Hallo Wolfgang,
warum denn
kein Eigenbau? Die Filterfolie ist die selbe...
Die ersten Sonnenfilter hatte ich zur SoFi '99 gebastelt, da gab es schlicht noch keine vernünftigen fertigen Folienfilter. Für das Vereins-C8 hatten wir vor 2004 mal eine ähnliche Lösung wie in Carstens Beitrag versucht, allerdings nur mit zwei Filterlöchern. Das Ergebnis war dann im Prinzip eine Scheinerblende, mit ganz komischen Effekten in der Abbildungsqualität. Mag sein, dass das neben dem Fokus auch jede Dejustage der Optik gezeigt hatte, jedenfalls hatten wir das Projekt ganz schnell begraben. Heute haben wir für das C8 einen temperaturkompensierten ASTF-Sonnenfilter. Eine Temperaturkompensation kann ich nicht selber bauen, sie lohnt sich aber bei langen Sessions und höherer Vergrößerung definitv. Das sind auch die kommerziellen Filter, mit denen ich die besten Erfahrungen gemacht habe. Einen einfachen, nicht temperaturkompensierten ASSF habe ich bei mir privat in der Sammlung – der passt aber halt nur für
ein Teleskop und
ein Spektiv. Aber mein Fuhrpark ist größer...
Im Verein hatten wir in den 90ern diesen kommerzielle Filter für einen 9/1000-Refraktor gekauft: Ein einfacher schwarzer Ring, in den die Filterfolie eingeklebt ist – sogar schön locker.
Damit das gut hält, war immer eine Rolle Isolierband im Teleskopkoffer, um ihn auf dem Teleskop zu sichern – gerne auch mit mehr Lagen als auf dem Foto. Den Filter hatten wir dann ersetzt, als das Bild nach drei Stunden matschig wurde. Ein paar Tage später war das Bild aber wieder okay – ich vermute, dass sich die Fassung doch so weit erwärmt hatte, dass es zu Spannungen kam, und sich die Folie so sehr gespannt hatte, das die Bildqualität einbrach. Ich bin mir nicht sicher, ob ich im Bild noch die erste Fassung fotografiert hatte, oder schon den Nachfolger. Mittlerweile ist an dem Teleskop ein Herschelkeil, und der Folienfilter ist Geschichte.
Der nächste kommerzielle Filter, den ich habe, war beim Bresser Messier 90/500 dabei. Auch der hat eine sehr schmale Fassung (1 cm tief), die von einer Gummilippe innen in der Taukappe vom Teleskop gehalten wird. Bei der Konstruktion ist mir immer ein wenig mulmig, und ich greife auch gerne zum Isolierband, um das zu sichern. (Dass die schwarze Folie von dem Filter in der Schärfe den Folien von Baader und Intercon unterlegen ist, macht es nicht besser).
Dann lieber ein Eigenbaufilter mit deutlich längerem Kragen, der sturmsicher über die Taukappe geschoben wird, oder sowas wie die ASTF/ASSF-Fassungen mit langen Gummistiften und bei Bedarf auch Klettsicherung.
Da ich aber schon einiges an Sonnenfiltern gebastelt habe, habe ich da auch wenig Bedenken, was eigenes zu machen – vor allem, wenn es um die gesamte Sonne geht; für hohe Vergrößerungen kommt dann entweder ein kommerzieller Filter mit Temperaturausgleich her, oder ein Herschelkeil.
Aber die Eigenbauten ermöglichen halt auch andere, spezielle Lösungen. So einen oben gezeigten fest verschraubten Filter, bei dem die Folie auf einen Cokin-P-Adapter geklebt ist, verwende ich nicht nur für die Kamera (die man öfter mal aus der Hand legt, was mit Aufsteckfiltern problematischer ist), sondern auch für mein Leitrohr, wenn ich die Sonne über längere Zeit fotografiere. In die Taukappe habe ich ein Gewinde geklebt, in das der Filter geschraubt wird. Da kann ich das Gerät auch unbeaufsichtigt auf meinem Balkon stehen lassen (wo keine Leute hinkommen!), ohne mir Sorgen über Windstöße machen zu müssen.
Außerdem habe ich mal einen optischen Winkelsucher (ganz wichtig – bei Geradeinblick würde man sonst doch direkt in die Sonne schauen, wenn man das Auge zum Okular führt; bei 90°-Einblick besteht das Risiko nicht) fest mit Folie ausgestattet:
Oder, für die SoFi: Ein Sonnenfilter für mein Teleobjektiv, basierend auf einer Schutzkappe für Zielfernrohre. Das größte Modell passt satt auf mein MFT-Teleobjektiv. So kann ich den Filter während der partiellen Phase auf der Kamera haben und ihn zur Totalität einfach aufklappen, ohne mir Gedanken zu machen, wo ich ihn ablege und danach wiederfinde.
Klar: Bei einer Systemkamera riskiere ich im schlimmsten Fall den Sensor; für ein Fernglas würde ich das eher nicht machen, oder nur mit zusätzlichem Verschluss.
Ebenfalls für die Sofi: Ein automatisierter Sonnenfilter, der (hoffentlich) pünktlich zur Totalität hochklappt, damit ich mich nicht um die Kamera kümmern muss.
Solange man weiß was man tut, den Filter vor jedem Einsatz überprüft (gilt auch für kommerzielle Filter)nund sorgfältig arbeitet, ist ein Eigenbau kein Problem. Ein fertig gefasster Filter sieht dagegen besser aus als einer aus Karton, ist stabiler und ermöglicht ggf. über längere Zeit hinweg hohe Vergrößerung.
Isolierband, um einen Aufsteckfilter zu sichern, habe ich gerade bei öffentlichen Veranstaltungen immer dabei. Aber von der Fassung gelöst hat sich bei mir noch kein Filter.
Ach ja: Dass kommerzielle Sonnenfilter nicht unbedingt was taugen, zeigen die Einschraubfilter für das Okular, die von den freundlichen Chinesen noch immer ohne jegliche Anleitung und Warnhinweise auf den gängige Marktplätzen verkauft werden. Den hatte ich hier mal am 80/910-Refraktor getestet:
Okularsonnenfilter – wirklich für die Tonne! | Kerste.de Hat keine fünf Minuten überlebt. Da kann man wirklich nur sagen, nimm einen Hammer, hau drauf und wirf ihn danach weg.
Beste Grüße,
Alex