Hallo zusammen,
nun wird es also zur Glaubensfrage erhoben, wo man doch so schön wissen könnte.
Hmm, Coltrane, ich glaube Dir Deine Beobachtung. Wie käme ich dazu, Dir nicht zu glauben?
Deinen Schlüssen und Begründungen will ich aber mal in der Folge auf den Grund gehen.
Nun gut, Armin meint, das alles sei in einem Einsteigerthread zu einem 6-Zöller und der Wahl zwischen 4,3 mm und 4 mm Brennweite belanglos und damit hat er vollkommen Recht, aber hier wurde mit starken Worten um Sinn und Unsinn gestritten, die Komponenten von Epsylon Lyr sollen bei 400fach das Maß der Dinge zum Beweis von Teleskopqualität und Seeingresistenz sein.
Auf die angemeldeten Einwände folgt die Glaubensfrage.
Ich denke, nun muss der Einsteiger da durch, denn erhellend ist der zur Unterstütung eingeflochtene Link in vielerlei Hinsicht, nur das beweist er nun eben gerade nicht. Auch fällt auf, dass die Beobachtung zur Glaubensfrage von einem flackernden Lichtklecks gegen einen ruhigen Stern stellt.
Also gut, wir gehen raus und sehen schon mit bloßem Auge Wega in der Leier flackern. Das ist einer der helleren Klunker, etwa 0 Mag, es flackern noch mehr von den hellsten Sternen, aber in der Leier sonst keiner. Wega steht immer recht hoch und wenn sie flackert ist das Seeing nicht so dolle. Holen wir sie uns ins Teleskop, kann sie wenn es richtig schlecht wird, tatächlich in Speckles zerlegt sein und tanzen.
Gehen wir nun mit gleicher Vergrößerung zu den anderen Sternen in der Nähe, so sind sie alle deutlich lichtschwächer und wir werden finden, dass die helleren Kandidaten zwar immer noch in Lichtausbrüchen tanzen, aber schon viel weniger deformiert sind. Zu den ganz schwachen Sternen hin wird das immer weniger und ruhiger und wir können die Vergrößerung steigern.
Haben wir besseres Seeing werden ganz kleine Sterne, wie z.B. die 4 Komponenten des ganannten Sterns Vergrößerungen im Rahmen des Auflösungsvermögens des Teleskops ruhig betrachten können und selbstverständlich weit darüber hinaus, bei 0,5 mm und von mir aus auch 0,2 mm AP. Die aufgeblähten, zusätzlich vergrößerten Beugungsscheibchen verteilen das Licht locker innerhalb ihrer Grenzen, sehen aufgrund des immer größer werdenen Durchmessers auf den das vorhandene Licht ja verteilt werden muss, auch immer blasser und nichtssagender aus.
Die Aussagekraft dieser Fladen für Teleskopqualität ist Null, die Aussage fürs Seeing ist, dass es passt.
Interessant sind bei solchen Gelegenheiten die helleren Sterne, z.B. wird schon sehr lange und immer wieder Polaris in Übervergrößerung zwecks Justage am Stern und zur Beurteilung der Teleskopqualität herangezuogen.
Bleiben wir beim 8-Zöller, so wird dafür Übervergrößerung, mindestens 0,5 mm AP und ....ach....400fach angeraten.
Ja wie denn das?
Nun, er bleibt ziemlich auf der Stelle stehen, bleibt also auch ohne Nachführung im Bildfeld und hat mit rund 2 Mag die richtige Helligkeit.
Zum Einen hat man im Fokus mindestens mal Chance und Licht für das Beugungsscheibchen und den ersten Beugungsring wenn das Seeing passt und daran lässt sich z.B. der Justagezustand erkennen und bei Bedarf verbessern, aber auch Fehler der Optik.
Im leichten Defokus sieht man dann auch richtig "Leben" in der Scheibe und nicht nur einen leeren, nichtssagenden Fladen. Man sieht ein Interferenzmuster/-Ringe und auch die kann man interpretieren (wenn man kann, ich kann es nicht gut), denn da stecken alle Fehler einer Optik gnadenlos drin.
Allerdings sieht man diese Muster mit JEDEM 8-Zöller sehr selten so ruhig, dass eine 100prozentige Diagnose möglich ist. Diese leicht defokussierte Scheibe muss nicht springen und tanzen. Wenn sie das tut versucht man es erst gar nicht. Auch wenn sie quasi auf der Stelle steht, sich aber deformiert (das sind im Fokus wechselnde, kleine Lichtsausbrüche) hat man schlechte Chancen . Selbst wenn es nur in der Scheibe flirrt und wabert, hat man es noch schwer genug. Ab und zu gelingt es aber eben doch, einen 8-Zöller bei 400fach zu beurteilen, so schreibt es die Fachwelt immer wieder und so tut es der Sternfreund auch.
Oder halt, viele taten es und waren es leid. Heute findet der Qualitätstest im Keller statt, Interferrometrie ist das Zauberwort und immer mehr von uns nutzen diese technische Möglichkeit, weil sie nochmals genauer ist, besser zu interpretieren und völlig unabhängig von Wetter und Seeing.
Wenn man schon beim 8-Zöller mehrere Anläufe für einen stimmigen/aussagekräftigen Test bei 400fach braucht, was wird das bei 12, 16, 20" werden.
Wie gut, dass wir ja an Mond, Saturn und Jupiter oder auch am Kugelsternhaufen bei V=1 x D Öffnung schon alle Details aufgelöst im Bild haben.
Das geht vom Seeing her deutlich öfter als ein Sterntest aber eben längst nicht immer.
Wenn nun ein deutlich kleineres Teleskop springende Sternscheibchen unter gleichen Voraussetzungen zeigt unter denen das größere Teleskop ein ruhiges Bild bietet, ist das ein Alarmsignal.
Der Tubus kocht, der Spiegel ist nicht temperaturangepasst und das das von mir bereits früher genannte Fünkchen Wahrheit an der Seeinganfälligkeit schlechter Teleskope könnte hinzu kommen.
Es wird so viel mehr Licht aus dem Scheibchen in die Beugungsringe gedrückt, dass z.B. der erste Beugungsring im Seeing mit dem Scheibchen verschmiert.
Das ist unschön, bedeutet aber nun nicht, dass jeder, der zwei Mal an Jupiter mit 200fach nicht recht zufrieden war, ein schlechtes Teleskop hat.
Ich wette, das gleiche Teleskop kann in den allermeisten Fällen auch...oder sollte ich sagen...trotzdem
"den Vierfachstern in der Leier als 4 einwandfreie Beugungsscheibchen."
Fall 1:
Mit einem 8" Newton Teleskop, welches mir die ersten zwei Beobachtungsnächte die Cassiniteilung der Saturnringe verwehrte habe ich die genialsen Beobachtungen gemacht die man mit einem 8-Zöller nur machen kann und inzwischen hat ein anderer Besitzer sich damit als absoluter Grenzgänger für Öffnung und Auflösung erwiesen.
- Es bildet gut beugungsbegrenzt ab (nicht mehr aber auch nicht weniger).
- Es ist jederzeit thermisch beherrschbar (Isotubus/Lüftung)
- Es ist visuell optimiert (kleiner FS, niedriger OAZ, gute Ausleuchtung)
- es wurde und wird im Rahmen der Möglichkeiten, also der Beugungsgrenze der Öffnung verwendet
Das reicht.
Fall 2:
Ich habe einen sehr guten, erwiesener Maßen sehr guten 6" f/6 Newton. Nicht nur hoher Spiegelstrehl, sondern das Teleskop ist so gut gebaut, dass es den auch ans Okular und ans Auge bringt.
Ich habe noch keinen der Wald- und Wiesen 8-Zöller die öfter Mal drumherum stehen, damit ausstechen können.
Nicht am Mond, nicht am Planeten, nicht am KS oder PN.
Nicht bei schlechtem, nicht bei gutem, nicht bei hervorragendem Seeing.
Gruß
*entfernt*
Edit;
Ach ich muss nochmal was aus diesem tollen PDF über die Mythen bringen. Copy/Paste:
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Dieser Obstruktionsfetischismus wird teilweise soweit getrieben, dass nicht einmal mehr "normale" Plösslokulare hinreichend ausgeleuchtet werden. Das Rohr taugt dann einzig und alleine zum Beobachten der Planeten und heller Doppelsterne, ansonsten
für nichts anderes. Das ist IMHO sehr schade, da hier nur ein vermeintliches Übel bekämpft wird und die gute Optik nicht
ausgereitzt werden kann.-----
Dat ist ja soooo schön erhellend. :respekt:
Da sind ja die Selbstbauer mit gemeint und nicht die Hersteller, die uns z.B. 130er Newtons 43er FS und Verlängerungshülse zum 71 mm hohen OAZ verkaufen die dann nachgemessen NULL, also 0° zu 100% ausgeleuchtetes Feld liefern.
Das gibts auch in Größer schon lange,
Aber dat hamse nich jemerkt. :totlach2:
Wer es nicht glaubt:
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/1242690/8/Guter_visueller_Newton!