26. Woche - Messier 94, eine Galaxie in der Nachbarschaft | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

26. Woche - Messier 94, eine Galaxie in der Nachbarschaft

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Heute zeigen wir die Galaxie Messier 94 (NGC 4736) im Sternbild Jagdhunde. Bildautor ist Karsten Möller, Mitglied der Fachgruppe Astrofotografie. Ihm gelang am 20. und 21. Januar 2020 am Aufnahmeort Lauterbach im Vogelsberg diese tiefe Aufnahme. Dazu schreibt er: "Ich wollte schon lange diese schöne Galaxie fotografieren und war nicht sicher, ob mit meiner DSLR der Ring sichtbar wird. Bei einem SQM-Wert von 21,3 mag pro Quadratbogensekunde im Zenit scheint das möglich zu sein." Mit einem Skywatcher ED80 80 mm/510 mm und einer Canon EOS 400 Da belichtete er 52 x 600 s und 10 x 120 s für den Kern bei ISO 800 - zusammen also 9 Stunden bei Blende 6,4. Das ist schon recht ordentlich. Die Bildbearbeitung erfolgte in PixInsight und Affinity Foto zur Einbettung des Kerns in das Zentrum von M 94. Zur Bildorientierung: Norden liegt auf etwa 10:30 Uhr, das Bildfeld umfasst mit 135,8' x 86,5' einen recht großen Aufnahmewinkel. Die verwendete Montierung war eine NEQ6 mit Sucherguiding.

M 94 ist visuell 8,24 mag hell und hat einen im Mittel weißgelblichen Farbton, der hier im AdW auch gut getroffen wird. Im Jahre 2003 konnten I. Karachentsev et al. mit dem Weltraumteleskop Hubble die Entfernung von M 94 bestimmen. Anhand von fotometrischen Vermessungen der hellsten Roten Riesensterne ergab sich eine Distanz von 4,66 Mpc (ca. 15 Millonen Lj). M 94 ist demnach nur etwa 35% weiter weg als die bekannte Spiralgalaxie M 81 im Großen Bären und zählt damit zu den näheren Nachbarn der Milchstraße.

M 94 ist eine bemerkenswerte Spiralgalaxie. Sie hat einen aktiven Kern und wird gern als LINER-Typ geführt. Diese Abkürzung für „low inonisation nuclear emission region“ bedeutet, dass es in ihrem Kerngebiet Emissionen niedriger Ionisation gibt. Wenn man sich das Kerngebiet näher anschaut (dazu bitte das Original herunterladen, siehe weiter unten hinter diesem Artikel), entdeckt man unmittelbar um den Kern herum einige blaue Sternentstehungsgebiete, die sich spiralförmig anordnen. Dieses Gebiet misst etwa 2'.

Bereits 1989 zeigte eine tiefe Hα-Aufnahme von R.W. Pogge, gewonnen am 1-m-Teleskop des Lick Observatory, dass dieses Ringgebiet aus vielen aneinandergereihten H II-Regionen besteht. Woher bekommt diese Zone das für die Sternbikldung nötige Gas? T. Wong und L. Blitz wiesen im Jahre 2000 nach, dass der Ring mit einer Häufung von molekularem Kohlenmonoxid deckungsgleich ist. 1995 hatte R. Braun gezeigt, dass auch neutraler Wasserstoff in diesem Ring vorkommt. Diese Gase strömen von außen in die Ringregion und „füttern“ die Sternentstehung.

Es folgt eine leicht dunklere Zone, an die sich ein weiterer überdurchschnittlich heller ringförmiger Scheibenbereich von 7,1´ Durchmesser anschließt. In ihm bemerkt man zarte Spiralarme. Die repräsentieren das übliche Bild, wie sich M 94 auf kurzbelichteten Aufnahmen zeigt. Das aktuelle AdW jedoch ist recht tief und zeigt nachfolgend einen dunklen Ring, an den sich ein breiter, lichtschwacher ringförmiger Gürtel aus sehr diffusen Spiralarmen anschließt. Dieser Außenring bestimmt die Galaxienausdehnung - hier im AdW vermessen - mit 21' Durchmesser. Damit kommt M 94 auf einen wahren Durchmesser von 92.000 Lichtjahren. Schaut man kritisch hin, so könnte man den Beginn einer zarten äußeren Balkenstruktur in Erwägung ziehen.

Was ist allgemein zum Galaxiendurchmesser zu sagen? Die Angaben in der Literatur sind völlig verschieden. Das darf auch nicht verwundern, denn der sehr lichtschwache äußere Ring ist das Detail, welches den Durchmesser von M 94 festlegt. Und je nach erreichter Tiefe der jeweiligen Aufnahmen fällt der messbare Durchmesser stets anders aus. Die NASA Extragalactic Database gibt optisch 11,2´ x 9,1´ an, die GALEX-Messungen besagen 13,9´ x 11,3´. Eine kontrastverstärkte invertierte Version unseres heutigen Bildes (hier klicken) ergibt eindeutig 21´ bis in die lichtschwächsten Außenpartien. Ich kann immer nur wiederholen: Die Betreiber der Datenbanken haben nicht im Sinn, immer die aktuellsten Messwerte parat zu haben. Es geht ihnen darum, die Ergebnisse wissenschaftlicher Publikation zu zeigen. Solange sich also niemand aus dem Profi-Bereich daran begibt, den neuen, größeren Durchmesser von Galaxien aus Amateurhand zu veröffentlichen, wird in Simbad und in der NASA Extragalactic Database nichts Neues aufgenommen und erscheinen.

Anmerkungen: Das Klickbild ist natürlich schonungslos offen! Und so bemerkt man horizontal im Bild ungleichmäßige Streifen. Nun könnte man sagen: "Dann eben die Bildhelligkeit entsprechend moderat dunkel wählen." Nein - damit sind die Fehler ja nicht behoben. Hier möchte ich dem Bildautor noch einmal ganz zart eine saubere Kalibrierung (insbesondere Flatfield) nahelegen. Denn das Bild täuscht auch oben rechts nicht vorhandene Nebel vor, und galaktischer Zirrus ist hier nicht sicher zu identifizieren. Davon ab danken wir dem Bildautor herzlich für das aussagekräftige Bild und gratulieren zum Astrofoto der Woche!



Peter Riepe
Bildautor: Karsten Möller



Koordinaten (J2000) von M 94:
RA = 12 h 50 min 53 s, DE = +41° 07' 13''


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/neuigkeiten/26-woche-messier-94-eine-galaxie-in-der-nachbarschaft/


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Optikus

Mitglied
Moin,

und mit einer 400D(a) aufgenommen, Chapeau. Das zeigt dass auch mit nicht allerneuster Technik - auch wenn hier die EBV nicht 100% gelungen ist - sehr gute Aufnahmen mit Aussagekraft erzeugt werden können.

CS
Jörg
 

Quasaro

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Moin,

und mit einer 400D(a) aufgenommen, Chapeau. Das zeigt dass auch mit nicht allerneuster Technik - auch wenn hier die EBV nicht 100% gelungen ist - sehr gute Aufnahmen mit Aussagekraft erzeugt werden können.

CS
Jörg
Hallo Jörg,

warum auch nicht ? Meine Canon 1100 Da z. B. beinhaltet auch nicht mehr die allerneueste Technik, macht aber immer noch gute aussagekräftige Bilder und funktioniert zudem einwandfrei. Dabei ist sie rauschärmer als die Vorgängerin 1000 D und wurde deshalb selbst in astrofotografischen Zirkeln gelobt. Ich bin immer noch zufrieden mit meinen beiden Canons (1100 Da und 700 Da), wobei ich auch nicht den Ehrgeiz habe, astrofotografisches Spitzenniveau à la Frank Sackenheim oder Tommy Nawratil erreichen zu wollen, wäre mir schlichtweg zu aufwändig (auch zeitlich) und kostenträchtig.

Gruß
Stefan
 

Quasaro

Mitglied
Hallo Jörg,

vgl. z. B. hier: M16 aus Lüneburger Heide, der Bildautor hatte eine EOS 1100 Da verwendet, wobei man natürlich nicht den technischen Fortschritt seit jener Zeit unberücksichtigt lassen kann, aber trotzdem...

Gruß
Stefan
 
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