Saturn mit Speichen u. White Oval vom 20.09.2026 (20" Dobson)

PeterMaier

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Hallo zusammen,

nach längerer Pause kam ich am frühen Sonntagmorgen (20.09.2026) endlich mal wieder in den Genuss sehr brauchbaren "Planetenwetters"!
Zwar sorgten immer wieder durchziehende dünne Nebelfetzen für unbeständige Transparenz, aber in den nutzbaren Lücken gab es dann doch für meinen Standort selten gutes Seeing.

Saturn_20zDob-f16_ASI_462MM+MC_P.Maier_2026-09-20_0234-4CEST_hoch_Info.png


Das Bild zeigt Saturn mit drei Monden (Mimas, Tethys, Enceladus) um 02:34 Uhr und ist ein Luminanzbild bzw. LRGB aus 8 derotierten Farb- sowie 3 derotierten Mono-Summenbildern.
Besonders freue ich mich, dass es mir erstmals gelungen ist, klar erkennbare Speichen-Strukturen (engl. "Spokes") im B-Ring sowie gleichzeitig einen ovalen Sturm (White Oval) auf der erdzugewandten .

Saturn_20zDob-f16_ASI_462MM+MC_P.Maier_2026-09-20_0234-4CEST_hoch_crop.png


Farb-Sequenz 02:08 - 03:13 MESZ:


Mono-Sequenz 02:30 - 02:38 MESZ:


Die techn. Eckdaten:
  • 20“ f/4 ICS Dobson
  • 4x Televue Powermate (-> f/16)
  • ZWO ADC (Atmosph. Dispersionskorrektor)
  • ZWO ASI 462 MM + Astronomik ProPlanet 642 BP Filter
  • ZWO ASI 462 MC + Baader UV-/IR Cut / L-Filter
  • manuelle Nachführung
20zICSDob_Saturn_20.09.2026.jpeg


Aufnahmedaten:

Aufnahmezeitraum: 02:08 - 03:13 MESZ
Seeing: II (Ant.); wechselnde Transparenz (Wolken)

Luminanzbild aus
  • 8 derotierten Farbsequenzen (je 2 min Videosequenzen)
  • 3 derotierten Mono-Summenbildern (je 2 min Videosequenzen)

  • 15% Verwendungsrate in Autostakkert 4
  • Schärfung: AstroSurface W5 2026 (Wavelets)
  • Derotation u. Bildsequenzerstellung: WinJupos 12.4.0
  • Nachbearbeitung: Photoshop (Luminanz Überblendung, Farbbalance), AfterEffects (Zeitraffer)
Zeitraffer-Videos:
  • Farb-Sequenz 02:08 - 03:13 MESZ
  • Mono-Sequenz 02:30 - 02:38 MESZ
In der Mono-Sequenz wurde Mimas künstlich aufgehellt, um diesen schwachen Mond sichtbar zu machen - daher erscheint Mimas hier ähnlich hell wie Tethys!

Mit den zwei kurzen Sequenzen wollte ich verifizieren, dass die Dunkelstrukturen im B-Ring reale, mit dem Ringsystem
rotierende Speichenstrukturen (engl. Spokes) sind. Auf den Planeten bewegt sich auch ein kleines ovales Sturmsystem (White Oval).
Die wandernden Monde sind Tethys und Mimas.
Während die Farb-Sequenz rund eine Stunde Zeitraum abdeckt (02:08 - 03:13 Uhr), zeigt die Mono-Sequenz gerade mal knappe 10 Minuten (02:30 - 02:38 Uhr).


Farbe:
Was die farbliche Bearbeitung angeht, finde ich diese trotz bereits einiger Erfahrung immer wieder ziemlich herausfordernd!
Grundsätzlich nehme ich bereits bei der Aufnahme mit der Farbkamera eine visuell ausgewogene Einstellung der Farbkanäle vor. Der Rest erfolgt in der Nachbearbeitung über Farbbalance, Tiefen/Lichter etc., wobei ich mich gerne an bekannten Referenzen wie NASA/Cassini und bekannten Planetenfotografen orientiere und natürlich wie die meisten das Ziel verfolge, ein Maximum an Struktur/Detailauflösung im Endergebnis zu erreichen bei gleichzeitig möglichst ästhetischer Erscheinung.

Aber hier gibt es teils erhebliche Unterschiede auch bei den professionellen, wissenschaftlichen Ergebnissen, je nach Absicht der Präsentation...
Erschwerend dazu kommt die große Vielzahl an möglicher Ausgabe- bzw. Darstellungsmedien (Laptop, PC, Smartphones, Tablets...) und damit ebenso große Varianz der Darstellungsqualität. Einfach gesagt: Auf jedem Bildschirm sehen die Farben anders aus! :-D
Es ist und bleibt einfach eine Frage der Ästhetik und persönlichen Vorliebe. Als vorwiegend visueller Beobachter gehe ich auch gern vom "Live-Eindruck" aus - allerdings in der Fotografie nicht unbedingt immer zielführend oder der beste Ansatz. "Fotos dürfen farbig sein", sagte ein anderer Astronomiefreund neulich zu mir. Zumindest bei Deep Sky trifft das ja auch zu... ;-)
Bin hier aber immer offen und dankbar für Kritik und Tipps, die zur Verbesserung beitragen!


Schöne Grüße und klaren Himmel,

Peter Maier
 

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Hallo Peter,
tolle Arbeit und auch schön dokumentiert. Ich habe in dieser Saison noch keinen besseren/schöneren Saturn gesehen.
Mir gefallen die Farben, fertig :-) Es gibt kein "echt".
Einziger Verbesserungsvorschlag wäre, den Saturn etwas waagerechter zu positionieren.
20 Zoll bei gutem Seeing, die hauen schon was weg. Sind das gewöhnliche Wavelet-Filter bei Astrosurface?
VG ralf
 
Peter,

ganz großes Kino !

Was bedeutet das ?

Wenn ich das tolle Ergebnis sehe, würde ich das Seeing mit 5 von 5 bewerten.

Gruß,
Holger
Hallo Holger,

es gibt diverse Skalen zur Bewertung/Dokumentation der Seeingqualität - in der Amateurastronomie werden hauptsächlich zwei verwendet:
Skala nach Pickering (die mir persönlich etwas zu kompliziert ist ;-)) und die nach Antoniadi (Ant.), die ich für unsere Zwecke praktischer finde, weil sie sich direkt am Erscheinungsbild des beobachteten Objekts orientiert und quasi Schulnoten entspricht.
Ich zitiere die Antoniadi-Skala aus Wikipedia:
  • I perfektes Bild ohne die geringste Bildunruhe
  • II leichte Wallungen, aber Phasen der Ruhe, die wenigstens einige Sekunden lang dauern
  • III mittelmäßige Luftruhe, auffälliges Bildzittern
  • IV schlechtes Seeing, ständig störendes Wabern
  • V sehr schlechtes Seeing, welches kaum das Anfertigen einer groben Skizze zulässt
Note "I" (ohne geringste Bildunruhe!) habe ich persönlich leider noch nie erlebt. Daher ist jede geringste, noch beobachtbare Luftunruhe für mich bereits eine "II". Zudem war bei mir auch das Seeing nicht durchgehend gleichmäßig, was sicherlich auf die immer wieder durchziehenden Nebelbänder zurückzuführen war. Demnach war es also eher eine "II-" bis "III+"! ;-)
Spätestens ab "III" finde ich die Bedingungen zur Planetenfotografie nicht mehr geeignet - bestenfalls zur Übung / Tests.

Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter,
tolle Arbeit und auch schön dokumentiert. Ich habe in dieser Saison noch keinen besseren/schöneren Saturn gesehen.
Mir gefallen die Farben, fertig :-) Es gibt kein "echt".
Einziger Verbesserungsvorschlag wäre, den Saturn etwas waagerechter zu positionieren.
20 Zoll bei gutem Seeing, die hauen schon was weg. Sind das gewöhnliche Wavelet-Filter bei Astrosurface?
VG ralf

Danke Dir Ralf, das freut mich! :)
Tatsächlich stand er ja live auch deutlich waagrechter im Süden und ich hätte auch noch eine horizontale Version... nur zum Anschauen auf Handydisplays wirken etwas hochformatigere Ansichten wiederum besser. :unsure:
Es ist nach meinem Empfinden und Erfahrung bisher leider EXTREM selten, dass ich mit dieser Öffnung gegenüber z.B. 12-16 Zoll einen merklichen Unterschied bei der Auflösung im Endergebnis feststelle. 20 Zoll sind super für Deep Sky Beobachtung, aber in Sachen Auflösung macht das Seeing bei mir leider fast immer einen "Deckel" drauf.
Ich hab bei Astrosurface nur das Modul "Wavelets Wiener Deconvolution + other adjustments" verwendet. Bin noch relativ neu in dem Programm und experimentiere noch. Aber ich fand es auf Anhieb tatsächlich komfortabler und schneller als meine bisherige Wavelet-Bearbeitung in Registax. Anbei meine Parameter für diese Saturnaufnahme (habe ich auch auf Mono angewendet):

AstroSurface_Wavelet-Parameter_Saturn_P.Maier.png
AstroSurface_Wavelet-Parameter_RGBAdj_Saturn_P.Maier.png


Die Farbeinstellungen sind natürlich abhängig vom Eingangsmaterial bzw. wie die ursprünglichen Kameraaufnahmen kalibriert waren...
Hab auch noch die Parameter-Datei in den Anhang gepackt - mal schauen, ob das hier funktioniert. (EDIT: Funktionierte leider nicht! Aber die Screenshots sind ja da)

Weitere Farbkorrekturen (RGB Balance etc.) folgten dann final in Photoshop. Da sind mir die Werkzeuge einfach vertrauter und feinfühliger.

Schöne Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Peter
Das ist ja Mal ein Saturn vom aller feinsten.
Der schönste bisher dieses Jahr.
Die Farbe und die feinen Übergänge gefallen mir richtig gut.
Wenn das Seeing passt muss man auch nicht viel an der Bildbearbeitung machen wenn man vorher auch alles richtig eingestellt hat .
Hut ab .
Perfekt.
Den White oval wann kann man den wieder sehen ?
Gruß Frank
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Frank,
danke Dir!

Das mit der Bearbeitung stimmt definitiv! Mit zwei Minuten perfektem Aufnahmematerial erreichst Du auf jeden Fall ein besseres Endergebnis als mit einer Stunde durchschnittlich schlechtem Material. Deshalb lohnt sich die aufwendige Nachbearbeitung meiner Meinung nach kaum, wenn das Seeing nur mittelmäßig ist - außer zur Übung. Je mehr Aufnahmen man im Leben schon bearbeitet hat, umso strenger wird man hier erfahrungsgemäß die Grenze ziehen. Manchmal baue ich auf, stecke die Kamera ein und entscheide dann nach nichtmal 5 Minuten wieder abzubauen... :-D
Ein gutes Indiz für eher unbrauchbares Seeing ist auch, wenn man sich einfach schwer tut, überhaupt den Fokus zu finden. Braucht man minutenlang, um sich sicher zu sein, die Schärfe korrekt eingestellt zu haben, ist das i.d.R. ein sicherer Hinweis darauf, dass man es besser bleiben lassen und wieder ins Bett sollte! ;-) Andererseits kann sich die Lage auch innerhalb weniger Minuten komplett ändern - hatte ich auch schon manchmal. Und viele Störfaktoren liegen oft direkt bei Dir: Optik nicht ausgekühlt, aufgeheizter Terrassenboden, thermische Effekte nahe Hauswänden oder durch umliegende Bebauung usw.

Bzgl. White Oval:
Wenn man jetzt mal von Saturns durchschn. Rotationszeit von ca. 10,5h um die eigene Achse ausgeht, sollte das Detail also ungefähr auch in diesem zeitlichen Abstand wiederkehren.
Allerdings sind die tatsächlichen Rotationsperioden auf so einem Gasplaneten sicherlich auch zonenabhängig. Also mit ähnlichen Toleranzen und Unschärfen wie beim GRF auf Jupiter...
Kurz: Wenn so ein White Oval um 22 Uhr mittig auf der Saturnhalbkugel erscheint, müsste er das nächste Mal ungefähr 8:30 Uhr wieder an ähnlicher Stelle erscheinen (ob der Planet dann noch über Horizont steht, ist wieder ein anderes Problem). Am Folgeabend würde er dann wieder gegen 19:00 Uhr da sein. Also würde sich die Sichtbarkeit entsprechend täglich immer weiter verschieben.

Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Starkes Ergebnis mit 20", da scheinst du wohl das möglichste rausgeholt zu haben.
Wie stark ist der Auflösungsgewinn durch die Filter? Ich würde mir ja vielleicht in einer Laune auch so einen 20"-Klopper hinstellen, aber ich hab irgendwie keine Lust auf Monocam und Filterschlacht.
Hast du auch ein Ergebnis, dass nur mit RGB-Cam aufgenommen wurde zum Vergleich?
VG
 
Hallo Peter,

danke sehr für die interessante Frage! Das hat mich jetzt auch sehr interessiert und ich hab mich nochmal hingesetzt, um den Vergleich zu machen.
Habe dazu versucht, dasselbe Bild nochmal NUR MIT DEN FARBDATEN herzustellen. Natürlich konnte ich dabei nicht diesselben Einstellungen aus der LRGB-Komposition übernehmen, aber mich doch relativ gut annähern.

Die "Filterschlacht", die Du ansprichst, vermeide ich ebenfalls: Ich unternehme jedenfalls nicht den Aufwand, mit der Monokamera nacheinander und separate R-, G- und B-Videos aufzunehmen. Das wäre auch zeitlich mehr als kritisch und bei unseren Bedingungen kaum vernünftig planbar, wenn eine gute Seeingphase vielleicht gerade mal eine halbe Stunde andauert...
Stattdessen nehme ich mit der Farbkamera (+ IR/UV Sperrfilter) und Monokamera (+Rot bzw. Nahinfrarotfilter) auf und blende später das Monobild via Luminanz über das Farbbild. (Zuvor werden sämtliches Mono- und Farbmaterial natürlich auf einen gemeinsamen, mittleren Zeitpunkt derotiert)

Ich hoffe, der nachfolgende Vergleich zwischen "COLOUR ONLY" und "L-RGB" Bild nach meiner Bearbeitungsmethode hilft, die Sache etwas genauer zu bewerten:

Saturn_20zDob-f16_ASI_462MM+MC_P.Maier_2026-09-20_0234-4CEST_Vergleich_Farbe-vs-LRGB.png


Meine Einschätzung:
Das Farbbild wirkt am Planeten etwas "cleaner" und wenn das Seeing gut ist (wie hier der Fall war bei der Farbaufnahme), dann kann es auch in Sachen Schärfe gut mithalten. Definition im Ringsystem gefällt mir sogar minimal besser, aber das könnte auch an der zweiten, etwas abweichenden Nachbearbeitung nun liegen.
Die Anreicherung mit Monodaten ermöglicht in manchen Bereichen etwas besser, Strukturen der Bänder bzw. Differzierungen der Zonen herauszuarbeiten. Das zeigt sich vor allem unten am Südpol oder auch bei kleineren Strukturen wie dem White Oval hier sehr deutlich! Der ist in den Farbdaten zwar auch enthalten, aber so extrem schwach, das er leicht übersehen wird. Im Mono-Bild fiel er dagegen von Anfang an auf und ließ sich leicht herausarbeiten.
Außerdem hilft mir das Monomaterial auch beim "farblichen Aufräumen" und wirkt teilweise noch vorhandenen Farbsäumen (z.B. bei nicht 100% korrekter ADC-Einstellung etc.), solche Artefakte und störende Farbverläufe/Farbrauschen zu beseitigen. Hier z.B. sichtbar im oberen Farbbild: Man erkennt an der oberen Ringkante und unteren Ringkante immer noch einen leicht Rot- bzw. Blaurand. (Ließe sich aber mit etwas mehr Photoshoparbeit sicherlich auch noch korrigieren.)

Kurz:
Wenn das Seeing perfekt mitspielt, sind reine Farbkameradaten aus meiner Sicht vollkommen ausreichend. Der theoretische Auflösungsgewinn gegenüber einer adäquaten Monokamera macht sich dann kaum bemerkbar.
Unter normalen Umständen aber, wenn nicht absehbar ist, dass das Seeing länger stabil mitmacht, ist es immer hilfreich, ein paar gute Mono-Videos im Kasten zu haben!

Viele Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Peter,
ich finde es prima, dass du dir die Mühe gemacht hast, das mal auszuprobieren.
Das Ergebnis ist tatsächlich so gut, dass ich vermutlich zu faul wäre, mehr als nur RGB zu verwenden, eben gerade wenn man nur kurze gute Sequenzen bekommt.
Ich habe deinen Thread nochmal überflogen, vielleicht habe ich es übersehen, aber welche Belichtungszeiten hast du verwendet?
Ich kann bei mir mit 10" eigentlich keinen Unterschied feststellen zwischen 5ms oder 10ms, aber bei deiner Brennweite/Auflösung könnte ich mir vorstellen, dass man nochmal genauer schauen muss bzgl SNR, Belichtungszeit und Seeing.
Und noch etwas würde mich ziemlich interessieren. Meine alte EQ6 ist mit dem 10"F5 schon grenzwertig unterwegs, ich weiß gar nicht, ob das Gewackel im Video vom Seeing oder der Montierung kommt. Sicher würde eine GM2000 vermutlich nochmal einen Auflösungsvorteil bringen, durch die perfekte Nachführung. Ich nutze aber nun mal altes Zeug, dass zusammen vermutlich keine 1.5k gekostet hat und versuche das Maximum herauszuholen. Ein 20zöller mit Nachführung wäre natürlich ein Träumchen.
Würdest du evtl mal eine RGB Originalsequenz von 10sek oder mehr hochladen, die nicht per Software stabilisiert ist, damit man mal einen Eindruck bekommt wie stabil dein Bild bei der Aufnahme ist?
Also wenn du den Dobson mal loswerden musst, dann sag gerne Bescheid.... ;-)
 
Hallo Peter,
vielleicht kann ich auch noch etwas beitragen. Es ist überhaupt kein Problem, wenn der Planet im Bildfeld herumwackelt. Ich stelle z.B. den Fokus während der Aufnahme ein, drehe an Knöpfen, der Planet läuft z.T. sogar ganz aus dem Bildfeld heraus, ich putze den Sucher und, und, und ... du kannst also deine EQ6 nutzen.
Ob 5 oder 10 ms spielen auch aus meiner Sicht keine Rolle. Es gibt ein Paper, das sagt, unter 4 ms ist physikalisch kein Gewinn mehr zu erwarten, und das bei einem Profi-Telekop mit Auflösungen von 0, xx Bogensekunden. Meine Tests gingen bis 30 ms bei 11" Öffnung. Da wurde es dann tatsächlich schlechter.
Ich stimme Peter zu: Mit der Farbkamera verlierst du bei bestem Seeing nichts. Auch spielt die Bayermatrix keine Rolle mehr. Im Gegenteil. Schau dir mal den A- und B-Ring bzw. die Cassiniteilung vor der Planetenscheibe im Farbbild an. Die Auflösung ist gerade noch gegeben, es lassen sich feinste Linien erkennen. Im Mono-Bild verschwimmen diese. Das liegt daran, dass eine Farbkamera zu 70 % eine "Grünkamera" ist und die kürzere Wellenlänge eine bessere Auflösung schafft. Kürzere Wellenlänge bedeutet aber schlechteres Seeing. Und da muss man jetzt abwägen. Gestern ist es mir zum allerersten Mal gelungen, ein schärferes Bild mit Farbkamera bzw. Grünfilter von Saturn zu machen als mit Rot- oder Infrarotfilter. Das bedeutet, von 100 Nächten würde ich mit Farbkamera in 99 Fällen schlechtere Bilder machen. Bei Jupiter, weil er höher steht, ist es mir etwa 5 Mal gelungen. Bei Mars, weil der kontrastreicher ist, noch etwas öfter.
Von daher würde ich dir (und allen anderen auch) dringend raten, mit Monokamera zu arbeiten. Ob du dann einen IR-Filter reinschraubst, Rot oder Grün, das kannst du vor Ort entscheiden. Die Farbe fürs Bild ist mit einer Farbkamera sehr schnell gemacht. Ich verwende dazu höchstens 5 bis 10 % der Zeit. Das Seeing ist dabei fast unwichtig, denn Farbe ist extrem tolerant, da unsere Augen eine viel schlechtere Farbauflösung haben als Detailauflösung.
Viele Grüße
ralf
 
Hallo Peter und Ralf,
Das Ergebnis ist tatsächlich so gut, dass ich vermutlich zu faul wäre, mehr als nur RGB zu verwenden, eben gerade wenn man nur kurze gute Sequenzen bekommt.

Ergänzend und vielleicht nicht ganz unerheblich bei diesem Vergleich sei noch der Hinweis, dass sehr viel mehr Farb- als Monodaten zur Verfügung standen!
Insgesamt 8 Farbvideos und nur 3 Monovideos (á 2 min) konnte ich verwerten. Zudem sticht vor allem eins der Farbvideos qualitativ besonders heraus, das in einem hervorragenden Seeingmoment entstanden ist. So ein Farbvideo hab ich bei mir zumindest sehr selten gesehen bislang - also nicht der Normalfall.
Würdest du evtl mal eine RGB Originalsequenz von 10sek oder mehr hochladen, die nicht per Software stabilisiert ist, damit man mal einen Eindruck bekommt wie stabil dein Bild bei der Aufnahme ist?

Ich habe versucht, eine unbearbeitete Mono- und Farbsequenz hochzuladen und hoffe, dass der Link für euch funktioniert:

Leider haben die originalen SER 2-Minuten-Sequenzen je 7,6 GB (Farbe) bzw. 9 GB (Mono), was meine Cloud-Kapazität schnell sprengt.
Um die Daten auf eine einigermaßen akzeptable Größe zu bekommen, musste ich die SER ins AVI-Format mit möglichst geringem Qualitätsverlust konvertieren und von 2 Minuten auf 1 Minute kürzen!
Aber ich denke, das reicht trotzdem, um mal einen Eindruck vom Rohmaterial zu bekommen.
Dazu habe ich noch meine gestapelten Summenbilder hinzugefügt (unbearbeitet und in AstroSurface bearbeitet).

Muss diese Daten in ein paar Tagen aber wieder löschen, weil sie gerade den ganzen Speicher belegen. :-D Lad sie also ruhig runter, wenn Du magst.

Ich habe deinen Thread nochmal überflogen, vielleicht habe ich es übersehen, aber welche Belichtungszeiten hast du verwendet?
Ich kann bei mir mit 10" eigentlich keinen Unterschied feststellen zwischen 5ms oder 10ms, aber bei deiner Brennweite/Auflösung könnte ich mir vorstellen, dass man nochmal genauer schauen muss bzgl SNR, Belichtungszeit und Seeing.

Also, aktuell hab ich Saturn mit 12ms Belichtung und 320 Gain aufgenommen (Mono: 10ms und 320 Gain). Zwischendrin hab ich mal variiert, z.B. mit 15ms u. 300 Gain etc.
Komme dann mit meinem ROI noch immer auf 83 fps (bei Mono: 99 fps). Unter 10ms wird bei mir schwierig, da es dann einfach zu dunkel und rauschig wird. Da müsste ich dann eher von f/16 (4x Televue Powermate Barlow) auf z.B. f/10 (2,5x Barlow) oder so runtergehen, um genug Licht zu bekommen.
10ms oder 12ms machen bei mir durchaus einen großen Unterschied - es wirkt sich in der fps aus und vor allem im Histogramm! Ich versuche, die Kanäle immer möglichst zwischen 70 und 80 Prozent aufzufüllen.

...ich weiß gar nicht, ob das Gewackel im Video vom Seeing oder der Montierung kommt. Sicher würde eine GM2000 vermutlich nochmal einen Auflösungsvorteil bringen, durch die perfekte Nachführung. Ich nutze aber nun mal altes Zeug, dass zusammen vermutlich keine 1.5k gekostet hat und versuche das Maximum herauszuholen. Ein 20zöller mit Nachführung wäre natürlich ein Träumchen.

Mein 20"er ist leider NICHT NACHGEFÜHRT!
Das ist ja aktuell mein Hauptproblem, dass ich tatsächlich die 2min-Sequenzen immer jeweils von Hand nachführe. Das heißt, vorher überhaupt erstmal den Planeten eingestellt kriegen, dann im Aufnahmefeld behalten, ADC und Fokus einstellen und dann idealerweise noch mit möglichst engem ROI aufnehmen...
Das grenzt schon ein bisschen an Wahnsinn - ohne etwas Übung, starken Willen und eine geschmeidig laufende Dobson-Montierung würde das nicht funktionieren! :-D Aber es ist wirklich mühsam auf Dauer und ich bin bereits an einer Lösung (EQ-Plattform) dran. Leider ist das in meinem Fall nicht ganz einfach, da dieser schöne klassische Dobson noch nach "alter Schule" gebaut ist und in voller Konfiguration gut 90 Kilo wiegt...

Grundsätzlich führe ich so nach, dass der Planet über die 2 Minuten möglichst mittig im ROI Feld bleibt. Mir ist das auch schon 5 bis 10 Minuten gelungen, aber das ist ja nur unnötig anstrengend und für die Summenbildberechnung (zumindest bei Jupiter, Saturn) eh viel zu lang. 2 Minuten sind also machbar.
Wenn der Planet dabei etwas hin- und herwackelt, ist das bei diesen ultrakurzen Belichtungszeiten ja gar kein Problem! Selbst Zittern wirkt sich nicht wirklich sichtbar aus, wenn man hinterher das Material z.B. mit PIPP stabilisiert betrachtet. Der größte Gegner ist und bleibt das SEEING. Das hat definitiv den allergrößten Einfluss auf die Datenqualität.

Ob 5 oder 10 ms spielen auch aus meiner Sicht keine Rolle. Es gibt ein Paper, das sagt, unter 4 ms ist physikalisch kein Gewinn mehr zu erwarten, und das bei einem Profi-Telekop mit Auflösungen von 0, xx Bogensekunden. Meine Tests gingen bis 30 ms bei 11" Öffnung. Da wurde es dann tatsächlich schlechter.

Ach so war das gemeint! Ich hab an die Auswirkung auf das Histogramm gedacht... unter bzw. bis 10ms wäre wohl ideal, weil man dann auch noch maximale Frameraten erreichen könnte. Aber deutlich darunter muss ich sagen, erscheint mir die Aufnahme dann doch sehr verrauscht! Ich müsste hier schon extrem mit Gain auffüllen, um dann wieder eine Auslastung der Kanäle von wenigstens 70% zu erreichen.
Aber das wäre auch mal interessant näher zu untersuchen, was in der Praxis mehr Wert hat: Sehr viele Frames, die aber stark verrauscht sind oder weniger und dafür rauschärmere Frames. Ich würde da wohl eher auf Qualität statt Quantität setzen. :unsure: Wenn die Sensoren die nächsten Jahre hoffentlich noch besser werden, brauchen wir uns aber darüber aber vielleicht auch bald keine Gedanken mehr machen... :-)

Schöne Grüße,
Peter
 
Per Hand nachführen? Das ist ja krass.
Ich hab einen sehr scharfen 10" Dob aber per Hand hab ich das noch nie hinbekommen.
Im L Kanal sieht man richtig gut das 10eck.
In 10min hab ich alles runtergeladen, danke dass du das geteilt hast.
Wenn ich ein gutes ser habe, dann exportiere ich mit Pipp ein verlustfreies avi und mach daraus ein ganz schwach komprimiertes mp4 mit xmedia recode und wenn ich es zu YT hochlade, dann extrapoliere ich es zum 4k Video, weil YT alles unter 4k kaputt macht. Allerdings kann YT kein 4k 100fps wie es scheint.
15ms finde ich schon extrem lang aber deine Ergebnisse zeigen ja dass es geht.
Ich versuche möglichst viel frames zu bekommen und belichte zwischen 5 und 10ms, das Histogramm ist dabei zwischen 50 und 75p.
 
Per Hand nachführen? Das ist ja krass.
Ich hab einen sehr scharfen 10" Dob aber per Hand hab ich das noch nie hinbekommen.

Ich habe einen sehr klassisch und robust gebauten ICS Dobson mit großen Höhenrädern und Drehscheibe, die ich regelmäßig wachse. Eine gut laufende Dobsonmechanik ist Voraussetzung und zeichnet sich z.B. darin aus, dass das Gerät in jeder Lage gut ausbalanciert ist und sich selbst in steilerer Position noch mit wenig Druck und bei hohen Vergrößerungen (z.B. 300fach) weich und ruckelfrei nachführen lässt - auch mit einem Finger wenn´s sein muss.
Wenn das funktioniert, empfehle ich, die Kamera möglichst immer in gleicher Position bzw. Drehung im OAZ zu befestigen. Dann lernt man relativ schnell in welcher Richtung der Planet abhaut. Der Rest ist Geduld und Feingefühl/Muskelgedächtnis, bequemer Stand und ein guter Griff (!) am vorderen Tubusende. Ich habe hier recht komfortable Kugelgriffe vorne montiert. Im Prinzip muss man "einfach" durchgehend mit konstanter Kraft am Dobson ziehen oder drücken. Ob der Planet in der Bildmitte ist oder mal rumwackelt, spielt bei der Planetenfotografie ja keine große Rolle.
Auf Instagram hab ich zum Spaß sogar mal ein Video gemacht, wo ich zwischendrin nen Kaffe trink... :-D
Wie gesagt, dieses Problem mit der manuellen Nachführung werd ich hoffentlich bald lösen können. Dieses Gerät ist einfach nicht zum Fotografieren gemacht - wer es trotzdem macht, muss eben irgendwie klarkommen! ;-)

15ms finde ich schon extrem lang aber deine Ergebnisse zeigen ja dass es geht.
Ich versuche möglichst viel frames zu bekommen und belichte zwischen 5 und 10ms, das Histogramm ist dabei zwischen 50 und 75p.

Welche Belichtungszeit sinnvoll und möglich ist, ergibt sich maßgeblich durch das Öffnungsverhältnis bzw. Brennweite. Wenn Du z.B. mit f/6 oder f/10 aufnimmst, wirst Du entsprechend mehr Licht haben und dadurch deutlich kürzere Belichtung (mit folglich höheren fps) ermöglichen. Ich nehme aber mit f/16 auf und da wird der Planet einfach dunkler. Unter 10ms müsste ich den Gain dann so weit hochdrehen, dass mir das Bild einfach zu sehr rauscht.
Ich bin leider kein Theoretiker - sonst würde ich die optimale Brennweite für meinen Kamerasensor einfach ausrechnen und darauf vertrauen, dass es richtig ist. Stattdessen probiere ich lieber viel aus und entscheide nach dem, was am Ende rauskommt. Und meine bisherigen Versuche zeigten, dass f/16 noch Sinn macht und ich damit - optimales Seeing vorausgesetzt - die Chance habe, zumindest annähernd das Auflösungsvermögen meiner Optik auf dem Sensor umzusetzen.
Mit meinem 14,5" Dobson habe ich Planeten mit f/13 aufgenommen. Auch das hat sich bislang bewährt für mich.

Die harte Realität in unseren Breiten ist aber: In den allermeisten Nächten schaffe ich es nicht, mit dem 20"er bessere Auflösung am Planeten zu erreichen als das z.B. mit dem 14,5"er der Fall wäre, weil das Seeing praktisch immer der limitierende Faktor ist.

Schöne Grüße,
Peter
 
Zuletzt bearbeitet:
Peter, das ist schon erstaunlich was du da rausholst. Ich bin gespannt was du bei Jupiter zeigst und wie es mit Nachführung aussieht.
Ich hab chatgpt mal gefragt mit deinem Setup welche Belichtungszeiten sinnvoll wären, da macht die KI ewige Ausführungen zu Ausleserauschen und Quanteneffizienz, ich fand diese Übersicht für dein Setup ganz OK.
1000598601.jpg

Kannst ja selber Mal probieren.
Jedenfalls ist die SNR-Akkumulation durch Stacking: Das Signal-Rausch-Verhältnis (SNR) verbessert sich beim Stacking proportional zur Quadratwurzel der Anzahl der gestackten Bilder (\sqrt{N}).
 
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