Schiefspiegler
Aktives Mitglied
Manche von Euch werden sich an den schönen Bericht von Hubertus in diesem Forum zu seiner Sichtung von Strukturen auf Ganymed und Callisto vor einem Jahr erinnern. Das war für mich einer jener Berichte, die ich stets im Hinterkopf habe ohne allzu viel Hoffnung, je ein solches Erlebnis meinerseits zu haben. Doch gestern war es soweit!
Ich hatte gestern abend mein Takahashi Mewlon 180, ein siebenzölliges Spiegelteleskop des Typs Dall-Kirkham, aufgestellt nachdem ich es ein halbes Jahr lang nicht angerührt hatte. Es galt, damit wieder vertraut zu werden. Die Kollimation erwies sich als gut. So schraubte ich ohne besondere Absichten die Vergrößerung an Jupiter spielerisch hoch.
Bei 240x (TOE 10mm) kein Schärfeeinbruch und recht ruhig, aha! Bei 300x (TOE 7,5mm) immer noch ein gutes Bild. Das Seeing verbesserte sich parallel fortlaufend. Nun wurde ich übermutig und ging auf 435x (TOE 5,5mm). Bei dieser Vergrößerung präsentierten sich alle vier Monde als Scheibchen, Ganymed und Callisto deutlich größer als Io und Europa. Soweit, so schön.
Dann die große Überraschung: Ganymed war auf der westlichen Seite deutlich aufgehellt und ein dunkler Fleck schien leicht aussermittig in der oberen Hälfte zu sein und sich über die Mitte zu ziehen! Albedo-Strukturen auf Ganymed? Kann das sein?
Die Phase von gutem bis hervorragendem Seeing gekoppelt mit guter Transparenz hielt 75 Minuten lang. Ich konnte mich nicht losreissen obwohl die Zehen langsam abfroren. Ich hatte nicht vorgehabt so lange draussen zu bleiben und nicht die dicksten Stiefel angezogen. Doch für ein solches Erlebenis leide ich gerne. Ich konnte die gesehenen Strukturen über eine Stunde hinweg immer wieder eindeutig bei Vergrößerungen zwischen 400x (ZAO-I 6mm) und 600x (ZAO-I 4mm) erkennen.
Ich habe meine besten Okulare hin- und her-gewechselt auf der Suche nach dem optimalen Bild. Daher auch 600x. Manche von Euch mögen darüber schmunzeln. Aber ich sage Euch: selbst 600x war in der Periode besten Seeings um 22:30 herum förderlich! Es war ganz wunderbar, alle vier Monde als in der Größe, Helligkeit und Farbigkeit differenzierte Scheiben zu sehen.
Ein ganz besonderes Erlebnis war es bei 600x im keinen Feld eines Orthos zu verfolgen, wie Ganymed als strukturierte Scheibe aus dem Feld driftete, dann kurz nichts im Feld, dann driftete Callisto als Scheibe herein.
Nach Okularwechsel habe ich jedesmal Castor und die schwachen Sterne in seinem Umfeld besucht um den optimalen Fokus zu finden. Bei dieser Übung war es ein herrliches Erlebnis, die zwei Komponenten des Doppelsterns bei 470x (XO 5,1mm) als ausgestanzte Beugungsscheibchen mit jeweils zwei feine Beugungsringe drumherum zu sehen.
Zusätzlich habe ich nach jedem Okularwechsel Callisto angeschaut um sicherzustellen, dass die gesehenen Strukturen auf Ganymed nicht Artefakte der Optik waren. Waren es nicht! Es ist schon toll was gehen kann wenn alles zusammenkommt. Ich fühle mich wie ein Hobbyangler der einen Riesenkarpfen in seinem Fischteich gesichtet hat von dessen Existenz er bisher nur Ahnungen hatte.
Hier ist meine Skizze. Ich habe sie einer - wohlgemerkt nach der Beobachtung angeschauten - Simulation aus Stellarium gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung erinnert sehr an solche, die ich häufig bei Mars anstelle. Es gilt, sich ein wenig weg vom Bildschirm zu stellen und sich einen Schleier passender Dichte über die viel zu knackige Simulation vorzustellen. Kommt hin, finde ich!
Christopher
Ich hatte gestern abend mein Takahashi Mewlon 180, ein siebenzölliges Spiegelteleskop des Typs Dall-Kirkham, aufgestellt nachdem ich es ein halbes Jahr lang nicht angerührt hatte. Es galt, damit wieder vertraut zu werden. Die Kollimation erwies sich als gut. So schraubte ich ohne besondere Absichten die Vergrößerung an Jupiter spielerisch hoch.
Bei 240x (TOE 10mm) kein Schärfeeinbruch und recht ruhig, aha! Bei 300x (TOE 7,5mm) immer noch ein gutes Bild. Das Seeing verbesserte sich parallel fortlaufend. Nun wurde ich übermutig und ging auf 435x (TOE 5,5mm). Bei dieser Vergrößerung präsentierten sich alle vier Monde als Scheibchen, Ganymed und Callisto deutlich größer als Io und Europa. Soweit, so schön.
Dann die große Überraschung: Ganymed war auf der westlichen Seite deutlich aufgehellt und ein dunkler Fleck schien leicht aussermittig in der oberen Hälfte zu sein und sich über die Mitte zu ziehen! Albedo-Strukturen auf Ganymed? Kann das sein?
Die Phase von gutem bis hervorragendem Seeing gekoppelt mit guter Transparenz hielt 75 Minuten lang. Ich konnte mich nicht losreissen obwohl die Zehen langsam abfroren. Ich hatte nicht vorgehabt so lange draussen zu bleiben und nicht die dicksten Stiefel angezogen. Doch für ein solches Erlebenis leide ich gerne. Ich konnte die gesehenen Strukturen über eine Stunde hinweg immer wieder eindeutig bei Vergrößerungen zwischen 400x (ZAO-I 6mm) und 600x (ZAO-I 4mm) erkennen.
Ich habe meine besten Okulare hin- und her-gewechselt auf der Suche nach dem optimalen Bild. Daher auch 600x. Manche von Euch mögen darüber schmunzeln. Aber ich sage Euch: selbst 600x war in der Periode besten Seeings um 22:30 herum förderlich! Es war ganz wunderbar, alle vier Monde als in der Größe, Helligkeit und Farbigkeit differenzierte Scheiben zu sehen.
Ein ganz besonderes Erlebnis war es bei 600x im keinen Feld eines Orthos zu verfolgen, wie Ganymed als strukturierte Scheibe aus dem Feld driftete, dann kurz nichts im Feld, dann driftete Callisto als Scheibe herein.
Nach Okularwechsel habe ich jedesmal Castor und die schwachen Sterne in seinem Umfeld besucht um den optimalen Fokus zu finden. Bei dieser Übung war es ein herrliches Erlebnis, die zwei Komponenten des Doppelsterns bei 470x (XO 5,1mm) als ausgestanzte Beugungsscheibchen mit jeweils zwei feine Beugungsringe drumherum zu sehen.
Zusätzlich habe ich nach jedem Okularwechsel Callisto angeschaut um sicherzustellen, dass die gesehenen Strukturen auf Ganymed nicht Artefakte der Optik waren. Waren es nicht! Es ist schon toll was gehen kann wenn alles zusammenkommt. Ich fühle mich wie ein Hobbyangler der einen Riesenkarpfen in seinem Fischteich gesichtet hat von dessen Existenz er bisher nur Ahnungen hatte.
Hier ist meine Skizze. Ich habe sie einer - wohlgemerkt nach der Beobachtung angeschauten - Simulation aus Stellarium gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung erinnert sehr an solche, die ich häufig bei Mars anstelle. Es gilt, sich ein wenig weg vom Bildschirm zu stellen und sich einen Schleier passender Dichte über die viel zu knackige Simulation vorzustellen. Kommt hin, finde ich!
Christopher
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