12P Pons-Brooks im Ausbruch

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jeanc

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Hallo Der Komet 12P Pons-Brooks hat mit 71 Jahren Umlaufzeit eine ähnliche Bahn wie 1P Halley. Der Komet ist bekannt dafür, größere Helligkeitsausbrüche zu zeigen.
In dieser Wiederkehr - 12P wird zu Frühlingsbeginn 2024 schwach freisichtig - gab es am 20.7. den ersten großen Ausbruch. Der Komet steigerte seine Helligkeit in 24 Stunden um 5 Größenklassen und ist nun 11m5 hell. Die Aufnahme mit einem 16"/3.2 und CCD von gestern erfolgte zufällig und zeigt den Kometen absolut stellar. Eine Ephemeride für die nächsten Tage.
Gruß Michael


12P/Pons-Brooks

0012P
Date UT R.A. (J2000) Decl. Delta r El. Ph. m1 Sky Motion
h m s "/min P.A.
2023 07 21 000000 18 17 55.7 +55 49 36 3.562 3.880 100.6 14.9 16.6 0.58 272.3
2023 07 22 000000 18 16 16.1 +55 50 00 3.554 3.870 100.4 15.0 16.6 0.58 271.0
2023 07 23 000000 18 14 36.9 +55 50 05 3.546 3.859 100.3 15.0 16.5 0.58 269.7
2023 07 24 000000 18 12 58.1 +55 49 50 3.538 3.849 100.1 15.1 16.5 0.58 268.3
2023 07 25 000000 18 11 19.9 +55 49 16 3.530 3.839 100.0 15.1 16.5 0.57 267.0
2023 07 26 000000 18 09 42.2 +55 48 23 3.523 3.828 99.8 15.2 16.5 0.57 265.6
2023 07 27 000000 18 08 05.2 +55 47 11 3.515 3.818 99.6 15.2 16.5 0.57 264.3
2023 07 28 000000 18 06 28.9 +55 45 40 3.507 3.808 99.4 15.3 16.4 0.57 262.9
2023 07 29 000000 18 04 53.4 +55 43 50 3.500 3.797 99.2 15.3 16.4 0.56 261.6
 

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Eine Woche nach dem Ausbruch ist die Kernhelligkeit auf den Anfangswert zurück gegangen. Der Komet ist aber nach wie vor 11m5 hell, wird immer größer und diffuser und es zeigen sich in der inneren Koma Strukturen. Das Bild entstand am 30.7. bei hellem Mondlicht mit 16"/3.2 und QHY600 16x60 Sek. 1x1bin Gruß Michael
 

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Hallo Michael, ich habe den Kometen mit meinem Epsilon 130 auch fotografieren können. Was mich interessiert ist eigentlich die Perspektive die wir auf den Bildern sehen und was ist der dunkle Fleck in der Koma ?
LG Jörg
 
Der Komet ist noch 3,5 AE von der Erde und 3,8 AE von der Sonne entfernt – bei ziemlich steil geneigter Bahn. Das bedeutet, wir schauen nahezu aus der selben Richtung auf ihn wie die Sonne. Oder anders ausgedrückt: Der Schweif ist weitgehend von uns weggerichtet, perspektivisch stark verkürzt. Wir sehen auch keinen Schweif.

Was wir sehen, ist das Ergebnis des Ausbruchs vom 20. Juli. Davor war er sehr schwach, bis er eben um ca. 5 mag anstieg. Ein solcher Ausbruch geht von einem Aktivitätsgebiet aus, also einer Stelle, wo die dicke Staubkruste weggesprengt wurde. Dort kommt es zur Ausgasung und zur Freisetzung von Staub. Es bildet sich typischerweise eine Staubkoma, die bei bleibender Geamthelligkeit immer größer wird. Das ist es, was wir momentan beobachten. Irgendwann wird die Koma so diffus / verdünnt, dass man sie nicht mehr nachweisen kann.
Die dunkle Stelle in der Koma rührt daher, dass der feste Kern des Kometen eine Barriere für die Ausbreitung des Staubes ist. Die Ausbruchsstelle war also gegenüber dieser dunklen Stelle. So etwas sieht man nur an langsam rotierenden Kometen, ansonsten käme es zu einer Spiralstruktur "Rasensprengereffekt". Diesen Effekt
JS178-32497.jpg

(FG Kometen, 1997 March 24 0.19 UT, Alvan Clark refractor ,24.13 cm f/15, Olympus OM-1,16mm Brandon projection,20 seconds, Kodak Royal Gold 1000. 1997 John Sabia)
habe ich 1997 am Kometen Hale.Bopp in einem Telementor beobachtet. Zeichnung finde ich auf die Schnelle nicht.

Wenn der Komet aber nicht rotiert oder nur langsam, dann erzeugt er diese "Pacman-Struktur".
 
Eine grundsätzliche Frage zu den Helligkeitsangaben habe ich da noch.
Warum unterscheiden sich die Daten manchmal so extrem ( 4-5 Größenklassen ) und welche Datenbank ist da am nächsten an den tatsächlichen Werten.
Gruß
Jörg
 
Die visuellen Helligkeitsangaben sind (so gut wir das können) Gesamthelligkeit der Koma, manchmal nicht vom beginnenden Schweif zu trennen.
Die Fotografen haben sich einmal darauf geeinigt, nur die innersten 10 Bogensekunden auszumessen (10" Apertur). Das genügt für manche Zwecke bzw. ist dafür sogar erfroderlich, v.a. zur Berechnung des sog Afρ-Wertes, welcher zur Abschätzung der Staubentwicklung dient.
Bei sehr schwachen und kleinen Kometen erfasst man oft die gesamte Koma. Je größer und diffuser der Komet wird, desto größer ist der Unterschied. Die Datenbank der Bahnelemente beim Minor Planet Center enthält die 10"-Helligkeiten, und viele Softwareprogramme nehmen alles von dort, also die Bahndaten und die Helligkeitsparameter.
Gesamthelligkeiten werden in der Datenbank COBS gesammelt, alle Werte der Fachgruppe sind dort. Nattülich finden sich dort auch elektronische Messungen nach obiger Diktion.
Thomas Lehmann aus unserer Fachgruppe stellt eine hochwertige Softwarelösung zur Bestimmung der Gesamthelligkeit aus Fotografien bereit. Es geht aber auch einfacher, jedenfalls in vielen Fällen.
Was für das Auge einfach ist: "Hinwegsehen" über eingeschlossene Sterne und den Gradienten des Himmelhintergrundes, das ist für die Auswertung von Fotografien recht schwierig.

Die COBS-Datenbank ist das beste, was wir haben, ich mache alle Auswertungen aus diesen Daten. Aktuelle Helligkeiten finden sich ohne groß zu rechnen auf der Fachgruppenseite. Ich aktualisiere das wöchentlich.
 
Der Komet baut jetzt langsam ab, die Koma expandiert weiter, die äußere Hülle geht in einen Staubschweif über. Kommt kein neuer Ausbruch, wird der
Komet visuell bald nicht zu sehen sein. Bild vom 11.8. mit C14 Edge HD bei f-11. Gruß Michael
 

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In der Nacht vom 4. auf 5. Oktober erfolgte der nächste Ausbruch. Der Komet steigerte seine Helligkeit um knapp 3 Größenklassen und ist jetzt wieder rund 11m0 hell. Die Aufnahme zeigt ihn 20 Stunden nach dem Ausbruch - 5.10. um 21.20 UT LRGB 450/150/150/150sec mit 16"/3.2 und Moravian G3-16200 Gruß Michael
 

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Hallo allerseits,
gab es jetzt aktuell wieder einen Helligkeitsausbruch? Hatte Gelegenheit zur Beobachtung Samstag Nacht und heute am frühen Abend. Pons-Brooks wirkt im Evscope deutlich heller als C 2023 H2 Lemmon und auch deutlich heller als vor 5 Tagen. Helligkeitsspitzen ( ich bin nicht so versiert mit dem korrekten Vokabular) meine ich bei 12, 4 und 9 Uhr zu sehen, weiß aber nicht, ob das der mangelhaften Auflösung geschuldet ist, oder entspricht das realen Ausbruchsregionen? Wie ist die Gesamthelligkeit zur Zeit einzuschätzen? Scheint mir merklich höher als die 9.7 bei Heavens Above oder die 9.3 bei The Sky Live.
12p Pons-Brooks eVscope-20231117-190758-1.jpg

Grüße und CS
Christoph
 
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