich bei sehr gutem Seeing auf Kallisto im 18" bei 600x ebenfalls leichte Schattierung erkennen, der BB müsste noch hier zu finden sein.

Aktuell mache ich ausschließlich Fotos, wobei ich die Parameter so wähle, dass im Livebild nichts zu erkennen ist.
Einmal habe ich aber zu Testzwecken bei sehr gutem Seeing, die Belichtungszeit/ Gain usw. für visuell optimiert. Immer wieder blitzten für kurze Momente einer der kontrastreichen Krater auf Kallisto im Livebild am Monitor auf.
Für rein visuelle Beobachtung im Okular halte ich Ganymed für den besten Kandidaten, wegen seiner großflächig dunklen Regionen.
Zuletzt noch wie gewünscht die Karte
(Norden oben)
R27.jpg


CS Mike
 
Hallo!
Ja, Dienstag und Mittwoch letzte Woche hatten wir außergewöhnlich gutes Seeing. Jupiter mit seinen Monden war im Bino am 4,5" SD ein Genuss. Bei 190 bis 260-facher Vergrößerung waren die Monde klar als unterschiedlich große Scheiben zu sehen, ohne das geringste Flimmern. Bei dem Anblick kam mir der Gedanke, dass Oberflächendetails fast in Reichweite sein könnten. Gesehen habe ich sie nicht ;) - aber unter normalen Bedinungen wäre ich nie auch nur auf die Idee gekommen. Gratulation, Christopher.

CS
Steffen
 
Hallo Mike,

schön, dass du dich hier auch nochmal meldest. Deine Ganymed-Karte habe ich mir (da größer als im letzten Jahr zu meinem Beitrag) gleich runtergeladen, obwohl ich mir die immer nur nach einer Ausnahmebeobachtung zum späteren Vergleich heranziehe).
Zurecht schreibst du, dass es sehr seltene Ausnahme-Beobachtungen sind. Die z. Zt für uns sehr günstigen nördlichen Elongationen spielen dabei erheblich in die Karten; jahrzehntelange Erfahrung ebenfalls. Sinkt Jupiter wieder nach Süden ab, wird von unseren Breiten auch sehr schnell wieder Schluss sein.
Dein Kollege in Bankog
Man kann sich gewiss auch leicht was vormachen, besonders wenn man sich vorher informiert, was es zu sehen geben könnte. Man kann´s nicht zwingen. Vor etwa einem Jahr war die zutreffende Kallisto-Beobachtung, die Christopher oben verlinkt hatte, nur einem winzigen Augenblick zu verdanken. Zu Recht lautet der immer wieder zu lesenden Hinweis, die subjektiven Eindrücke dennoch getrost mal festzuhalten. Das schließt manche Fehler nicht aus und deshalb habe ich oben meinen Kallisto-Fehlbeobachtung vom letzten Montag auch mal reingestellt.
Letzten Montag war die Sicht auf Jupiter aber mal wieder selten gut. Ich verzweifele dann nur immer daran, die Detailfülle auf Jupiter wegen der schnellen Umdrehung binnen der geforderten 10min-Frist nicht mehr erfassen zu können. Da versuchte ich es halt mal an den beiden großen Monden, zumindest mit erfreulichen Ganymed-Zeichnung. Mit Geduld und Übung überwiegen letztlich doch die erfolgreichen Beobachtungen, wenn am den Eindruck gewinnt, dass Zeichnen heute mal wieder lohne.

Ach, lieber Mike: Für uns Zeichner wären Karten in astronomisch richtiger Orientierung noch schöner. Haste die Karten evtl auch nochmal ohne deine Beschriftung für Norden oben/Süden unten? Die könnten wir uns um 180° gedreht dann ggf. selbst nochmal mit der Nomenklatura beschriften. Das wäre unendlich gütig!!!

CS.

Hubertus
 
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