Hallo,
das Thema fotografie ist beim Kauf des ersten Teleskopes zwar immer wieder aktuell, aber es ist sehr schwer, beim ersten Gerät wirklich darauf einzugehen.
Es gibt zunächst mal grob zwei Sorten Astrofotografie. Eine mit kurzen Belichtungszeiten bis maximal 2 oder 4 Sekunden, um den Mond und die Planeten abzulichten, und dann die Deepsky Astrofotografie, bei der 5 Minuten eine kurze Belichtungszeit sind.
Die Planetenfotografie kann man praktisch mit jedem Teleskop betreiben, so lange man nur die Kamera dran bekommt. Modern ist ja in dieser Disziplin die Webcam-Fotografie, und da die Webcam mit Adapter wie ein Okular eingesteckt wird, haut das dann wirklich so gut wie mit jedem Teleskop hin, vielleicht noch mit Unterstützung einer Barlow-Linse. Natürlich sind nicht alle Optiken gleich gut geeignet, aber man kann mit fast jeder Optik geschmackvolle Bilder erzielen.
Die Deepsky-Fotografie stellt hingegen erhebliche Anforderungen an das Equipment, und da zuallererst an die Montierung. Während der langen Belichtungszeit dreht sich die Erde spürbar und man muß das Teleskop kontinuierlich dem Himmel nachführen. Man braucht eine stabile Montierung, die vor allem eine parallaktische (=equatoriale) sein muß, also auf den Himmelspol ausgerichtet. Eine azimutale Montierung, wie man sie unter vielen kleinen Goto-Teleskopen findet, taugt nicht. Will man durch das Teleskop fotografieren, braucht man ausserdem eine motorisierte Montierung, und zwar in beiden Achsen motorisiert. Und man braucht ein Leitfernrohr, in dem man mit einem Fadenkreuz-Okular kontrolliert, ob die Montierung wirklich dem Himmel folgt.
Da diese ganze Technik schwer zu beherrschen ist, sollte man den Einstieg aber eben nicht mit der Fotografie durch das Teleskop machen. Vielmehr sollte man die Kamera mit einem 50mm oder 135mm Objektiv huckepack auf das Teleskop schnallen, und das Teleskop als Leitfernrohr verwenden.
Genug davon. Wie Du siehst, gibt es doch erhebliche Anforderungen, die meistens mit dem Budget für ein Einsteigerfernrohr schlecht zu realisieren sind. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt der "Volleinstieg" in Deepsky-Fotografie geplant ist, würde eh komplett neu gekauft.
Wenn Du mit einem Tele-Objektiv, wie beschrieben, den Einstieg in Deepsky-Fotografie wagen willst, dann müsste als Montierung eher eine EQ-3 oder eine Skyview her. Damit geht dann schon was, unter Umständen auch per Handnachführung.
Planetenfotografie kannst Du aber auf jeden Fall machen.
Die ins Spiel gebrachten Teleskope kann man durchaus mal diskutieren. Der 130/900 hat wohl tatsächlich nur einen sogenannten Kugelspiegel, der hinter einem ordentlich geschliffenen Parabolspiegel des 130/600 zurückstehen müsste. Der 130/600 ist allerdings wegen seiner recht kurzen Brennweite ein ausgesprochenes Deepsky-Gerät. Wenn es eine bessere Planetenleistung als das 130/900 bringen sollte, dann wird dies teure Okulare erfordern, denn das f/4,5-Teleskop erfordert sehr kurze Okularbrennweiten, um für Planeten angenehme Vergrößerungen zu erzielen.
Zudem hat der 130/600 ja (wie abgebildet) eine azimutale Montierung, allerdings mit Goto (wer's mag).
Allerdings, der 130/600 zeigt Dir dafür wesentlich schönere Bilder von Deepsky-Objekten, weil Du mit diesem Gerät bei schwacher Vergrößerung einen viel grösseren Himmelsausschnitt sehen kannst (1,5-facher Durchmesser, 2,25-fache Fläche). Dies kann sehr reizvoll sein, und zwar besonders unter einem dunklen Landhimmel.
Ich selbst würde als Deepsky-Freund wohl eher den 130/600 wählen, aber auf einer EQ-3 oder Skyview und nicht auf der azimutalen Goto-Montierung. Und wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, dann würde ich auf einen 150/750 Newton sparen.
Als Planetenfreund hingegen würde ich mal einen Preisvergleich zum 150/1200 Dobson machen, der zeigt am Planeten deutlich mehr und hat auch bei Deepsky seine Vorteile - nur geht Deepsky-Fotografie mit diesem Gerät dann eher schlecht.
Tja, ist schon wieder ziemlich lang geworden. Ansonsten schau mal in die Einsteiger-Ecke meiner
Homepage.
Clear Skies
Sven