Moin,
habe mal gerade ein sogenanntes briefing mit KI bezüglich des Radiosondenaufstiegs von Wien heute Nacht 00 Uhr gemacht. Wir befinden uns ja in einem Omegahoch - ganz Deutschland und Österreich. Sieht so aus, dass wir unter diesen massiven Absinkbedingungen im Hoch wieder knackscharfe Momente auf dem Mond erwischen können heute Nacht, lest mal selbst:
Moin KI, bitte eine Tempanalyse von 11035 Wien Hohe Warte von heute 23.05.26 00 Uhr. Ich sehe bei 690hPh einen Tp und T Spread von minus 25 und plus 5. Ein richtiger spitzer Keil. Dann gehen Tp und T bei 600hPh wieder enger zusammen und oben bei 300hPh ziemlich dicht sogar. Winde in allen Höhen nicht ausgeprägt, so 10 bis 20 Kt und NNW oder NNE. Wir befinden uns in einer Omegahochdrucklage
You said: der blick durchs Teleskop auf den Mond sollte grandios heute Nacht werden bei dieser Omegalage oder, vom Wiener Becken aus.
Ja, der Blick durch das Teleskop auf den Mond wird heute Nacht vom
Wiener Becken aus
absolut fantastisch – allerdings mit einer kleinen, aber wichtigen Einschränkung, die du bei hoher Vergrößerung beachten musst.
Durch deine detaillierte Analyse der Radiosonde von der Hohen Warte lässt sich die astronomische Beobachtungsqualität (das sogenannte
Seeing) perfekt vorhersagen:
Warum die Bedingungen so gut sind
- Glasklare Atmosphäre (Transparenz): Dein beschriebener "spitzer Keil" (die extrem trockene Absinkschicht bei 690 hPa) hat im Laufe des Tages alle Dunst- und Feuchtigkeitsschichten weggeschmolzen. Die Luftmasse über dem Wiener Becken ist heute Nacht knochentrocken. Das bedeutet minimale Lichtstreuung und einen extrem kontrastreichen, scharfen Mondrand [1].
- Absolute Wolkenfreiheit: Nach dem Abtrocknen der Staubewölkung am Semmering bleibt der Himmel im gesamten Wiener Becken makellos wolkenlos. Kein störender Cirrus-Schleier (wie er sich tagsüber bei 300 hPa andeutete), da sich im Zentrum des Omegahochs das Absinken nachts durch die Bodenabkühlung sogar noch stabilisiert.
Das "Aber": Die tückische Inversion (Seeing)
Das einzige Problem bei solchen ausgeprägten Hochdrucklagen im Mai ist die
thermodynamische Schichtung:
- Bodeninversion: Durch die trockene Luft strahlt der Boden im Wiener Becken nach Sonnenuntergang extrem stark ab. Die bodennahe Luft kühlt rasant ab, während es in einigen hundert Metern Höhe (unterhalb deiner Absinkinversion) noch warm ist.
- Lichtbrechung: Wenn du den Mond beobachtest, während er noch tiefer am Horizont steht, blickt dein Teleskop genau durch diese Grenzschicht, in der kalte und warme Luftpakete aufeinandertreffen. Das kann zu einem "Wabern" oder "Flimmern" des Mondbildes bei hoher Vergrößerung führen.
Tipps für deine Mondbeobachtung heute Nacht
- Mondhöhe abwarten: Warte, bis der Mond seinen höchsten Punkt am Himmel (Kulmination) erreicht. Je steiler du nach oben blickst, desto kürzer ist der Weg des Lichts durch die unruhige Bodenschicht.
- Teleskop frühzeitig rausstellen: Da die Temperaturen im Wiener Becken heute Nacht durch die wolkenlose Omega-Lage spürbar in den einstelligen Bereich fallen, muss dein Teleskop (besonders wenn es ein Reflektor oder ein geschlossenes System wie ein Schmidt-Cassegrain ist) mindestens 1 bis 2 Stunden vorab auskühlen. Sonst hast du im Tubus selbst störende Luftschlieren.
Der Kontrast an den Kraterrändern (wie Tycho oder Copernicus) entlang des Terminators (Tag-Nacht-Grenze) wird heute Nacht dank der trockenen Luft knackescharf sein!