Teleskopium
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Hallo Astrogemeinde,
ich hatte versprochen, einen kleinen Erfahrungsbericht abzuliefern, sobald mein 12" GSO Dobson sein First Light hinter sich gebracht hatte. Da ich selbst viele Fragen vorab mir mühsam aus dem Forum zusammengesucht habe um für mich zu entscheiden, ob dies für mich ein brauchbares Instrument sei, habe ich hier einen etwas umfangreicheren Testbericht verfasst, der schon beim Auspacken beginnt. Ich habe das Ganze so nüchtern wie möglich verfasst, ich wollte nur emotionslos meine Erkenntnisse transportieren. In jedem Fall sind meine Eindrücke subjektiv, nicht jeder muss hier mit mir übereinstimmen, aber wir können gern darüber reden.
Am Mittwoch kam mein 12"-Dobson von GSO an, erstaunlicherweise war an diesem Tag auch klarer Himmel und der Mond war noch vor dem ersten Viertel, also gute Vorrausetzungen für einen ersten Test des neuen Instruments. Zunächst musste ich aber zunächst die Rockerbox zusammenbauen. Die Technik der Rockerbox erinnert an IKEA-Technik, allerdings besteht die mitgelieferte Rockerbox nicht aus Echtholz, sondern aus schwarz lackierten Spanplatten - gut irgendwoher muss der günstige Preis ja auch kommen. Allerdings bezweifle ich, dass die Rockerbox mehrere Winter überbesteht, wenn diese im schneebedeckten Gras steht. Also habe ich zunächst provisorisch 4 Gehwegplatten auf den Rasen gelegt, die später noch fest im Sandbett verlegt werden. Wenn man dann im Winter diese Stelle räumt kommt die Rockerbox zumindest nicht unnötig mit Feuchtigkeit in Berührung. Früher oder später wird man aber hier wohl um einen Neubau nicht herum kommen, aber das ist ja nun wirklich nicht dramatisch.
Das Zusammenbauen der Box selbst war nur in Bildern beschrieben, die zudem recht klein waren, mit gesundem Menschenverstand kann man dies jedoch auch ohne Bauanleitung schaffen. Der Tubus war gut verpackt und ... doch recht schwer. Wenn man einen Koffer mit ca. 20kg Reisegepäck hat, so hat man dafür einen Griff am Koffer, der Tubus verteilt jedoch das Gewicht auf zwei Stellen, den Großteil macht natürlich der Hauptspiegel aus, dennoch bringt auch der Okularauszug etwas Gewicht mit. Der große Unterschied zur Schmutzwäsche im Reisekoffer ist aber, dass der Tubus natürlich wesentlich anfälliger auf Stöße reagiert. Ein Tubus für ein 12"-Newton lässt sich nicht mehr so angenehm mit den Armen umfassen wie dies bei kleineren Abmessungen noch möglich ist. Also ist ein "sanfter" Transport wirklich nicht mehr so einfach, man will ja auch nirgends anecken. Jedem der seinen Dobson ein Stück tragen muss sollte dies vorher bewusst sein. Ich könnte mir nicht vorstellen, den Dobson unsere schmalen Kellertreppen hochschleppen zu müssen.
Und einen Transport per Sackkarre lehne ich für mich ab. Gut, mit dem Tubus wird ein 8x50 Sucher mitgeliefert. Die Sucheroptik ist ganz brauchbar, allerdings war mein Sucher für terrestrische Beobachtungen um 500m scharf gestellt worden und ich habe zunächst nicht herausgefunden, wo man den Fokus einstellen kann. Dies muss man vorn am Objektiv verstellen. Da dies bei mir sehr schwergängig war hatte ich den Sucher zunächst auf dem Tubus befestigt. Am Tubus angebracht war es mir danach wegen der Schwergängigkeit nicht mehr möglich scharf zu stellen. Aber auch hier muss man sagen: es ist eben ein Sucher, den stellt man einmal scharf und ändert den Focus anschließend nie wieder!
Am Tubus war ein Crayford-Okularauszug angeschraubt, wie sich später herausstellte kann man damit auch durchaus sehr gut fokussieren. Hier hatte ich mit Schlimmerem gerechnet. Am Hauptspiegel war bereits ein Lüfter angebracht, ein Batteriefach für 8 R6-Batterien lag dabei. Leider hatte ich keine Batterien, für das First Light musste es also zunächst ohne gehen. Außerdem lag ein 32mm 2"-Kellner Okular bei und ich hatte mir noch ein Ultrawide-Angle 15mm Okular dazubestellt, was gleichfalls im untersten Preissegment liegt - für den allerersten Start sozusagen und um erst einmal ein Gefühl für das Instrument zu bekommen.
Zunächst mussten Primär- und Sekundärspiegel justiert werden, denn durch den Transport dürften sie wohl nie richtig justiert beim Kunden ankommen. Also legte ich den Tubus auf die Rockerbox und spannte die Federn. Der Dobson gleitete bereits jetzt recht sanft über die Gleitlager, vermutlich kann man dies noch verbessern, aber ich hatte auch ohne Tuning keine Schwierigkeiten das Teleskop auf einen entfernten Punkt am Horizont exakt einzustellen. Der Tubus wird mit einem ordentlich konstruierten Deckel geliefert, auch hier war ich positiv überrascht - man muss also nicht noch selbst eine Staubschutzkappe basteln. Allerdings wiegen Deckel und Okular zusammen bereits zuviel, der Tubus bleibt dann ab etwa 30° nicht mehr in der Lage stehen, sondern rutscht weiter nach unten. Also bei etwaigen Zubehörteilen muss man sicher genau auf das Gewicht achten. Die Justierung selbst ging doch schneller vonstatten als ich gedacht hätte, wobei ich den Artikel auf der Homepage von Uwe Pilz zuvor als Anleitung gelesen hatte. Allerdings hatte ich keinerlei Hilfmittel benutzt, weder einen Justierlaser, noch die von Uwe Pilz empfohlene Filmdose. Ich habe einfach nur durch den OAZ mittig durchgeschaut und zunächst den Fangspiegel justiert. Dabei war es wichtig darauf zu achten, dass das Auge exakt mittig durch den OAZ schaute. Der Fangspiegel war bereits in der richtigen Höhe über dem Hauptspiegel angeordnet und stimmte im Azimut, nur die Neigung stimmte nicht mehr. Anschließend habe ich dann den Hauptspiegel justiert, hier muss man einfach vorher etwas ausprobieren, welche Schraube den Spiegel wie bewegt. Auch ist es anfangs etwas verwirrend, die Bilder von Haupt- und Fangspiegel im OAZ richtig zu deuten. Nach etwa einer halben Stunde war die Spinne und der Fangspiegel mittig im Hauptspiegelbild zu sehen und das Zentralfeld wurde mittig im Fangspiegel dargestellt. Das ging dann doch recht einfach. Natürlich ist diese Methode nicht so exakt wie Uwe Pilz sie beschreibt und ich werde das Ganze später noch mal mit einer Filmdose wiederholen (diese sorgt vermutlich dafür, dass man das Auge wirklich mittig im OAZ hat).
Also auf zur ersten Beobachtung. Das Gerät in den Garten getragen, ja das Gewicht ist schon an der Grenze dessen, was ich nachts alleine schleppen möchte. Beim Aufsetzen des Tubus auf die Rockerbox vielen mir ein paar tiefe Kratzer auf dem linken "Side bearing" Höhenrades auf. Die Gleitlager der Rockerbox sind aus einem weichen Plaste (weiß nicht, ob das Ebony ist), diese sind mittels kleinen Krampen an der Rockerbox befestigt. Die Krampen sind normalerweise tiefer eingelassen, durch den Zug der Federn wird das Material aber so tief eingedrückt, dass die Krampe das Höhenrad zerkratzte. Also habe ich vorsichtig mit einem Hammer die Krampe tiefer versenkt. Bei neuen Instrumenten also unbedingt darauf achten, dass die Krampen wirklich tief genug drin sind. Trotz der kleinen Kratzer bewegt sich der Tubus immer noch sehr gut.
Obwohl ich nirgendwo angeeckt war musste ich den Hauptspiegel nochmal nachjustieren. Das ist aber bei größeren Newtons einfach normal.
Nun habe ich das Gerät stehen gelassen, da die Sonne noch überm Horizont stand. Nach einer kleinen Weile musste ich feststellen, dass die Tubuswand sich im Sonnenlicht stark aufheizte. Um den Auskühlvorgang nicht unnötig zu verlängern legte ich ein paar Decken drüber.
Gegen 21.30 Uhr ging ich dann wieder nach draußen um erste Beobachtungen zu machen. Allerdings war es noch etwas zu hell für DeepSky, der Himmelshintergrund war einfach noch nicht schwarz (6. August, 51.5°N astronomische Dämmerung 23.32Uhr). Zunächst ein paar Doppelsterne eingestellt, angefangen bei Alcor/Mizar. Klares deutliches Bild, Sterne punktförmig, also stimmte die Justierung bereits einigermaßen. h+chi Pers zeigten sich wunderschön, allerdings zum Rand hin bemerkte ich, das die Sterne im mitgelieferten 32er Okular unscharf wurden. Gut - über die Qualität der mitgelieferten Okulare wurde hier im Forum bereits genügend oft berichtet. Also für ernsthafte Beobachtungen muss ich mir wohl ein besseres Weitwinkelokular mit 30-40mm Brennweite besorgen. Selbst für das Aufsuchen von Objekten ist dieses Okular nicht wirklich zu gebrauchen, wie sich bei M57 bereits herausstellte. Denn bei 46x Vergrößerung ist M57 nicht viel größer als ein unscharfer Stern am Sehfeldrand des Okulars, damit steht dann doch nur ein relativ kleines Gesichtsfeld zur Verfügung. Zum Glück hatte ich M57 bereits mit meinem Refraktor recht oft ohne Teilkreise eingestellt, doch da der Sucher auch noch nicht scharf fokussiert war, wie ich jetzt schnell feststellte, war auch M57 nicht mehr so leicht zu finden. Irgendwie war es für mich denn auch schwierig, mein parallaktisches Denken hier aufzugeben, denn ein seitlicher Schwenk führte jetzt nicht mehr zu einer Bewegung parallel zum Himmelsäquator. Aus diesen Gründen dauerte es fast eine viertel Stunde, bis ich M57 gefunden hatte. 23 Uhr, es war immer noch nicht richtig dunkel, dennoch war M57 deutlich zu sehen, deutlich heller selbst bei 100x Vergrößerung im Vergleich zu 100mm Öffnung, aber mit wenig Struktur. Hier muss man wohl auch über die Anschaffung eines UHC-Filters nachdenken. Beim Aufsuchen kam auch Wega ins Bild und zeigte deutlich die von Fotos bekannten Spikes. Auch wenn die Spinne sehr dünn ist kommen dennoch diese Beugungserscheinungen zustande. Aber rein visuell hatte ich solche Spikes noch nicht gesehen.
Dann suchte ich das nächste Objekt auf, M31 Andromeda-Nebel. Langsam kam ich etwas besser mit der azimutalen Bewegung zurecht, M31 war schneller gefunden. Leider war es immer noch nicht wirklich dunkel, die Zentralregion der Galaxie strahlte extrem hell bei 100x Vergrößerung, da werden die 8" mehr an Öffnung schnell deutlich. Aber obwohl bereits die Milchstraße erkennbar war konnte ich keine Spiralarme erkennen, M31 war vermutlich noch zu tief am Osthorizont und die dunkleren Spiralarme wurden vom Himmelshintergrund überstrahlt. Leider konnte ich nicht mehr so lange beobachten, sonst hätte ich M31 einfach später noch einmal eingestellt. Also versuchte ich M13 einzustellen. Der immer noch unscharfe Sucher und das 32mm Okular waren mir dabei allerdings wirklich keine Hilfe. Irgendwo etwa bei 1/3 zwischen eta und zeta musste M13 unmittelbar neben der Verbindungslinie zwischen diesen beiden Sternen liegen. Doch obwohl ich mehrfach dieses Gebiet abgesucht habe hatte ich einfach diesmal kein Glück mit M13. Irgendwie kann ich
mich erinnern, dass ich M13 bislang immer über Teilkreise eingestellt hatte, es scheint also meine persönliche Macke zu sein, den Kugelsternhaufen einfach nicht zu finden. Aus Zeitgründen musste ich gegen 23:30Uhr abbauen, gerade als es richtig dunkel wurde (außerdem wurden die Mücken langsam unangenehm aufdringlich).
Zusammenfassung:
Die Optik ist auf jeden Fall sehr gut, vielleicht muss man sie noch etwas genauer justieren, obwohl ich glaube, dass ich dem Optimum schon sehr nahe gekommen bin. Meine "Grundausstattung" 32mm und 15mm UWA ist sicher sehr dürftig. Mit dem 15mm UWA werde ich vorerst noch leben, das 32mm Okular wird sicher als Erstes ausgetauscht. Weiter hatte ich Bedenken mit dem Nachführen von Hand bei hohen Vergrößerungen. Mit sehr guten Weitwinkel-Okularen ist dies in der Tat kein Problem und man kann das Objekt auch noch gut im Okular betrachten, während es sich durch das Bild bewegt. Natürlich wird diese Bewegung mit stärkerer Vergrößerung immer schneller, also hier muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, ab wann man das Gefühl hat, das vorbeihuschende Objekt im Okular nicht mehr erfassen zu können.
Ich persönlich werde mir zunächst vielleicht ein Zoomokular im Bereich 4-8mm bzw. 8-12mm zulegen. Außerdem vermisse ich oberhalb der 15mm noch ein Okular für den Bereich zwischen 15mm und 32mm. Weiterhin ist ein Filter sicher nicht verkehrt zur Kontraststeigerung. Den Einfluss des Lüfters konnte ich noch nicht prüfen mangels Batterien, bei unteren Vergrößerungen hatte ich aber auch keine größeren Probleme mit der Szintilation. Außerdem wäre für den Sucher noch ein Zenitprisma wünschenswert, denn zenitnah lässt es sich so nur sehr unangenehm einstellen - mal sehen, ob es dafür überhaupt etwas gibt.
Über Tuning-Maßnahmen habe ich sonst noch nicht nachgedacht, obwohl ich mich über die Möglichkeiten bereits informiert habe. Aber auch hier sollte man sich wohl selbst langsam herantasten.
Man sollte vorher wirklich sicherstellen, dass man nicht Probleme mit dem Gewicht des Tubus hat. Natürlich, 20kg - das klingt nicht viel. Aber es sind eben keine Griffe am Tubus und großartig Treppen steigen mit einem 1.4m langen Tubus, das wäre zumindest nicht meine Sache. Gleichfalls benötigt das Gerät auch etwas möglichst trockenen Verstauraum.
Ich würde dieses Instrument nicht mehr als Einsteigergerät bezeichnen, auch wenn es inzwischen recht preiswert zu haben ist und von manchem Händler als solches angeboten wird. Wer noch keine Erfahrungen mit Fernrohren hat und vielleicht nicht einmal weiß, ob er eher DeepSky oder Planeten beobachten will, der sollte sich entweder einen Refraktor zulegen oder einen kleineren Dobson bis maximal 8" Zoll oder einen parallaktischen Newton mit ordentlicher Montierung.
Wenn man genau weiß, was man will und was man von diesem Instrument zu erwarten hat, dann ist dies sicher ein schönes und leistungsstarkes Instrument, vor allem für DeepSky. Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass man für diese Optik noch mal den Kaufpreis in Okulare investieren muss um eine sinnvolle Ausrüstung zu haben.
Mein persönliches Fazit: ich bin damit sehr zufrieden, wenn mir auch noch klarer geworden ist, dass ich dieses Instrument im Moment noch nicht ausreizen kann. Jedenfalls freue ich mich schon auf den nächsten sternklaren Himmel ohne Mond.
Ich hoffe allen etwas hilfreich gewesen zu sein, welche die Anschaffung eines Teleskops planen.
Gruß
Jürgen
ich hatte versprochen, einen kleinen Erfahrungsbericht abzuliefern, sobald mein 12" GSO Dobson sein First Light hinter sich gebracht hatte. Da ich selbst viele Fragen vorab mir mühsam aus dem Forum zusammengesucht habe um für mich zu entscheiden, ob dies für mich ein brauchbares Instrument sei, habe ich hier einen etwas umfangreicheren Testbericht verfasst, der schon beim Auspacken beginnt. Ich habe das Ganze so nüchtern wie möglich verfasst, ich wollte nur emotionslos meine Erkenntnisse transportieren. In jedem Fall sind meine Eindrücke subjektiv, nicht jeder muss hier mit mir übereinstimmen, aber wir können gern darüber reden.
Am Mittwoch kam mein 12"-Dobson von GSO an, erstaunlicherweise war an diesem Tag auch klarer Himmel und der Mond war noch vor dem ersten Viertel, also gute Vorrausetzungen für einen ersten Test des neuen Instruments. Zunächst musste ich aber zunächst die Rockerbox zusammenbauen. Die Technik der Rockerbox erinnert an IKEA-Technik, allerdings besteht die mitgelieferte Rockerbox nicht aus Echtholz, sondern aus schwarz lackierten Spanplatten - gut irgendwoher muss der günstige Preis ja auch kommen. Allerdings bezweifle ich, dass die Rockerbox mehrere Winter überbesteht, wenn diese im schneebedeckten Gras steht. Also habe ich zunächst provisorisch 4 Gehwegplatten auf den Rasen gelegt, die später noch fest im Sandbett verlegt werden. Wenn man dann im Winter diese Stelle räumt kommt die Rockerbox zumindest nicht unnötig mit Feuchtigkeit in Berührung. Früher oder später wird man aber hier wohl um einen Neubau nicht herum kommen, aber das ist ja nun wirklich nicht dramatisch.
Das Zusammenbauen der Box selbst war nur in Bildern beschrieben, die zudem recht klein waren, mit gesundem Menschenverstand kann man dies jedoch auch ohne Bauanleitung schaffen. Der Tubus war gut verpackt und ... doch recht schwer. Wenn man einen Koffer mit ca. 20kg Reisegepäck hat, so hat man dafür einen Griff am Koffer, der Tubus verteilt jedoch das Gewicht auf zwei Stellen, den Großteil macht natürlich der Hauptspiegel aus, dennoch bringt auch der Okularauszug etwas Gewicht mit. Der große Unterschied zur Schmutzwäsche im Reisekoffer ist aber, dass der Tubus natürlich wesentlich anfälliger auf Stöße reagiert. Ein Tubus für ein 12"-Newton lässt sich nicht mehr so angenehm mit den Armen umfassen wie dies bei kleineren Abmessungen noch möglich ist. Also ist ein "sanfter" Transport wirklich nicht mehr so einfach, man will ja auch nirgends anecken. Jedem der seinen Dobson ein Stück tragen muss sollte dies vorher bewusst sein. Ich könnte mir nicht vorstellen, den Dobson unsere schmalen Kellertreppen hochschleppen zu müssen.
Und einen Transport per Sackkarre lehne ich für mich ab. Gut, mit dem Tubus wird ein 8x50 Sucher mitgeliefert. Die Sucheroptik ist ganz brauchbar, allerdings war mein Sucher für terrestrische Beobachtungen um 500m scharf gestellt worden und ich habe zunächst nicht herausgefunden, wo man den Fokus einstellen kann. Dies muss man vorn am Objektiv verstellen. Da dies bei mir sehr schwergängig war hatte ich den Sucher zunächst auf dem Tubus befestigt. Am Tubus angebracht war es mir danach wegen der Schwergängigkeit nicht mehr möglich scharf zu stellen. Aber auch hier muss man sagen: es ist eben ein Sucher, den stellt man einmal scharf und ändert den Focus anschließend nie wieder!
Am Tubus war ein Crayford-Okularauszug angeschraubt, wie sich später herausstellte kann man damit auch durchaus sehr gut fokussieren. Hier hatte ich mit Schlimmerem gerechnet. Am Hauptspiegel war bereits ein Lüfter angebracht, ein Batteriefach für 8 R6-Batterien lag dabei. Leider hatte ich keine Batterien, für das First Light musste es also zunächst ohne gehen. Außerdem lag ein 32mm 2"-Kellner Okular bei und ich hatte mir noch ein Ultrawide-Angle 15mm Okular dazubestellt, was gleichfalls im untersten Preissegment liegt - für den allerersten Start sozusagen und um erst einmal ein Gefühl für das Instrument zu bekommen.
Zunächst mussten Primär- und Sekundärspiegel justiert werden, denn durch den Transport dürften sie wohl nie richtig justiert beim Kunden ankommen. Also legte ich den Tubus auf die Rockerbox und spannte die Federn. Der Dobson gleitete bereits jetzt recht sanft über die Gleitlager, vermutlich kann man dies noch verbessern, aber ich hatte auch ohne Tuning keine Schwierigkeiten das Teleskop auf einen entfernten Punkt am Horizont exakt einzustellen. Der Tubus wird mit einem ordentlich konstruierten Deckel geliefert, auch hier war ich positiv überrascht - man muss also nicht noch selbst eine Staubschutzkappe basteln. Allerdings wiegen Deckel und Okular zusammen bereits zuviel, der Tubus bleibt dann ab etwa 30° nicht mehr in der Lage stehen, sondern rutscht weiter nach unten. Also bei etwaigen Zubehörteilen muss man sicher genau auf das Gewicht achten. Die Justierung selbst ging doch schneller vonstatten als ich gedacht hätte, wobei ich den Artikel auf der Homepage von Uwe Pilz zuvor als Anleitung gelesen hatte. Allerdings hatte ich keinerlei Hilfmittel benutzt, weder einen Justierlaser, noch die von Uwe Pilz empfohlene Filmdose. Ich habe einfach nur durch den OAZ mittig durchgeschaut und zunächst den Fangspiegel justiert. Dabei war es wichtig darauf zu achten, dass das Auge exakt mittig durch den OAZ schaute. Der Fangspiegel war bereits in der richtigen Höhe über dem Hauptspiegel angeordnet und stimmte im Azimut, nur die Neigung stimmte nicht mehr. Anschließend habe ich dann den Hauptspiegel justiert, hier muss man einfach vorher etwas ausprobieren, welche Schraube den Spiegel wie bewegt. Auch ist es anfangs etwas verwirrend, die Bilder von Haupt- und Fangspiegel im OAZ richtig zu deuten. Nach etwa einer halben Stunde war die Spinne und der Fangspiegel mittig im Hauptspiegelbild zu sehen und das Zentralfeld wurde mittig im Fangspiegel dargestellt. Das ging dann doch recht einfach. Natürlich ist diese Methode nicht so exakt wie Uwe Pilz sie beschreibt und ich werde das Ganze später noch mal mit einer Filmdose wiederholen (diese sorgt vermutlich dafür, dass man das Auge wirklich mittig im OAZ hat).
Also auf zur ersten Beobachtung. Das Gerät in den Garten getragen, ja das Gewicht ist schon an der Grenze dessen, was ich nachts alleine schleppen möchte. Beim Aufsetzen des Tubus auf die Rockerbox vielen mir ein paar tiefe Kratzer auf dem linken "Side bearing" Höhenrades auf. Die Gleitlager der Rockerbox sind aus einem weichen Plaste (weiß nicht, ob das Ebony ist), diese sind mittels kleinen Krampen an der Rockerbox befestigt. Die Krampen sind normalerweise tiefer eingelassen, durch den Zug der Federn wird das Material aber so tief eingedrückt, dass die Krampe das Höhenrad zerkratzte. Also habe ich vorsichtig mit einem Hammer die Krampe tiefer versenkt. Bei neuen Instrumenten also unbedingt darauf achten, dass die Krampen wirklich tief genug drin sind. Trotz der kleinen Kratzer bewegt sich der Tubus immer noch sehr gut.
Obwohl ich nirgendwo angeeckt war musste ich den Hauptspiegel nochmal nachjustieren. Das ist aber bei größeren Newtons einfach normal.
Nun habe ich das Gerät stehen gelassen, da die Sonne noch überm Horizont stand. Nach einer kleinen Weile musste ich feststellen, dass die Tubuswand sich im Sonnenlicht stark aufheizte. Um den Auskühlvorgang nicht unnötig zu verlängern legte ich ein paar Decken drüber.
Gegen 21.30 Uhr ging ich dann wieder nach draußen um erste Beobachtungen zu machen. Allerdings war es noch etwas zu hell für DeepSky, der Himmelshintergrund war einfach noch nicht schwarz (6. August, 51.5°N astronomische Dämmerung 23.32Uhr). Zunächst ein paar Doppelsterne eingestellt, angefangen bei Alcor/Mizar. Klares deutliches Bild, Sterne punktförmig, also stimmte die Justierung bereits einigermaßen. h+chi Pers zeigten sich wunderschön, allerdings zum Rand hin bemerkte ich, das die Sterne im mitgelieferten 32er Okular unscharf wurden. Gut - über die Qualität der mitgelieferten Okulare wurde hier im Forum bereits genügend oft berichtet. Also für ernsthafte Beobachtungen muss ich mir wohl ein besseres Weitwinkelokular mit 30-40mm Brennweite besorgen. Selbst für das Aufsuchen von Objekten ist dieses Okular nicht wirklich zu gebrauchen, wie sich bei M57 bereits herausstellte. Denn bei 46x Vergrößerung ist M57 nicht viel größer als ein unscharfer Stern am Sehfeldrand des Okulars, damit steht dann doch nur ein relativ kleines Gesichtsfeld zur Verfügung. Zum Glück hatte ich M57 bereits mit meinem Refraktor recht oft ohne Teilkreise eingestellt, doch da der Sucher auch noch nicht scharf fokussiert war, wie ich jetzt schnell feststellte, war auch M57 nicht mehr so leicht zu finden. Irgendwie war es für mich denn auch schwierig, mein parallaktisches Denken hier aufzugeben, denn ein seitlicher Schwenk führte jetzt nicht mehr zu einer Bewegung parallel zum Himmelsäquator. Aus diesen Gründen dauerte es fast eine viertel Stunde, bis ich M57 gefunden hatte. 23 Uhr, es war immer noch nicht richtig dunkel, dennoch war M57 deutlich zu sehen, deutlich heller selbst bei 100x Vergrößerung im Vergleich zu 100mm Öffnung, aber mit wenig Struktur. Hier muss man wohl auch über die Anschaffung eines UHC-Filters nachdenken. Beim Aufsuchen kam auch Wega ins Bild und zeigte deutlich die von Fotos bekannten Spikes. Auch wenn die Spinne sehr dünn ist kommen dennoch diese Beugungserscheinungen zustande. Aber rein visuell hatte ich solche Spikes noch nicht gesehen.
Dann suchte ich das nächste Objekt auf, M31 Andromeda-Nebel. Langsam kam ich etwas besser mit der azimutalen Bewegung zurecht, M31 war schneller gefunden. Leider war es immer noch nicht wirklich dunkel, die Zentralregion der Galaxie strahlte extrem hell bei 100x Vergrößerung, da werden die 8" mehr an Öffnung schnell deutlich. Aber obwohl bereits die Milchstraße erkennbar war konnte ich keine Spiralarme erkennen, M31 war vermutlich noch zu tief am Osthorizont und die dunkleren Spiralarme wurden vom Himmelshintergrund überstrahlt. Leider konnte ich nicht mehr so lange beobachten, sonst hätte ich M31 einfach später noch einmal eingestellt. Also versuchte ich M13 einzustellen. Der immer noch unscharfe Sucher und das 32mm Okular waren mir dabei allerdings wirklich keine Hilfe. Irgendwo etwa bei 1/3 zwischen eta und zeta musste M13 unmittelbar neben der Verbindungslinie zwischen diesen beiden Sternen liegen. Doch obwohl ich mehrfach dieses Gebiet abgesucht habe hatte ich einfach diesmal kein Glück mit M13. Irgendwie kann ich
mich erinnern, dass ich M13 bislang immer über Teilkreise eingestellt hatte, es scheint also meine persönliche Macke zu sein, den Kugelsternhaufen einfach nicht zu finden. Aus Zeitgründen musste ich gegen 23:30Uhr abbauen, gerade als es richtig dunkel wurde (außerdem wurden die Mücken langsam unangenehm aufdringlich).
Zusammenfassung:
Die Optik ist auf jeden Fall sehr gut, vielleicht muss man sie noch etwas genauer justieren, obwohl ich glaube, dass ich dem Optimum schon sehr nahe gekommen bin. Meine "Grundausstattung" 32mm und 15mm UWA ist sicher sehr dürftig. Mit dem 15mm UWA werde ich vorerst noch leben, das 32mm Okular wird sicher als Erstes ausgetauscht. Weiter hatte ich Bedenken mit dem Nachführen von Hand bei hohen Vergrößerungen. Mit sehr guten Weitwinkel-Okularen ist dies in der Tat kein Problem und man kann das Objekt auch noch gut im Okular betrachten, während es sich durch das Bild bewegt. Natürlich wird diese Bewegung mit stärkerer Vergrößerung immer schneller, also hier muss wohl jeder für sich selbst entscheiden, ab wann man das Gefühl hat, das vorbeihuschende Objekt im Okular nicht mehr erfassen zu können.
Ich persönlich werde mir zunächst vielleicht ein Zoomokular im Bereich 4-8mm bzw. 8-12mm zulegen. Außerdem vermisse ich oberhalb der 15mm noch ein Okular für den Bereich zwischen 15mm und 32mm. Weiterhin ist ein Filter sicher nicht verkehrt zur Kontraststeigerung. Den Einfluss des Lüfters konnte ich noch nicht prüfen mangels Batterien, bei unteren Vergrößerungen hatte ich aber auch keine größeren Probleme mit der Szintilation. Außerdem wäre für den Sucher noch ein Zenitprisma wünschenswert, denn zenitnah lässt es sich so nur sehr unangenehm einstellen - mal sehen, ob es dafür überhaupt etwas gibt.
Über Tuning-Maßnahmen habe ich sonst noch nicht nachgedacht, obwohl ich mich über die Möglichkeiten bereits informiert habe. Aber auch hier sollte man sich wohl selbst langsam herantasten.
Man sollte vorher wirklich sicherstellen, dass man nicht Probleme mit dem Gewicht des Tubus hat. Natürlich, 20kg - das klingt nicht viel. Aber es sind eben keine Griffe am Tubus und großartig Treppen steigen mit einem 1.4m langen Tubus, das wäre zumindest nicht meine Sache. Gleichfalls benötigt das Gerät auch etwas möglichst trockenen Verstauraum.
Ich würde dieses Instrument nicht mehr als Einsteigergerät bezeichnen, auch wenn es inzwischen recht preiswert zu haben ist und von manchem Händler als solches angeboten wird. Wer noch keine Erfahrungen mit Fernrohren hat und vielleicht nicht einmal weiß, ob er eher DeepSky oder Planeten beobachten will, der sollte sich entweder einen Refraktor zulegen oder einen kleineren Dobson bis maximal 8" Zoll oder einen parallaktischen Newton mit ordentlicher Montierung.
Wenn man genau weiß, was man will und was man von diesem Instrument zu erwarten hat, dann ist dies sicher ein schönes und leistungsstarkes Instrument, vor allem für DeepSky. Allerdings muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass man für diese Optik noch mal den Kaufpreis in Okulare investieren muss um eine sinnvolle Ausrüstung zu haben.
Mein persönliches Fazit: ich bin damit sehr zufrieden, wenn mir auch noch klarer geworden ist, dass ich dieses Instrument im Moment noch nicht ausreizen kann. Jedenfalls freue ich mich schon auf den nächsten sternklaren Himmel ohne Mond.
Ich hoffe allen etwas hilfreich gewesen zu sein, welche die Anschaffung eines Teleskops planen.
Gruß
Jürgen