JulianZ89
Aktives Mitglied
Hallo zusammen,
als ich vor knapp 15 Jahren als Schüler meine ersten Versuche in der Astrofotografie gemacht habe, war das Geld knapp und ich hatte für viele Jahre nur eine ausgemusterte, nicht astromodifizierte Nikon D40. Mit einer wackeligen Montierung und einem alten Refraktor der nahen gelegenen Sternwarte waren die Bilder alles andere als perfekt, ich war jedoch zufrieden und habe immer versucht, das Beste aus dem Equipment herauszuholen. Bis ich dann nach dem Studium das erste Mal Geld verdient habe, vergingen einige Jahre. Was ich hier gelernt habe, war, dass man für die Astrofotografie nicht immer zwingend das teuerste Equipment benötigt, um schöne Bilder zu machen: es ist einfach nur etwas aufwendiger und „weniger gemütlich“. Natürlich hilft es auch sehr bei der EBV, zunächst mit sehr schlechten Daten anzufangen.
Wie viele andere wünschte ich mir die ganze Zeit eine eigene Sternwarte. Jetzt 15 Jahre später sollte es so weit sein. Grund ist, dass ich zum einen immer weniger Zeit habe, zum anderen die Projekte und die Belichtungszeiten immer größer werden. Jedes Mal aufs Neue aufzubauen wird irgendwann doch etwas lästig
. Obwohl ich mittlerweile natürlich seit einigen Jahren arbeite, habe ich mich gefragt: muss es wirklich ein Bausatz der geläufigen Shops für mehrere Tausend Euro sein, oder geht es nicht auch günstiger? Ausschlaggebend war außerdem, dass ich zur Miete wohne und die Sternwarte in einigen Jahren wieder umgebaut/abgerissen werden muss. Die „richtige Sternwarte“ soll erst kommen, wenn wir uns irgendwo niederlassen und bauen. Hinzu kommen die Einwände meiner Frau, die über meine Ausgaben für das Hobby immer weniger erfreut ist
.
So kam ich zu dem Entschluss, eine Sternwarte für max. 300€ zu bauen. Die Schritte wollte ich hier präsentieren und hoffe, dass der ein oder andere junge Astrofotograf es eventuell zum Anlass nimmt, nicht so lange auf den Bau zu warten wie ich.
Spatenstich. Als Grundlage sollte ein Plattenfundament dienen. Zunächst habe ich ein knapp 2.5x2.5m großes Loch ausgehoben. Die Tiefe lag final bei knapp 40cm.
Die Randsteine und Kies gab es günstig und im Angebot vom Bauhaus, die Terassenplatten konnte ich (fast) kostenlos über Ebay-Kleinanzeigen erwerben.
Als Grundlage für den Bau sollte eine Gartenhütte dienen, welche ich ebenfalls über Ebay für 70€ ersteigern konnte. Diese bestand aus 3 Elementen, wobei ich lediglich 2 dieser nutzen wollte, da 2x2m für meine Montierung genug Platz bieten würden. Hinzuzufügen ist, dass ich die Sternwarte lediglich als „Remote Sternwarte“ im Garten nutzen wollte, und kein extra Raum für Beobachtungen oder ähnliches brauchte. Für die visuelle Beobachtungen nutze ich einen 14“ Dobson, welcher an einer anderen Stelle steht bzw. der transportabel ist.
Das eigentliche schräge Dach habe ich auseinander gesägt, um daraus ein Flachdach zu bauen (natürlich mit leichter Neigung).
Verstärkt wurde die Hütte mit Balken aus dem Bauhaus. Zwei 3m Balken sollten als Grundgerüst für das Schiebedach dienen, wobei ich auf der einen Seite eine Schiene mit passenden Rädern benutzte und auf der anderen Seite reguläre Rollen, sodass etwas Spiel ein Herausspringen aus der Schiene verhindert. Gestützt wurden diese wie auf den Bildern ersichtlich durch weitere im Boden eingelassene Balken.
Von der Wohnung aus wurde ein Erdkabel verlegt. Die Elektronik in der Hütte war glücklicherweise schon vorhanden (2 Lampen und eine Steckerleiste; erweitert durch mich um eine Reihenschaltung und einer roten Glühbirne).
Ich hatte lange überlegt, ob ich mich eine Säule zulegen sollte; alternativ eine Verlängerung für die EQ6. Die Montierung besitze ich zwar schon lange, hatte die Beine aber noch nie komplett ausgefahren. Und siehe da: das Stativ der EQ6 ist überraschend riesig; so groß sogar, dass die für die Sternwarte perfekte Höhe erreicht werden konnte.
Hier eini Bild der fertigstellten Sternwarte.
Für die Belüftung habe ich beidseits etwas Platz gelassen. Die Zwischendecke ist provisorisch und wird im Verlauf umgebaut; ggf. noch mit etwas Dämmstoff. Seit November kam es weder zu Feuchtigkeit noch Tau in der Sternwarte. Für den vollständigen Abschluss werde ich noch einen Motor für das Dach einbauen (mit Hilfe eines Toröffners). Ein Kollege schreibt hierfür aktuell ein Skript für die ASCOM-Integration.
Unten stehender Link führt zur ersten „First Light“ Aufnahme: dem Projekt entsprechend ein ganz klassischer, einfacher Orion/M42.
Link zum First Light: Link
Beste Grüße und CS
Julian
als ich vor knapp 15 Jahren als Schüler meine ersten Versuche in der Astrofotografie gemacht habe, war das Geld knapp und ich hatte für viele Jahre nur eine ausgemusterte, nicht astromodifizierte Nikon D40. Mit einer wackeligen Montierung und einem alten Refraktor der nahen gelegenen Sternwarte waren die Bilder alles andere als perfekt, ich war jedoch zufrieden und habe immer versucht, das Beste aus dem Equipment herauszuholen. Bis ich dann nach dem Studium das erste Mal Geld verdient habe, vergingen einige Jahre. Was ich hier gelernt habe, war, dass man für die Astrofotografie nicht immer zwingend das teuerste Equipment benötigt, um schöne Bilder zu machen: es ist einfach nur etwas aufwendiger und „weniger gemütlich“. Natürlich hilft es auch sehr bei der EBV, zunächst mit sehr schlechten Daten anzufangen.
Wie viele andere wünschte ich mir die ganze Zeit eine eigene Sternwarte. Jetzt 15 Jahre später sollte es so weit sein. Grund ist, dass ich zum einen immer weniger Zeit habe, zum anderen die Projekte und die Belichtungszeiten immer größer werden. Jedes Mal aufs Neue aufzubauen wird irgendwann doch etwas lästig
. Obwohl ich mittlerweile natürlich seit einigen Jahren arbeite, habe ich mich gefragt: muss es wirklich ein Bausatz der geläufigen Shops für mehrere Tausend Euro sein, oder geht es nicht auch günstiger? Ausschlaggebend war außerdem, dass ich zur Miete wohne und die Sternwarte in einigen Jahren wieder umgebaut/abgerissen werden muss. Die „richtige Sternwarte“ soll erst kommen, wenn wir uns irgendwo niederlassen und bauen. Hinzu kommen die Einwände meiner Frau, die über meine Ausgaben für das Hobby immer weniger erfreut ist
.So kam ich zu dem Entschluss, eine Sternwarte für max. 300€ zu bauen. Die Schritte wollte ich hier präsentieren und hoffe, dass der ein oder andere junge Astrofotograf es eventuell zum Anlass nimmt, nicht so lange auf den Bau zu warten wie ich.
Spatenstich. Als Grundlage sollte ein Plattenfundament dienen. Zunächst habe ich ein knapp 2.5x2.5m großes Loch ausgehoben. Die Tiefe lag final bei knapp 40cm.
Die Randsteine und Kies gab es günstig und im Angebot vom Bauhaus, die Terassenplatten konnte ich (fast) kostenlos über Ebay-Kleinanzeigen erwerben.
Als Grundlage für den Bau sollte eine Gartenhütte dienen, welche ich ebenfalls über Ebay für 70€ ersteigern konnte. Diese bestand aus 3 Elementen, wobei ich lediglich 2 dieser nutzen wollte, da 2x2m für meine Montierung genug Platz bieten würden. Hinzuzufügen ist, dass ich die Sternwarte lediglich als „Remote Sternwarte“ im Garten nutzen wollte, und kein extra Raum für Beobachtungen oder ähnliches brauchte. Für die visuelle Beobachtungen nutze ich einen 14“ Dobson, welcher an einer anderen Stelle steht bzw. der transportabel ist.
Das eigentliche schräge Dach habe ich auseinander gesägt, um daraus ein Flachdach zu bauen (natürlich mit leichter Neigung).
Verstärkt wurde die Hütte mit Balken aus dem Bauhaus. Zwei 3m Balken sollten als Grundgerüst für das Schiebedach dienen, wobei ich auf der einen Seite eine Schiene mit passenden Rädern benutzte und auf der anderen Seite reguläre Rollen, sodass etwas Spiel ein Herausspringen aus der Schiene verhindert. Gestützt wurden diese wie auf den Bildern ersichtlich durch weitere im Boden eingelassene Balken.
Von der Wohnung aus wurde ein Erdkabel verlegt. Die Elektronik in der Hütte war glücklicherweise schon vorhanden (2 Lampen und eine Steckerleiste; erweitert durch mich um eine Reihenschaltung und einer roten Glühbirne).
Ich hatte lange überlegt, ob ich mich eine Säule zulegen sollte; alternativ eine Verlängerung für die EQ6. Die Montierung besitze ich zwar schon lange, hatte die Beine aber noch nie komplett ausgefahren. Und siehe da: das Stativ der EQ6 ist überraschend riesig; so groß sogar, dass die für die Sternwarte perfekte Höhe erreicht werden konnte.
Hier eini Bild der fertigstellten Sternwarte.
Für die Belüftung habe ich beidseits etwas Platz gelassen. Die Zwischendecke ist provisorisch und wird im Verlauf umgebaut; ggf. noch mit etwas Dämmstoff. Seit November kam es weder zu Feuchtigkeit noch Tau in der Sternwarte. Für den vollständigen Abschluss werde ich noch einen Motor für das Dach einbauen (mit Hilfe eines Toröffners). Ein Kollege schreibt hierfür aktuell ein Skript für die ASCOM-Integration.
Unten stehender Link führt zur ersten „First Light“ Aufnahme: dem Projekt entsprechend ein ganz klassischer, einfacher Orion/M42.

Link zum First Light: Link
Beste Grüße und CS
Julian