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31. Woche - Die Emissionsnebel M 8 und M 20, in Norddeutschland aufgenommen

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Der Lagunennebel Messier 8 und der Trifidnebel Messier 20 sind zwei der beliebtesten Objekte des Sommerhimmels. Jeder Besucher der Südhalbkugel ist begeistert, diese beiden Nebel im Teleskop zu sehen und dann bei exzellenten Bedingungen hoch im Zenit aufzunehmen. Doch das heutige AdW entstand in Norddeutschland – das ist kein Scherz! Fachgruppenmitglied Bruno Mattern nutzte die hervorragenden Bedingungen im Mai 2020, als der Flugverkehr ruhte und keine ausgestoßenen Kondensstreifen für verdreckende Kondensationskeime am Himmel sorgten. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai herrschten in der Lüneburger Heide südlich von Hamburg ideale Aufnahmebedingungen. Bruno setzte mehrere Optiken gleichzeitig auf einer Montierung ein. Eine davon war ein 200-mm-Objektiv 1:2,8 von Canon. Es war zur Steigerung der Abbildungsqualität abgeblendet auf 5,6 und kombiniert mit einer Canon EOS 60Da. Insgesamt kamen 1 h 42 min an Belichtungszeit zusammen, dabei betrugen die Einzelbelichtungszeiten 240 s. Die Bildbearbeitung geschah mit DSS, Fitswork und PS-CS6.

M 8 und M 20 sind Emissionsnebel. Sie senden Licht ganz bestimmter (diskreter) Emissionslinien aus. Für M 8 werden nach Robledo-Rella und Conti (1994) im sichtbaren Spektralbereich folgende Linien beobachtet: die drei hellsten Balmerlinien des ionisierten Wasserstoffs Hα (656,3 nm, rot), Hβ (486,1 nm, blau) und Hγ (434,0 nm, blauviolett), außerdem die türkisen Linien des zweifach ionisierten Sauerstoffs [OIII] bei 495,9 nm und 500,7 nm, dazu der einfach ionisierte Sauerstoff [OI] bei 557,7 nm (grün) und 630,1 nm (rot). Ferner: die hellere Linie des ionisierten Stickstoffs [NII] bei 658,4 nm (rot, direkt neben Hα) und die beiden Linien des ionisierten Schwefels bei 671,6 und 673,1 nm (beide dunkelrot). Die Farbgebung eines Emissionsnebels ist also nicht schlichtweg rot wegen Hα, sondern vielfältig farbig überlagert.

M 8 steht etwa 4° nördlich der hellsten Milchstraßenwolken des Sternbilds Schütze. Folglich bleibt das Objekt für die Lüneburger Heide (53° 10' nördl. Breite) immer sehr horizontnah und kommt in Kulmination gerade einmal 13° über den Horizont, der Trifidnebel M 20 steht dann rund 1° höher. Die scheinbare Ausdehnung von M 8 beträgt 90' x 35'. Seine Entfernung erreicht laut Wikipedia rund 4300 Lj (Bezug: Michael Feiler, Philip Noack, Deep Sky Reiseatlas, Oculum-Verlag), so dass wir seine wahre Größe auf etwa 110 Lj berechnen können. Das ist mehr als doppelt so groß wie der Orionnebel. Angeregt wird M 8 durch zahlreiche junge und heiße OB-Sterne. Überwiegend stecken sie in dem offenen Sternhaufen NGC 6530, der zentral in Messier 8 liegt. Der leuchtkräftigste Stern dieses Haufens ist der O4-Hauptreihenstern HD 164794 mit V = 5,97 mag.

M 20 ist laut Wikipedia (Quelle wie oben) erstaunlicherweise nur 2700 Lj entfernt. Bei einem scheinbaren Durchmesser von 28' bedeutet das einen wesentlich kleineren echten Durchmesser von nur 22 Lj. In M 20 ist der 6,8 mag helle O7-Stern HD 164492 für die Anregung und Emission verantwortlich. Direkt nördlich an den rot leuchtenden Bereich von M 20 schließt sich ein blau leuchtender Reflexionsanteil an. Der helle zentrale Stern, ein 7,4 mag helle A7-Überriese, erzeugt nicht genügend UV-Energie, um auch diesen Nebelteil zur Hα-Emission bringen zu können.

56 Bogenminuten südöstlich von Messier 8 bemerkt man eine unsymmetrische Anhäufung kräftig gelber Sterne. Hier steckt NGC 6544, ein nur wenig bekannter Kugelsternhaufen des inneren galaktischen Halos. Der Farbindex B-V = 1,46 mag beweist, dass er orange ist, wie es das AdW auch gut wiedergibt. Diese deutliche „Rötung“ liegt am interstellaren Staub, der in Richtung zum galaktischen Zentrum sehr dicht wird. Der Kugelhaufen ist relativ nahe (Alcaino 1983: 9400 Lj, Harris 2003; 8800 Lj). Er ist sehr klein und erreicht lediglich Durchmesserwerte um 10 Lichtjahre. Hier sind die Roten Riesen – also die hellsten Haufensterne des Haufens – stark um das Zentrum verstreut. Das mag ein Hinweis auf bereits stattgefundene Auflösungserscheinungen sein.

Östlich von M 8 zeigen sich in einem Dunkelnebelgebiet einige rot leuchtende kleinere HII-Regionen. Offensichtlich – so legt das AdW den Bildeindruck nahe – stecken diese HII-Regionen im Staub der Dunkelwolken. Dichte Dunkelpartien liegen bei den Pixelkoordinaten (1320/1760). Dazu das Originalbild herunterladen (siehe unten. Bei den roten Nebeln handelt es sich u.a. um IC 1275 bei (1350/1870) sowie IC 4685 (1489/2018). An den letztgenannten Nebel schließt sich östlich NGC 6559 an.

Wir bedanken uns für dieses speziell für Norddeutschland gut gelungene weitwinkelige Bild und gratulieren Bruno Mattern herzlich zum Astrofoto der Woche!



Peter Riepe
Bildautor: Bruno Mattern



Koordinaten (J2000) der Bildmitte:
RA = 18 h 03 min 12 s, DE = -23° 37' 17''


Vollbild unter: https://www.astronomie.de/neuigkeit...-m-8-und-m-20-in-norddeutschland-aufgenommen/

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